Alle Gouverneurswappen sind nun erneuert

Zunächst hatte ich vor, nur Arbeiten an der Epoche der Österreicher zu erledigen, aber dann waren die nächsten auch schnell erledigt. Das Amt des Gouverneurs wurde 1848 überflüssig als Wilhelm II dem Land eine Verfassung gab und damit seine eigene Rolle stark relativierte; was brauchte er da noch einen Stellvertreter im Land?

Hier die, welche am schwierigsten zu zeichnen waren:

Gouverneur Wallis leitet dann auch über zu einer Gruppe von Männern deren Namen sich auch heute noch auf den Stadtplänen wiederfinden, da sie zunächst Namensgeber für Forts und später Strassen wurden:


Vor allem an Bender dürfte heute jeder, der sich schon mal etwas weniger glücklich auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt versucht hat mit Schrecken denken.

Besonders hervorheben möchte ich aber auch das Wappen des Philippe-Henri de MAGAWLY, baron de CABRY, weil es einst das 500. war das auf wiesel.lu präsentiert wurde. Auch Magawly wurde runderneuert, was sich in dem verlinkten Beitrag besonders gut verfolgen lässt, denn ich hatte damals ein Screenshot erstellt.

Allerdings sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, denn

  1. müssen die Begleittexte noch mal nachgeladen werden,
  2. hab ich noch ein weiteres, bislang unbearbeites entdeckt: Johann von Luxemburg, Herzog von Görlitz war 1386 kurz Gouverneur

Gouverneure des Sonnenkönigs

Bei der Nachbearbeitung der Liste der Wappen der Gouverneure Luxemburgs konnte ich nun, nach der spanischen Epoche, auch jene der ersten französischen “Fremdherrschaft” abschliessen. Am schwierigsten war natürlich das Wappen des Eroberers von 1684, des marquis CRÉQUY, einfach weil es so viele Felder hat. Dabei fiel mir auch mal wieder ein Fehler im Armorial Loutsch auf: Auf seiner Zeichnung sind in Feld 8 (“unten links”), Leoparden statt leopardisierte (=schreitende) Löwen zu sehen.

Der Marquis entstammte einer langen Reihe bedeutender Feldherren Frankreichs und ist meines Wissens ausser Philipp dem Guten der einzige der jemals die Festung Luxemburg eingenommen hat, was sicherlich eine großartige militärische Leistung war.

Kriegerisch begann also die erste französische Epoche, denn Ludwig XIV wollte den Spaniern unbedingt ihre Niederlande (=die meisten Gebiete der heutigen Staaten Belgien und Luxemburg) entreissen und konnte auch beträchtliche Teile davon auch definitiv annektieren. Zur Rechtfertigung ersannen er und seine Berater die sogenannte Reunionspolitik1. Erst auf einem späteren Friedensschluss, nachdem der Versuch auch die Pfalz so zu reunieren gescheitert war, musste Louis XIV Luxemburg wieder rausrücken.

Die meisten anderen Wappen waren recht leicht zu zeichnen, hier drei ausgewählte:


Dr. Loutsch gibt als Quelle für die meisten von ihnen folgendem Werk an:
Meurgey – de Tupigny: Armorial de la Généralité de Paris, Mâcon 1965

Loutsch wertete die Zeit unter dem Sonnenkönig übrigens als günstig für Luxemburg, weil die von ihm gestellten Verwalter weitaus fähiger gewesen wären als jene der Spanier:

Le projet d’annexer le Luxembourg à la France était un vieux projet que Louis XIV ne fit que reprendre de ses prédécesseurs. Jamais la France n’avait accepté la mainmise par l’Empire sur la Lotharingie et il faut reconnaître que cette tutelle n’était pas non plus acceptée par les habitants de ces pays «lorrains». C’est bien la rais on pour laquelle Charles-Quint avait associé les Pays-Bas à l’Espagne et non pas à l’Empire. Mais l’administration espagnole s’étant rendue passablement impopulaire, il n’est pas étonnant que la France ait trouvé de nombreux adhérents au Luxembourg. La conquête du pays se fit progressivement, mais dès 1681 une administration française s’installa à Arlon, alors que la ville de Luxembourg ne capitula que le 4 juin 1684.
Si les destructions avaient été épouvantables, l’administration française se fit assez rapidement aimer par la rapidité des reconstructions, l’épanouissement du commerce et surtout le libéralisme du régime, comparé à celui des Espagnols. Il faut dire aussi que les gouverneurs furent presque des gens de grande qualité.

