Nichtzuordnungen in der Table héraldique behoben

In seiner Table héraldique versuchte Dr. Loutsch anzugeben, in welchen Wappen welche Figuren zu finden seien. Die Table héraldique ist so etwas wie ein vereinfachter Renesse, dessen Ansatz zur Kategorisierung der Wappen viele viel zu kompliziert fanden, um damit unbekannte Wappen alleine anhand der Figuren die in ihnen vorkommen zu bestimmen. Ich hatte schon vor Jahren die Tafel eingescannt und online gesetzt und dann einen PHP Funktion geschrieben, welche die Wappen in der Liste nachschlagen sollte. Viele konnten nicht gefunden werden, weil Loutsch unterschiedliche Schreibweisen wählte:

  • Oft waren es die Umlaute im Namen (é, ê, è, etc.) die er in der Table héraldique (TH) benutzt, in der Wappensammlung dagegen nicht,
  • mal gibt er den Namen nicht vollständig (z.B. nur Plick statt Plick de Lichtenberg),
  • dann verwendet er wieder leicht andere Schreibweisen. Oft hadert er mit Rufnamen, etc.

Jetzt habe ich die Liste so überarbeitet dass ich bis auf 4 Einträge für alle dort angegebenen Wappen ihre Entsprechung gefunden habe. Die vier einfach nicht zu zu ordnenden Wappen sind:

Name auf Seite enthält angeblich
Brouchausen 842 Bande
Eysenbruch 848 Chevron accompagné de trèfles
Adewilre 859 Fasce vivrée
Leroy 867 Partis divers;coupé, losanges et frette

So richtig falsche Zuordnungen habe ich bis jetzt noch keine gefunden, ausser dass er das Wappen Lissingen-Jegen angibt unter die Wappen mit “trois écussons” einreiht, das ist aber nur für die Familie Jegen tout court zutreffen. An einer Stelle enthält seine Table héraldique noch die Zuordnung der Familie La Haye zu jenen die drei Leopardenköpfe führten, im Buch deckt er diese falsche Zuordnung durch ältere Heraldiker dagegen auf.

Hier meine Liste der “gefundenen Fehler”. Sie enthält nicht diejenigen, wo nur der Rufname fehlte (z.B. nur “Hack” statt “Hack de Lissingen”):

auf Seite in der Table héraldique Im Buch
844 Celle Celles
844 Villenfaigne Villenfagne
844 Dudelsdorf Dudeldorf
844 Thonne-le-Thil Thone-le-Thil
844 Scharfbillig Scharffbillig
845 Foulon Foullon
845 Lissingen-Jegen Lissingen
846 Hewerdingen Heverdingen
849 Schalle von Belle Schall von Bell
849 Heus Heys
847 Bongard Bongart
847 Encherin Enscherin, parfois d’Enschringen, ou même d’Ancherin
867 Merfeld Merfeldt
850 Escanevelle Escannevelle
850 Laudolf Laudolff de Bitbourg
851 Hinselin Hinslin
851 Landscron Landskron
851 Boetzeler Boetzelaer
851 Burlaeus Burleus
852 Leclercq Le Clercq
852 Mohr de Waldt Mohr de Wald d’Autel
855 Lemède Lemèd
854 Frêne du Fresne1
854 Oyenbrugghe Oyenbrugge de Duras
853 Blanchart Blanchard
869 Marschalk Marschal
856 Filier Filliers
859 Luz Lutz
862 La Falaise La Fallaise
857 Endelsdorp Endelsdorf
857 Gomery Gommery – variante (douteuse)
857 Callenbach Caldenbach, ou Kaldenbach
859 Jemetz Jametz, ou Jamez
859 Lagrange La Grange, dit Durendal
857 Martimpré Martimprey
857 La Roche Laroche
857 Burange Buringen
857 Croef Croeff
858 Hupperdingen Hupperding
860 Hollenfels Hollenfeltz
860 Birtringen Bertrange ou Birtrange
860 Holinger Hollinger
861 Puttkamer Puttkammer
862 Hamerschmidt Hamerschmiedt
863 Junckerait Junkerode, ou Junkerait
863 Montjoye Montjoie
863 Macawly Magawly, baron de Cabry
863 Carpfen Carpffen
863 Barbançon Barbanson – Villemont
864 Walleran Wallerand
864 Lutzerodt Lutzeraet, ou Lutzerode
864 Froelich Froehlich
865 Conteren Contern
865 Mohonval Monhoval
865 Vickrange Vicrange, ou Wickrange
865 Mohr de Longwich Mohr, ou Mohr de Longvigh
865 Sarrasin Sarrazin
865 Cobe Cob, ou Kobe de Bitbourg
865 Richtpad Richtpadt
866 Roucels Roucelz
866 Schwarzenberg Schwartzenberg
867 Merfeld Merfeldt
867 Scharflutzel Scharflutzels de Kerpen
867 Blâmont Blamont (en allemand Blankenberg)
868 Maizières Maisières
868 Mayère Mayere ou de Meer
847 Breustorf Breustorp (Breisdorf?)
855 Elevémont Élevémont, ou Délevémont

