Marie Bastian, eine interessante Quelle zur Geschichte der deutschen Besatzungszeit

Die Direktionssekretärin des Werkes ARBED Esch (heute Schifflingen) Marie Bastian schrieb nach dem Krieg eine Kurzfassung der Ereignisse rund um ihren Arbeitsplatz seit dem Einfall der deutschen Truppen in Luxemburg am 10. Mai 1940 bis zum Kriegsende. Sie gab ihrem schreibmaschinengeschriebenem Manuskript den Titel:

l’usine Arbed-Esch et son personnel sous l’occupation allemande
par Marie Bastian
Secrétaire de direction
Mémoire dédié à nos martyrs et héros


Im Zuge der Erstellung meiner Jahresrückschau, fiel mir auf dass ich mich 2013 viel mir diesem Werk auseinander gesetzt, aber nichts darüber geschrieben hatte, daher nun dieser Beitrag.

Eine erste Einschätzung des Werkes

Als Datum der Endredaktion gab Bastian an: Esch-sur-Alzette, le 1ier janvier 1947.
Der Text ist in gutem Französisch verfasst, Tippfehler sind rar, jedenfalls hat Word kaum welche gefunden. Sie lässt die Ereignisse chronologisch detailreich passieren, aber es sind keine nüchternen Annalen, Marie hält ihre persönliche Meinung kaum zurück, etwa wenn sie ihren ehemaligen Chef Mathias Koener vergöttert, die streikenden Arbeiter bewundert, die finsteren Seiten der Kollaborateure verdammt, oder die Charakterschwächen der deutschen Nazies schildert; bei weiblichen lässt sie ihrer Schadenfreude sogar freien Lauf: So schreibt sie auf Seite 11/12:

sa jeune femme (du “Kreisleiter” Diehl), celle-ci s’exclama dans un excès de romantisme nef: “Ach ich sehe mich schon in Geiste auf diesem idyllischen Wasser gondeln.
Ce projet, comme tant d’autres, savamment retardé et saboté par la direction générale avec l’aide de Monsieur le Directeur Mathias Koener, ne se réalisa jamais, et la vision de la jeune femme ne resta qu’un rêve très court, qu’elle emporta bientôt dans la Walhalla” des bonzes nazis: elle trépassa quelques mois plus tard à la suite d’une opération manquée par le Dr Charles Houdremont, “Ortsgruppenleiter” et nazi fanatique. Le “Kreisleiter” avait nommé Houdremont chef-chirurgien de l’Hôpital de la Ville d’Esch, où il supplanta le chirurgien expérimenté, le Dr J.-P. Knaff, Celui-ci fut d’ailleurs ordonné en dernière minute au chevet de la moribonde, mais ne put plus la sauver. Cette mort prématurée fut ressentie par la population comme une réponse du sort même à l’homme qui disposait de la vie des autres avec un despotisme si impitoyable.

Dies ist angesichts der Ereignisse und dem Datum der Niederschrift verständlich und Marie Bastian erhebt auch keinen Anspruch eine Historikerin oder auch nur exakte Chronistin zu sein, sie schreibt in ihrem Vorwort:

Le récit qui va suivre n’a pas la prétention d’être une description exacte des institutions nazies, ni une relation complète des actes posés par l’occupant. Le but que l’envahisseur visait était trop odieux et le souvenir qu’il nous a laissé est encore trop douloureux et trop répugnant pour que nous attachions tout notre intérêt à la seule question historique.
Nous essayerons plutôt de retenir l’atmosphère spécifiquement luxembourgeoise qui était l’âme de notre usine sous la domination de l’ennemi, qui reflétait durant ces longues années l’esprit de résistance excessivement actif et subtil de notre personnel, en même temps que la fermeté de caractère avec laquelle il a acceptée jusqu’à la victoire finale, les interminables souffrances morales et les sacrifices les plus durs.

Diese Quelle schildert auch einige Fälle alter Aachener, denn nicht nur Mathias Koener hatte sein Ingenieurstudium an der RWTH Aachen absolviert, viele weitere vertraute Namen aus unserer Vereinsgeschichte tauchen dort auf! Dazu gleich mehr, aber zunächst wollte ich kurz schildern wie ich das Buch überhaupt gefunden habe: natürlich in den Fussnoten der Arbeit eines Historikers!

Die Ostarbeiter

Ich war zufällig auf den Internetseiten des Nationalarchivs, da fand ich lobenswerterweise ein Gratis E-Book zur Industriegeschichte des Südens unseres Landes.1 Fernando Ricardo BAPTISTA BARRA hatte darin einen Artikel veröffentlicht der mich sehr interessierte: Les Ostarbeiter dans la sidérurgie luxembourgeoise (1942-1945). Er machte gleich zu Beginn die Feststellung,

Quoique la Seconde Guerre mondiale figure parmi les sujets privilégiés de l’historiographie luxembourgeoise, le thème des Ostarbeiter (ouvriers de l’Est) qui travaillaient pour le compte de la sidérurgie nationale a été largement négligé.

was ich bestätigen muss! Nicht nur das, Einsatz und Schicksal der Ostarbeiter in Luxemburg war sogar einem stark an Geschichte interessiertem Bürger wir mir kaum bewusst und das obwohl unter meinen Geschichtslehrern zwei Kommunisten waren!2 Ehrlich gesagt kann ich mich nur an eine Situation erinnern, wo mir jemand von den Zeitgenossen mal von den Ostarbeitern gesprochen hatte, wenn auch nur als Randnotiz: Um den 1. September 1992 rum besuchte ich meinen Großvater den eine leichte Erkältung aufs Krankenlager geworfen hatte. Er las gerade das Luxemburger Wort, wo des Streikes von 1942 erinnert wurde und erzählte mir dass Ende 1942 die GESTAPO ihn im Werk Differdingen verhaftet hatte und verschleppen wollte. Er war der zuständige Maschinenschlosser für eine wichtige Maschine deren Getriebe zerstört worden war und die Gestapo verdächtigte ihn der Sabotage. Der betriebsführende deutsche Ingenieur konnte allerdings die Verhaftung seines wichtigen Mitarbeiters zu verhindern und legte seine Hand für ihn ins Feuer. Zum Glück, denn mein Grossvater war es zwar nicht, er wusste aber sehr wohl wie das Getriebe zerstört worden war: es war kein Akt der Sabotage sondern ein Kollateralschaden des Werbens eines seiner jüngeren Kollegen um eine Ostarbeiterin: diese arbeitete als Kranführerin und die jungen Luxemburger damals waren weibliche Anwesenheit in Fabriken überhaupt nicht gewohnt, die Hormone gingen wohl mit einigen durch. Damit die Frau ihm ihre Aufmerksamkeit schenken und zu ihm runterschauen möge, bewarf der junge Mann das Führerhäuschen ständig mit Schrauben, obwohl mein Opa ihm schon mehrmals gesagt hatte, er solle den Unsinn sein lassen. Eine davon landete dann in dem Getriebe….

Interessiert las ich also BAPTISTA BARRA’s Ausführungen bis eine Stelle mich stutzig machte:

En effet, jusqu’au mois d’avril 1943 les camps de travail de l’Arbed sont exclusivement occupés par des ouvriers de l’Est; à partir de cette date arrivent les réquisitionnés (Dienstverpflichtete) belges et par après, en juin 1944, des Flamands rexistes.

Flämische Rexisten3 ? Klang für mich ein wenig wie, “Arabische Zionisten“, oder “jüdische Nationalsozialisten“? Vielleicht meinte der Autor einfach nur flämische Faschisten/Nazis oder sonstige Kollaborateure dachte ich, aber BAPTISTA BARRA liess Zweifel erst gar nicht aufkommen, denn für den Leser der nicht weiss was ein Rexist wäre ergänzte er noch

Ces Flamands sont partisans du mouvement rexiste belge fondé en 1935 par Louis (-sic-) Degrelle.