Ich kann es nicht beurteilen, ob diese Einschätzung nur Loutschs Frankophilie zuzuschreiben ist (er studierte immerhin in Paris), oder im Kern zutrifft, also auch von der Bevölkerung die Besetzung gutgeheissen wurde. Wenn ich mir hier die jüngst vom Nationalarchiv publizierten Erinnerungen des Echternacher Ordensmannes Oswald Keess durchlese, scheint das zumindest nicht von allen Zeitzeugen so gesehen worden zu sein.

Jedenfalls brachten die Franzosen des Louis XIV auch den Baumeister Vauban in die Stadt und der bauten die Festung dann uneinnehmbar aus. Ludwig muss sich wohl sehr sicher gewesen sein, dass er die Stadt auch würde behalten dürfen, wenn er soviel in sie investierte. Übrigens widmete die Zeitschrift “Ons Heemecht” ihre Oktobernummer von 1934 ganz der Einnahme der Stadt durch die Franzosen von 1684!

Loutsch nahm auch den Verwalter Jean-Baptiste de MAHIEU in seine Liste der Gouverneure auf, obwohl der gar kein Gouverneur war, sondern nur der Mann dahinter der die eigentliche Arbeit machte (bestätigte auch Keess). Da muss ich mich dann wohl dem Meister erneut anschliessen, voilà hier noch die beiden Varianten des Wappens Mahieu:

  1. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Reunionspolitik []

Gouverneurswappen der “spanischen” Epoche überarbeitet

Wie immer, gehe ich letzten Endes auch bei den Gouverneurswappen mehr oder weniger chronologisch vor. Nachdem Kaiser Maximilian Maria, die erbberechtigte Tochter des letzten Burgunderherzogs Karl dem Kühnen geheiratet hatte, fielen die Länder der Burgunder und mit ihnen Luxemburg an die Habsburger. Das Reich der Habsburger war noch unter Maximilians Enkel Karl V in einer Hand vereint, danach spalteten die Habsburger sich bekanntlich in spanische und die österreichische Linie auf, Luxemburg blieb bei den Spaniern.
Die meisten Schwierigkeiten bereiteten mir das (Neu-)Zeichnen der folgenden Wappen:

Ist klar, warum, oder?

Am interessantesten fand ich dabei, dass es in der langen habsburgische-spanische Periode ein französisches Zwischenspiel gab:

Während der vielen Kriege die Karl V und Franz I von Frankreich gegeneinander führten, war Claude de Lorraine, duc de Guise1 kurze Zeit im Jahre 1542 Gouverneur für den französischen König, der Anspruch auf das burgundische Erbe erhob.
Das Wappen von Claude war erstaunlich schnell gezeichnet, weil ich die Grundzüge davon, was Wappen der Herzöge von Lothringen vor “kurzem erst” gezeichnet hatte, nämlich als ich zur Illustration der Grammaire du Blason erstmals ein Vollwappen erstellte. Hups, das ist ja auch schon mehr als ein Jahr her?!


Spanien war im 16. und frühen 17. Jahrhundert die Großmacht auf dem europäischen Kontinent, und war in viele Kriege verwickelt, vor allem welche aus religiösen Gründen. Luxemburg blieb in jener Zeit stets treu zum Herrscherhaus und entsprechend zum katholischen Glauben. Als Glanzzeit gilt zumindest jene unter dem Gouverneur von Mansfeld, wohl vor allem weil sie so lange dauerte (1545-1604).
Für die Geschichte der Festung Luxemburg war die Zeit zweifellos wichtig, besonders die Kasematten und die spanischen Türmchen, sowie einige Strassennamen erinnern an jene Zeit bzw. ihre Protagonisten: rue de Louvigny, Avenue Monterey, rue Beck, rue Aldringen. Interessanterweise, eher weniger Namen von Gouverneuren als eher die von Kriegern. Ich glaube aber, die Strassennamen wurden erst in späteren Jahren vergeben.

Zu Ende ging die spanische Periode mit der Einnahme der Stadt Luxemburg durch die Franzosen Ludwigs XIV 1684. “Völkerrechtlich”, um einen anachronistischen Begriff zu bemühen, verblieb Luxemburg zwar bei den Spaniern, die Franzosen zogen aber erst nach dem Friedensschluss von Ryswick 1697 ab. Btw. Wähend des spanischen Erfolgekrieges (1701-1714), stand Luxemburg ebenfalls grösstenteils unter französischer Verwaltung, weil der Generalgouverneur der gesamten spanischen Niederlande, Max Emanuel von Bayern zu den Franzosen überlief.

  1. siehe den Artikel auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Claude_de_Lorraine,_duc_de_Guise []