Rull De Waak

Einleitung

Zum Ausgang des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1897, gründeten die Luxemburger Studenten in Aachen ihren Verein. Ihr Blick war dabei, dem Zeitgeist entsprechend, auf die verheißungsvolle Zukunft gerichtet. Im Prinzip hätten sie auch zurückblicken können, denn ihre Geschichte beginnt nicht 1897, auch wenn dies heute weder in Aachen noch in Luxemburg bekannt ist. Viele Studenten wußten bis vor wenigen Jahren nicht einmal den Namen ihres Vereines, der im Alltag stets nur als “de Club” bezeichnet wird 1 . Trotz der langen Zeitspanne die der AVL schon existiert, trotz der hohen Bedeutung welche die RWTH für Luxemburg hat und obwohl die Luxemburger in Aachen keineswegs eine bescheidene Rolle spielten, wurde ihre Geschichte bisher noch nie aufgezeichnet. Diese Schrift wird unter anderem auch aufzeigen, warum das noch nie getan werden konnte und betritt insofern Neuland, als sie das Thema erstmals umfassend behandelt.

In der Literatur zur Hochschulgeschichte wurde es bislang durchaus öfter gestreift, etwa von dem ehemaligen Pressesprecher der RWTH Kurt Düwell:

“Von dort (aus Luxemburg) kamen ja seit den 80er Jahren mehr und mehr Studenten des Eisenhüttenwesens, die in der Kaiserstadt dann auch ihre eigene Verbindung der `Letzeburger` begründeten und zum Aachener Studentenleben einen wichtigen Beitrag leisteten.”

Die Vereinsgeschichte ist Teil der Hochschulgeschichte, dieser Sicht wollen wir uns anschließen. Da letztere in der einschlägigen Literatur bereits ziemlich gut behandelt worden ist, soll auf sie nur soweit als notwendig eingegangen werden. Der Leser sei aber auf die Liste der diesbezüglichen Literatur im Anhang aufmerksam gemacht.

Schwerpunkte dieser Arbeit sind vielmehr die Themen:

  • Was die Luxemburger dazu bewegte, in Aachen zu studieren
  • Weshalb sie den zweitältesten luxemburgischen Studentenverein gründeten
  • Ihre Beziehungen zum Studienumfeld, insbesondere zu den anderen Studenten, dem Lehrkörper und den Einwohnern
  • Und “last but not least” seine Traditionen und deren Wandlungen.

Die ersten Luxemburger an der RWTH

Als die RWTH zum WS 1870/71 unter dem Namen “Rheinisch-Westphälisches Polytechnikum zu Aachen”2 ihre Pforten für Studenten aus aller Welt öffnete waren erstaunlich viele Ausländer darunter, insbesondere Skandinavier die vorher in Hannover studiert hatten und dem ersten Direktor der RWTH von Kaven nach Aachen gefolgt waren. Aber auch Holländer, Belgier und Luxemburger. Dies läßt sich zum Teil dadurch erklären daß die Aufnahmebedingungen zu Anfang recht lasch waren. Es reichte der Abschluß der Sekunda und bei Ausländern genügte “irgendein Abschluss einer höheren Schule”. War die Schule über diese bereits sehr frühe internationale Bekanntschaft wohl ziemlich glücklich, so wurde dieser Umstand aber nicht zu allen Zeiten so gesehen. 1920 schreibt die “Burschenschaft Alania 3 :

“Ein Studentenleben war in keiner Weise vorhanden … zurückzuführen auf die verhältnismäßig große Zahl der ausländischen Studenten die dem akademischen Leben und dem öffentlichem Auftreten der Studentenschaft ein unerfreuliches, undeutsches Gepräge aufdrückten”.

Einer dieser Ausländer war Pierre MOURIS aus Diekirch. Als die RWTH vier Jahre später ihr erstes Jahrbuch heraus gab, vermerkte dieses daß eben jener Pierre Mouris als allererster und in dem Jahr einziger Student der Hochschule die Diplomprüfung im Fach Hüttenkunde mit sehr gutem Erfolg bestanden hatte. Er wurde zur Legende und zum Vorbild für viele Luxemburger, so sehr daß dies als er 1917 starb sogar eine Erwähnung in seinem Nachruf wert war. Er legte auch den Grundstein dafür, daß Luxemburg bei den Aachener Professoren einen klangvollen Namen bekam!

Folgende politischen Ereignisse waren der Gründung der RWTH vorangegangen und bestimmten bis zum Ende des ersten Weltkriegs das Verhältnis der Luxemburger zu Aachen und seiner Hochschule:

  • 1815 bestimmt der Wiener Kongreß daß Aachen eine preußische Provinzstadt und Luxemburg Privateigentum des niederländischen Königs wird. Damit lebt in beiden Gebieten eine fast ausschließlich katholische Bevölkerung unter einem protestantischen König. Aachen, das kurz zuvor noch Aussicht hatte unter Napoleon Hauptstadt Europas zu werden, entwickelt dementsprechend einen ganz speziellen Lokalpatriotismus der bisweilen in Xenophobie ausartete und welcher sich in starker Religiosität (Heiligtumsfahrt) ausdrückt. Die Aachener, die sich entweder auf platt oder französisch unterhielten, sagten von denen die Hochdeutsch sprachen (in der Regel protestantische preußische Beamte): “Der spricht ja evangelisch”.
  • 1842 tritt das 1839 unabhängig gewordene, aber vom Niederländischem König regierte Luxemburg dem Zollverein unter der Führung Preußens bei. Dies erleichterte den Studenten natürlich die Einreise weil sie sich damit zwar ins politische, nicht aber wirtschaftliche Ausland begaben.
  • 1867 versucht der Niederländische König Wilhelm III, der Luxemburg nur als lästiges Anhängsel betrachtete 4 , dieses an Frankreich zu verkaufen, weshalb es beinahe zum Krieg mit Preußen kommt. Luxemburg ist seither neutral, seine Festung wird geschleift und die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung wird verbessert. Die Bevölkerung gewinnt durch diese Angelegenheit jedoch erheblich an nationalem Zusammengehörigkeitsgefühl und eine latent antideutsche Stimmung bleibt.
  • 1870 findet dieser Krieg dann doch statt. Frankreich unterliegt und muß Elsaß-Lothringen an Deutschland abtreten, dessen Staatsgebiet jetzt Luxemburg nahezu umklammert. Deutsches Kapital wird in die luxemburgische Eisenindustrie investiert. Aus den Kriegsentschädigungen die Frankreich zahlen mußte finanzieren sich viele Unternehmensgründungen. Dies ist der Grundstein der deutschen Industrie, welche bald die stärkste der Welt werden sollte.

Fassen wir also die Vorteile die ein Studium in Aachen für einen Luxemburger hatte zusammen. Sie wogen den Nachteil daß sich das Polytechnikum noch keinen Namen gemacht hatte auf:

  • geringe Entfernung von Luxemburg. Ab 1885 besteht die Möglichkeit der bequeme Anreise mit der Bahn dank einer Direktverbindung ab Maulusmühle nach Aachen-Rothe-Erde, die sog. Vennbahn, die das Kohlenbecken Aachen mit dem Erzrevier Luxemburg verbindet! 5
  • unkomplizierte Einreise
  • Besitzer der Hüttenwerke sind Deutsche, d.h. ein Studium in Deutschland bietet bessere Chancen eingestellt zu werden. Später kommt noch hinzu daß Deutschland die Industrienorm, nach der in Luxemburg produziert wird vorgibt.

Studentenvereine in Aachen

In Deutschland haben Studentenvereine, i.a. Verbindungen genannt, eine lange Tradition die bis ins Mittelalter zurückreicht. Im Lauf der Zeit entstanden mehrere Formen dessen Hauptunterscheidungsmerkmal die Kriterien für die Aufnahme neuer Mitglieder sind: Herkunft (Landsmannschaften, Corps), Ideologie (Burschenschaften, katholische Studentenvereine), Studienfach oder Betätigungen (Turnerschaften, Musikalische Verbindung). Dabei entwickelten sich, immer von den Umweltbedingungen geprägte Umgangsformen, die aber beibehalten wurden auch wenn erstere sich geändert hatten. Gemeinsam sind ihnen aber die folgenden Merkmale:

  1. Die Mitglieder teilen sich in Füchse (neue Mitglieder) und Burschen, wobei die Füchse weniger Rechte haben. 6
  2. Absolventen werden “Alte Herren” genannt. Sie bilden einen Altherrenverein der den Aktivenverein finanziell unterstützt. Dies verweist auf den Ursprung der Verbindungen im Mittelalter. Der Grundgedanke war, da sich die Akademiker als eigener Stand ohne Berücksichtigung der Herkunft auffaßten, daß die bereits in Amt und Würden befindlichen Alten Herren den Neuen das Studium finanzieren, um sich so von der Abhängigkeit von Kirche und Landesherr zu befreien.
  3. Sie halten Kneipen ab, d.h. im Wesentlichen geselliges Trinken nach bestimmten Regeln. Diese Regeln heißen “Bierkomment”. Das Bierkomment war eine Parodie auf die affektierten Umgangsformen der Adligen. Diese wurden dadurch lächerlich gemacht daß man sie auf etwas so Unwichtiges wie Bier anwendete.

Auch in der neuen Universitätsstadt entstanden spontan Vereine, oder sie kamen mit den Studenten welche ihre Schule wechselten aus anderen Städten. In Aachen entstanden die Vereine aus folgenden Gründen:

  1. von Kaven hatte zwar ein Lehrprogramm, aber man sollte bedenken daß dies eine Zeit war, in der sich die Ingenieurkunst erst entwickelte. Die Vereine wollten ihre Mitglieder auch gegenüber der Hochschule vertreten und Einfluß auf den Lehrplan nehmen. Insbesondere später, als sie über Alte Herren verfügten die praktische Erkenntnisse aus ihrer Tätigkeit einbringen konnten.
  2. Selbstverständlich wollten die Studenten auch ihre Freizeit etwas gestalten, bzw. die Geselligkeit unter ihnen fördern, und auch im Hinblick auf später die Möglichkeit eröffnen, Kontakte zu knüpfen.
  3. Wie schon erwähnt kamen die Studenten aus aller Herren Länder und stießen bei der katholischen Bevölkerung auf Widerstand. Das förderte natürlich die Solidarität unter diesen Fremden.

Diese Ablehnungshaltung ist in o.g. Literatur bereits sehr ausführlich behandelt wird. Nur soviel: Von 1871-1887 rangen die katholische Kirche und der preußische Staat (dessen Repräsentant ein protestantischer König) um Einfluß. Die politischen Katholiken wurden Ultramontane genannt (Papstsitz “jenseits der Berge” in Italien) und waren in Aachen sehr stark. Gegen diese verbündete sich der Staat mit den Liberalen.

Es gab folgende Vereinstypen: Fachvereine, traditionelle Burschenschaften, eine Turnerschaft und diverse Vereine wie den Stenographenverein, Ausländervereine und die katholische Verbindung CAROLINGIA. (Siehe Übersicht Vereinsgründungen)

  1. Die Fachvereine entstanden als erste und waren am stärksten. Das Polytechnikum bestand damals aus vier Abteilungen:
    • (I) Bau- und Ingenieurwesen
    • (II) Maschinenbau und technische Mechanik sowie
    • (III) Chemische Technik und Hüttenkunde, plus
    • (IV) eine “Allgemeine Schule” für die Vorstudien.

    Diese Vereine nahmen am Anfang auch gewerkschaftliche Funktionen wahr.

  2. Neben den erwähnten Skandinaviern gab es in den ersten Jahrzehnten viele Russen und Polen die in ihrer Heimat politisch verfolgt wurden und denen der Studentenstatus ein Bleiberecht für Deutschland sicherte, Sie unterhielten zeitweise slawische Vereine. Ein Kuriosum ist der “Ausländerverein am Polytechnikum zu Aachen” (1875-1885). Er wurde vermutlich insbesondere von den Niederländern getragen. Er tritt in Erscheinung und verschwindet wieder zu genau der Zeit als jene keinen eigenen Verein hatten.
  3. Dem ältesten Verein, der CAROLINGIA gehörten vor allem Aachener mit ultramontaner Einstellung an. Die anderen Studenten standen ihm daher eher feindlich gegenüber.
  4. Die traditionellen Burschenschaften und Corps wurden in Aachen als “freie Vereine” bezeichnet da für eine Mitgliedschaft weder Fach noch Religion ausschlaggebend waren. Doch sogar Max Eckert, dem man wirklich keine Linkslastigkeit nachsagen kann, meinte daß sie in Wahrheit die unfreiesten waren da sie in der Regel nur Deutsche mit rechter Gesinnung aufnahmen.

Auch Luxemburger lieben das Vereinsleben. Nur waren sie bis dahin nie zahlreich genug um einen eigenen Verein zu gründen. Denn das vorindustrielle Luxemburg brauchte fast keine Akademiker, allenfalls Advokaten und einige Priester hatten Studien genossen. So kam es daß beispielsweise der Nationaldichter Edmond de la Fontaine in seiner Studienzeit in Heidelberg dem Schweizer Studentenverein angehörte. In Aachen schlossen sie sich in dieser Situation den Fachvereinen an. Nachgewiesen ist dies für den 1872 gegründeten “Verein der Chemiker und Hüttenleute” aus dem das heutige Corps “Montania” hervorging, und für den 1874 gegründeten (Bau) “Ingenieurverein”, der später im AV “Delta”, ebenfalls ein Fachverein für Bauingenieure, aufging. Für den “Architektenverein” (1873) und den “Maschinentechnikerverein” (1873) kann man auch vermuten daß sie Luxemburger aufgenommen hatten, hier sind aber keine Unterlagen vorhanden.
Warum zu den Fachvereinen?

Zu den “freien Vereinen” konnten sie nicht da ihnen deren “kriegerisches” Gehabe fremd war. Dazu später mehr. Die CAROLINGIA schied hingegen aus ideologischen Gründen aus: In Luxemburg tobte in diesen Tagen ebenfalls ein Kampf zwischen der Kirche einerseits, dem Staat und den Liberalen andererseits. Interessanterweise war dieser Konflikt von dem Aachener Kleriker Monseigneur Jean-Theodore Laurent ausgelöst worden. Die Einschreibelisten weisen die meisten der frühen Luxemburger als Söhne der Bourgeoisie aus, was nicht weiter verwundert! Somit sind sie vermutlich eher Liberale. Hinzu kommt daß man jemandem der damals Ingenieurstudien betrieb von vorne herein Fortschrittlichkeit unterstellen kann. Gegen die Kirche aufgebracht hatte die Industriellen, und damit die Ingenieurstudenten, in erster Linie deren Widerstand gegen die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, die für den Aufbau einer industriellen Gesellschaft aber unerläßlich war .
((Noch sieht man die Kirche nicht als Verbündeten gegen die Sozialisten!)) Auch gehörte die Loyalität der in Aachen fremden Studenten ihrem Direktor von Kaven, und der war “Kulturkämpfer” auf Seiten des Ministers Falk.

Übersicht der Vereinsgründungen
von bis Name Art
1871 KStV Carolingia konfessionell
1871 1875 Dispuut Neerlandia Land
1871 AV. Delta
später (ab 1903) Corps Delta
Fach
1871 Guestphalia Land
1871 Turnerschaft Rheno-Borussia frei
1872 Verein der Chemiker und Hüttenleute

später Corps Montania (ab 1905)

Fach
1873 Akademischer Architektenverein Fach
1873 Verein der Maschinentechniker

später Burschenschaft Markomannia

noch später Corps Marko-Guestphalia

Fach später frei
1873 1886 Verein der polnischen Jugend Land
1874 1888 Ingenieurverein

später Fusion mit Delta

Fach
1875 1885 Ausländerverein Land
1876 Akademischer Fechtverein
später Burschenschaft Alania (ab 1887)
frei
1885 AV Hollandia Land
1886 1891 Orano-Luciliburgia Land
1897 AV d` Letzeburger Land
1899 KDStV Frankonia konfessionell
1904 Bergmännische Vereinigung Fach
1904 KStV Wiking konfessionell
1909 Burschenschaft Teutonia frei

“Verein der Chemiker und Hüttenleute” (VChH)

Da Hüttenkunde lange Zeit das bevorzugte Fach der Luxemburger sein wird und die Montania noch recht interessante Unterlagen hat wird dieser Verein hier kurz behandelt.

Nachdem Pierre MOURIS und Eduard WORRé an seiner Gründung beteiligt waren, ist es nur natürlich daß die nachfolgenden Luxemburger Hüttenleute ihm auch beitraten. Sie behielten den VChH in guter Erinnerung; Constant DE MUYSER ein Eisenbahnpionier des Landes, hängte sich das Bild des Vereines von 1875 ins Büro, Fritz KINTZLé , späterer Direktor des Hüttenwerkes “Rothe Erde” in Aachen mit großen Verdiensten um die Durchsetzung des Thomasflußstahles, gründete sogar den Altherrenverein des VChH dem er bis zu seinem Tod 1908 vorstand.