Soweit mir bislang gekannt war, kollaborierte Léon Degrelle4 zwar mit den Deutschen, seine Rexisten waren aber, wie er selber eher Wallonen?! Leider war keine E-mail Adresse des Autors angegeben, wo ich hätte nachfragen können, also musste ich der Sache selber auf den Grund gehen: ich schaute in Fussnote 69 nach, wo Fernando Ricardo das wohl her hat und da fand ich sie: Marie Bastian! Diese beschrieb die Geschichte mit den Flamen so:

“En juin 1944, d’autres éléments entrèrent dans nos camps. Cette fois-ci ce furent des Flamands, hommes et femmes, employés et ouvriers, qui étaient en Belgique membres de formations rexistes armées. Ils furent encouragés à entrer dans les services d’Arbed par les promesses spécialement engageantes de la “Wirtschaftsgruppe Eisenschaffende Industrie” de Luxembourg, sous l’initiative de son directeur, le Dr Emmendörfer”.

Für mich stellt es sich so dar, dass “Rexiste” für die einfache Sekretärin aus den 40er Jahren die Sammelbezeichnung für “belgische Kollaborateure” war, was der Historiker des 20. Jahrhunderts unhinterfragt abgeschrieben hat. Es ist aber auch denkbar, dass Rexist tatsächlich ein Sammelbegriff für belgische Kollaborateure der Nazis war und ist, ich bin in die Thematik jetzt so nicht eingelesen.

Die alten Aachener

Nun aber zu den alten Aachenern! Dass in dem Bericht so viele mir vertraute Namen vorkamen, ist kein Wunder, denn die damalige ARBED stellte traditionell sehr viele Absolventen der RWTH ein, was sich darauf zurückführen lässt dass Emil Mayrisch der Gründer der ARBED in Aachen studiert hatte und auch Aloyse Meyer, der während der interessierenden Kriegsjahre Generaldirektor war, hatte sein Diplom in Aachen erworben. Betrachten wir einige der von Marie Bastian erwähnten Personen:

Mathias Koener


Marie Bastians Held ist der von den Nazis umgebrachte Direktor Mathias Koener, vermutlich einst ihr direkter Vorgesetzter. Koener war ein alter Aachener, und ist einer der wenigen, von denen wir noch ein Foto aus Studententagen besitzen. Bastian beschreibt detailreich seine Versuche, nicht mit den Nazis zu kollaborieren und dennoch nicht von ihnen abgesetzt und durch Parteigenossen ersetzt zu werden, bis zu seinem Tod, kurz nach der Entlassung aus dem KZ Hinzert. Dramaturgischer Höhepunkt ist der Moment, wo die vom Streik vollkommen überraschten und entsprechend wütenden Nazis den Kopf eines verantwortlich zu machenden hochrangigen Luxemburgers fordern und Koener den seinen anbietet:

Puis il demanda à qui incombait la responsabilité pour la direction de l’usine. Sur ce point s’engagea le colloque suivant :
“Kreisleiter” “Qui est l’homme responsable de l’usine?
M. Koener “Cette question est superflue.
“Kreisleiter”, en colères “J’exige une réponse à ma question.
M. Koener “C’est moi.

aber noch weitere kommen vor, z.B.

Charles Zettinger

Charles Zettinger kannte ich bislang nur von einem Foto vom Stiftungsfest 1932, auf dem Egon Zander ihn erkannt hatte. Zettinger trägt auf dem Foto eine Schärpe, muss also 1932 Sekretär oder Kassierer des Vereins gewesen sein (Präsident war Jean Moia). Zettinger kommt viermal im Text vor:

  1. Zuerst begegnet er uns bei Schilderung der Folgearbeiten der Invasion 1940:

    A partir du 16 juin, les ingénieurs restés au pays, MM. Wolter, Zettinger et Waxweiler, reçurent une autorisation de séjourner dans la ville et d’entrer à l’usine pour accomplir la mission que leur avait confiée notre direction générale, c.-à-d. d’exécuter avec l’aide de quelques ouvriers, le déblayage général de l’usine et la mise en état des conduites d’eau et 4es lignes électriques. Avant tout, ils surveillaient la consommation et la répartition de l’énergie électrique, fournie à notre usine par Terre Rouge depuis le 20 juin 1940.

  2. Die weitere Stellen wo er erwähnt wird, beschreiben Ereignisse im Rahmen des Generalstreiks 1942:

    Dans la réunion des chefs de service avec le directeur, la question fut posée par M. Mergen, s’il était indiqué que le directeur et les chefs de service renvoyassent à la “Kreisleitung”, en cas de grève, les cartes des membres de la VDB, pour protester à leur tour contre l’introduction de la “Wehrmacht” et pour se montrer solidaires avec le personnel. Avant qu’une décision pût être prise, l’ingénieur M. Zettinger, téléphona à M. Koener que tous les ouvriers du laminoir avaient déposé le travail sur le signal de la sirène, qu’ils étaient en train de gagner les portails de l’usine et que les ouvriers des autres services suivraient leur exemple.

  3. Dans la réunion des chefs de service avec le directeur, la question fut posée par M. Mergen, s’il était indiqué que le directeur et les chefs de service renvoyassent à la “Kreisleitung”, en cas de grève, les cartes des membres de la VDB, pour protester à leur tour contre l’introduction de la “Wehrmacht” et pour se montrer solidaires avec le personnel. Avant qu’une décision pût être prise, l’ingénieur M. Zettinger, téléphona à M. Koener que tous les ouvriers du laminoir avaient déposé le travail sur le signal de la sirène, qu’ils étaient en train de gagner les portails de l’usine et que les ouvriers des autres services suivraient leur exemple.

    Der erwähnte Camille Mergen war auch alter Aachener, Präsident des Studentenvereins 1923.

  4. Danach wurde er verdächtigt und angeklagt,

    A partir du 3 septembre et pendant les jours qui suivirent, les chefs de service, l’ingénieur, M. Charles Zettinger, et la secrétaire de direction subirent un interrogatoire par la Gestapo sur les événements de la journée du 31 août 1942.

  5. und schliesslich bestraft;

    L’ingénieur M. Charles Zettinger fut déporté le 6 novembre 1942, mais rapatrié un mois plus tard à la suite des démarches du Dr Köhler auprès du “Kreisleiter”, lequel plaida pour lui sur les instances du chef de service, M. Robert Mahr.

    Der erwähnte Robert Mahr, der sich für Zettinger verwendet und seine Rückkehr fordert war auch alter Aachener:

    Name Mahr
    Vorname Robert
    Jahr der Einschreibung 1912
    Jahr des Erhalts des Diploms 1917
    Fach Hüttenkunde
    Matrikelnummer 4305
    Geboren am 7.6.1893
    Geburtsort Dudelange
    Religion k.a.
    Beruf des Vaters Chemiker
    Adresse in Aachen Pontdriesch 23
    Aktennummern im Hochschularchiv 10170/167 und 10172/246
  6. Hubert Heisbourg, alias Pum

    Der Präsident des Aachener Studentenvereins von 1926 findet auch Erwähnung:

    Le 3 septembre, une délégation spéciale de la Gestapo de Stuttgart, sous la présidence de l’inspecteur Fallasch arriva pour faire une enquête sur la grève. A la suite de l’interrogatoire, qui dura toute la journée, l’ingénieur Hubert Heisbourg fût arrêté et conduit à la prison du Grund. Il fut relâché huit jours après.

    Schade dass ich das 1992, als ich Heisbourg zu seiner Aachener Studentenzeit befragte noch nicht wusste!

    Jos Gluck

    In den 1990er Jahren, als ich die Festschrift 100 Jahre Luxemburger Studenten in Aachen vorbereitete hatte ich einen regen Briefwechsel mit dem damals schon hoch betagten aber geistig noch sehr regen Egon Zander und er berichtete mir von einem Kollaborateur in unseren Reihen:

    Er war Ingenieur auf ARBED-BELVAL, verheiratet mit einer Aachenerin, war plötzlich nach seiner Rückkehr aus der Emigration 1940 Nazi geworden. Ehrgeizig witterte er Morgenluft und brachte es bis zum Ortsgruppenleiter. In dieser Funktion nahm er mich in die Zange und drohte mir mich bei der GESTAPO anzuzeigen.