Was gibt es noch zu tun, bevor ich vermelden werde, dass ich eine weitere meiner selber gestellten Aufgaben bis Ende 2013 (haha) erledigt hätte?

  • Es müssten nun noch die Namen überprüft werden, von denen es mehrere Träger gibt, hier können noch Fehler vorhanden sein, auch wenn ich bereits jetzt versucht habe, die meisten zu finden.
  • An mehreren Stellen gab er an, dass mehrere Familien dieses Namens solch eine Figur in ihrem Wappen führten. Für seine Papierversion war es OK einfach den Namen zu nennen, im Netz erwartet der Leser Links!

Danach werde ich seine Liste “anektieren”, und die Schreibwese vereinheitlichen. Möglicherweise werde ich auch Wappen einreihen, die im Loutsch nicht vorkommen, aber gut unter die Definition fallen (Etwa jene der Zeitgenossen, die ihre Wappen erst nach 1974 schufen oder nach Luxemburg zogen).
Halten wir noch kurz den Stand der Bearbeitung fest; in der table héraldique sind heute:

  • Eintraege:3023
  • Links von Hand vorgegeben:583
  • Links berechnet:2436
  • keine Zuordnung gefunden:4
  1. im Französischen ersetzt das ^ zwar in der Tat ein “s” []

Gouverneure des Sonnenkönigs

Bei der Nachbearbeitung der Liste der Wappen der Gouverneure Luxemburgs konnte ich nun, nach der spanischen Epoche, auch jene der ersten französischen “Fremdherrschaft” abschliessen. Am schwierigsten war natürlich das Wappen des Eroberers von 1684, des marquis CRÉQUY, einfach weil es so viele Felder hat. Dabei fiel mir auch mal wieder ein Fehler im Armorial Loutsch auf: Auf seiner Zeichnung sind in Feld 8 (“unten links”), Leoparden statt leopardisierte (=schreitende) Löwen zu sehen.

Der Marquis entstammte einer langen Reihe bedeutender Feldherren Frankreichs und ist meines Wissens ausser Philipp dem Guten der einzige der jemals die Festung Luxemburg eingenommen hat, was sicherlich eine großartige militärische Leistung war.

Kriegerisch begann also die erste französische Epoche, denn Ludwig XIV wollte den Spaniern unbedingt ihre Niederlande (=die meisten Gebiete der heutigen Staaten Belgien und Luxemburg) entreissen und konnte auch beträchtliche Teile davon auch definitiv annektieren. Zur Rechtfertigung ersannen er und seine Berater die sogenannte Reunionspolitik1. Erst auf einem späteren Friedensschluss, nachdem der Versuch auch die Pfalz so zu reunieren gescheitert war, musste Louis XIV Luxemburg wieder rausrücken.

Die meisten anderen Wappen waren recht leicht zu zeichnen, hier drei ausgewählte:


Dr. Loutsch gibt als Quelle für die meisten von ihnen folgendem Werk an:
Meurgey – de Tupigny: Armorial de la Généralité de Paris, Mâcon 1965

Loutsch wertete die Zeit unter dem Sonnenkönig übrigens als günstig für Luxemburg, weil die von ihm gestellten Verwalter weitaus fähiger gewesen wären als jene der Spanier:

Le projet d’annexer le Luxembourg à la France était un vieux projet que Louis XIV ne fit que reprendre de ses prédécesseurs. Jamais la France n’avait accepté la mainmise par l’Empire sur la Lotharingie et il faut reconnaître que cette tutelle n’était pas non plus acceptée par les habitants de ces pays «lorrains». C’est bien la rais on pour laquelle Charles-Quint avait associé les Pays-Bas à l’Espagne et non pas à l’Empire. Mais l’administration espagnole s’étant rendue passablement impopulaire, il n’est pas étonnant que la France ait trouvé de nombreux adhérents au Luxembourg. La conquête du pays se fit progressivement, mais dès 1681 une administration française s’installa à Arlon, alors que la ville de Luxembourg ne capitula que le 4 juin 1684.
Si les destructions avaient été épouvantables, l’administration française se fit assez rapidement aimer par la rapidité des reconstructions, l’épanouissement du commerce et surtout le libéralisme du régime, comparé à celui des Espagnols. Il faut dire aussi que les gouverneurs furent presque des gens de grande qualité.