Neben Deutschen und Luxemburgern finden wir auch eine ganze Menge Belgier, Niederländer und Norweger als Mitglieder. Der Verein führte 1873 bereits eine Ballottage (Abstimmung über die Zulassung neuer Mitglieder) ein. Die spätere Montania sah dahinter das “Bedürfnis Gleichgesinnter und nach gleichen Zielen Strebender, auch nach Sprache, Herkunft und Vorbildung und Lebensgewohnheiten Zusammengehöriger, sich vom großen Haufen abzusondern”. Die Zusammensetzung bleibt allerdings noch zwei Jahrzehnte international was dieser Auffassung widerspricht.

Als Beitrag waren zwei bis drei Mark pro Monat üblich. Der Verein organisierte wissenschaftliche Vorträge, Kolloquien, Exkursionen (davon jedes Jahr eine nach Rothe Erde), betrieb eine Bücherei und gab technische Zeichnungen heraus. Bei so vielen Vorteilen gab es auch keinen Grund einen eigenen Verein zu gründen.

Der Verein scheint einer der engagierteren im “Kulturkampf” gewesen zu sein und mußte das Lokal nicht weniger als fünfzehn mal wechseln.

Doch von 1875 bis 1884 ging, einher mit einer Wirtschaftskrise, die Zahl der Studenten an der RWTH massiv zurück. Die Zahl der Mitglieder des Ingenieurvereins beispielsweise sank bis auf 3 (1882). Dies gab einer rein luxemburgischen Gründung eine Chance.

“Die Landsgenossenschaft ORANO-LUCILIBURGIA” (OL)

Zuvor muß aber noch ein ganz berühmter Student erwähnt werden, der nie einem Verein angehörte und doch so großen Einfluß auf den späteren AVL gewinnen sollte: Emile MAYRISCH studierte von 1881 bis 1885 unter der Matrikelnummer (78) Hüttenkunde an der RWTH. Er verließ sie, ohne Abschluß, um eine Stellung bei seinem Onkel, dem Hüttenwerkbesitzer Norbert Metz anzunehmen. Hier arbeitete er sich hoch, wurde 1897 Direktor des Düdelinger Werkes und 1911 Generaldirektor der ARBED, jenem Stahlkonzern welcher der Hauptarbeitgeber für die Aachener wird, nicht zuletzt weil Mayrisch, aus Respekt vor dem Abschluß den er nie bekam, diese klar bevorzugte.
((Der Historiker Gilbert Trausch, dessen Großvater ebenfalls in Aachen studierte, deutet dies als eine Maßnahme um die Beziehungen zwischen den luxemburgischen Arbeitern und den Ingenieuren zu verbessern.)) . Diesem erfolgreichsten Studienabbrecher des Landes ist es zu danken daß in der Literatur die RWTH später als die “pépinière de l` ARBED” bezeichnet wird. Sein Bemühen Konzerne zu bilden gipfelte 1926 in der Gründung der deutsch-französischen Kohle- und Stahlallianz “entente internationale de l` acier”

Mayrischs Idee war es durch diese Allianz die wirtschaftlichen Interessen der beiden Giganten so zu verquicken, daß ein Krieg zwischen ihnen unmöglich würde. Mayrisch-Enthusiasten sehen darin gerne den Vorläufer der CECA und damit der EWG und letztlich der EU. Mayrisch wurde nach dem Aufkauf des Eschweiler Bergwerksvereines einer der größten Arbeitgeber in der Aachener und die RWTH verlieh ihm den Dr. h.c. An diesem Titel konnte er sich aber nicht lange erfreuen, er starb 1928 durch einen Verkehrsunfall.

Leider gibt es kaum Dokumente über die OL und so können wir nur kombinieren und spekulieren. Den einzigen Hinweis daß es den Verein überhaupt gab, liefert Prof. Max Eckert, er schreibt:

“Von 1886 – 1891 befanden sich fast alle an der Technischen Hochschule anwesenden Luxemburger in der Landsgenossenschaft ORANO-LUCILIBURGIA”

Aus dem Namen den sie wählten können wir aber schon einiges herauslesen:

  • Zunächst nennen sie sich Landsgenossenschaft und nicht Landsmannschaft wohl um nicht mit einer solchen verwechselt zu werden. Unter letzterer versteht man i.a. eine schlagende deutsche Verbindung. Die Landsmannschaft ist die ursprünglichste Form der Verbindung.
  • Der Vorsatz “Orano” verweist auf das Herrscherhaus, die Oranier. Die Erinnerung an die Spaltung Luxemburgs 1839 in einen belgischen und einen unabhängigen Teil ist wohl noch lebendig. Auch Eckert schreibt:” Obwohl die Ausländer den Fachvereinen angehören durften, haben sie sich trotzdem noch zu Sondervereinigungen zusammengeschlossen. Der Ausländerverein am Polytechnikum zu Aachen (1875-1885) bezweckte einen geselligen Zusammenschluß der an der Hochschule studierenden Ausländer. Die benachbarten Holländer und die deutschsprechenden Luxemburger waren die ersten (Ausländer), die Vereinigungen anstrebten”. In Lüttich etwa hatten sich die Luxemburger in der “Regionale” mit den Wallonen der Province de Luxembourg zusammengetan und auf einen eigenen Verein verzichtet. Die OL will klar machen daß dies nicht ihre Absicht ist.
  • Luciliburgia ist ein Tribut an die, in jenen Tagen aufkommende nationale Geschichtsforschung. Graf Siegfried hatte bekanntlich 963 einen Felsen mit dem Namen “Lucilinburugh” erworben.
  • Der OL waren zwei Vereinsgründungen vorangegangen, von denen, die OL` er sicher Kenntnis hatten und sie ermutigten es jenen gleich zu tun:
    • Im belgischen Löwen (Louvain) hatte sich 1880 der allererste luxemburgische Studentenverein, “d` Letzeburger zu Léiwen” (LL) aufgetan und
    • in Aachen bestand seit dem Vorjahr (1885), also dem Jahr wo der “Ausländerverein” auseinander fiel, der AV “Hollandia”. “Orano” könnte auch, durch Verweis auf den gemeinsamen König, als Sympatieerklärung an die Holländer verstanden werden, die man als Verbündete zu gewinnen suchte.

Daß überhaupt so viele Luxemburger nach Aachen kamen zu einer Zeit, als die Gesamtzahl der Studenten so stark abgesunken war (1875/76: 447, Tiefstand :1884/85: 141, erst 1891/92 wieder 210) 7 daß man ernstlich um die Zukunft der RWTH bangen mußte 8 erklärt sich aus dem schwunghaften Aufstieg den die Stahlindustrie des Landes inzwischen genommen hatte (siehe auch Statistik Seite ). Mayrisch war der Verzicht auf einen Abschluß (bis zum ersten Weltkrieg in Luxemburg nicht unbedingt erforderlich) auch dadurch schmackhaft gemacht worden daß er die Möglichkeit geboten bekam, am Aufbau des modernsten Hüttenwerkes des Landes, Dudelange, mitzuwirken.

Deutschland hatte Elsaß-Lothringen nicht aus politischen Gründen annektiert, denn auch dessen deutschsprechenden Einwohner wären lieber Franzosen geblieben. Militärische (Festung Metz) und wirtschaftliche waren da schon wichtiger. Die deutsche Stahlindustrie brauchte das phoshorhaltige lothringische Erz, welches sich durch das Verfahren von Thomas-Gilchrist, einer Variante des herkömmlichen Bessemer-Verfahrens, jetzt wirtschaftlich verwerten ließ.

Der Nordzipfel dieses lothringischen Erzbeckens liegt auf Luxemburger Territorium. Damit sich das Land nicht zum reinen Rohstofflieferanten entwickeln sollte, erließ die Abgeordentenkammer 1884 ein Gesetz das Schürfrechte nur an Firmen erteilte, welche sich verpflichteten einen gewissen Prozentsatz des geförderten Erzes im Land selbst zu verhütten. Es wurden nun neue Hüttenwerke errichtet bzw. alte ausgebaut. Nachstehend eine Übersicht der wichtigsten Werke, Besitzverhältnisse kurz vor dem ersten Weltkrieg:
((Raymond Steil in “75 Joër fräi Gewerkschaften” OGBL Esch-sur-Alzette 1992, pp 108,109))

Gründungs
jahr
in deutschem Besitz:
1846 Steinfort (Felten-Guillaume Carlswerk AG.)
1865 Dommeldingen (ARBED)
1869 Metzeschmelz” Esch-Schifflingen (ARBED)
1870 “Brasseurschmelz” ab 1892 im Besitz des Aachener Hüttenaktienvereins unter dem Namen “Terre Rouge”
1872 Rümelingen (Deutsch-luxemburgischer Bergwerks und Hütten A.G.)
1882 Düdelingen, ab 1886 verfügbar.(ARBED)
1896 Differdingen (Deutsch-lux)
1909 Adolf-Emil-Hütte” heute Esch-Belval.
In belgischem Besitz
1872 Rodingen (Ougrée-Marihaye)
1899 Hollerich (Union des Aciéries)

Nun wollen wir diesen trockenen Fakten mal etwas Leben einhauchen und uns etwas mit den Studenten selbst befassen:

Max Eckert hat uns ja versichert daß fast alle Luxemburger der OL angehörten. Unter diesen findet sich ein gewisser Eugène RUPPERT (*1864, +1950). Er hat als erster Ingenieur in China moderne Hüttenwerke errichtet und darüber ein Buch verfaßt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat arbeitet er als unabhängiger Ingenieur und war ein stadtbekanntes Original, allgemein “de Chinees” genannt, allseits beliebt für die schönen Geschichten die er erzählen konnte. Besonders gerne tat er sich mit seiner Studentenzeit hervor. In seinem Nachruf in der “Revue technique” schreibt ein gewisser P.L.:

“Il entra à l` école polytechnique d` Aix-la-Chapelle, en compagnie de Jacques Nicolas HENRION, Auguste LOOSé , Camille FUNCK, <<Petit>> Emile METZ , Henri DE LA FONTAINE et d` autre encore. A l’entendre parler raconter ses aventures à Aix on aurait dit qu` il y fit jamais de sérieuses études. Toutefois il passait son examen final après 4 ans et demi ce qui prouvera que la vie qu` il dit avoir menée à Aix n` était pas exactement celle décrite par lui”.

Hier möchte man P.L. widersprechen, denn Ruppert könnte die Woche über gelernt haben, und an einigen wenigen Tagen durchaus mit seinen Freunden “die Sau raus gelassen haben”. Es ist schließlich normal daß Ereignisse des Alltags nicht so gut im Gedächtnis bleiben als zünftige Streiche.

Auch über seinen Freund “Petit” wird berichtet 9 :

“Emile METZ dit <<Petit>>, naquit à Eich le 6.8.1863. C` était l` enfant terrible de la famille Metz. A Aix la Chapelle, où il fit ses études ses extravagances restèrent encore longtemps après son départ un ses sujets favoris des conversations. Il gagna un pari de champagne après avoir promené à travers la ville un coq tenu en laisse, une autre fois il se rend à l` école polytechnique en compagnie d` un jeune ours qu` il laissa attaché à la grille pendant qu` il suivait les cours”.

Bei Max Eckert ist dieser Studentenstreich ebenfalls überliefert, wenn auch etwas anders erzählt, wobei seine Version glaubhafter ist, da der Text älter und Eckert näher am Studentenmilieu ist:

“Als Studiosus M. ein Protokoll wegen seines Hundes ohne Maulkorb erhielt, züchtete er sich einen Hahn heran, band ihm einen Maulkorb vor und promenierte mit ihm am Elisenbrunnen auf und ab. Das wurde ihm ungnädig vermerkt.”

Der Schalk <<Petit>>, gibt einen guten Einblick in die Stimmung in der OL und beleuchtet die (Ein-) Stellung des Vereins zu seinem Umfeld: wie alle Luxemburger der damaligen Zeit tat sich Petit schwer mit dem preußischen Genauigkeitswahn, den er mit dieser Aktion parodierte, derweil er selbst die Dinge etwas lockerer sah 10) .
Viele Studenten hielten sich damals einen Hund, er ermöglichte es die Fräuleins die am Elisenbrunnen promenierten unverfänglich anzusprechen. Da sie meist nur ein Zimmer zur Untermiete bewohnten, war es typischerweise ein Dackel. Ein solcher war sicher nicht gefährlich und das Bestehen auf einen Maulkorb kann als reine Schikane der Polizei gewertet werden. Ein Hahn war für die Passanten bedrohlicher als ein zahmer Dackel, aber es stand ja nirgendwo geschrieben, daß man einen Hahn nicht spazieren führen konnte. Auch der Bär am Gitter ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Kommilitonen, daß man es auch übertreiben kann wenn man seinen herausgeputzten Hund als Statussymbol am Gitter festbindet.

Mit der Polizei hatten die Studenten sowieso ständig Probleme. Eckert:

” Das nächtliche Singen, das Kratzen an den Fensterläden, die Katzenmusiken, das Laternenausdrehen, das Schilderverhängen, das <Mäuschenfangen> wird den ehrsamen Bürger manchmal in Harnisch gebracht haben. Am Elisenbrunnen kamen die meisten Konflikte zwischen Studenten und Philistern11 vor, desgleichen mit den Nachtwächtern, den <<Nachteulen>>”.

Wir dürfen uns die OL-Mitglieder durchaus als Luxemburger mit ausgeprägtem Nationalbewußtsein vorstellen. HENRI war der Neffe von DICKS. Ruppert, auf seiner Reise nach China, wird 1897 beim niederländischen Konsul auf Ceylon (einem Deutschen) vorstellig. Dieser erklärt ihm daß für Luxemburg der deutsche Konsul zuständig sei. Obwohl es für sein Anliegen gar nicht so abwegig gewesen wäre, jenen aufzusuchen, belehrt Ruppert den Konsul lieber über den Status des Großherzogtums, die diplomatischen Begebenheiten und seine Pflichten.

Allein schon angesichts der Bekanntheit von Petit ist anzunehmen daß der Verein einen erstaunlichen Ruf genoß. Auf jeden Fall weisen die Namen der Freunde Rupperts auf den harten Kern der OL hin. Wie aus nachstehender Liste ersichtlich waren diese schon zwei Jahre in Aachen und warteten noch auf den kleinen Ruppert, von dem wir ja wissen daß er einen unternehmerischen Geist besaß und somit als Vereinsgründer in Frage kommt! Auch löst der Verein sich in dem Jahr (1891) auf, als der letzte dieser Truppe, Petit Metz, Aachen verläßt.

Hier die Liste der potentiellen Mitglieder der OL. Die drei letzten Louis DONCKEL , Wilhelm RATERS und Simon SPEDENER waren Mitglieder des VChH und daher vermutlich nicht in der OL.

Name Vorname von bis Studienfach Stellung des Vaters
Loosé August 1884 1888 Hüttenkunde Brauereibesitzer
Metz Emil 1884 1891 Hüttenkunde Hüttenwerksdirektor
de la Fontaine Henri 1885 1888 Hüttenkunde Distr. Commissar
Funck Camille 1885 1888 Hüttenkunde Bierbrauer
Henrion Jacques Nicolas 1885 1890 Hüttenkunde Bauconducteur
Traus Georges 1885 1889 Architektur Industrieller
Cahen Emil 1886 ? Chemie Kaufmann
Godchaux Eugen 1886 ? Chemie Industrieller (Pulvermühle)
Goedert Oskar 1886 ? Hüttenkunde gestorben
Ruppert Eugen 1886 1890 Hüttenkunde Gemeinderat
Thiry Josef 1886 1888 Hüttenkunde gestorben
Fischer Fritz 1888 1892 Hüttenkunde Ingenieur
Reuter Camille 1888 1892 Hüttenkunde Ingenieur
Thiry Eugen 1888 1892 Hüttenkunde Grubendirektor
Eydt Franz 1889 ? Bauwesen Industrieller
Donckel Louis 1889 ? ? ?
Raters Wilhelm 1891 1896 Hüttenkunde Pensionär
Spedener Simon 1891 1896 Hüttenkunde ?

Petit ist im übrigen, trotz einer glänzenden Diplomarbeit, gar nicht an einer Karriere in der Industrie interessiert, er ist bereits reich geboren. Ganz im Gegensatz zu seinem Freund Ruppert, der war Sohn eines Schmiedes. In Aachen schien ihm dies entweder peinlich gewesen zu sein, oder er befürchtete Nachteile aus seiner proletarischen Herkunft. Bei der Einschreibung gibt er unter “Stellung des Vaters oder Erziehungsberechtigten” jedenfalls “Gemeinderat” an. Damit steht er aber nicht alleine. Viele finden klangvolle Bezeichnungen für den Beruf ihres alten Herren: aus einem Winzer wird ein Weingutbesitzer und auch Kleinbauern werden zu Gutsherren.