    Egon, der die meiste Zeit seines Berufslebens ebenfalls im Escher ARBED Werk verbracht hatte, nannte den Namen nicht und ich fragte nicht nach. Es herrschte der Konsens, dass wir Luxemburger unter uns die Namen der “Gielemännercher” nicht nennen aus Rücksicht auf die Nachfahren, die oft mitten unter uns leben und für die Schandtaten der Vorfahren nichts können. Natürlich wurmte es mich immer, den Namen nicht zu kennen, sowohl als Historiker als auch als Buchhalter der alten Aachener, welcher eine lange Liste von Absolventen und Mitglieder vor sich liegen hat: Wer von denen ist es?!
    Marie Bastian, die ihren Bericht viel näher am Zeitgeschehen verfasste, brauchte diese Rücksicht nicht zu nehmen, 1947 hätte ohnehin jeder gewusst wer gemeint ist, sie nennt Ross und Reiter schreibt auf den Seiten 52/53:

    Comme “SA-Truppführer”, avancé plus tard au grade de “SA-Sturmführer”, le Dr Köhler constitua une section de tir, composée de membres du “Betriebssport” 100 % nazis, qu’il exerçait une fois par semaine, soit au champ de tir du “Nossberg”, soit à l’ancien “Tipp” à coke à l’intérieur de l’usine. Il les soumettait même pendant les derniers mois de la guerre à de réelles manoeuvres militaires, sous forme d’exercices stratégiques, combinés à de dures épreuves de reconnaissance de terrain, etc.
    Pour tous ces travaux le Dr Köhler s’était adjoint l’ingénieur Jos. Gluck, chef du Bureau thermique, gagné dès le début de l’occupation à l’idéologie nazie.
    Nos chefs luxembourgeois, déployant une savante stratégie pour échapper à toute fonction d’un caractère nationalsocialiste, encourageaient le Dr Köhler dans sa prédilection pour M. Gluck. Celui-ci devenait chef du “Betriebssport”, du “Leistungsertüchtigungswerk”, de la “Berufserziehung”, de 1″Arbeitseinsatz”, de l'”Anlernbetrieb”, de la section “fileta” (Arbeitszeitstudien); il était “Kreisberater für Energiebewirtschaftung” et assuma encore de nombreux autres travaux imprévus, tout en restant comme par le passé, chef du bureau thermique et ingénieur de sécurité. Finalement sa tâche prit une envergure telle que, plus l’organisation rationnelle et l’exécution prompte et régulière des travaux eussent été nécessaires, plus il se trouvait submergé par la variété et la passe de ses travaux.
    Le domaine qui primait tous les autres aux yeux du Dr Köhler et des autorités militaires était celui de l'”Arbeitseinsatz”, dont M. Gluck assumait officiellement l’unique responsabilité. En vertu de ses pouvoirs, il favorisait l’occupation de tous les postes importants par des nazis. Lui-même s’adjoignait, comme premier employé dans ce service, le “DAF-Amtswalter”, “KDF-Wart” et gérant de la “Werksbibliothek”, Marcel Wahl et, lorsque celui-ci devint victime du bombardement de la gare de Luxembourg, le 11 mai 1944, il le remplaça par le Pg. J.P. Dostert.

    Käme hin, denn in der Tat war Jos Gluck ein alter Aachener, er figurierte 1937 auf der “Liste Roth”:

    Name Glück
    Vorname Josef
    Jahr der Einschreibung 1917
    Jahr des Erhalts des Diploms 1921
    Fach hk
    Matrikelnummer 5141
    Geboren am 31.8.1897
    Geburtsort Pétange
    Religion k.a.
    Beruf des Vaters Bürovorsteher
    Adresse in Aachen Annastrasse 19

    Der ist damit zwar kein direkter Studienkollege von Egon gewesen (der schrieb sich erst 1923 ein), er dürfte ihn aber gekannt haben, denn Egon berichtete, dieser wäre erst 1940 “aus der Emigration” zurück gekehrt. Da Egons “ehemaliger Aachener Studienkollege” eine Aachenerin geheiratet hatte, liegt es nahe zu vermuten, dass dieser Emigrationsort Aachen war, was denn auch erklären würde, wieso Egon mit Glück in Aachen verkehrt gehabt hätte, damals als er noch kein Nazi war…

    Gegen die Identifizierung Jos Glucks mit dem Nazi der Tipp damals so zugesetzt hat, spricht allerdings, dass jener auf ARBED Beval gearbeitet hätte. Das ist zwar auch in Esch, aber ein anderes Werk. Das müsste noch weiter recherchiert werden…

    Zum Manuskript

    Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob das gebundene Manuskript viel verkauft wurde, aber man kann ein Exemplar nach wie vor in der Nationalbibliothek ausleihen. Ich zog mir eine Kopie und habe den Text zur späteren Auswertung5 digitalisiert.
    Auf wiesel.lu veröffentlichen werde ich ihn nicht, denn ich weiss nicht, wer die Verwertungsrechte daran hat. Denn von der Autorin ist mir ausser ihrem Namen und dem was sie über sich selber schrieb nichts bekannt, also auch nicht wer ihre Nachfahren sind.
    Falls jemand aber zur wissenschaftlichen Auswertung an dem Resultat interessiert ist, darf er sich gerne bei mir melden.
    Interessant sind auch die Abbildungen, sie sind laut Angabe von Marie Bastian von “ce manuscrit a été illustre par le peintre Foos Deloos d’Esch-sur-Alzette”. Wer will kann einige davon ganz einfach in dem erwähnten E-book betrachten, denn Battista Barra fand sie interessant genug um seinen eigenen Beitrag zu verwenden.

    1. Downloadmöglichkeit unter: http://query.an.etat.lu/query/Dateien/Terres_rouges_volume_1.pdf []
    2. Einem älteren Kollegen von mir dagegen sagte der Begriff sofort was, er war allerdings auch in Esch aufgewachsen. Er sagte mir dass es als gefährlich galt, den Ostarbeitern Essen zuzuschanzen, von vielen aber auch als patriotische Pflicht und gute Gelegenheit “de Preisen eng ze spillen” gesehen wurde. []
    3. Für einen Überblick, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Rexismus []
    4. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Degrelle []
    5. konkrete Pläne habe ich noch keine. Aber vielleicht überarbeite ich mal den Text Rull de Waak? Vielleicht zum 125-Jahrfeier des AVL 2022? []

Der Aachener Geschichtsverein im SS 2010

Vermutlich werde ich auch diesmal an keiner dieser Veranstaltungen teilnehmen können. Schade, klingen alle gut:

  • 21. u. 24.April

    Das antike Tongern

    (Andreas Schaub M. A., Aachen)

  • 05. u. 08. Mai

    Kirchen, Klöster, Kohlen.

    Aus der Stadtgeschichte von Herzogenrath und Übach-Palenberg (Dr. Frank Pohle, Aachen)

  • 16. u. 19. Juni

    Spaziergang zu den Quellen von Pau und Wurm

    (Prof. Dr. Dietrich Lohrmann, Aachen)

  • 30. Juni u. 3. Juli

    Kerniel und Zoutleeuw.

    Kunst und Geschichte im Grenzgebiet von Lüttich und Brabant
    (Georg Tilger, Aachen)

  • 28. u. 31. Juli

    Relikte der Vergangenheit in Bonn.