Ich kann es nicht beurteilen, ob diese Einschätzung nur Loutschs Frankophilie zuzuschreiben ist (er studierte immerhin in Paris), oder im Kern zutrifft, also auch von der Bevölkerung die Besetzung gutgeheissen wurde. Wenn ich mir hier die jüngst vom Nationalarchiv publizierten Erinnerungen des Echternacher Ordensmannes Oswald Keess durchlese, scheint das zumindest nicht von allen Zeitzeugen so gesehen worden zu sein.

Jedenfalls brachten die Franzosen des Louis XIV auch den Baumeister Vauban in die Stadt und der bauten die Festung dann uneinnehmbar aus. Ludwig muss sich wohl sehr sicher gewesen sein, dass er die Stadt auch würde behalten dürfen, wenn er soviel in sie investierte. Übrigens widmete die Zeitschrift “Ons Heemecht” ihre Oktobernummer von 1934 ganz der Einnahme der Stadt durch die Franzosen von 1684!

Loutsch nahm auch den Verwalter Jean-Baptiste de MAHIEU in seine Liste der Gouverneure auf, obwohl der gar kein Gouverneur war, sondern nur der Mann dahinter der die eigentliche Arbeit machte (bestätigte auch Keess). Da muss ich mich dann wohl dem Meister erneut anschliessen, voilà hier noch die beiden Varianten des Wappens Mahieu:

  1. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Reunionspolitik []

weiterer Fehler bei Pallant: unbekannte Quelle v.w.

Nicht nur bei der Variante des Wappens Pallant muss es einen Fehler geben, auch beim Wappen de Pallant selber scheint sich der Fehlerteufel eingeschlichen zu haben: Hier zählt Loutsch eine Quelle V.W. auf, die er in seiner Liste der Abkürzungen aber nicht führt. Da diese Stelle, nach meinem Erkenntnisstand aber die einzige Stelle im Corpus des A.L. ist, wo er diese Quelle erwähnt tippe ich auf einen Tippfehler und die Quelle wäre dann nicht V.W. sondern V.M.:

«Wappenbuch der Mosel» (Armorial de la Moselle), vers 1500, Archives de Vienne No 2936, copié par M. Paul Adam, recopié chez lui en 1958.

Unglücklicherweise dürfte gerade diese Quelle für mich wohl nicht auftreibbar sein, da Loutsch und erst recht Paul Adam verstorben sind und ich nicht weiss, was aus ihren Archiven wurde. Folglich kann ich das nicht nachprüfen.

Diverse kleinere Fehler entdeckt

Die Aufräumarbeiten schreiten zügig voran. Neben einigen Brisuren und im Text versteckten Varianten entdeckte ich dabei auch folgende Fehler:

  • de Berghes (-ST. Winnock): Der Löwe auf der Zeichnung trägt eine Krone, im Text geht davon nicht die Rede
  • Unter den Quellen das Wappens de Berbourg taucht eine Quelle namens M.t auf. Sollte es sich um M. (Medinger) handeln? Es soll nämlich ein “modernes Wappenbuch” gemeint sein
  • Beim Wappen Entelin verweist er darauf, dass man bei einer Familie Thilmanny nachsehen sollte. Eine solche ist nicht zu finden, sehr wohl aber die Thielmanni

Quelle G.R.B bei de Pallant

vermutlich ist die Angabe der Quelle G.R.B beim Wappen de Pallant auf Seite 632 ein Tippfehler und soll G.P.B (“Armorial des Pays-Bas”, en réalité familles de Lorraine et du Luxembourg.) heissen.

unbekannte Quelle G.B.P.

Beim Wappen d’Avillers – variante 2 auf Seite 199 gibt Loutsch als Quelle die Abkürzung G.B.P. Eine solche ist in seiner Quellenzusammenstellung nicht aufgeführt. Ein Buchstabendreher durch Tippfehler ist denkbar und dann wäre die wahre Quelle G.P.B.:

de Gaignières: Armorial des Pays-Bas», en réalité familles de Lorraine et du Luxembourg.