Die Wandlung des VChH

Nach dem Zusammenbruch der OL wandten sich die Luxemburger wieder den Fachvereinen zu. Diese aber hatten in den 1890 er so ihre Probleme. Die Zahl der Mitglieder des VChH sank obwohl die Gesamtzahl der Studenten stieg. Nicht mehr so sehr Unterstützung beim Studium wie sie Exkursionen, Zeichnungen oder die Lehrbuchsammlung boten, erwarteten die deutschen Studenten von ihrem Verein, sondern Hebung ihres Ansehens. Jetzt war es wirklich so daß sie danach trachteten “sich vom großen Haufen abzusondern”. Der VChH versuchte gegenzusteuern, etwa indem er ab 1882 auch Bergbaustudenten aufnahm. Die farbentragenden und schlagenden”freien” Verbindungen liefen ihm jedoch weiterhin den Rang ab. Grund dafür war die sog. “Satisfaktionsfrage”. Wie kam es dazu?

1888 kam Wilhelm II 29-jährig auf den Thron weil sein Vater nach nur vier Monaten Regierungszeit bei einer Operation wegen Lungenkrebses gestorben war. Radikaler in seinem Vorgehen als Bismarck, hatte er anfangs großen Erfolg bei der Lösung der sozialen Fragen. Wegen seiner Jugend war er bei den Studenten besonders beliebt. Er versuchte die innenpolitischen Probleme durch Förderung des Nationalismus und eine aggressive Außenpolitik zu überdecken. Die höchste gesellschaftliche Achtung genossen folglich die Offiziere, die Studenten versuchten diese mit samt ihrem Gehabe zu kopieren. Folglich forderten sich sie ständig gegenseitig aus den nichtigsten Anlässen zu Fechtduellen heraus. “Satisfaktion geben” bedeutet also, im Fall einer “Beleidigung” mit dem Beleidigten zu fechten, oder im Extremfall ein Pistolenduell
((Pistolenduelle kamen hauptsächlich zwischen Deutschen und Ausländern vor.Vgl. Eckert Seite 441.)) .

Hierbei versuchten die jungen Leute gar nicht erst körperlichen Schaden durch fechterische Gewandtheit abzuwenden, sondern waren nahezu darauf erpicht Verletzungen, möglichst im Gesicht davonzutragen (die sog. “Schmisse”), als sichtbares Zeichen ihrer Zugehörigkeit zum Akademikerstand. Wohlmeinende Ermahnungen der Professorenschaft stießen auf taube Ohren. So schreibt ein gewisser Dr. Grabein 1912 in der “Aura academica”: “betrachtet man die Anlässe zu schweren Forderungen so muß man als ruhiger Beurteiler doch sagen (…) es handelt sich zumeist doch nur um sogenannte bezechte Geschichten. Es ist ein durchaus irregeleitetes Ehrgefühl sich hier durch das Beispiel des Offizierstandes bestimmen zu lassen. Wenn es dort Usus ist, so ist das gleichfalls zu beklagen, aber immerhin ist der Offizier der Repräsentant staatlicher Autorität, als solcher hat er dem Staat gegenüber Ehrenpflichten. Diese aber fällt für den Couleurstudenten fort.” (Gekürzt)

Im WS 1893/94 wollten die anderen Vereine der CAROLINGIA, welche aus religiösen Gründen den Waffengebrauch ablehnte, nicht den ihr zustehenden turnusmäßigen Vorsitz des allgemeinen Studentenausschusses überlassen. Dies schien auch den VChH unter Druck gesetzt zu haben.

Die Aktiven des VChH schafften 1893 schwere Waffen (Säbel) an und erfochten ihre Anerkennung. Doch die Alten Herren hatten andere Vorstellungen und entzogen den Aktiven ihre Unterstützung so daß der Verein zwei Semester lang suspendieren mußte.

Betrachtet man die Liste der Luxemburger Mitglieder des VChH, so muß man feststellen daß die meisten in den 1890er Jahren austraten oder “aus der Liste gestrichen”, in anderen Worten rausgeschmissen wurden. Da die Satisfaktionsfrage der große Streitpunkt damals war darf man vermuten daß sie nicht die Auffassung der Mehrheit der Aktiven teilten. Im Oktober 1894 setzten sich die Gegner der Satisfaktion noch einmal durch und die Herren v. Campe, v. Giese und der Luxemburger Wilhelm RATERS belebten den VChH wieder, ohne Waffen.

Die Haltung der Luxemburger überrascht nicht! Im Gegensatz zu Preußen hatte das Land schon lange keine glorreiche Armee mehr gehabt. Leute mit militärischen Ambitionen gingen zur französischen Fremdenlegion. Bis 1867 war Luxemburg deutsche Bundesfestung gewesen, und die Einwohner der Stadt hatten den Abzug der preußischen Truppen enthusiastisch gefeiert. Die Luxemburger können fast schon als eingefleischte Pazifisten bezeichnet werden, schließlich hatte das Land jahrhundertelang unter Kriegen nur gelitten und sie brachten Armee nicht mit Ruhm und Ehre sondern mit Einquartierung, hohen Steuern und Einschränkung ihrer Freiheit in Verbindung. Ein gutes Beispiel für die damalige Stimmung gibt die 4. Strophe des 1892 gedichteten Liedes von Michel Lentz:

“ons Arméi”
“Mir fénken och kéng Kricher un,
well mir de Fridde léiwer hun,
mat onse Nopeschleit.
Déi Kricher ruinéieren d` Welt,
si bréngen Elend, kaschte Geld,
d` ganz Mënschheet drënner leid!”.

So konnten die Luxemburger den Duellen nichts abgewinnen.

Raters verließ die Hochschule 1896. Im folgenden Jahr, dem Jahr der Gründung des AVL, verpflichtete der VChH seine Mitglieder auf den Grundsatz der unbedingten Satisfaktion
(( Auch der “Verein der Maschinentechniker” verpflichtete seine Mitglieder zur unbedingten Satisfaktion, ebenfalls 1897, siehe M. Eckert)) . Nur zwei Luxemburger ( François PAQUET und Pierre SCHRADER ) blieben weiterhin Mitglied des Vereines. Die anderen traten aus! 12

Das Goldene Zeitalter

Diese Bezeichnung ist wohl gerechtfertigt! Erstens ist es die Zeit in welcher Luxemburgs bedeutendsten Ingenieure aus der RWTH hervorgehen. Zum anderen ist es eine Periode stetigen Wachstums von Industrie und Hochschule, ständig steigenden Lebensstandards und Ansehens. Am Ende dieser Periode werden die Luxemburger ihre größte je erreichte Bedeutung für die RWTH haben.

Die Gründung des AV d` Letzeburger

Wie im Falle der Orano-Luciliburgia fehlen, zur Gründung des AVL eigene Dokumente. So greifen wir auf fremde Quellen, die erhaltenen Fotos, Satzungen (1897 und 1915) und das Bierkomment (1909) zurück. Am genauesten ist das Datum bei Max Eckert angegeben:

Seit Oktober 1897 besteht der ‘Akademische Verein d` Letzeburger’

” Neben der Umwandlung des VChH ist noch die Gründung des luxemburgischen Ingenieurvereins “Association des Ingénieurs Luxembourgeois” (ALI) am 27. März 1897, ein Ereignis das die Gründung, zumindest aber die Entwicklung des AVL beeinflußt haben dürfte da auch sie im Zusammenhang mit dem Streben der Ingenieure nach gesellschaftlicher Anerkennung steht. Die ALI lobte damals mehrfach diesbezügliche Initiativen des deutschen Kaisers wie die Auszeichnung und sogar Adelung von Ingenieuren, und empfahl sie luxemburgischen Stellen als Vorbild.
Wer den AVL stiftete bleibt aus o.g. Gründen im Unklaren, nachweislich zu dem Zeitpunkt an der RWTH eingeschrieben waren:

Name, Vorname Status Erstsemester Mitglied des VChH
Emil BADU Hörer
Constant BEAUCOLIN Hörer
Hubert BODSON Student X
Camille CITO Student X
Louis FEYDEN Student
Victor FUNCK Student X
Leo HEMMER Student X
Tony LEFORT Student X
Eduard LIESCH Student X
Auguste MICHAELIS Student X
François PAQUET Student X
Franz RATERS Student X
Jean-Pierre REDING Student
Henri ROUSSEAU Student X
Pierre SCHRADER Student X
Romain SCHROEDER Student X
Jean WEIWERS Student X

Der Name des neuen Vereines klang damals schon etwas hölzern, da er aus zwei Teilen besteht und auf deutsch und luxemburgisch zugleich formuliert ist. In den 1890er setzten allerdings nicht nur die Luxemburger, sondern fast alle Aachener Studentenvereine bei der Gründung oder Umbenennung das Konstrukt “Akademischer Verein”, vor den eigentlichen Namen. (Z.B. “akademischer Verein Schlägel und Eisen”, “akademischer VChH”). Auch daraus geht das Verlangen nach Anerkennung klar hervor. Die Verwendung von “Letzeburger”, statt etwa “Luxemburgensia” ist hingegen ein deutliches Bekenntnis zur Heimat.

Ziel und Zweck des Vereines geben die ersten Artikel der, vermutlich schon 1897 spätestens aber 1909 gültigen ersten Satzungen wieder. Ein Auszug:

§ 1.

Der akademische Verein “d` Letzeburger” hat den Zweck, den freundschaftlichen Verkehr zwischen den an der Aachener Kgl. Techn. Hochschule studierenden Luxemburgern zu heben und zu befestigen, ihre neu angekommenen Freunde aus dem Vaterland ins akademische Studium einzuführen, sie während der Studienzeit durch liebevolles Entgegenkommen zu unterstützen, sowie ihnen auch nach vollendetem Studium im späteren Leben nötigenfalls mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

§ 2.
Zur Erreichung dieses doppelten Zieles dienen allgem. Offizielle Vereinsveranstaltungen:
Wissenschaftliche Exkursionen und Vorträge;
Vereinsconvente, Kneipabende und Sonntagsfrühschoppen

Der AVL ist der Form nach eine deutsche Studentenverbindung:

  • Unterscheidung zwischen Burschen und Füchsen
  • Lebensbundprinzip durch den Verband ehemaliger Mitglieder sog. “Alter Herren” (AHAH) (von Anfang an)
  • Die Übernahme der Umgangsformen und Trinkgewohnheiten wie sie das Bierkomment vorsieht. Es kommen auch Einflüsse durch die “Letzeburger zu Léiwen” (LL) hinzu. Hierbei handelt es sich praktisch um einen Reimport: die LL hatten die Regeln des Leipziger Bierkommentes übernommen. Auch das Liedgut ist, von den patriotischen Stücken abgesehen, aus dem “allgemeinen deutschen Kommersbuch”.

Diese Satzungen werden 1915 ergänzt. Jetzt besteht der AVL in § 3 sogar ausdrücklich darauf eine Korporation zu sein und definiert Wahlspruch, Bierzirkel und Wappen.

Leider bietet diese Schrift nicht ausreichend Platz um dem Luxemburger Leser diese aufgegebenen Traditionen zu erläutern. Sie können aber in Bibliotheken nachgelesen und bei den vielfältigen Verbindungen die in Aachen existieren, vor Ort studiert werden. Die Erkenntnis daß der AVL eine Verbindung war, wird manchen unserer Leser erschrecken, gelten diese heute doch als Hort rechter Gesinnung. Das Bild der Verbindungen ist bei vielen Luxemburger Studenten durch Heinrich Mann` s Roman “der Untertan” geprägt. Neben dem Hinweis, daß dies ein Zerrbild ist, seien dem Leser aber zur Beruhigung noch einige prägnante Unterschiede mit auf den Weg gegeben:

  1. der AVL brauchte keine Mitglieder “zu keilen”, da das “Landsmannschaftsprinzip” ihm diese von alleine zutrieb.
  2. Zudem mußte der Verein für alle Luxemburger offen sein, Religion oder Gesinnung spielten also keine Rolle. § 2 (1915)
  3. der AVL war nie schlagend. § 2 erlaubte allerdings dem Mitglied “Satisfaktion zu geben” wenn ihm danach gelüstete.
  4. Der Wahlspruch “Rull de Waak” 13 verrät eine ganz andere Lebenseinstellung als beispielsweise die viel harmloseren: “Einer für alle, alle für einen” (Montania) “Ernst mit Lust gepaart, heißt bei uns Studentenart” (Delta) und natürlich eine ganz andere als “Treu, deutsch und frei” (Pomerania 1920)

Die Entwicklung des Vereines

Zahlen

Die Zahl der Luxemburger in Aachen korreliert sehr eng mit den Wirtschaftsdaten, und mit der Gesamtanzahl der Studenten. Warum die Gründung ausgerechnet 1897 erfolgte wird besonders deutlich, wenn man die Zahl der Neueinschreibungen betrachtet. Diese springt 1897 von zuvor 1 bis 3, auf 6. Schon in den ersten Jahren nach der Gründung werden bei der Gesamtzahl erstaunlich hohe Werte um 40 erzielt. Es folgt ein Enbruch nach 1902. Ursache könnten restriktivere Aufnahmebestimmungen sein. Erst das “Programm der KTH zu Aachen für das Studienjahr 1910/11″ (HSA) gibt verbindlich Auskunft über diese: ” Aufnahmebedingungen lt. Königl. Erlaß vom 5. Juli 1905. (…) Vom Herrn Unterrichtsminster sind bisher folgende Zeugnisse außerdeutscher Lehranstalten anerkannt worden: (…) 4.) die Reifezeugnisse der luxemburgischen Gymnasien in Luxemburg, Diekirch und Echternach und die Fähigkeitszeugnisse von Abiturienten der Industrie-Abteilung der Industrie- und Handelsschulen in Luxemburg und Esch a. d. Alzette” 14 .

So befindet sich zwischen 1901 und 1905 nur ein einziger ehemaliger Schüler der Industrie- und Handelsschule Luxemburg unter den Neueinschriebern. In den anderen Jahren schreibt sich oft mehr als die Hälfte von deren Abiturienten an der RWTH ein. 15

In der zweiten Dekade explodiert die Zahl förmlich. Grund hierfür ist u.a. die bessere Organisation der Luxemburger Studenten. In der Heimat bestehen seit 1910 der katholische “Akademikerverein” (AV) und ab 1912 der politisch links orientierte Verein “Association generale des étudiants luxembourgeois”(Abk.: AGEL, es wurde aber stets nur ASSOSS verwendet! Letzterem gehört Emil Mayrisch als Ehrenmitglied an. Für viele Ingenieurstudenten ein Grund beizutreten. Auch dem AVL werden nun Protektion Suchende zuströmen, welche, genauso wie viele “Alte Herren”, den Passus “im späteren Leben mit Rat und Tat zur Seite stehen” durchaus wörtlich nehmen.

Fotos:

Weitere Informationen über die Entwicklung liefern zwei Fotos aus den Jahren 1903 bzw. SS 1911. Es sind die einzigen überlieferten.

Auf dem Foto von 1903 sind 10 Personen abgebildet. Es gehörte Erneste de Muyser16 welcher es sorgfältig beschriftete so daß wir wissen wer die Leute sind: Zunächst einmal sagt uns das Bild daß wohl nicht jeder Luxemburger Mitglied des AVL war, zumindest nicht mit aufs Foto wollte: 40 Luxemburger (darunter 12 Diplomanden) waren damals eingeschrieben. Es fehlen u.a. die späteren Professoren an der RWTH Paul OBERHOFFER und Paul GOERENS . Letzterer gehört aber als Ehrenmitglied zu den Gründern der ASSOSS.

Zum Fototermin erschienen hingegen fünf spätere Direktoren ( Louis ACKERMANN , Léon DONDELINGER , Nicolas WAGNER , Alphonse WAGENER und Erneste DE MUYSER ), zwei Selbständige ( Louis ACKERMANN , François GEIB ), sowie Gustave PRüSSEN und Alphonse LAURENT , die einen frühen Tod erleiden. Auch Minderheiten sind vertreten: einer ist Jude und Franz CONSTEN ist ein Deutscher aus Aachen. Der AVL erlaubte von Anfang an daß auch Nichtluxemburger Mitglied würden, wenn sie irgendwelche Verbindungen nach Luxemburg hatten, etwa einen Wohnsitz dort, oder die Sprache beherrschten (§ 4 (alte Satzung) oder § II,3 (Satzung von 1915)). Ferner konnte jeder Student der RWTH als Konkneipant (nach § 13 (alte Satzung) oder § II, 11 (Satzung von 1915)) teilnehmen. Consten ist wahrscheinlich letzteres.

Über Folklore und Aktivitäten geben die bordeauxroten Barette und die getragenen Bierzipfel (Wagner Alphonse) Aufschluß. Die Mützen sind laut Überlieferung von den belgischen “Chasseur ardennais” abgeguckt. Die “Hollandia” trugen diese in grün. Neben Bierzipfeln sind auch Biernamen bereits üblich. Biernamen sind kurzsilbige Namen, mit welchen man sich auf den Kneipen oder bei anderen offiziellen Bierangelegenheiten anredete. Beliebte, immer wiederkehrende Namen: Sipp, Suff, Waak, Krunn 17) .