    Von der Residenz zum Regierungsviertel. Ein Spaziergang durch die Südstadt. (Dr. Holger Dux, Aachen)

  • 25. – 26.September

    Löwen – eine Stadt im hellen Licht von Wissenschaft und Kunst

    (Dr. Mechthild Isenmann, Brühl)

Änderungen vorbehalten

Tina Noroschadt (Revue) übers Studieren in Aachen

Vorgestern machte mich ein Freund und alter Aachener darauf aufmerksam, dass die Luxemburger Zeitschrift “Revue”1 gerade eine Artikelserie über die Luxemburger Studenten und ihre Universitätstädte veröffentlicht und diese Woche wäre Aachen dran! Also kaufte ich mir ausnahmsweise mal wieder die Revue und las wundersame Dinge:

Für den Text (des Revueartikels) zeichnet Tina Noroschadt verantwortlich, für die Fotos Ute Metzger. Mit den beiden Aachener Studenten Michel H. und Dominique D. wollen sie sich morgens am Marktplatz getroffen haben, und es sei sehr viel los gewesen.2

Die berühmten Aachener Luxemburger

Tina erklärt irgendwann im Verlauf des Artikels, welche berühmten Luxemburger in Aachen waren:

Schon Ende des 19. Jahrhunderts waren auch zwei bekannte Luxemburger unter den Absolventen dieser Hochschule: Arbedbegründer Emile Mayrisch und sein Vetter Emile Metz.

Oh, das ist aber jemand in die Falle getappt, das ist schlecht recherchiert!

  • Zwar waren die beiden Emils in der Tat Vetter und auch wirklich beide an der RWTH, aber
  • Emile Mayrisch brachte es nicht zum Absolventen, er brach sein Studium ab,
  • und Emile “Petit” Metz brachte zwar das Studium zu Ende, er ist aber kein bekannter Luxemburger. Tina verwechselt ihn wohl mit seinem gleichnamigen Verwandten. vgl. Biographie Nationale Les METZ, la Dynastie du Fer par Jules Mersch. Die Luxemburger Nationalbibliothek hat diese Werk inzwischen online und gratis jedem Internauten zur Verfügung gestellt!

Nun wo ich es lese: Dieses Jahr hatte mich Tinas Interviewpartner Michel H., der Präsident des AVL, mal nach “berühmten Aachenern” gefragt. Ich hatte ihm einige genannt darunter auch die beiden Emils, aber auch auf die Falle hingewiesen! Und statt eines Zeitgenossen wie Ranga Yogeshwar3 schaffen es nun gerade diese beiden verstaubten Industriellen des 19. JH in den Artikel? Geht der Mangel an Sorgfalt nun auf Michel H. zurück, oder hat Tina nicht richtig zugehört? (von selber recherchiert wollen wir mal gar nicht reden).

Der Bummelstudent

In ersterem Falle wäre das ja vielleicht Michel H.s subtile Rache, der demnach wohl ahnte, dass Tina ihn in die Pfanne hauen würde. So entlockte sie ihm :

Die Prüfungen und das Studium seien nicht immer einfach. “Eigentlich müsste ich jetzt schon im Hauptstudium sein, doch mir fehlt noch eine bestandene Klausur für mein Vordiplom.

Also zunächst einmal ist es ausgesprochen taktlos, einen Studentenfunktionär nach seinem schulischen Leistungen zu fragen. Natürlich verlangsamt sich der Fortschritt im Studium, wenn man wie Michel H. sich sozial engagiert und so auch z.B. als Interviewpartner zur Verfügung steht und es der Revue ermöglicht ihre Spalten zu füllen!

Im Sinne gutem Journalismus wäre es durchaus gewesen, dem Leser die Bedeutung von “eigentlich” zu erläutern, zumindest jenen, die selber nicht an einer deutschen Universität studiert haben. Im 7. Semester und ihm fehlt lediglich nur noch eine Prüfung zum Vordiplom ist in Deutschland noch ein durchaus normaler Wert! Unnormal wäre er nur dann wenn man für die Einschätzung der Studienleistung die völlig unrealistische theoretische Regelstudiendauer zu Grunde legt! Diese irreführende Bezeichnung ist aber ein juristischer, kein akademischer Begriff, Zitat von Wikipedia:

Die Regelstudienzeit unterscheidet sich mitunter deutlich von der durchschnittlichen Studiendauer. So wird zum Beispiel die Regelstudienzeit für den Diplom-Studiengang Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln mit 9 Semestern angegeben – die durchschnittliche Zeit beträgt jedoch 15,8 Semester.

Noch nicht mal 10% der Studenten schaffen ihr Studium überhaupt in der sog. Regelstudienzeit. Aber mit diesen Fakten behelligt Tina den Leser nicht! Nicht mit seinem sozialen Engagement begründet sie die Verlangsamung von Michels Studium, sondern zitiert ihn unverantwortlicherweise weiter:

Andererseits kann ich so auch noch etwas länger das Studentenleben genießen», grinst Michel verschmitzt.

um gleich allen unstudierten Eltern und Personalern ihre Vorurteile weiter zu bestätigen:

Luxemburger Studentenpartys von Freunden im nahe gelegenen Lüttich sind für den angehenden Bauingenieur eine willkommene Abwechslung vom Uni-Alltag.

Aha! Weil er also zu viel feiert und “es sich gut gehen lässt” ist er im Verzug! Das ist ja fast schon Rufmord! Zwar erwähnt der Artikel einen Onkel, der eine Baufirma hätte für die er auch schon gejobbt hat, aber vielleicht muss er sich ja trotzdem mal bei anderen Firmen bewerben, und sei es auch nur für ein Praktikum. Und wie wir leider wissen, lesen auch Personaler viel lieber Klatschgeschichten als Fachliteratur.

Warum macht sie das? Ist es die Retourkutsche dafür, dass Michel sie in den Aachener Dom geschleppt (und dort kluggeschissen) hat?

Die beiden Hochschüler führen uns weiter zum Weltkulturerbe Aachener Dom, dem bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Der Besuch dieses Gotteshauses mit seinem imposanten Kuppelbau gehört für Michel (…) zum Pflichtprogramm..

Denn vielleicht ist Tina Noroschadt ja identisch mit der Frau, die im SS 2001 an der Uni Kiel über Walther von der Vogelweide referiert4 hat und mag an ihre Jugendsünden nicht mehr als unnötig erinnert werden? Über das Mittelalter müsste sie demnach besser Bescheid wissen als über das 19. Jahrhundert. So schreibt sie auch noch:

Schließlich ruhen im Dom die Gebeine von Karl dem Großen, der im 9. Jahrhundert in Aachen seine Residenz errichtete und später hier auch zum römischen Kaiser gekrönt wurde.

Wieder ein Mangel an Präzision, denn der römische Kaiser wurde natürlich nie in Aachen, sondern in Rom gekrönt, auch nicht Karl der Grosse.5

Die tolle Wissenschaftlerin

Deutlich besser als Michel kommt bei Tina die Öslingerin Dominique D. aus Eselborn weg, die Beschreibung ihres studentischen Daseins nimmt gelegentlich schon mal die Züge einer Hagiographie an:

Die 23-Jährige ist begeistert von ihrem Chemiestudium (…) Die hohen Anforderungen im mathematisch-physikalischen Bereich, den Anspruch, viel Faktenwissen in kurzer Zeit aufzunehmen sowie täglich unzählige Stunden im Labor stehend zu arbeiten, hat die junge Studentin mit den braunen Locken6 fast mit Leichtigkeit erfüllt. Das Studium sei ihr eigentlich nie richtig schwer gefallen. «Mein Grundstudium bestand aus vielen Stunden im Labor und danach vielen Stunden Protokollschreiben. Mein Vordiplom habe ich mit 1,7 bestanden», erzählt Dominique, die in Ihrer Freizeit gerne mit den Inline-Skates rund um das Aachener Klinikum düst.

Da es nach Luxemburg nur ein Katzensprung mit dem Auto ist7, fährt die angehende Wissenschaftlerin mit ihrem eigenen Auto oft nach Hause. Dann steht für sie als Mitglied des Musikvereins Clervaux eine Probe und häufig auch ein Auftritt auf dem Programm.8 Die Hornistin spielt auch im RWTH-Orchester.
(…)

Die fürsorgliche Redakteurin quält die Frage “Hatte sie eigentlich gar keine Angst an einer notorischen Männerhochburg wie der RWTH zu studieren?“, was Dominique aber lobenswerterweise mit “Außerdem ist der Anteil von Frauen und Männern in der Chemie fast gleich” zurecht rückt. Die Journalistin weiss wohl nicht, dass die Probleme für Frauen in Männerberufen sich nicht bereits im Studium zeigen, sondern erst bei der Arbeitsplatzsuche und dann im Berufsleben, besonders bei Gehälter- und Karrierefragen. Vermutlich wird Dominique nachher sowieso keine Forscherin bei BASF in Ludwigshafen sondern Chemielehrerin in Wiltz. Denn angeblich mag Dominique es ohnehin lieber beschaulicher:

An einer Massenuniversität wie in Paris, München oder Berlin wäre sie sich verloren vorgekommen.