Da es sich um ein Manuskript handelt, das 1974 oder vorher in einer Pariser Bibliothek verfügbar war, kann ich es nicht kostenvernünftig überprüfen.

Unbekannte Quellen: D. 426 und D.

Loutsch zitiert eine Quelle, die er D. 426 nennt, soweit ich sehe, viermal in seinem Buch und zwar zu den folgenden Wappen:

Eine weitere unbekannte Quelle kürzt er A. ab, die kommt, soweit ich es überblicken kann aber nur in einem Wappen vor.

6 mal nennt er eine Quelle D.

  • d’Assenois – variante 1
  • d’Avillers
  • de Champy – variante 1
  • de Champy – variante 2
  • du Fresne – variante
  • de Lamouilly – variante 2

Was steckt dahinter? Möglicherweise hat er sein System der Abkürzungen von Zeit zu Zeit überdacht und vergessen die alle Registerkarten anzupassen? Aber wofür könnte D. stehen?

Milberg: engreslée statt ancrée

Beim Wappen jener Milbergs, die auch Herren von Septfontaines und Cranendronck (Brabant) waren, wurde bei der Wappenbeschreibung ein Wort verwechselt: (croix) ancré(e) mit (croix) engreslé(e).


Die von ihm angegebene Zeichnung zeigt jedoch ein Ankerkreuz, also ergibt sich wieder die Frage: was ist falsch, der Text oder die Zeichnung? In diesem Falle konnte Loutschs Quelle konsultiert werden: das Luxemburger Nationalarchiv hält eine Ausgabe der vier Bände der Sceaux armoriés des Pays-Bas et des Pays avoisinants bereit.
Jean-Théodore de Raadt schrieb 1898 in Band II auf Seite 481:

Guillaume van Milenberghe (berg) seigneur de Craenendronc, homme de fief de la duchesse de Bourgogne (….) : Parti ; au 1ier, un fascé au 2e écartelé a et d une croix ancrée b et c, trois huchets.

Also ein Abschreibfehler, die Zeichnung war richtig, nicht der Text. Das war auch das wahrscheinlichste, wenn man weiß dass das Kreuz für die Herrschaft Septfontaines steht.

Das letzte Einhorn und der goldene Löwe mit dem verdrehten Kopf

Als ich vor anderthalb Jahren noch nicht so ganz weit mit der Umsetzung meines derzeitigen Hauptprojektes fortgeschritten war, konnte der Anreiz das Mammuthprojekt bald abzuschliessen nicht besonders befeuernd wirken. In der mittleren Phase von umfangreichen Vorhaben erleide ich manchmal Durchhänger und ich musste mich irgendwie motivieren, und so verfiel ich auf den Gedanken, nicht länger die Wappen langsam von A zu Z eins nach dem anderen durchzunehmen, sondern jene die bestimmte Figuren aufwiesen vorzuziehen. So widmete ich mich am 27. November 2010 den Einhörnern (licornes).
Inzwischen sind wir in der Endphase der Umsetzung angekommen, und so inzwischen wurden auch die drei letzten Wappen in denen Einhörner vorkommen gezeichnet:


Das Wappen Monschaw war nicht nur am schwersten zu zeichnen, die Wappenbeschreibung enthielt auch einen Fehler, es fehlte die Farbangabe! Dabei war Loutsch in seinem Buch auf Seite 587 gerade dabei, seine eigene Quelle R. de B.1 zu korrigieren, und zwar präzisierte er bei der Beschreibung der Quadranten I und IV, dass nicht der ganze Löwe, sondern nur dessen Kopf contouné wäre, und vergass dabei anzugeben welche Farbe das Tier denn hätte. In der entsprechenden Passage fehlen die Worte “d’or“:

Écartelé: aux I et IV d’azur au lion contourné d’or (en réalité: la tête contournée) lampassé de gueules,

Zunächst hatte ich angenommen, dass vielleicht der Löwe auch rot wäre. Das wäre zwar ein heraldischer Regelbruch, aber im écusson sur le tout, liegt auch eine rote Rose auf blauem Grund?! Andererseits kam es mir dann aber komisch vor, dass hervorgehoben wurde, dass die Zunge aber “de gueules” wäre. Das Wort “lampassé” taucht nur auf, wenn die Zunge eine andere Farbe hat, als der Rest des Vierbeiners. Zum Glück war Loutschs Quelle ein Buch, das ich heute problemlos im Nationalarchiv finden konnte.

  1. Baron de Ryckman de Betz: Armorial Général de la Noblesse Belge, Liège 1957. []