Das Foto vom SS 1911 gibt ein ganz anderes Bild: Der Verein ist deutlich gewachsen: 24 Studenten erscheinen zum Fototermin, von 30 eingeschriebenen Luxemburgern können wir ausgehen. Das vorliegende Foto stammt von Robert LOESCH al. Sippy. Er beschriftete es ebenfalls, versah es aber nur mit den Biernamen. Folklore ist inzwischen weit wichtiger geworden: Zu sehen sind Trinkhorn und Wasserpfeife. Auch hat der Verein mittlerweile eine Fahne. Wie diese Fahne aussah, zeigt ein Foto von 1932: sie enthielt das Wappen mit dem Bierzirkel und dem Wahlspruch “Rull de Wack”.

Die Satzung von 1915, welche Zirkel, Wahlspruch und Wappen erstmals festlegt bestätigt also nur was längs Realität ist. So verhält es sich auch mit der politischen und religiösen Neutralität, die ebenfalls erst 1915 verbindlich festgeschrieben wurden.

Vereinsleben

Was stellten die Luxemburger so an?

Die Luxemburger übernahmen nicht nur deutsche Folklore sondern entwickelten sie weiter 18 und beeinflußten damit anderen Studentenvereine. Dies gilt insbesondere auch für die später gegründeten Luxemburger Zusammenschlüsse, wie die ASSOSS und die Siegfriedia, der Verein der katholischen Studenten an den “Cours Universitaires au Luxembourg” (CUL).

Das Vereinslokal war im “Englischen Hof” Hartmannstrasse 17, wegen seinem Eigner oft auch Café Metz genannt. Max Eckert beschreibt dieses so: “In später Stunde wagte sich der Studierende auch ins Café Metz, wo sich der Kehraus zusammenfand, und man neben dem Kavalier in hohem Hut, dem Droschkenkutscher und Personen von zweifelhafter Distinktion eine halbe gebratene Taube aß und eine Berliner Weiße mit Schuß trank”.

Ein Höhepunkt für die ganze Studentenschaft war stets Kaisergeburtstag an dem auch AVL und Hollandia teilnahmen. Hervorzuheben unter diesen Studiosi sind Robert Loesch alias Sippy, der erste der dem Schutzmann vor dem Theater in seine Kürassierstiefel pißte und Eduard LECLERE alias Wully. Er war berüchtigt für seine Eskapaden und seine Verachtung für das Geld. Er nahm den Wahlspruch “Rull de Waak”, den man auch als “Verpulver dein Geld” auslegen kann, wörtlich. Wully bestand die Abschlußprüfung nicht!

Jährlich beging der AVL an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juli sein Stiftungsfest mit Eröffnungskneipe, Frühschoppen, Festkommers und Abschlußball.

Auswärtige Beziehungen wurden stets gepflegt. Wichtig war den Luxemburgerkommersbuch immer ein gutes Einvernehmen mit der Hollandia. Sehr früh belegt sind Verbindungen nach Löwen. 1905 berichtet das Bierbuch der LL:” Festbericht vom 25-jährigen Stiftungsfest: (…) ihnen hatten sich unsere Aachener Freunde Präsidium Boy vulgo Erneste DE MUYSER und Fuchsmajor Rull vulgo Wagner angeschlossen. Beide hatten nicht Weg und Mühe gescheut um den Glanz der Feier durch ihre Gegenwart zu erheben und sie hatten von den Ufern des Rheines ein gut Stück Humor und Studententum zu uns herübergebracht.”

Camille BEISSEL al. Sipp hatte übrigens zuvor zwei Jahre in Louvain studiert und war dort Schriftführer gewesen. In Aachen behielt er seinen Biernamen.

Der erste Weltkrieg

Diese glücklichen Tage waren jedoch bald vorbei. Am 2 August 1914, einen Tag vor Kriegserklärung überfielen die Deutschen Belgien und Luxemburg. Nach einem entsprechenden Aufruf des Rektors meldeten sich die deutschen Studenten freiwillig zum Kriegsdienst. Auch einige Professoren, wie Max Eckert zogen in den Krieg. Von den 300 Kriegsfreiwilligen sollten bis 1919 gut 200 sterben. (genaue Angaben siehe Gedenktafel AULA). Die Niederländer wurden ebenfalls eingezogen, Holland wollte ja nicht das Schicksal Luxemburgs und Belgiens erleiden. Somit war der AVL der einzige Studentenverein der noch aktiv war. Der Hochschulbetrieb lief nur notdürftig. Student war eigentlich jetzt nur wer untauglich, kriegsversehrt oder zeitweise freigestellt war 19 Max Eckert schreibt (1920):

” Der `akademische Verein HOLLANDIA` war genötigt, von WS 1915/16 bis zum WS 1919/20 zu suspendieren, da fast alle Mitglieder, des Krieges wegen, in Holland zur Wahrung der Neutralität einberufen wurden (…..) Da die Luxemburger keine Neutralität zu wahren hatten und militärisch nicht eingezogen werden konnten, waren für sie die Kriegsjahre eine Zeit mit ganz besonderen Vorteilen: die Mitgliederzahl der Letzeburger wuchs bis auf 60, und leicht war es nach bestandenem Examen Stellung zu finden.”

Diese parteiliche Darstellung des Kriegsteilnehmers Eckert muß natürlich etwas richtig gestellt werden:

  • Luxemburg war neutral, konnte aber die Deutschen nicht daran hindern das Land zu besetzen!
  • Die “Vorteile” der Luxemburger sind relativ zu sehen, sie litten genauso unter der Lebensmittelknappheit. Sie hatten vielleicht mehr Vorteile als die Deutschen, keineswegs aber mehr als vor dem Krieg.
  • Die deutsche Besatzung erlaubte den Luxemburgern nicht in Frankreich, Belgien oder der Schweiz zu studieren, damit sie keine Gelegenheit hatten sich zu den Alliierten zu schlagen, wie das die Luxemburger Gemeinschaft in Paris getan hatte!
  • Die Zahl der Neueinschreibungen ist, von 1917 abgesehen nicht viel höher als vor 1914. Aber die durchschnittliche Studiendauer stieg an, denn oft konnten wegen Perrsonalmangel einige Kurse nicht angeboten werden. Viele Eltern konnten nicht für jedes Semester das Geld aufbringen. Es gab dann noch einige die nur wegen des Krieges den krisensicheren Ingenieurberuf wählen und eigentlich lieber etwas anderes studiert hätten
  • Natürlich war es einfach eine Stellung zu finden, es gab ja kaum mehr deutsche Mitbewerber. Ironie der Geschichte: Vor 1914 gaben die Deutschen Hüttenherren die besten Stellen in ihren Luxemburger Betrieben oftmals nur an Landsleute! Nach dem Krieg besetzten Luxemburger herausragende Stellen in der deutschen Industrie.

Max Eckert meinte noch, die fleißigsten Ausländer wären stets die Luxemburger und die Holländer gewesen, sie wüßten auch was sie der RWTH zu verdanken hätten. Umgedreht wußte später aber auch die RWTH was sie den Luxemburgern zu verdanken hatte; sie zeigte es in der frühen NS-Zeit als sie ihren Schutzmantel über die Luxemburger ausbreitete. Siehe unten Es waren die Luxemburger welche die Vorlesungen belegten und mit ihren Gebühren den Lehrbetrieb aufrecht erhielten. Sie waren auch Mitgaranten für das wissenschaftliche Niveau als Assistenten und Doktoranden. So waren von den 239 verbliebenen Studenten des SS 1917 ganze 91 Ausländer und davon 67 Luxemburger, also jeder vierte. Der AVL hatte hier die größte relative Bedeutung in seiner Geschichte.

Das Silberne Zeitalter 1919-1933

Über diesen Zeitraum wissen wir besser Bescheid. Fotos waren nun schon billiger als 1911, damit auch für weniger betuchte Studenten erschwinglich. Es wurde nun üblich regelmäßig Erinnerungsfotos zu schießen. Ab etwa 1925 gab es auch private Apparate, so daß mehrere “spontanere” Bilder entstehen konnten!

Vor allem aber gibt es hier noch (im Jahre 1997) lebende Zeitzeugen, die befragt werden konnten! Ihnen herzlichen Dank:

  • André FUNCK alias Nool (1930-1934)
  • Hubert HEISBOURG alias Pum (1922-1926) + 1994
  • Norbert PüTZ (1935-1939)
  • Alfred SEEBURGER alias Stack (1923-1928)
  • Egon ZANDER alias Tipp (1923-1932) +1997

Ganz besonderen Dank an Tipp!

Das Studienumfeld in den 20ern

Das Ende des ersten Weltkrieges brachte einige Veränderungen für die Hochschule und seine Studenten. Zunächst eine rein äußerliche: Das Ende der Monarchie bedeutete das aus für den Namen “Königlich Technische Hochschule”, seither heißt diese Schule RWTH. Weniger förmlich war da schon der regelrechte Ansturm der Studenten auf die Hochschule. Einige waren 4 Jahre lang durch den Krieg vom Studium abgehalten worden und wollten dies jetzt unbedingt nachholen. Die deutsche Industrie war in diesem Krieg völlig intakt geblieben und Ingenieure wurden gebraucht. Zudem waren ja auch die Mitarbeiter der Institute, ja sogar einige Professoren, eingezogen worden und so begann das SS 1919 sehr chaotisch. Ein weiteres Problem war, daß die Hochschulen in ganz Deutschland jetzt mit einem ganz neuen Problem konfrontiert waren: Seine Studenten hungerten! Viele Eltern waren durch Kriegsanleihen an den, nun bankrotten, Staat und durch die Wucherpreise auf dem (Lebensmittel-) Schwarzmarkt verarmt. Letzteres traf auch auf manche Luxemburger zu, die ja ebenfalls unter der “Hungerblockade” gelitten hatten. Um dem Übel abzuhelfen kam es zur Gründung der Studentenwerke, mit ihrer bekanntesten Einrichtung der MENSA. Max Eckert:

“In Anbetracht der schwierigen Ernährungsverhältnisse in Aachen beauftragten Rektor (A.d.R. Adolf Wallichs) und Senat am Anfang des Jahres 1920 Prof. Eckert die Einrichtung einer Mensa academica vorzunehmen. (…) so entschloß man sich schweren Herzens die Talbothalle als Speisesaal einzurichten. Die Hälfte blieb dem Turnbetrieb offen gehalten. (….) Im Abonnement kostet das Mittagessen, aus Suppe und einem Gang bestehend 4 M. und das Abendessen, eine dicke Suppe mit Zubrot 3 M.”

Zum Vergleich: 1914 lag die durchschnittliche Monatsmiete für ein Zimmer mit Halbpension zw. 70 und 80 Mark. Sippy bezahlt im SS 1911 für 8 in Anspruch genommene Vorträge und Übungen, zuzgl. Krankenkassenbeitrag: 133,5 Mark.

In die Politik hatten die Studenten sich vor 1914 selten eingemischt. Das hatte sich nun geändert! Die Revolution hatte die Monarchie, im November 1918 abgeschafft und demokratische Wahlen ermöglicht. Doch die Republik hatte viele Feinde, links und rechts, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten. Auch gab es regelrechte Hungeraufstände, in Aachen z.B. den der Hüttenarbeiter von Rothe Erde am 4.11.1919. Aufgrund ihrer Herkunft waren die meisten Studenten in Aachen antidemokratisch eingestellt. Die ehemaligen Soldaten litten darunter den Krieg verloren zu haben. Die Schuld für die Niederlage sah man nicht in der eigenen militärischen Schwäche, sondern wies sie der Republik zu. Als im März 1920 einige Militärs und sogenannte Freikorps, unter Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp gegen die demokratische Regierung putschten, zwangen die Arbeiter an Rhein und Ruhr durch Streiks und Massenkundgebungen die Putschisten in die Knie. Die Aachener Chronik berichtet:

“Am 15.3.1920. Durch Aachen zieht ein gegen den Kapp-Putsch gerichteter Demonstrationszug. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Theater wird mit roter Farbe bestrichen. Am Abend: Gegendemonstration der Studenten.”

Diese Politisierung der Studenten bescherte der RWTH aber auch die verfaßte Studentenschaft und damit die eingeschränkte studentische Mitbestimmung. Geburtsstunde von Studentenparlament und AStA (damals: Akademischer Studenten Ausschuß) und VdAK die Vertretung der Aachener Korporationen. Letzterer gehörten auch die beiden ausländischen Verbindungen, AVL und Hollandia, an. Sie war aber ein eher machtloses Instrument, und existierte nur bis Anfang der 70er Jahre 20 .

Deutschland war von den Alliierten zu Reparationsleistungen gezwungen worden. 1923 befanden diese, daß Deutschland bei den Kohle- und Holzlieferungen seine Verpflichtungen nicht ganz erfüllt habe. Deshalb besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet (und das Rheinland). Die Antwort der Deutschen war passiver Widerstand: Boykott französischer und belgischer Waren, Streiks und teilweise Sabotage. Daraufhin wurde der Bahnbetrieb von belgischen und französischen “Cheminots” übernommen, unter dem Kurznamen Régie. Dadurch kamen viele ausländische Zivilisten nach Aachen. Insbesondere die Studenten begegneten den Besatzern mit Haß. So blieb die studentische Szene national ,noch nicht nationalsozialistisch, ausgerichtet. Aber schon 1929, früher als in anderen Städten wurde in Aachen ein Nationalsozialistischer Studentenbund gegründet, der aufgrund oben geschilderter Zustände rasch regen Zulauf erhielt.

Und die Luxemburger?

Der Verein konnte zunächst die hohe Mitgliederzahl halten. Mehrere Gründe:

  1. Der Ruf der Hochschule war noch erstaunlich gut!
  2. Zwar war jetzt die Studienwahl wieder frei, aber da der Krieg zu Ende war, trauten sich mehr Leute nun zu studieren.
  3. Viele hatten wie Camille MERGEN 21) in München oder Berlin angefangen. Verglichen mit diesen Städten war es in Aachen recht ruhig gewesen!

Nach 1920 trat die UnionEconomique Belgo-Luxembourgeoise in Kraft. Aachen verlor für Luxemburg die Vorteile die der Zollverein geboten hatte. Das Hüttenwerk Aachen- Rothe-Erde ließ sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben und wurde von seinen luxemburgischen Besitzer stillgelegt. Die Krise von 1923 verarmte auch Luxemburger. Die Zahl der Neueinschreibungen von Luxemburgern an der RWTH sank drastisch ab! Der Verein befand sich nun in einer gewissen Rezession, hatte aber seine Traditionen verfeinert. Daher die Bezeichnung “silbernes Zeitalter”.