Soso: eine Hochschule an der, wie der Artikel an anderer Stelle behauptet 40.000 Studenten eingeschrieben sind, ist keine Massenuniversität? Eine Begriffsverwirrung wohl, vermutlich meinte sie “Groß- oder Weltstadt”.

Unter einem Foto von Dominique mit einer, sicher gestellten Laborszene steht:

Leidenschaft für Chemie: Die Studentin Dominique D. will nach ihrem Auslandssemester an der RWTH promovieren.

.
Was für eine klasse Frau! Der Artikel führt allerdings nicht aus, dass wegen der hohen Arbeitslosenquote bei Absolventen in dem Fach, die Promotion in Chemie inzwischen allgemein üblich ist und somit nur noch eine vergleichbare Leistung darstellt wie das schlichte Diplom in einem Ingenieurfach.

Es sieht für mich so aus, dass der Präsident der Autorin einfach unsympathisch war, derweil sie zur Geschlechtsgenossin eine überspriessende Klein-Mädchensolidarität entwickelte, als ob sie zusammen aufs Klo gingen! Wo ist da die kritische, journalistische Distanz? Einen Gefallen tut sie keinem der beiden, denn als Streberin dargestellt zu werden, kann den Ruf und die Karriereaussichten eines jungen Menschen genauso schädigen, wie die Unterstellung nicht ernsthaft genug beim Studieren zu sein. Selbst wenn sie nur zwischen den Zeilen zu finden ist.

Radfahren in Aachen


Am meisten verduzt hat mich aber, welch erstaunliche Beobachtung Tina und Ute in Bezug auf die Fahrräder machten:

Anders als in anderen Universitätsstädten trifft man in der Stadt auf ungewohnt wenig studentische Drahtesel. Kein Wunder, wegen der nahe gelegenen Eifel ist das Radfahren hier eine äusserst hügelige Angelegenheit. Auch Michel musste das feststellen und fährt seitdem lieber mit dem Bus zur Uni.

Und das auch noch in Blockschrift hervorgehoben!!? Oha! Also ich merke, ich bin wohl schon lange nicht mehr in Aachen gewesen! Zumindest zu meiner Zeit (siehe das Foto von 1988) war das Rad auch in Aachen DAS studentische Verkehrsmittel per Excellence. Ok, für uns war der Bustransport auch noch nicht gratis.

Dann muss man klarstellen, dass Aachen selbstverständlich hügeliger ist als eine Stadt wie Köln oder Karlsruhe am Rhein, oder Kiel an der Ostsee, aber keineswegs hügeliger als Esch-, Pétange oder Lintgen und erst recht nicht bergiger als Luxemburg-Stadt, wo ja inzwischen auch viele Radfahrer unterwegs sind.

Ob sie sich da nicht verkuckt hat? Welche anderen Städte hat sie im Sinn, wo hat Tina studiert? Zu meiner Zeit hiess es immer “In ganz NRW gibt es nur in Münster noch mehr Kirchen und Fahrräder als in Aachen“. Was wohl der ADFC Aachen dazu sagen würde wenn er das liest? Vielleicht nur, man sollte eine Recherche über eine Universitätsstadt ja auch nicht in der vorlesungsfreien Zeit machen!

  1. Webpage der Revue: http://www.revue.lu []
  2. Es muss also an einem Donnerstag gewesen sein, dann ist am Markt auch wirklich Markt. []
  3. Persönliche Homepage von Ranga Yogeshwar: http://www.yogeshwar.de/ []
  4. Edit 5-1-2015. Die Arbeit ist inzwischen vom Netz verschwunden. Damals war sie unter http://www.histosem.uni-kiel.de/lehrstuehle/wirtschaft/lehre/exkursion-suedwestdeutschland/vogelweide.pdf zu finden. []
  5. in Aachen wurden dagegen die deutschen Könige gekrönt []
  6. wie romantisch []
  7. richtig: nach Eselborn! so um die 80 km. In einen Ort tiefer im Süden des Landes ist es deutlich weiter! []
  8. Bei einem Mann hätte man bestimmt gemutmasst, er führe heim weil seine Mutter die Wäsche macht! []

Vorträge des AGV im WS 2008/09

Der Aachener Geschichtsverein hat auch in diesem WS wieder interessante Vorträge. Es ist allerdings fraglich dass ich daran teilnehme, denn Aachen ist doch nicht mehr gerade um die Ecke für mich…
Vorträge im Winterhalbjahr

2008/2009

24. Okt. 2008 Dr. Peter Dohms (Meerbusch)

Die Studentenbewegung an den nordrheinwestfälischen Hochschulen

(,68er Bewegung”)

28. Nov. 2008 Prof. Dr. Norbert Jers (Aachen)

Kirchenmusik am Beginn der NS-Diktatur.

– Eine Blütezeit in Aachen um 1934

09.Jan. 2009 Univ.-Prof. Dr. Bernd Schütte (Jena)

Karlsbilder in der hochmittelalterlichen Geschichtsschreibung

06. Febr. 2009 Dr. Beate Althammer (Trier)

Eine Stadt vor Gericht.

Der Prozess gegen die Teilnehmer an den Aachener Unruhen vom 30. August 1830

27. Febr. 2009 Dr. Gereon Schäfer (Aachen)
Medizin im Dritten Reich am Beispiel Aachens

Änderungen vorbehalten!
Ort der Veranstaltungen:

Aula des Städtischen Gymnasiums St. Leonhard (gegenüber dem Parkhaus in der Jesuitenstraße)

.
Beginn der Vortrüge: 19:00 Uhr (s.t.)

Vor allem der Vortrag über die 68er würde mich brennend interessieren.

Ein Ausflug ins hohe Venn

Am ersten Tag (26.7): Radfahren im Venn. Die Belgier haben hier ein vorbildliches System zur Wegausschilderung mittels Punkten. Fast unmöglich sich zu verlieren. Es gab ein Gewitter mit Blitzen die direkt über unseren Köpfen sich entluden. Wir wurden sehr nass. War dennoch schön. Abends, Essen in der “alten Stadtwache” in Monschau. Lecker. Übernachtung in Jugendherberge Monschau.

am zweiten Tag: geführte Wanderung durch Venn.

Egon Zander (1902 – 1997) und die Rheinromantik

Vor zehn Jahren starb Egon Zander. Er stand mit mir in den Jahren 1992-1996 in Briefverkehr und half so maßgeblich mit bei der Erstellung der Festschrift Rull de Waak zum 100. Bestehen des AV d’Letzeburger. Durch seine nüchterne, die Studentenzeit nicht verklärende Art, war er ein sehr wertvoller Zeitzeuge.

Kurzbiographie

Egon Zander stammte aus Luxemburg Stadt, seine Eltern betrieben dort eine Epicerie. Er besuchte das Athenäeum und war Klassenkamerad von Batty Esch. Wie dieser fühlte er sich dem katholischem Studentenmilieu zugehörig und trat später dem Akademikerverein (heute ALUC) bei.

Egon als Täufer

Egon als Täufer


In Aachen studierte er dann von 1923 bis 1932 Hüttenkunde und engagierte sich auch stark im AV d’Letzeburger, wo er mehrmals Vorstandsposten übernahm. Sein Biername war “Tipp“, der ihm auf der Taufe verliehen worden war. Sein Studium musste er immer wieder unterbrechen, um im elterlichen Betrieb auszuhelfen. Nach seinem Diplom arbeitete er als Ingenieur im Stahlwerk von ARBED Beval.