Politisch blieb die Studentenschaft in Luxemburg in Anhänger von ASSOSS (linke) und AV

(( A.V. steht hier für AkademikerVerein, den Vorläufer der ALUC, nicht zu verwechseln mit dem AVL, Akademischer Verein d` Letzeburger Aachen)) (kath. Rechte) gespalten 22 , im Verein wurden diese Differenzen aber nicht ausgetragen. Im Gegenteil. 1925 gab es unter Präsident Pum einen kommunistischen Schriftführer Stack und den kath.Kassierer Tipp ohne daß dabei Probleme auftauchten. Egon Zander hierzu:

“Es wurden nie in Aachen politische Diskussionen zwischen Luxemburger Studenten geführt und auch nicht zwischen mir und deutschen Kommilitonen. Letzteres nicht aus Vorsicht, sondern wegen Interesselosigkeit”

Dennoch stießen die Luxemburger erstmalig, wegen der Politik, bei ihren deutschen Kommilitonen auf Ablehnung, ja teilweise auf offene Feindschaft: Dabei waren sie von der Mitbestimmung im AStA ausgeschlossen, Wahlrecht hatten nur Reichsinländer. Grund war insbesondere die schon erwähnte Ruhrbesetzung und die darauf einsetzende Megainflation. Die frankophilen Luxemburger beteiligten sich nicht am Boykott, im Gegenteil. Egon Zanderschreibt:

” Es gab den Cercle Militaire Belge alias Soldatekring, eine Kantine, gegründet von Flamen, wenn ich mich gut erinnere lag er in der Kleinmarschierstrasse. Direktor war der Aumônier der belgischen Besatzungstruppen. (…) Neben Speisesaal, ein Billardzimmer sowie einen großen Kinosaal. Zigaretten, Schokolade, Gebäck usw. konnte man kaufen. Wie wir Stammgast wurden ?! Wer französisch sprach und Franken in der Tasche hatte konnte stillschweigend im Kring verkehren. Übrigens war in der Hartmannstrasse ein weiteres belgisches Lokal, wo wir manchmal essen gingen. Sicherlich aus diesem Grund konnte man auf einer Hochschultoilette lesen: Nieder mit den luxemburgischen Verrätern”

Also Futterneid! Die Luxemburger hatten Franken und keine wertlosen Reichsmark. Auch der Verein war sehr reich, durch die vielen Mitglieder (immerhin nach der Frankonia

(( Katholische Deutsche Studentenverbindung (KDStV) im CV ab 1898 in Aachen-Lousberg.)) der zweitgrößte) und der nun sehr zahlungskräftigen Altherrenschaft. War doch die Führung der ARBED fest in Aachener Hand. Daher konnten sie sich die teuersten Lokale leisten, z.B. das “Lavenstein” 23 , in dem vor dem Krieg eine andere Verbindung ihr Heim hatte! Dasselbe Problem kannten auch die Holländer die ab 1930 zu keiner Verbindung, außer dem AVL, noch Beziehungen unterhielten. 24 . Freilich gab es auch damals schon einige Angeber unter den Luxemburgern die Neid und Haß noch unnötig schürten, z.B. Zigarette mit Reichsmarkscheinen drehen. Unsere Alten Herren wissen von drei luxemburgischen “Panzvollisten” die einen Wirt gefunden hatten der alle deutschen Gäste rauswarf wenn sie aufkreuzten. Sie zahlten halt in harter Währung! In diesem Zusammenhang, die offiziellen Anschriften des AVL laut Einwohnerverzeichnis:

1910 “Englischer Hof” Eigner:Schönweis (Köln)
Wirt: Metz Franz
Hartmannstr 17
1922 “Am Lavenstein” Eigner Brauerei W. Decker & Söhne Gerlachstrasse 20/22
1928 “Lüneburger Hof” Eigner Hamers P. Rentner
Wirt Paustenbach Joseph
Templergraben 42
1929 “Limburger Hof” Eigner Wilberts L. Templergraben 42
1931 “Pontklause” Gastwirt und Eigner W. Smeets
Kellner H. Eysen
Ludwigsallee 1a

Privat allerdings hatten die meisten ein gutes Verhältnis zu ihren deutschen Mitstudenten, sei es durch den Besuch der Vorlesung, Praktika oder auch Vereinsveranstaltungen.
Ausgezeichnet waren hingegen die Beziehungen zu den Professoren. Bei 1000 Studenten war das Verhältnis Professor < -> Student sowieso persönlicher. Zum andern waren da die 50 Luxemburger keine Exoten und fielen mehr auf. Viele hatten gute Geschäftsbeziehungen zu luxemburgischen Hütten, so Prof. Hubert Hoff (Maschinenbau) Rektor von 1928-1930. Zu erwähnen sind auch die beiden Luxemburger Paul OBERHOFFER (Eisenhüttenkunde) und Eduard Houdremond, 25 sowie Walter Eilender, Oberhoffers Nachfolger, und Prof. Lipp (organ. Chemie).

Einige Hervorzuhebende

(( An dieser Stelle wurden einige herausragende Studenten kurz vorgestellt. Als Kriterium diente dabei weniger ihr beruflicher Erfolg im nachstudentischen Leben, sondern nur, ob sie als Studenten (vermutlich) den befragten Zeitzeugen bzw. in der Literatur besonders auffielen.))

  • Robert MARX alias Kid war ganz aktiv im Verein und nahm seine Rolle sehr ernst. Er starb wie Jean VEYDER alias Tex unerwartet, vor Abschluß des Studiums. 26
  • Emily JUNCK (1919-1925) ist die erste Luxemburgerin die in Aachen einen Abschluß schafft. Chemie. Sie war aber nicht im AVL, der blieb bis in die 50er eine reine Männersache.
  • Franz COLAS alias Fritz, der Präsisdent von 1927war der Casanova des AVL.
  • Joseph DUPONT alias Jhiss, Raoul PFEIFFER alias Rull und Nicolas LANGERS alias Tini hatten folgende Gemeinsamkeiten:
    • Studierten Elektrotechnik,
    • ihre Väter waren bereits gestorben,
    • sie bildeten eine Wohngemeinschaft (Deliusstrasse 5),
    • waren der harte Kern des AVL und
    • …..Langzeitstudenten.
  • Jhiss (1922-1938) hält bis auf den heutigen Tag den Semesterrekord (33 Semester). Damals wurde der Studentenausweis auf Lebzeiten ausgestellt, jedes Semester war ein Stempel nachzutragen. Jhiss`Ausweis mußte sogar auf der Rückseite gestempelt werden. Er wurde Lehrer an der Berufsschule in Luxemburg (heute LTC) später deren Direktor. Der Beweis daß eine lange Studienzeit einer Karriere nicht immer im Weg stehen muß.
  • Rull (1920-1935) stand Jhiss nicht viel nach (30). Sein Bruder Marcel PFEIFFER hatte mit ihm dasselbe Studium begonnen, aber schon 1927 abgeschlossen.Fotographie eines Tisches mit den Biernamen des AVL um 1930
  • Tini (1921-1928) war auf dem besten Wege mit seinen Freunden gleichzuziehen. Allerdings starb sein Bruder, der das Lokal der A.S. “la Jeunesse d`Esch” in der Audin-Straße (an der Grenze), betrieben hatte. Tini, selbst Spieler bei der Jeunesse, mußte das Lokal übernehmen.
  • Jean REUTER (1928-1931)war Sohn des ehemaligen Staatsministers Emile Reuter . Dieser konnte aber schon bald beruhigt feststellen daß der Junge das Sündenbabel Aachen verließ und ins puritanische (und luxemburgerfreie!) Hannover wechselte, wo er 1936 abschloß. Er wurde Hüttenwerksdirektor in Brasilien.
  • Jean MOIA al. Zill (1928-1934) war der Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers aus Esch. Er sollte diesen Betrieb später übernehmen, ebenso erfolgreich weiterführen und ein großer Förderer des AVL werden. Er starb 1977 bei einem tragischen Autounfall. Er war nun als Student bereits wohl betucht und wahrscheinlich der erste AVLer der ein Auto in Aachen hatte. Er ist der einzige Ausländer (Italiener) der nachweislich Präsident des AVL war. Er war als Student bereits verheiratet und Vater.

Der Anfang vom Ende

Seit 1925 war die Zahl der “Lëtzeburger” rückläufig. Aber erst mit dem New Yorker Börsenkrach 1929, und der darauf einsetzenden Weltwirtschaftskrise, begann auch für den AVL die schlimme Zeit. Nicht nur waren weniger Eltern in der Lage, ihren Kindern ein Studium zu zahlen, was die Zahl der Anfänger senkte und die der Abbrecher anhob, nun waren auch Akademiker von Massenarbeitslosigkeit betroffen. Junge Ingenieure bekamen keineswegs nach abgeschlossenem Studium eine feste Anstellung. Im günstigsten Fall wurden sie “auf Vorbehalt, jederzeit kündbar” eingestellt, das nannte man Volontariat.
Dies wirkte sich verheerend auf die Moral aus! Die Luxemburger spalteten sich in zwei Gruppen: 27

  1. Jene die sich jetzt ausschließlich auf das Studieren beschränkten und an keiner Geselligkeit mehr teilnahmen.
  2. Die Resignierten, jetzt nur noch auf Zerstreuung aus, um ihren Frust zu vergessen.

Nur wenige blieben bei einer ausgeglichenen Haltung. Alles in allem hatte der Verein große Schwierigkeiten Leute zur Übernahme von Chargen zu bewegen, so daß die Hauptchargen, Präsidium und Fuchsmajor mehrere Jahre von den selben eingenommen werden mußten. Jean MOIA und Joseph DUPONT . 1932 wurde zum letzten Mal ein Jubiläumsstiftungsfest (35.) mit viel Pomp und unter Teilnahme vieler Alter Herren (AHAH) und sogar Prof. Hoffs gefeiert!

Die Nazizeit

Bemerkung:

Dieses gesamte Kapitel bedarf, aufgrund neuer Erkenntisse durch Aktenfunde, eigentlich einer gründlichen Revision.

Weder ist die Liste vollständig, noch der beschriebene Ablauf der Handlung. Falsch ist die Darstellung inzwischen nicht, wohl aber etwas zu gedrängt.

Nach einer Publikation wird eine überarbeitete Fassung, vermutlich auch hier zu lesen sein.

Luxemburgs Studenten und der Nationalsozialismus

Den Garaus machte dem Verein aber die Machtübernahme der Nazis durch Hitler am 30. Januar 1933. Im selben Jahr begann der luxemburgische Studentenverein ASSOSS unter Präsident Henri KOCH 28 seine Agitation gegen die Nazis. Die Katholiken (AV) waren Deutschland gegenüber gespalten in Bewunderer und gemässigte Kritiker. Ab 1938 waren sie entschiedene Gegner der Nazis.

Die Nazi-Ideologie war theoriefeindlich. Im Krieg müssen alle so schnell wie möglich einsatzbereit sein. Darum mußte der Lehrstoff gekürzt und vereinfacht werden, um die Studienzeit unter 3 Jahre zu drücken und die Studenten zudem noch politisch “bilden” zu können, vorbei die Freiheit der Lehre. Darum sank das Ansehen der RWTH in Luxemburg, obwohl sich die Aachener Professoren recht erfolgreich der Umsetzung der Naziabsichten widersetzten. 29
Das alles führte dazu daß nur noch zwei Luxemburger sich nach 1933 einschrieben. Viele Luxemburger die 1933 noch nicht allzuweit im Studium fortgeschritten waren wechselten nach Zürich. Sie führten dort Traditionen aus Aachen in den 1930 gegründeten Züricher Studentenverein ein.

Ab 1935 wurden alle deutsche Verbindungen aufgelöst, d.h. in nationalsozialistische “Kameradschaften” umgewandelt. Die deutschen Studenten mußten sich dem NS-Studentenbund, oft sogar der SA anschließen um weiterstudieren zu können. Der AVL sah sich ab 1934 außerstande noch ein geregeltes “Kneipleben” zu führen oder auch nur einen Vorstand zu stellen. Der einzige noch lebende Zeuge aus dieser Zeit, Norbert PüTZ schildert das Vereinsleben folgendermaßen:

“Als ich 1935 meine Studien begann, waren noch folgende Luxemburger anwesend:

  • Jhiss DUPONT ,
  • Paul WAGNER ,
  • Norbert PROTH ,
  • Tun Lanners ,
  • Henri MEYERS ,
  • Egide KAYL ,
  • Louis KESSELER ,

Mitglieder des AVL wie ich auch. Nichtmitglieder: Eugène Müller und Charles MASSARD . Der AVL hatte ein Vereinshaus schräg gegenüber dem Ponttor. Wir hatten als Stammlokal die `Vier Jahreszeiten` gegenüber dem Stadttheater. Hier trafen wir uns Sonntags zum Frühschoppen an einem Stammtisch mit Vereinsfähnchen. Das Stiftungsfest wurde alljährlich hier abgehalten. Zu meiner Studienzeit gab es keine Chargen mehr, informelle Vereinssitzungen waren rar.”

Doch Leute wie Jhiss oder Paul WAGNER al. Kleuty, welche die Depression überlebt hatten ließen sich nicht zu Änderungen ihrer Gewohnheiten zwingen. Dabei hatte sich das Umfeld sehr gewandelt! Zuvor waren die Studenten mit den Mützen ihrer Verbindung im Hörsaal erschienen, nun in kackbrauner (SA) oder gar schwarzer (SS) Uniform. Wenn die Luxemburger sich wie gewohnt in den Biergarten setzten, mußten ihre deutschen Kommilitonen zur Wehrsportübung ausrücken 30 . Die Zeit der großen Kneipen war vorbei , dennoch weiter schreibt N. Pütz:

“Zu meiner Studienzeit muß ich bemerken, daß innerhalb des Vereines das Klima allgemein euphorisch war. Dies läßt meines Erachtens die lange Studienzeit (v. Jhiss, Kleuty und Chemick A.d.R) erklären, auch daß der Stammtisch innerhalb der Woche immer etwas besetzt war.”

In der Folge arbeitete man mit der Hollandia *und den Luxemburgern in Louvain und Bonn zusammen, um Geselligkeit in größerem Kreis erleben zu können. 31
Prof. Maria Bredt von Savelsberg, um 1953Das Verhältnis zu Bevölkerung und Professoren bleibt gut: “ich wurde beispielsweise mit einem Kommilitonen von Prof. Lipp zu einem Musikvortrag eingeladen. Er spielte Flöte, seine Frau Prof. Maria Bredt von Savelsberg 32 begleitete ihn am Flügel.” N. Pütz
Ganz ungetrübt blieb dieses Verhältnis aber nicht. So erwähnt der ehemalige Pressesprecher der RWTH Reinhard Roericht in einem Brief , einen Vorfall den er 1969 33 im ehemaligen Archiv des Reichsstudentenführer entdeckt hatte: Ein übereifriger SA-Student hatte Anzeige erstattet da ihm mehrere Luxemburger in der Mensa den “Deutschen Gruß” nicht erwidert hatten. Das Rektorat verschleppte den Fall einfach auf bürokratischem Wege, ohne Schaden für die Luxemburger.
Am 29.2.1936 interessiert sich auch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda für den AVL!:

V E R T R A U L I C H !
Betrifft: Organisation der ausländischen Studenten an deutschen Hochschulen.

Ich bitte um Mitteilung, wieweit die ausländischen Studenten bereits in Verbänden oder Vereinen usw. zusammengefaßt sind, und wieweit eine Möglichkeit besteht, die ehemaligen ausländischen Studenten mit ihrer Heimanschrift durch die Universität zu erfassen.

Heil Hitler

im Auftrage:

gez. H. Scharrenbroich

Otto Gruber, der Rektor, zieht sich elegant aus der Affäre indem er dem Ministerium die offiziellen Anschriften gibt: AV d`Letzeburger Ludwigsallee_1a; AV Hollandia, Templergraben 66 . Ein Blick ins öffentliche Einwohnerverzeichnis 34 hätte dasselbe ergeben! Zu den Heimanschriften erklärt er, ja er habe sie, könne aber keine Sekretärin abstellen um sie rauszusuchen. Damit war die Sache gestorben. Der ARBED-Direktor und AH des AVL Arthur KIPGEN der 1937 auch eine solche Liste für die ALI haben will erhält diese anstandslos!

Was kann Göbbels` Ministeriummit unseren Adressen vorgehabt haben? Im Olympiajahr 1936 war Deutschland bemüht sich im Ausland ein gutes Image zu verschaffen. Sicher ging man davon aus, daß Leute die in Deutschland studiert hätten noch am ehesten für die Naziideologie zu gewinnen seien. Wollte man diese mit Propagandamaterial bombardieren? Bei der Invasion am 10. Mai 1940 hatten die Deutschen ausführliche Freund/Feindlisten mit Adressen! Stammten diese vielleicht auch aus solchen Quellen?

Im SS 1939 beendete Norbert PüTZ sein Studium, als letzter aktiver Luxemburger Student in Aachen. Der AVL war damit suspendiert. Pütz nahm die Fahne an sich damit sie nicht in fremde Hände fiele. Leider sollte sie den Krieg nicht überstehen:

“Nach Erhalt meines Diploms (….) nahm ich eine Stellung im Forschungslabor Dr. Carl Gentner in Göppingen an. Im Spätherbst fand tagsüber ein einmaliger Luftangriff statt. Die abgeworfenen Markierungszeichen über dem Verschiebebahnhof wurden vom Wind über die Oberstadt abgetrieben, wo ich eine Dienstwohnung hatte. Dieselbe wurde durch ein Paket Brandbomben getroffen und brannte in kurzer Zeit vollständig ab. Leider ging damit auch die Fahne verloren. Meine Frau konnte sich noch mit dem kleinen Sohn aus dem Haus retten”

Die Luxemburger im Krieg

Im zweiten Weltkrieg haben wir zunächst eine ähnliche Situation wie 1914. Die Besatzer verbieten die Aufnahme eines Studium außerhalb des Reiches. Mehrere Luxemburger schreiben sich 1941 an der RWTH ein. Die Studienbedingungen sind fast unerträglich, die Studenten werden dauernd zu Aufräumarbeiten herangezogen.

Luxemburger werden von den Nazis nun als “Volksdeutsche” betrachtet und müssen u.a. an den sog. Wehrsportübungen teilnehmen. Da sie sich weigern, wird allen die Studienzulassung entzogen. Die “Liste der Volksdeutschen Studierenden 1932-1950” vermerkt bei den unten aufgeführten Studenten: “gestrichen am 15.3.1943”

Die Namen sind mit einem Kreuz markiert welches weiter unten auf der Liste mit der nazideutschen Bemerkung “zurückgezogen zum Ausgleichsdienst” erklärt wird, d.h. sie wurden zur Zwangsarbeit in deutschen Fabriken verpflichtet. Besonders schlimm trifft es Paul Herriges, der Jüngste von allen wird gleich zwangsrekrutiert. Robert SCHANEN , der sein Studium so gut wie beendet hatte, Paul METZ (Dr. H.c. RWTH) sowie Edmond GLAESENER und Erneste GLAESENER mußten bis Kriegsende warten und gehörten zu den ersten die 1946 wieder die Diplomhauptprüfung bei Prof. Walter Eilender ablegen.

Familienname Vorname geboren am Einschreibung am Bemerkung
Herriges Paul 24.02.1921 26.4.1941
Müller Georg 12.1.1920 26.4.1941 gestrichen am 15.3.1943
Tesch Emmanuel 9.12.1920 26.4.1941 gestrichen am 15.3.1943
Strasser Leo 1.5.1918 29.4.1941 exmatrikuliert am 4.11.1943
Felten Nikolaus 28.10.1919 29.4.1941
Schanen Robert 27.8.1918 30.4.1941 gestrichen am 15.3.1943
Metz Paul-Leo 4.6.1918 30.4.1941 gestrichen am 15.3.1943
Glaesener Edmond 10.8.1918 30.4.1941 gestrichen am 15.3.1943
Glaesener Ernst 22.7.1920 30.4.1941 gestrichen am 15.3.1943
Dondelinger Gustav 1.3.1920 2.5.1941
Feltes Ernst 9.1.1920 12.5.1941

Die AHAH im zweiten Weltkrieg

Am 1.9.1939 fiel Hitler in Polen ein und löste den II Weltkrieg aus, Frankreich und Großbritannien erklärten Deutschland den Krieg. Die Hochschule mußte wegen ihrer Grenznähe schließen. Am 10. Mai 1940 überfiel die Wehrmacht Luxemburg das bis zum 10. September 1944 unter deutscher Besatzung blieb. Die GESTAPO verbot die Studentenvereine AV (am 13.8.1940 ) und ASSOSS (am 11.11.1940). Dem Altherrenverein des AVL war keine geschlossene Tätigkeit mehr möglich, daher seien einige bekannte Einzelschicksale seiner AHAH dargestellt:

  • Robert FLESCH und Jules THIRY starben auf der Flucht nach Frankreich, nach der Invasion am 10. Mai 1940.
  • Wegen seiner frankophilen und patriotischen Haltung wurde Jean Baptiste Soisson eingesperrt und starb im Konzentrationslager Sachsenhausen am 24.9.1942.
  • Um gegen die am 30.8.1942 eingeführte Wehrpflicht für junge Luxemburger zu protestieren, kam es noch am selben Tag zum landesweiten Generalstreik. Nach dessen blutigen Niederschlagung kam der Direktor des ARBED-Werkes Schifflange, Mathias KOENER für sechs Monate in Gestapohaft. Er wurde nur zum Sterben (am 7.3.1943) freigelassen.
  • Viele dieser jungen Leute flohen nach Frankreich, um sich über Spanien zu den Alliierten durchzuschlagen. Franz GOERENS alias Gog, Direktor der Aciéries des Ancizes in Puy de Dôme, entzog so manche dem Zugriff der Deutschen indem er sie zum Schein in seiner Fabrik beschäftigte. Dadurch erhielten sie gültige Papiere und gelangten nach England. 35
  • Nach dem Streik bestand der Widerstand der Luxemburger Arbeiter vor allem in Sabotage und absichtlichen Verzögerungen. Als der Reichswehrwirtschaftsführer 1944 feststellte daß die Produktion der ARBED nur ein Viertel des Reichsdurchschnittes betrug, wurden Aloyse MEYER , Generaldirektor der ARBED, und sein Sohn Frank , Vorsitzender des AVL, nach Deutschland verschleppt. Ihr Leben wurde nur gerettet weil sich deutsche Ingenieure aus der Direktion von Thyssen für sie einsetzten. 36
  • Rudolphe ENSCH hatte 1918 und 1919 in Aachen studiert, wechselte dann an die Ecole Militaire de Saint Cyr wo er 1922 abschloß. Die Regierung verweigerte aber die versprochene Anstellung, weshalb er sich in die Légion Étrangère meldete. Mit dieser kämpfte er 1942 in Tunesien gegen Rommels Afrikakorps, geriet in Gefangenschaft, aus der er über Spanien nach England floh. Hier wurde er von der Luxemburger Regierung zum Verbindungsoffizier zum SHAEF 37 ernannt. Nach dem Krieg war er Kommandant des 2. Battaillons in Dudelange. Ihm wurden 1946 zu Unrecht Putschabsichten unterstellt, weshalb er auf einen Verwaltungsposten abgeschoben wurde. 38
  • Kollaborateure gab es auch; Tipp berichtet von einem: “Er war Ingenieur auf ARBED-BELVAL, verheiratet mit einer Aachenerin, war plötzlich nach seiner Rückkehr aus der Emigration 1940 Nazi geworden. Ehrgeizig witterte er Morgenluft und brachte es bis zum Ortsgruppenleiter. In dieser Funktion nahm er mich in die Zange und drohte mir mich bei der GESTAPO anzuzeigen.” 39
  • Ein leidiges Kapitel ist die Epuration. Oft beruhten Anzeigen nicht auf Gerechtigkeitssinn, sondern auf Sozialneid und persönlichen Ambitionen. So sah sich Alfred SEEBURGER alias Stack , ein sehr verdientes Mitglied des AVL (Sekretär 1925 und 1926), dem Vorwurf der Kollaboration ausgesetzt (und seiner Entlassung). Nachdem seine Unschuld erwiesen war (!), wurde er wieder eingestellt. Doch hatte ihn das ganze Verfahren derart angewidert, daß er sich zur Belgo-Mineira Brasilien versetzen ließ.

Der Neuanfang und die zweite Blütezeit

Die Wiedergeburt

Aachen war bei Kriegsende zu 80% zerstört, doch die Aachener gaben sich viel Mühe ihre Stadt und ihre Hochschule wieder aufzubauen. Der letzte vorfaschistische Rektor Paul Röntgen, wurde von den Siegern in Süddeutschland ausfindig gemacht und wieder in seine Funktionen eingesetzt. Otto Gruber wurde ihm als Prorektor zur Seite gestellt und so konnte die RWTH bereits zum WS 1945/46 ihre Tore für die (235) Studenten wieder öffnen. Wenn der Aufbau der RWTH auch zügig voranschritt behinderte doch einiges das Wiederkehren der Luxemburger:

  1. Nach der Befreiung war alles Deutsche verpönt 40 . Das Verhältnis zu den Deutschen sollte noch lange belastet bleiben.
  2. Wissenschaftlich waren die deutschen Hochschulen isoliert. Dies bedeutete auch einen erheblichen Mangel an Lehrmitteln. Teilweise war die Weltfremdheit der Aachener Professoren daran schuld. Arthur W. Edwards, von der britischen Militärverwaltung eingesetzter University Control Officer berichtet: “Die Bezeichnung wurde immer wieder als Technical High School übersetzt, was in England und Amerika Oberschule bedeutet. Wir besprachen die Möglichkeit die RWTH in Technische Universität umzubenennen…” Dem entgegnete Röntgen: “…Wir können die Tradition um eines zeitweiligen materiellen Vorteils willen nicht verneinen” Die TU Berlin – Charlottenburg hatte solche Bedenken nicht.
  3. Nach den Entbehrungen und den Zerstörungen des Weltkrieges wollten die jungen Luxemburger ihre Studien lieber in einer intakten Stadt ohne Lebensmittelrationierung und Wohnungsnot ablegen. (In Aachen hausten die Studenten in den ehemaligen Bunkern) Ingenieurstundenten vor allem in Lüttich, Straßburg oder Zürich.

Doch bald schon kamen die Luxemburger wieder nach Aachen. Hierbei spielten folgende Faktoren eine Rolle:

  1. Luxemburgs Industrie behielt ihr Eigentum im Aachener Revier ( z.B. den Eschweiler Bergwerksverein). Dadurch bot es sich an auch die Beziehungen zur RWTH wieder aufzunehmen.
  2. Die Briten, zu deren Besatzungszone Aachen gehörte handelten bei der Entnazifizierung von u.a. der RWTH großzügig nach dem Motto: “Mitläufer ist nicht Mittäter” 41 .
  3. Da die Lehre wieder frei war, konnte die RWTH ihren Ruf nicht nur wiedergewinnen sondern sogar noch verbessern!
  4. Die Alternative Zürich hatte keine eigene Fakultät für Hüttenkunde. Höhere Preise machten den Vorteil einer intakten Stadt immer mehr zunichte. 42
  5. Die Zivilverwaltung (der Nazis in Luxemburg) hatte den Unterricht der französischen Sprache untersagt. So waren sprachlich nicht so Begabte, perverserweise gezwungen bei jenen zu studieren die an diesem Umstand die Schuld trugen.
  6. Vor allem aber rührten nun die Alten Herren des AVL immer heftiger die Werbetrommel für Aachen. Sie hatten sich die Wiedergründung ihres Aktivenvereines fest vorgenommen.

1950 waren wieder zwölf Luxemburger in Aachen. Der Vorsitzende der “Alten”, Frank MEYER beauftragte den jungen Jean THIELEN , der zuvor am Institiut Superieur de Technologie (IST) war, mit der Neugründung. Die Hilfe der AHAH war sowohl finanzieller als auch moralischer Natur. Viele der Alten, wie der legendäre Sippy, nahmen sich immer wieder die Zeit die Jungs zu besuchen und in die Traditionen des AVL einzuweisen. Die Statuten von 1915 wurden übernommen, sowie Mützen und Bierzipfel wieder eingeführt. 1952 wurde die Neugründung durch den Rektor genehmigt.

In diesem Jahr (am 5. und 6. Juli) wurde auch das erste Mal wieder ein Stiftungsfest (das 55.) gefeiert. Es ist ein Bericht dieses Festes erhalten geblieben, er wurde von Jean Majerus alias Ronay geschrieben und am 18.7.1952 im Tageblatt veröffentlicht.

Es wird Sport betrieben und dafür ein Sportwart bestimmt; das Luxemburger Fußballteam wird Hochschulmeister. Auch werden jetzt Studenten der Fachhochschule ( Kept LAMBERT und Battin BIB ) und Frauen (eine, Alice VAN WERSCH ) aufgenommen. Der Verein organisiert einen Autobus für eine preiswerte Anfahrt.

Das Verhältnis zu den Deutschen ist allerdings auf dem absoluten Tiefpunkt angekommen. In gewisser Weise ähnelt die Situation jener nach dem ersten Krieg: Die Luxemburger haben Geld und die bessere Moral, die Deutschen haben beides nicht. Doch sind es diesmal nicht die Deutschen, die dem AVL mangelnde Solidarität vorwerfen, schwer verstimmt sind die Luxemburger. Noch betreibt die überwältigende Mehrheit der Deutschen keine Vergangenheitsbewältigung, deshalb hat auch kaum ein Luxemburger Verständnis für die Klagen der Aachener etwa über die erlittenen Zerstörungen 43 . Die Luxemburger lassen die besiegten Deutschen ihre Verachtung offen spüren, auch berechtigte Kritik deutscher Kommilitonen wird schnell mit: “Haal d` Maul, Preis” quittiert.

Insbesondere der Polizei wird kaum Respekt gezollt, da sie schließlich dem Reichsführer SS Heinrich HIMMLER unterstanden hatte. Das begünstigte übermütige Aktionen, etwa die Großschlägerei in der Antoniusgasse am 10.11.1951 um 01:00. Hier gab es neun Festnahmen, das war der halbe Verein! 44

Die Alten Herren und die Professoren waren jedoch bemüht, dieses Verhältnis wieder zu entkrampfen. Frank Meyer, obwohl selbst Deportierter, stiftete die Frank-Meyer- Trophäe um über den Sport Kontakte herzustellen. Am schon erwähnten Fest nahmen folgende Professoren teil: Frau Lipp, Eilender, Götte, Lürenbaum, Meixner und Meyer (siehe Original). Am besten gelang die Verbesserung der Beziehungen zu den jungen Aachenerinnen. Auch dem rheinischen Karneval sprachen die Luxemburger sehr zu 45 .

Studentenstreiche

In den frühen 50er Jahren hatten die Aachener unter studentischer Willkürherrschaft zu leiden wie seit den Tagen des großen Sippy nicht mehr. Neben der schon angedeuteten schwachen Position der Polizei und den idealen Fluchtmöglichkeiten durch die Ruinen begünstigte die wiedererlangte studentische Freiheit Schabernack jeder Art. Die Drangsal durch Tyrannei und Krieg war verschwunden und die Studenten wurden nicht mehr, wie noch in den 40er Jahren zum Baueinsatz herangezogen. Andererseits hatte die Stadt noch nicht das heutige Freizeitangebot und somit waren die Streiche eine willkommene Abwechslung. Es waren freilich nicht nur Luxemburger, die sich diesem Sport hingaben, ja man kann sogar sagen sie ließen sich eher mitreißen. Doch kaum jemand gab sich soviel Mühe, die Taten auch noch zu dokumentieren:

Batz, Quick und einige andere verließen gerade die Kneipe ” im Postwagen”, als ihr Blick auf die Statue von Karl dem Großen fiel und Batz bemerkte: “Den as esou knaschteg, dee misst ee mol botzen”. Gesagt getan, und am nächsten Tag informierte die Ausgabe vom 14. Juni 1952 der “Aachener Nachrichten” (AN) ihre Leser, daß der Apfel gestohlen wurde. Es kam den Leuten die Idee, die Öffentlichkeit an ihrem Streich zu beteiligen. Tags darauf teilte die AN dann unter dem drohenden Titel “Wir werden noch mehr putzen” ganz Aachen mit was geschehen war: “..der Apfel ist wieder da. Er glänzt als wäre er aus purem Gold. Studenten haben ihn geputzt! (..) einer von ihnen rief die Lokalredaktion an und orientierte sie über die < > der Tat. Vorsorglich sprach der Herr am anderen Ende des Drahtes mit deutlichem französischem Akzent: < < wir `aben ihn geputzt. Jawohl wir `aben ihn mit `ilfe von einigen Menschen in der Pontstraße poliert. Und wir werden noch mehr putzten. Falls Sie uns nicht glauben, gehen sie und holen sich den Zettell aus dem Apfell, darauf steht unser Signum>> (..) Enttäuscht werden der < > und seine Kumpane nun sein, wenn ihr vielleicht wohlgemeintes Reinigungswerk nicht als positive Leistung in die Geschichte der Stadt eingehen wird. Die Denkmalspflege ist betrübt denn die Jahrhunderte alte Patina ist nun dem Putzteufel zum Opfer gefallen. Ein Schlossermeister muß beauftragt werden der sie künstlich wiederherstellen soll.”

Das war zuviel! Das war nicht mehr nur ein Studentenulk, mit dem Anruf hatten sie der Polizei auf der Nase rumgetanzt und die setze nun alle Hebel in Bewegung. Der Rektor mußte versprechen, die Attentäter von der RWTH zu verweisen. Um eine falsche Spur zu legen, badete Batz am nächsten Abend öffentlich im Becken des Brunnens. Nachdem deutsche Studenten sich ebenfalls ausgezogen hatten und in den quot;Eezekomp” gestiegen waren, kletterte er raus und rief die Bullen. Daß diese nun die Falschen verhaftet hatten, machte die Jungs so übermütig, daß sie am 18. Juni nochmals Schlagzeilen in den AN machten: “Unbekannte, die sich übrigens das Vergnügen machten uns zweimal in der Nacht anzurufen, haben Kaiser Karl ein Glas Wicküler in die Hand gedrückt. Die Polizei sicherte die daran befindlichen Fingerabdrücke und erkannte unter den vier davonlaufenden jungen Leuten einen mit einer roten Studentenmütze!”. Durch die Mütze und durch den Bekennerbrief kam Batz in Verdacht. Er mußte Aachen fluchtartig verlassen. Die Sache ging noch einmal glimpflich aus, weil die Zimmerwirtin der Polizei vorflunkerte, Batz sei wohl in Luxemburg sie habe ihn das ganze Semester noch nicht gesehen. Danach hörte der ganze Spuk auf.

Batz hatte zwar ein Semester verloren, aber sein Streich war in die Annalen des Vereines eingegangen. Zudem sah sich die Stadt gezwungen, Apfel und Schwert zu befestigen. Viele Luxemburger versuchten den Streich nachzuspielen und wenn sie “op de Karel” kletterten, waren ihre Gedanken bei ihrem großen Vorbild. Auch der Name der Vereinszeitung “Um Karel” ist eine Reminiszenz an jene große Tat.