Aber Egon half nicht nur beim Erstellen der Festschrift, in jüngeren Jahren griff er auch selber zur Feder. Der nachstehende Artikel erschien im Annuaire des Akademikervereins 1929. Egon lässt hier seinen gesamten Kulturpessimismus zu Worte kommen, über den er Jahrzehnte später erschrickt und mit den Worten “Mein Gott, war ich damals bissig.” quittiert.

Rheinromantik,

eine exklusive Jupiterlampen-Angelegenheit.
Skizze von Egon Zander.

Willst du Rheinromantik? Hier das Rezept. Benutze nicht den veralteten Baedeker, kaufe dir das neueste Kriminalmagazin (herausgegeben von Edgar Wallace, dem theoretischen Verbrecherkönig), studiere eifrig “Wie lerne ich kriminalistisch denken”, verweile recht lange bei dem Kapitel “Indizienbeweise” (eine gute Parodie hierüber: Fall Rigaudin oder Halsmannprozeß) und begib dich dann an Ort und Stelle (in diesem Falle selbstverständlich: der Rhein), um die Rheinromantik in flagranti zu erwischen.

Persil bleibt PersilSo ich, Es kostet ein gutes Stück Mühe, bis man die vielen Irrtümer ausgemistet hat, die einem durch das Lesen von aufgebauschten Artikeln und Rheinbeschreibungen im Hirnkasten herumspuken. Aber schließlich gelang es mir doch die mit Reklamen über und über bedeckte Litfassäule mit Papa Rhein zu identifizieren. Vulkanausbrüche von Farben, das Unerdenklichste ausplappernd; das Anpreisen eines dem Gummiknüppel zum Verwechseln ähnlichen Unterhaltungsspieles, Punktroller genannt; die Bekräftigung der alten Formel, daß Persil Persil bleibt; das Hinweisen auf das neue Pflaster zur Pianissimo -Behandlung der Hühneraugenklaviatur, Reklamen für Zigaretten, Champagnermarken, Korsetts, das Niederwalddenkmal, ganz bestimmt das Produkt einer an Größenwahnsinn ernstlich erkrankten Sekte (gehen Sie mir weg mit dem Märchen, das hätte einer allein ausgeklügelt), eine künstlerische Katastrophe, die man durch Unterlegen von etwas Dynamit schmerzlos in eine künstliche überführen sollte. Gasthöfe und Weinschenken, Garagen und Tankstellen schreien in grellen Farben, alles unter dem Motto: Strömt herbei ihre Völkerscharen, Nun, das hatte 1918 seine Wirkung nicht verfehlt. Aus allen Gegenden, sogar aus dem Chewinggumlande und aus dem dunklen Erdteil (so genannt wegen der schwarzen Hautfarbe seiner Einwohner) waren sie gekommen, allerdings statt Touristenstock, Lodenmantel und Rucksack … Gewehr, Kakiuniform und Tornister mit sich führend. Man hatte eben keine Zeit gehabt die Garderobe zu wechseln, die man beim Kriegspielen in Frankreich trug; sie bürgerte sich am Rhein auch schnell ein und wurde die führende Mode. Diese an den Rhein so urplötzlich Gekommenen bildeten sich zu Dauergästen aus, weil es ihnen anscheinend gut gefiel, und ganz begeisterte Naturschwärmer, über die Frankreich in Massen verfügt, waren nur mit Mühe und Not von der Idee abzubringen, das Rheinland als Weekend-Eldorado für französische Kleinrentner einzurichten.

Nun haben wir die Reklamen und Randbemerkungen gelesen, wobei aber darauf hingewiesen werden muß, daß ich das nicht so ruhig wie Sie tun konnte, denn hier an der Litfassäule ist die donnernde Hölle mit leibhaftigen Autoteufeln.

Das Niederwalddenkmal

Das Niederwalddenkmal


An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein, mein Sohn, ich rate dir gut! Wenigstens nicht zu Fuß, denn es bestehen große Aussichten, daß du dir mal ein Auto aus der Froschperspektive ansehen müsstest. Das ist recht unangenehm Du kugelst dich im Dreck, die Brille springt entzwei (vorausgesetzt, daß du eine solche trägst), dein Anzug wird besudelt. und so nebenbei erheischt die Umformung deines Körpers auch noch ein Transportmittel, entweder durch Roteskreuzfähnchen gekennzeichnet oder pietätvoll schwarz angestrichen. Manche und es dürfte die Mehrzahl sein, benutzen beide Transportmittel, zwar nacheinander, so in zweitägigem Abstand, nach einer wohltuenden ärztlichen Behandlung. In der Tat, es ist lebensgefährlich. Denn zu beiden Seiten des Rheins hat man Autostraßen angelegt, tadellos, kerzengrade, ein ideales Betätigungsfeld für Kilometerfresser und radikale Anhänger der Ellenbogen-, in diesem Falle Schutzblechfreiheit. Das Schutzblech, eine furchtbare Waffe, die, auf ihrem lammfrohen Namen fußend, Anspruch erhebt, in die Kategorie der Schutzmittel einverleibt zu werden, die aber dazu ganz und gar keine Berechtigung hat, aus der einfachen Ursache, weil sie wie dazu geschaffen ist, sich dem harmlosen Fußgänger einzuverleiben und das mit sprichwörtlicher Gründlichkeit und etlichen Pferdestärken und Zylindern (gemeint sind hier Autozylinder, nicht die bei Begräbnissen übliche Kopfbedeckung, ein Irrtum, der dem Leser leicht unterlaufen könnte).

Darum raus aus dem Bereiche des Todes, (frei nach Karl May), raus aus der mit Öl und Benzin gesättigten Luft, runter von der Rennbahn. Mein Rettungsring (in der Not ergreift man eben, was grade dahergeschwommen kommt) war eine Diele, (kommt mit dem Wort “Garage” immer zusammen vor, die beide unter dem geläufigerer Sammelnamen “Tankstelle” besser bekannt sein dürften, übrigens Diele mit Artikel verbunden “Die-Die-le”, eine Redewendung, die Stotterern ganz besonders sympathisch sein müsste.) Vorn im Eingang schälten sich grade ein paar Kraftwagenfahrer (um nicht immer Auto zu sagen) aus ihren Lederetuis; nach vollbrachter Ausschirrung waren sie genötigt, besagte lederne Garderobe in der Garderobe abzugeben, weil man erstens in der deutschen Sprache für diese zwei grundverschiedenen Dinge nur eine Bezeichnung hat (und noch keine deutsche) und zweitens, weil gerade die dabei zu entrichtende Gebühr eine hübsche Nebeneinnahme, in rassereinen Nepplokalen sogar eine Haupteinnahme ausmacht und das Geschäft über Wasser hält, was bei den so nahe am Rhein gelegenen Etablissements ganz beruhigend auf die des Schwimmens Unkundigen wirkt. Nun, ich tat, wie ein drohendes Schild mir befahl, legte Mantel und Hut ab und gelangte in einen mit Pariser Parfums durchsetzten und von Rheinländern besetzten Saal, wo ich mich in einem Clubsessel verstaute. Obschon es noch früh am Nachmittage war, hatte man die Fenster mit zentnerschweren Vorhängen verhangen. Die Aussicht auf den Rhein wirke zu störend und außerdem sei Deckenbeleuchtung dem mit allen Schikanen zurechtgeschusterten Teint der Damen weitaus bekömmlicher als grelles Sonnenlicht.

O Rheinromantik wo bist du?
Eine aufgeregte Jazzmusik huddelte etwas vom Nil, ein Neger schlug sich auf sein breites Maul, ab und zu exotische Laute ausstoßend, und rund um dieses Podium des Schreckens und der Disharmonie gestikulierten mit Armen und Beinen die Rheintöchter, das Ganze Fünf-Uhr-Tee darstellend (die Uhr schlug eben 1/24 und Tee war nicht aufzutreiben). O holde Rheinmägdelein mit blondem Haar und blauen Augen, wer gab euch die Idee, Haartinktur zu benutzen, von wem erlerntet ihr – allerdings schlecht – die Kunst, den Lippen- und Augenstift zu führen, wer lehrte euch das Zigarettenrauchen, das blasierte Indieweltgucken, das Hochschürzen der Lippen? Was wallest du stumm durch die Berge, o Rhein? Na, da soll man nicht sprachlos werden!

Ich war offenbar an eine falsche Romantikquelle geraten, mein Rettungsring erwies sich als brüchig und zog Wasser. “Herr Ober, zahlen!”

Und da wiederholte sich die bekannte Geschichte vom Schiffer, der angesichts der Lorelei langsam in den Fluten des Rheins versank, in dem ich angesichts der hohen Rechnung – im Gegensatz zu besagtem Schiffer aber ziemlich rasch – in den Konturen des Clubsessels absackte. Nun, Ober sind außer Herren (Herr Ober!) Allerweltskerle, die auf alles gefaßt sind. So auch hier, Im Nu hatte er den Schwerpunkt der Situation erkannt, nämlich meine Silbermarken, die er mir blitzschnell abnahm und dadurch mich wesentlich erleichterte, was mir ein Wiederauftauchen an die Oberfläche gestattete.

Ausgang, “Ist die Tanzmusik erstklassig?” frug mich ein mit Pelzmantel und Brillanten behafteter “starker” Herr (dicker Herr paßte eigentlich besser, aber das Wörtchen “dick” ist neuerdings in besseren Kreisen verpönt), der grade im Begriffe stand oder, richtiger: saß, sich mit vieler Mühe aus einer Limousine zu laden … Er halte nämlich auf gute Musik, und, falls das hier nicht der Fall, sei die unternommene Reise zum Rhein zwecklos; er bewohne ein Landgut und höre allda durch Radio Jazzmusik, aber leider viel zu wenig, weil über die Hälfte der Zeit mit Vorträgen verplempert wurde; übrigens ein schöner Unsinn, diese Vorträge, die doch nur dazu da seien, das gemeine Volk aufzuklären, also eine direkte Schärfung des Verstandes bewerkstelligten, und er sähe nicht ein, zu was die deutschen Bürger Verstand benötigten. “Das ist eben die Quintessenz (beliebter Stammtischausdruck) allen Übels in Deutschland,” fuhr er fort (und hatte das Ausladen seiner Person noch nicht zu einem glücklichen Ende geführt), weil die Menschen langsam Verstand angenommen haben und nicht mehr hübsch brav in der Herde mittraben wollen, wie das zur glorreichen Regierungszeit Seiner augenblicklich in Holland zur Erholung weilenden Majestät an der Tagesordnung war.” Ich brauchte nicht zu antworten auf diese bandwurmlangen Satzgebilde, denn die aufgehende Saaltüre und das dadurch hörbare Musikgepolter hatten ihn zum Bleiben bestimmt.

Eine durch ein mittelalterliches Aushängeschild (werden heute auf Bestellung antiquarisch angefertigt) gekennzeichnete Weinstube mit “anschließender” Rheinterrasse und herrlicher Aussicht präsentierte sich so einladend, daß ich kurzerhand hineinging und -fiel, Ich setzte mich verstohlen in eine einsame Ecke und gab mir redlich Mühe, Rheinstimmung zu genießen, indem ich gedankenlos über die Wellen hinträumte (Stimmung ist bekanntlich der Zustand, wo der Mensch nicht mehr denkt. wenigstens nicht normal), wohlweislich den von einer Lebensversicherung am andern Ufer errichteten und herüber grinsenden Knochenmann aus meinem Gesichtskreis verbannend.

Da entstand plötzlich ein Lärm, als ob die Mauer einer Talsperre zusammengeklappt wäre und die Wassermassen sich talwärts wälzten. Zuerst strömten durch die Flügeltüren Gerinnsel von Menschenhäufchen, und dann ergoß sich ein Strom, auf die Terrasse, der alle Tische überflutete . . . Ein Gesangverein auf Sonntagsbillet. Nachdem Regenschirme und Aktenmappen (in ihnen wird, Akten ausgenommen, alles transportiert Lebensmittel, alte Schuhe, schmutzige Wäsche usw,) möglichst geräuschvoll abgelegt waren und die durstigen Kehlen (es war die 27. Station) mit der auf der Getränkekarte als Wein bezeichneten Flüssigkeit angefeuchtet waren, begann man das bei den in dieser Gegend herumvagabundierenden Gesangvereinen so beliebte rheinische Frage- und Antwortspiel, das

Aufschluß über diese Menschensorte gibt. Geistig unterernährt, das bestärken die dummen Fragen, und offenherzig, weil diese Fragen laut gesungen werden. (lies: gebrüllt, trompetet, posaunt, gehustet, gegurgelt.) Ad eins, “Warum ist es am Rhein so schön?” Das fragt man so anhaltend, so bittend, so wissensdurstig, man wiederholt die Frage, einmal, zweimal, dreimal, dreht sie herum, versucht ihr von einer andern Seite näherzukommen, ändert den Tonfall, vielleicht daß sie so verständlicher wird. Ist denn kein Oberstudienrat (auf hohen Titel wird gehalten, Nebensache wie hoch Gehalt betitelt) vorrätig, der diesen Leutchen aus der Patsche helfen könnte!

Zweite Frage. “Was ist Wein?” Diese Frage muß man vorsichtig beantworten, kann überhaupt frühestens am nächsten Tage beantwortet werden, wenn Kopf und Magen die Analyse gemacht haben, denn die Zunge läßt sich von den modernen Weinfabrikanten überlisten. Aber- diese sangeslustigen (tief Atem holen) Gehstduhintermichträger, auf deutsch Cut-träger (nähere Beschreibung in Modejournal unter: Nationalanzug) scheinen schon besser vorbereitet zu sein, denn sie finden verblüffend schnell die Antwort, “Was ist Wein? – Sonnenschein,” War eigentlich überflüssig (einige waren schon am überfließen), denn das sah man auf den ersten Blick, daß alle einen gehörigen Sonnenstich erwischt hatten.

Hier war statt Rheinromantik die Hochblüte des mit Vorhemdchen und Röllchen umgürteten Spießbürgertums.

Die Dämmerung fiel ein; ich verließ diesen in Zigarrenrauch und süßsäuerlichem Duft eingebetteten Menschenknäuel, der das Fehlen an individueller Originalität durch gemeinsame Gesangübungen ersetzte und sich “künstlich über die Mühsalen des Alltags hinwegtäuschte”.

“Endlich allein,” hatte ich noch grade Zeit zu denken, da stand ich schon mitten unter einem mit Wildwestern und nackten Knien bekleideten Völkchen, das sich schlechthin Pfadfinder schimpft. Wenn man nur einen Augenblick an das polizeilich streng geregelte Deutschland denkt, wenn man bedenkt, wie auch der kleinste Weg durch riesengroße Warnungstafeln zum Betreten erlaubt oder verboten ist, so sieht man schnell ein, auf welchem Misthaufen von Logik die Bezeichnung “Pfadfinder” ihren Ursprung nahm. Was da für Pfade gefunden werden sollen, ist mir rätselhaft.

“Das ist auch Nebensache,” ließ ich mir vom Anführer (mit Klempnerladen auf der Brust) sagen, “Wir gehören der Jugendbewegung an, darum bewegen wir uns, marschieren wir, nichts wie marschieren, und, damit keiner sich daraus ein Vergnügen macht, tragen wir zentnerschwere Last, wie da sind Trompeten, Spaten, Fahnenstöcke, Kochgeschirre, Zeltbahnen, kurz alles was man zu einem Sonntagnachmittagsspaziergang benötigt, Wir zählen Kilometersteine, wir zählen die vorbeirasenden Autos, im Übrigen vermeiden wir jede geistige Anstrengung (statutengemäß), weil das Minimum an räsonnierendem Geist den Wert des vorbildlichen Soldaten ausmacht, das zu werden unser aller höchstes Ziel ist.” Man kann der Jugend nicht übelnehmen, daß sie Krieg spielt, während die Väter (Hugenberg wollen wir stillschweigen übergehen) sich redlich abmühen mittels Zerstäubern (ausrangierte Fly-tox-Tuben tun hier schon gute Dienste) ein bischen Locarnogeist in die mit Säbelgerassel verpestete Luft zu spritzen.