Die Modernisierung

Die neuen Studienbedingungen

Die Alten Herren waren bei der Neugründung, wie viele Europäer, von dem Wunsch beseelt gewesen, das Übel des Nationalsozialismus durch Wiederherstellung des Vorkriegszustandes zu tilgen. Die erste Nachkriegsgeneration hatte ihre Formen begeistert aufgenommen, froh über die Zuwendungen der AHAH. Aber schon acht Jahre nach seiner Wiedergeburt hatte sich das Gesicht des Vereines grundlegend geändert: Mützen und Zipfel waren verschwunden, Kneipen gehörten der Vergangenheit an. Das Konzept der 20er taugte nichts für die moderne Hochschule. Welches waren nun die äußeren Umstände, die zu dieser Wandlung geführt hatten?

  • Einerseits brauchte die neue Gesellschaft, wegen des technischen Fortschrittes weit mehr Akademiker.
  • Andererseits brachte er steigenden Wohlstand, der immer mehr Eltern befähigte, ihren Kindern eine Hochschulausbildung zu finanzieren.
  • Deutschland war ab 1955 NATO-Partner und in Westeuropa integrierte Nation, weniger der besiegte Gegner. Immer mehr Kolonien erhielten ihre Unabhängigkeit und bildeten die sogenannte Dritte Welt. Sie brauchten auch (technische) Führungskräfte. Aachen war hier besonders beliebt. (Deutschland war seit 1918 keine Kolonialmacht mehr gewesen.)

Für die Aachener Hochschule bedeutete dies ein fast exponentielles Wachstum, sichtbar an den neuen Gebäuden (Audimax, Mensa I + II). Vor 1950 hatte die RWTH nie mehr als 1000 Studenten gehabt. Jetzt im SS 1959 waren es 8602. Dies bedingte auch einen großen Mangel an preiswertem Wohnraum. Auch war die Hüttenkunde nicht mehr das wichtigste Fach. Waren noch 1952 fast alle Studenten in irgendeiner Verbindung gewesen, so galt dies nun eher als Ausnahme. Auch machte sich die Motorisierung so langsam bemerkbar. Alles in allem bedeutete dies für die Luxemburger:

  1. Mit 78 Mitgliedern 1957, eine verschwindende Minderheit, und auch unter den Ausländern vom ersten Platz ins Mittelfeld abgerutscht zu sein. 1. Griechenland 381 Studenten, Luxemburg an 7. Stelle
  2. daß zwar die HK für Luxemburg wichtig blieb, aber die Elektrotechniker schon 1963 die größte Gruppe stellten. – Vereinsveranstaltungen konnten nun nicht mehr mündlich in den gemeinsamen Vorlesungen (für die tragenden 3. bis 7. Semester) abgemacht werden.
  3. Daß jetzt, wo der Student öfter als 3 mal im Jahr nach Luxemburg fuhr, Freizeitbeschäftigung nicht mehr wie vor 60 Jahren gestaltet werden konnte.

Die Lösungen

Die alten Traditionen, insbesondere die strengen Regeln fanden kein Verständnis mehr. Klar, die meisten Rituale, wie das Bierkomment sie vorsah waren als Parodie auf den Hochschulalltag des vergangenen Jahrhunderts gedacht. Nach dem Weggang von Jean HEUSBOURG alias Kluef wurde das Amt des Fuchsmajors nicht mehr geführt. Vielleicht wären die Traditionen gerettet worden, wenn der AVL ein eigenes Haus gehabt hätte. In der Tat äußern die Präsidenten Armand BLACHETTE (1958) und Paul PFEIFFER (1959) gegenüber der Regierung den Wunsch nach einem eigenen Haus. Dies auch als Abhilfe gegen die schon angesprochene Wohnungsnot. Gelöst wurde dieses Problem erst in den 70ern mit den Studentenwohnheimen in der Rütscherstraße. In einem Haus hätte man auch den 1958 angelegten Schrank mit Prüfungsaufgaben unterbringen können. Dieser Schrank wurde 1972 von der Hochschule beschlagnahmt!

Regelmäßige Beziehungen zu Luxemburger Studenten in anderen Städten wurden nun möglich. Es wechselten Ende der 50er viele Studenten aus Lüttich nach Aachen. Sie brachten frischen Wind in die eingefahrene Routine. (Byzutage des Bleus, Schäißbuch, Liederbuch “Bitus magnifique”) Auch wenn der Byzutage für die Erstsemester nichts Gutes verheißen konnte, so besserte sich ihre Situation doch durch die neuen Statuten. Diese (auf französisch formuliert) lehnten sich stark an denen aus Lüttich an und stellten die Füchse den Burschen gleich. Ein einmaliger Vorgang daß fremden Riten der Vorzug gegeben wurde.

Die Reformation war ein kontinuierlicher Prozeß, auch wenn sie uns dank des zeitlichen Abstandes wie eine Revolution vorkommt. Eine negative Folge war daß der Kontakt zu den Ehemaligen abriß, die Statuten von 1958 sahen sie gar nicht mehr vor. Sie schlossen sich im Laufe der Zeit in der AMICALE des Anciens zusammen. 1963 setzten AVL und AMICALE eine Arbeitsgruppe zusammen um die Beziehungen wieder aufzunehmen und zu intensivieren. Ganz konnten die Modernisierer sich aber nie gegen die Traditionalisten durchsetzen!: Der Stempel mit dem Bierzirkel wurde beibehalten und wird bis heute regelmäßig benutzt. Eine vorgeschlagene Abschaffung des als veraltet empfundenen Namens AV d` Letzeburger wurde am 14.6.1966 deutlich abgelehnt!

Abschließend für diese Periode sei festgehalten, daß die Frage ob die Verbindungen den Nationalsozialismus gefördert haben keine Rolle bei der Aufgabe der Tradition gespielt hat. Denn erstens hatte der AVL sich in der Hinsicht ja nun wirklich nichts vorzuwerfen und zweitens waren sowohl Deutsche als auch Luxemburger mehr mit den Folgen als mit den Ursachen des NS-Staates beschäftigt. Das Verhältnis zu den Deutschen hatte sich inzwischen “normalisiert”, d.h. wie vor dem Krieg wurden sie einfach gar nicht beachtet!

Die 60er

Die 60er Jahre waren eine gute Zeit für den AVL. Sie fingen schon gut an mit der Verleihung des Karlspreises an Ehrenstaatsminister Josef BECH am 25.5.1960. Bech stiftete DM 250, Konsul Schrader legte noch DM 200 drauf, mit der Auflage eine “Guindaille” davon abzuhalten. Aachen war eine Modeuni geworden, die größte in Deutschland. Mit der RWTH wuchs auch der AVL auf zuletzt 143 Mitglieder.

Aktivitäten waren vielfältig. Es gab mindestens drei Generalversammlungen im Jahr!

Allerdings machte sich zum Ende dieser Periode bereits jene Ermüdung breit, die heute so allgegenwärtig ist und immer wieder für Enttäuschung bei den jeweiligen Präsidenten sorgt. Jean-Georges HIRTZ /span> alias Jojo meinte am 5.5.1969, nach einer Bestandsaufnahme unter anderem:

“… De Comité leet de Club, mais en as net de Club, de Club sidd Dir…Op jidde Fall, wann nach eng Kéier een d` Maul oprappt fir ze kritiséieren, op déi aner Manéier awer kéng Zäit fënd fir an d`Versammlung ze kommen, well en an de Kino muß goën, dem sprangen ech mam Aasch an d` Zenn! …”

Der Vorstand wurde zunächst am Anfang des SS gewählt, d.h. Ende April, Anfang Mai. 1964 wurde der Termin auf Anfang Februar vorverlegt. Der Vorschlag, die Wahl zu Beginn des WS abzuhalten wurde abgelehnt, um den Erstsemestern Gelegenheit zu geben, sich mit Verein und Protagonisten vertraut zu machen! Die Posten Präsident, Sekretär, Kassierer und Sportwart wurden einzeln bestimmt.

Folklore und Aktivitäten

  • Betriebsbesichtigungen blieben aktuell und beliebt. Besonders Besichtigungen im Aachener Raum. (VEGLA, Zeche Emil-Mayrisch, Stolberger Zinkhütte, usw.)
  • Neu war ab 1960 der alljährliche BAL in Luxemburg. Er fand meist zu Ostern im Kasino der ARBED (gute Relationen) unter dem Namen “Nuit du Charlemagne” statt. Wichtig war er, um den Kontakt zu den Anciens aufrecht zu halten, mehr noch aber um Geld in die Kasse zu bekommen, da bei der hohen Zahl der Mitglieder deren Beiträge nicht mehr ausreichten. Die aber mußten niedrig sein, um keinen Luxemburger auszuschliessen. (Alleinvertretungsanspruch)
  • Bis 1990 war der 17. Juni der “Tag der deutschen Einheit” in Erinnerung an den Ost-Berliner Volksaufstand 1953. Folglich gab es einen freien Tag mitten im Semester. Was lag für den AVL da Näher als an diesem Tag sein berüchtigtes Picknick zu organisieren. Treffpunkt am Hotmanspief (Alexanderstraße), dann mit der Stadtbahn zur Schutzhütte im Aachener Stadtwald. Hier warteten schon die Bierfässer. Anfang der 60er hatte die Brauerei DIEKIRCH die gute Angewohnheit zwei oder drei Fässer zu spenden. Dies war auch die Ursache für den schlechten Ruf des Picknicks da das Bier die Stimmung und damit den Tatendrang doch sehr förderten; 1963 wurden mehrere AVL` er wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet und außerdem gab es ein Strafmandat für Verunreinigung der Schutzhütte.
  • In den 60er Jahren nahmen Fernsehen und Computer noch nicht soviel von der kostbaren Zeit der Studenten in Anspruch, und so konnte der AVL auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Freizeitgestaltung spielen. Beliebt wurden Exkursionen, so 1961 nach Hupperdange, 1962 nach München, 1963, 1965 und 1967 nach Amsterdam.
  • Wichtig war immer der Gesang . Sogar bei nichthumanoïden Säugetieren mit Sozialstruktur, etwa den Wölfen, dient er zur Beschwörung des Zusammenhaltes der Gruppe und gibt Mut, schwere Aufgaben anzugehen, z.B.: Schafe jagen, Klausuren schreiben, auf den KAREL klettern oder Stiefelleeren. Gesungen wurden noch die alten Burschenschaftslieder, aber immer weniger. Zotige belgische Lieder wie die “Ah la saloppe 46 ” brachten die Lütticher mit. Aus Lüttich kam auch (um 1960) die berühmte “Hesper Kutsch” bis heute die heimliche Hymne luxemburgischer Studenten. Aachen hatte ab 1962 einen eigenen akademischen Männerchor. Gegründet von dem Organisten Charles MEYERS und dem Solisten Jean MARTIN . Hintergrund war hier die Bitte des Luxemburger Botschafters Hommel, die schwache Kolonie in Köln am Nationalfeiertag beim “Te Deum” in der Kirche “Maria Königin” zu unterstützen. Eine schöne Tradition die sich bis heute gehalten hat.
  • Erwähnt wurde schon der Byzutage, auf luxemburgisch Aweihung oder Daaf (Einweihung oder Taufe). Es war um einiges unangenehmer als heute. Wegen der gänzlichen Abwesenheit von Frauen spielten sich die “Epreuves” wesentlich mehr im Unterleibsbereich ab, als dies heute der Fall ist! 47)

Kneipen

Für die Einladungen zu den Versammlungen die nun schriftlich formuliert und ausgeteilt werden mußten stand die Vervielfältigungsmaschine im Alexander-von-Humboldt Haus 48 zur Verfügung. Ein Stammbistrot wurde dadurch viel wichtiger. Hier bot sich der “Maastrichter Hof” an, dessen Wirt Heinz Angelskiet so etwas wie der Hilfssekretär wurde. So konnte jeder, der beispielsweise an einer Betriebsbesichtigung teilnehmen wollte, sich beim Heinz in die Liste eintragen lassen.

Es ist klar daß jede Generation sich ihre bevorzugte Kneipe aussucht, hier nur die in denen offizielle Veranstaltungen stattfanden:

1946-1952 “Café Lahaye” am Fischmarkt
1952-1954 “Restaurant am Knipp”
1954 Raußschmiß aus dem Knipp
1958-1961 “Alter Drache” Kleinkölnstraße
“Jakobshof” Jakobstraße
1959-1968 “Bürgerbräu” Jakobstraße
1968-1974 “Corso am Westpark”

Außenpolitik

Die ASSOSS hatte 1953 in Aachen eine Lokalsektion gegründet. Sie verstand sich aber nicht als Konkurrenz zum AVL, blieb auch größtenteils erfolglos. Ihr Gründer Edgard STEFFES schrieb: “.. unsere Aktivität bestand zum größten Teil im Biertrinken”
Aachen hatte einige Aktive bei der Studentengewerkschaft UNEL. Roger THEISEN , Paul PFEIFFER , Georges BLAU , Mathias KERSCHENMEYER , alle in der ASSOSS. Die UNEL wurde 1951 als Dachverband der luxemburgischen Studentenvereine gegründet, ASSOSS und ALUC bekamen eine Sonderrolle zugestanden. Der AVL mußte nach wie vor in politischen Dingen neutral bleiben, und so waren die Flügelkämpfe in der UNEL (wegen Vietnam, des Ostblocks und des Religionsunterrichtes) für ihn eine schwere Belastungsprobe. 1963 führte die UNEL persönliche Mitgliedskarten für die Studenten ein, die von den einzelnen “Cercles” vertrieben wurden. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den linken ASSOSS- Mitgliedern unter Georges Blau und dem von Präsident Jean CHRISTOPHE geführten Comité des AVL.
Geschlossen hinter der UNEL stand der AVL allerdings bei der Forderung nach der Abschaffung des obligatorischen Wehrdienstes. 1965 wurde vom AVL ein Brief an den Armeeminister gesandt, in dem man ihn unter anderem darauf verwies, daß mit Luxemburgs NATO-Mitgliedschaft seine Sicherheit gewährleistet sei. Der Satz “…..doivent constater qu` à l` étranger on se moque de l` utilité de notre armée” löste aber eine Kontroverse aus.

In Aachen gehörte der AVL, wie die anderen ausländischen Studentenorganisationen, immer noch der VdAK an. Hier hatten jedoch die Verbindungen die absolute Mehrheit und verhinderten so, daß die VdAK zum Sprachrohr der Ausländervereine für ihre spezifischen Probleme hätte werden können. Der AStA glaubte dieses Problem 1960 lösen zu können, indem er die sog. “Kleine UNO” ins Leben rief. Hier sahen die Europäer sich allerdings gegenüber der dritten Welt in der Minderheit. Nachdem die “kleine UNO”, wie die große, zum wiederholten Male einseitig Israel verurteilt hatte, kündigte Marco HAMMER im Namen des AVL die Zusammenarbeit auf.
In der VdAK fühlten die Luxemburger sich auch nicht mehr ganz glücklich. Erstens interessierten dessen Themen, etwa die deutsche Kriegsgräberfürsorge, sie nicht besonders. (“..Bezuelt mol Ähr Krichsscholden”). Zum anderen war da das strenge Reglement:

  • Geldstrafe bei Nichterscheinen
  • Wortmeldungen nur, wenn man die Mütze hochhielt. Eine Mütze aus den 50er wurde jedes Jahr an den neuen VdAK- Delegierten, ein nicht sehr begehrter Job, weitergegeben. Als diese 1963 an einem feuchtfröhlichen Abend verloren ging, konnte der AVL das Wort nicht mehr ergreifen.

Zudem wurde der AVL immer öfter kritisiert, weil er weder den Vorsitz übernehmen wollte noch die Verbindungen zu seinen Abenden einlud. Um dem abzuhelfen wurde deshalb 1961 ein Filmabend über Luxemburg (mit u.a. einem Werbefilm der ARBED) im Audimax organisiert, dem die meisten Verbindungen folgerichtig fernblieben. Da die VdAK unter dem Eindruck der hochschulpolitischen Diskussionen immer mehr ins rechtskonservative Lager abglitt, zogen der griechische Studentenverein und der AVL die Konsequenz, und Präsident Guy KIND vollzog 1967 den Austritt. Die anderen ausländischen Vereinigungen taten es uns gleich, die VdAK hat die 68er Unruhen nicht überlebt.

Aus der 68er Revolte hielt sich der AVL natürlich größtenteils raus, abgesehen von einer überlieferten Rede von Präsident Erneste KNEIP alias Knippi.

Der AVL in den letzten 25 Jahren

Die 70er Jahre

AVL und RWTH hatten sich bisher im Gleichtakt entwickelt. Nun gab es eine Entkopplung, sichtbar an den Zahlen: Hatte die RWTH 1970 noch nicht mal 13.000 Immatrikulierte, so wuchs diese Zahl bis 1979 monoton auf etwa 25.000. Der AVL hingegen hatte sein Maximum 1969 mit 143 Mitgliedern erreicht, in der Versammlung vom 13.5.1975 gibt der Sekretär die Zahl der Mitglieder mit 102 an. Die Mitgliederliste von 1980 weist noch gerade mal 34 Personen aus!
Wie kam es dazu? Die RWTH kannte in jener Periode den Beginn einer starken Diversifizierung. Neue Fakultäten wurden eingerichtet:

  • 1965 Philosophie,
  • 1966 Medizin,
  • 1980 Pädagogik, die vorher als eigenständige Hochschule existiert hatte.
  • 1960 war schon die Elektrotechnik aus der Fakultät für Maschinenwesen und Elektrotechnik ausgegliedert worden.