Die Heimfahrt. Ein Schreien, ein Schimpfen, ein Drängen. ein Zwängen, ein Kampf schlimmer als vor Verdun (der Leser möge verzeihen, es fiel mir nichts Passenderes ein) um ein armseliges Plätzchen. Der Zug setzte sich in Bewegung. Der Augenblick war gekommen, wo die mit Rheinromantik gespickte_ Herzen überflossen, wo grandios Erlebtes die Zungen löste, und so erzählte man, daß das Wetter besser gewesen, als man anfänglich gedacht; daß man nur zwei Autounfälle gesehen. allerdings einen ziemlich schweren, denn es gab 2 Tote und viele Scherben; daß man beim Weintraubenstehlen beinahe erwischt worden sei; daß man stundenlang einem Faltboot zugesehen habe und minütlich das Kentern erwartet habe, aber was meinen Sie wohl, man sei gefoppt worden, es ging nicht unter und wollte nicht untergehen, eine direkte Bauernfängerei eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, sieht so zerbrechlich, so unstabil aus und steht ganz fest, ja viel fester als die Wacht am Rhein!

Wo blieb die Rheinromantik?

Der Zug hielt. Voll Ärger über den verlorenen Tag und die Einsicht, daß mir das Zeug zum Detektiv vollständig fehl, ging ich ins Kino, Und da fand ich, was ich so schmerzlich gesucht. Rheinfilm mit romantischen Städtchen, goldigen Weinbergen, holden, sonnigen Mädchen, übermütigen Studenten. Die Leinwand, unterstützt von passender Musik, schüttete fuderweise Rheinromantik auf mich. Das alles für 1,50 RM.! Was Jupiterlampen und Regisseure nicht alles fertig bringen! Ohne sie keine Natur, keine Rheinstimmung mehr. Darum mein Sohn, beherzige den Rat: Zieh nicht an den Rhein, sondern ins Kino.

P.S. Es wäre vielleicht nett, wenn man alles durch die beschönigende Filmapparatlinse sehen könnte, aber ich glaube, dann würde viel, viel weniger gelacht.

Kommentar zu diesem Text.

Egon Zander

Egon Zander


Zufällig habe ich ihn 1993 entdeckt. Mir stach der Name Egon Zander sofort ins Auge, denn so häufig ist der Name in dieser Schreibweise in Luxemburg nicht. Auch kommt Egon als Vorname in Luxemburg nicht besonders oft vor. Also sandte ihm eine Kopie, worüber er sehr erfreut war, und stellte einige Fragen zu dem Text. Denn vieles war für den Studenten von 1993 nicht ohne weiteres zu verstehen. Wohl aber war mir aufgefallen, dass zuvor Lambert Schaus, der spätere Minister, einen, die Rheinromantik feierenden Artikel in der selben Studentenzeitschrift veröffentlicht hatte, und so vermutete ich, Egons Text könnte eine Parodie darauf darstellen. Dem war wohl auch so, allerdings schrieb Egon seine Erwiderung offenbar sogar auf dessen Anregung.

Er schickte mir folgenden Brief zurück:

Luxembourg, 18.12.1993

Lieber Catweazle !

Vielen Dank für Deinen Brief. Die Kopie meiner Skizze “Rheinromantik” hat mich besonders gefreut, da Manuskript und Akademia im Mai 1940 verloren gingen. Das deutsche Militär hatte gründlich in meinen Papieren geräumt. Uebrigens konnte ich mich nicht mehr an viele Einzelheiten erinnern. Mein Gott, war ich damals bissig.

Deine Vermutung betreff Verhältnis zwischen Lambert Schaus und mir stimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Ich war mit ihm gut befreundet, und er war es der die Veröffentlichung besagter Skizze in der Akademia bewirkte.

Was meine politische Einstellung betraf, so muss ich eingestehen, dass ich während meiner Studienzeit keine hatte. Es wurde nie in AACHEN politische Diskussionen zwischen Luxemburger Studenten geführt und auch nicht zwischen mir und deutschen Kommilitonen. Letzteres nicht aus Vorsicht, sondern wegen Interesselosigkeit. Durch den Sport, den ich auf der Hochschule betrieben habe lernte ich viele deutsche Studenten auch aus schlagenden Verbindungen kennen, zu denen ich stets, in gutem Einvernehmen war.

Das Schicksal von Batty Esch ist besonders tragisch. Klassenkamerad von mir im Athenäum war er ziemlich kompromisslos, was er auch bewies als er, von der Verhaftung seines Direktors Origer erfuhr, sich spontan der Gestapo stellte.
Nun zu Deinen Fragen:

Punktroller,

eine Art Nudelwalker mit punktförmigem Gummi überzogen, diente den Spiessbürgern zur Eigenmassage ihres Wanstes.

Niederwalddenkmal,

Der Bergrücken zwischen Rüdesheim und Assmannshausen heisst Niederwald. Dort wurde das Denkmal in Erinnerung von 1870/71 errichtet. Es stellt eine 10 Meter hohe Germania dar, flankiert von zwei Reichsadlern und etlichen Reliefs.

Fünfuhrtee,

Kopie vom englischen Five O’Clock Tea. Zu dieser Stunde traf sich die Jugend um das Tanzbein zu schwingen. Das war auch in Luxemburg der Fall und zwar im Majestic (Place d’Armes), Hotel de Cologne (heute Alima-Bourse) und Restaurant Schulz in der Rue des Capucins.

Der Name Zander:

Der Name Zander ist in der ganzen Welt Verbreitet, sogar im Süsswasser. In Schweden wurde von einem Doktor Zander Apparate für Widerstands= Gymnastik (?) eingeführt.
Vor geraumer Zeit habe ich einen Artikel im Luxemburger Wort gelesen, der sich mit den Bürgern der Stadt Luxemburg im siebzehnten oder achtzehntem Jahrhundert befasste. Darin ging Rede von einem Zander, der ein Wohltäter der Stadt war.

Ich hatte einen Bruder, der mit 15 Jahren Opfer der 1912 grassierenden spanischen Grippe wurde. Meine Vetter sind alle verstorben.

Verwandte mit Namen Zander habe ich ausser meiner Tochter, die Verheiratet ist, keine weder in Luxemburg noch im Ausland.

Nun Bleibt mir noch ein frohes Weihnachtsfest und viel Glück im Neujahr zu wünschen, Dir und Deinen Kommilitonen.

WP Plugin fürs Login

Heute gefunden: Der amerikanische Programmierer, Netzwerktechniker … James Kelly hat ein sehr brauchbares WordPress Plugin geschrieben: Themed Login Plugin.

Es erlaubt, in erster Linie das Aussehen des Login Schirms an das eigene Layout (engl. Theme) anzupassen. Auf wiesel.lu werde ich das zwar nicht einsetzen: Ausser mir selber wird sich hier wohl nie jemand einloggen, mich stört das Standardfenster nicht weiter. Doch für die ebenfalls unter WordPress laufende Webseite der alten Aachener aachen.lu ist es nahezu ideal:

  • Aachen.lu hat viele Nutzer. Im Prinzip kann jedes Mitglied dieses Vereins sich dort registrieren lassen, und wenn es von mir identifiziert wurde, erhält es Einsicht in die von uns über ihn gepeicherten Daten
  • Die meisten Mitglieder der Amicale werden das Login nicht dazu nutzen, eigene Beiträge zu verfassen, sondern wollen sich nur identifizieren. Es war daher bislang unnötig und verwirrend, dass sich der Kollege nach erfolgreichem Login auf dem Dashboard wieder fand, wo nur Sachen standen, die ihn gar nicht interessieren. James Kelly’s Plugin, erlaubt die Redirect Seite nach dem Login frei festzulegen!
  • Super ist auch, dass das Plugin den sog. Core-Code von WP nicht antastet