Zudem wurden neue, zeitgemäße Studiengänge angeboten etwa:

  • 1967 Psychologie;
  • 1972 Informatik;
  • 1980 Betriebswirtschaftslehre.

Auch wurden die bestehenden Fakultäten ausgebaut. Erweitert wurden zwangsläufig auch die Infrastruktur. Das Studentenwerk baute 1965 die vier 17- bzw. 19- stöckigen Wohntürme in der Rütscherstraße, welche rund 1200 Studenten Unterkunft boten.

Während die RWTH sich diesen 10 Jahren zur größten Hochschule der Republik ausbaute, erlebte der AVL zunächst eine Nachblüte der 60er Jahre anschließend einen klassischen Niedergang der in einer tiefen schwerwiegenden Krise 78-80 gipfelte. Dieser Niedergang war nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ: An der schon erwähnten Versammlung 1975 nahmen gerade mal 21 Mitglieder teil; Befassen sich die “Motion de blâme” des Jahres 1970 noch größtenteils mit sachlicher Kritik, so lautet eine typische “Motion” des Jahres 1976 folgendermaßen:” pour le (fonction, nom) pour manques de discipline et retard non motivé ainsi que pour physionomie blessante et pour être un agriculteur.”

Die 70er brachten tiefgreifende Veränderungen des Vereinslebens, welche nicht zuletzt von folgenden Umständen orchestriert, wenn nicht sogar ausgelöst wurden:

  1. Die Folgen der 68er Revolution.
  2. Das Ende der Periode, welche die Franzosen “les trentes glorieuses” nennen, d.h. der Erdölschock 1974 und die erste ernsthafte Wirtschaftskrise seit Ende des Krieges
  3. Die zunehmende Motorisierung.

Wie wir sehen werden kann diese Entwicklung keineswegs nur negativ beurteilt werden, lassen wir uns da durch das Wort “Niedergang” nicht beirren. Betrachten wir diese Umstände doch mal im Einzelnen:

Die Veränderungen durch die 68er Revolution

So wenig die Luxemburger aus Aachen an dieser auch beteiligt waren, die Folgen bekamen sie dennoch zu spüren.

Hier ist in erster Linie die Abschaffung der Studiengebühren durch das Land Nordrhein-Westfalen zum WS 1970 zu nennen. Damit war im wesentlichen eine der Hauptforderungen der Studenten erfüllt, die unter dem Stichwort “Demokratisierung des Studiums”, also den freien Hochschulzugang ohne materielle Sachzwänge auch für Kinder aus niederen Schichten, seit 1950 auch im Programm der UNEL war.
Diese UNEL, die in dem vorangegangenen Jahrzehnt den AVL soviel beschäftigte, hatte 1969 auf ihrem Weihnachtskongreß beschlossen künftig nur noch “progressive Politik” zu betreiben, also je nach Lesart eine Machtübernahme durch die Linke. Nur kann man in einem Verein ohne Zwangsmitgliedschaft nicht so leicht “die Macht übernehmen”! Rechte wie die ALUC kündigten die Mitarbeit auf und verließen die UNEL. Im Verein der Liberalen und Linken ASSOSS gab es ebenfalls eine Machtübernahme . Alle Vorstandsstellen wurden von Marxisten und Trotzkisten aus Paris besetzt, die unter dem Eindruck der erlebten Ausschreitungen in der französischen Hauptstadt und dem Sturz De Gaulles in der Vorstellung lebten, die von Karl Marx vorausgesagte Weltrevolution stünde kurz bevor, weshalb sie kaum noch Gedanken auf die spezifisch studentischen Probleme verschwendeten, würden die doch bald durch die neue Gesellschaft sowieso gelöst. Gemäßigte Linke wurden rausgedrängt und engagierten sich nun in der UNEL; die ASSOSS verschwand ganz von der Bildfläche und existiert heute samt ihres beträchtlichen Vermögens nur noch auf dem Papier. Das bedeutete daß die UNEL nun keineswegs mehr die ganze Studentenschaft repräsentierte sondern nur noch die Linke, also in etwa die Linie der alten ASSOSS vertrat.

Auch in Aachen gab es 1970 eine Kontroverse die mit dem Rücktritt des Delegationsführers Tite Reuter endete. Hier ging es darum daß die UNEL festlegen wollte welcher Verein wieviel staatliche Unterstützung erhalten sollte. Der AVL beschwerte sich beim Ministerium und rechnete vor daß der AVL für 143 Mitglieder zu sorgen hätte, von denen aber nur 83 der UNEL angehörten. D.h. man sah die Gefahr daß das Ansinnen auch als Mittel der politischen Maßregelung von mißliebigen Vereinen mißbraucht werden könnte. Der AVL stellte 1971 noch eine Delegation zusammen und setzte am 2.5.72 eine Arbeitsgruppe zur Wiederaufnahme der Beziehungen ein. Ohne Erfolg. Die UNEL spielte künftig nur noch auf sportlichem Gebiet eine Rolle (Tournoi de l` UNEL, später Tournoi de Noël)

In Aachen verzichtet der AVL auf die Nutzung des AvH. In der Folge von 1968 wurde die Studentenschaft polarisiert, AStA-wahlen waren nun Listenwahlen. Im AvH tummelten sich inzwischen 25 verschiedene Ausländervereine die alle ihre Rechte beanspruchten und nicht nur nationale Vereine wie: der “Verein indischer Studenten” oder der “Norwegische Akademische Verein” , sondern auch offensichtlich rein politische Zusammenschlüsse wie die “Union für Wissenschaft und Fortschritt”, der “Afro-asiatisch-lateinamerikanischer Studentenbund” oder auch die “Internationale Muslim Studenten Union” (IMSU) unter ihrem Vorsitzendem dem illusteren M.S. Tabatabai, Schwager von Ahmed Chomeini und später stellvertretender Ministerpräsident des Iran. Aber auch die nationalen Vereine wurden zumeist von Studenten dominiert die in ihrem eigenem Land der (linken) Opposition zuzurechnen waren und nicht selten verfolgt wurden. Ab diesem Zeitpunkt des Verzichts wurden die Mitteilungen nicht mehr auf der Vervielfältigungsmaschine des AvH gedruckt sondern eine neuartige Erfindung kam zum Einsatz: Die Photokopie.

Eine sehr begrüßenswerte Folge der gesellschaftlichen Umwälzungen war, daß mit Koedukation und Abschaffung der Studiengebühren die psychologische und die materielle Hemmschwelle welche die Frauen bisher von der Aufnahme eines Studiums abhielt, stark gesenkt wurde. 1970 kamen die ersten Luxemburgerinnen nach Aachen und der AVL erhielt seine ersten weiblichen Mitglieder
((von der bekannten Ausnahme Alice van-Wersch abgesehen.)) . Daß sie auch zahlenmäßig einen wesentlichen Teil des Vereines ausmachen, dazu kam es nie. Im Gegensatz zu dem was man damals gerne glaubte, lag den meisten Frauen gar nicht soviel daran in die Männerdomäne Ingenieurberuf einzudringen und für die von ihnen bevorzugten Fächern regelte die Zentrale Vergabestelle für Studien (ZVS) die Zulassung, oder der Ruf den dieses Fach in Aachen genoß war nicht besonders. Die Gründe warum Frauen nach Aachen kommen oder der Kaiserstadt fernblieben sind nicht so ohne weiteres eindeutig ersichtlich. Sie differieren (auch heute noch) stark von den Beweggründen der Männer. Es gibt Beispiele daß Frauen nach Aachen kamen weil ihr Freund und späterer Gatte 49 hier studierte.

Ganz sicher keine Ermutigung für Luxemburgerinnen in Aachen zu studieren, war die Ermordung von Paulette Useldinger durch ihren lateinamerikanischen Freund im Jahre 1978. Kurz vor Abschluß ihres Architekturstudiums, hatte Paulette ihm den Laufpaß gegeben und den vier Jahre jüngeren Studienabbrecher vor die Tür gesetzt. Er hatte sie mit mehreren Messerstichen abgeschlachtet und noch drei Tage bei der Leiche verbracht, bevor er sich der Polizei stellte.

1974 wird auch die erste Frau in den Vorstand gewählt: Mariette May ist für ein paar wenige Monate Sekretär des AVL, dann tritt sie zurück. (Genau wie ihr Nachfolger Walter Kuborn, der es mit dieser Mannschaft auch nur zwei Sitzungen aushält)

Wenn die “Revolution” in Deutschland etwas erreicht hat, dann die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte, sprich der Nazizeit. Diese gesellschaftliche Leistung klärte endlich auch das Verhältnis der Luxemburger zu den Deutschen das sich nun vollständig normalisierte. Dank eines Vertrages der Luxemburgischen Regierung mit dem Studentenwerk der jedes Jahr 20 Zimmer für Neueinschreiber sichert, wohnten viele Luxemburger in den Türmen ( bald schon sollten es mehr als zwei Drittel sein) Sie integrierten sich in der großen Familie der Studentenschaft in einer zuvor nie gekannten Weise. Viele sicherten sich den Getränkedienst ihrer Etage, Wenige waren auch bereit Etagensprecher zu werden. Gut für uns war auch daß Luxemburger nun Exoten waren und deutsche Studenten haben eine offenkundige Vorliebe für Exoten, Ausländerfeindlichkeit war kein Thema. Besondere Pluspunkte konnten die Luxemburger Turmbewohner dadurch gewinnen daß sie sich am Mietstreik 1974 beteiligten. Überhaupt hatte diese Aktion die Solidarität unter den verschiedenen Studenten sehr gefördert.

Der AVL nahm nun auch wieder Deutsche (die nicht Luxemburgisch konnten) als Mitglieder auf. Und wenn am 10.11.1970 im “Schäißbuch” steht :“E ganzen Waggon Preisen fir en Daaler” (was auch am Marktplatz gesungen wurde) oder “Adolf komm bald wieder” (auch ein Song) so ist dies keineswegs mehr Deutschenhaß, sondern reine Folklore!

Die Wirtschaftskrise

Nach dem sog. Yom-Kippur-Krieg 1973, setzten die arabischen Staaten in der Organisation erdölfördernder Länder (OPEC) eine drastische Erhöhung des Rohölpreises durch. Alles teuerer und vor allem die energieintensive Stahlindustrie geriet unter massiven Druck. Europa lernte die Massenarbeitslosigkeit wieder kennen.

Für Luxemburg war dies eine Katastrophe. Zuvor war es so daß “Ingenieur werden” und “in Aachen studieren und bei der ARBED eingestellt werden” fast dasselbe war. Man sollte annehmen daß jetzt die Aussicht nach abgeschlossenem Studium arbeitslos zu sein niemanden mehr reizte Ingenieur zu werden. Doch die Zahlen des Unterrichtsministeriums zeigen zwar eine Stagnation, keineswegs aber einen Rückgang. Ausnahme ist vermutlich aber die Hüttenkunde und hier war der AVL wie kein anderer Luxemburger Studentenverein betroffen denn:

  • Gerade aus Aachen kamen die Hüttenkundler und dieser Fachrichtung räumten die Studenten gar keine Zukunft mehr ein. Fast sieht es so aus als kämen die Studenten nur noch auf eine der beiden folgenden Arten zu diesem Studium: Familientradition und Innere Rekrutierung an der RWTH.
  • Den Schwund der Hüttenkunde konnte der AVL nicht, wie die RWTH, durch Zuzug von Medizinern oder Geisteswissenschaftlern ausgleichen. Hierfür hatten längst andere Universitäten sich in Luxemburg einen Namen gemacht. Andererseits teilte die ZVS, etwa bei der Informatik Aachen prinzipiell keine Luxemburger zu. (Erst 1994 treffen die ersten in Aachen ein!) als erster Mathematiker tritt 1979 Jean-Paul Schintgen in Aachen an.

Die Motorisierung

Sie hat vielleicht den größten Anteil am Umbau des AVL denn sie brachte eine völlig neue Mentalität mit sich: Die Mobilität des Studenten ermöglichte es ihm einfacher Kontakt zu seiner Heimat und seinem alten Freundeskreis zu halten. Oder Ausflüge zu anderen Universitätsstädten zu starten, was zwangsläufig die Beziehungen zu anderen Luxemburger Studenten verbesserte. Gleichzeitig verringerte sie aber auch die “ouverture d ` esprit” auf die der Luxemburger so stolz ist.

Einige ganz wenige verfügten bereits Mitte der 50er über ein Auto. Ende der 60er kam ein Großteil bereits mit dem Auto nach Aachen. In einem Informationsblatt für Abiturienten von 1975 wird erklärt: “Nicht motorisierte Studenten finden unter den über hundert Luxemburgern in Aachen immer jemanden, der sie für DM 5,– bis DM 7,– mit nach Hause nimmt. Die Zugverbindung ist nicht zu empfehlen!”

Wie schnell stieg nun die Zahl der Autos? Anfang und Mitte der 70er waren fast alle Autos immer voll besetzt. Die Frage ob ein Student nach Hause kommt war stets ein Vabanquespiel, er verbrachte im Schnitt drei oder vier Wochenenden in Aachen bevor er eine Mitfahrgelegenheit fand. Zwar konnte er schlechter feste Zusagen für Aktivitäten zu Hause machen, war aber auch in seiner Entscheidung freier. Auch fand in jener Zeit noch ein studentisches Leben am Wochenende statt, es lockten ja noch die Nachbarstädte Lüttich, Köln und Maastricht.

Ende der 80er hatte dann fast jeder zweite ein Auto. Man fuhr durschnittlich alle zwei Wochen nach Hause. Es entstand das Klischee des typischen Luxemburgers:

“Er heißt Claude, studiert Maschinenbau oder Elektrotechnik und fährt jedes Wochenende nach Hause um seine dortige Freundin nageln zu können. Hier in Aachen weiß er nichts mit seiner Freizeit anzufangen, außer seine Mitbewohner aus den unerfindlichsten Gründen mit Spontanfeten i.a. Sauforgien zu nerven..” 50

Es bestand schon seit etwa 1960 die Tradition, wenn der Fahrer alle seine Mitfahrer eingeladen hatte, auf halbem Wege auf der Wemperhardt, noch schnell einen Kleinen zu heben etwa im “Café Albert” später “beim Jenny” und seit ca 1978 bei “Koeppe Jhemp” auf Hoscheid-Dickt. Übertreibungen stellten sich eigentlich sofort ein: Eine Fahrt von Wiltz nach Aachen im Jahr 1968 dauerte ganze vier Tage; aus diesem Jahr ist auch ein Führerscheinentzug wegen Alkohol am Steuer bekannt.
Um Anfahrt und Exkursionen besser organisieren zu können beantragt Gust Nero bereits 1967 Anfertigung und Verteilen einer Autobesitzerliste; dies wird aber abgelehnt. Und das Projekt bleibt bis 1990 unverwirklicht!
In diesem Zusammenhang ist es vielleicht interessant auf ein anderes Phänomen hinzuweisen, das ähnliche Veränderungen aufwirft wie die Motorisierung: die Informationstechnologie. Eine Liste von 1975 verzeichnete nur bei den Heimanschriften gelegentlich die Telefonnummer, bei den Aachener Anschriften nur dann wenn es sich um eine kollektive aus einem Wohnheim handelte. Erst 1989 wurde systematisch nach der Nummer gefragt. Auch der Telefonanschluß bestimmt das Verhalten des Studenten mit.Ein gewisser Stift hatte Ende der 60er noch die Angewohnheit, drei Stunden nach der Abfahrt den Eltern mitzuteilen, er sei gut angekommen, auch wenn er dann noch immer bei Jenny, in einer Kneipe in Eupen oder gar in seinem Heimatort Wiltz war. Heute gerät der Student schon mal in Erklärungsnotstand wenn die Eltern nach oder mitten in der schönsten Orgie anrufen.

Das Vereinsleben

Zunächst die Nachblüte der so energiereichen 60er. Alte Gewohnheiten verschwinden am Ende des Jahrzehnts: Das Picnic am 17. Juni, der Byzutage (ab 1977) und die jährliche Exkursion.

Neue kommen hinzu:

  • Nationalfeiertag im Ponttor. Vicepräsident (VP) Marcel Gallion hatte dieses 1972 erstmals organisiert und mit den ansprechenden Räumlichkeiten dem Vereinsleben wieder den feierlichen Höhepunkt gegeben der ihm seit Aufgabe des jährlichen Stiftungsfestes 1959 fehlte. Auszug aus der Einladung zum 29.6.1974:

    “Il y aura des allucations (faut bien), un magicien (!), les boissons habituelles, etc… Tes amies seront les bien venues..

    Quiz:

    1. We` schwe`er ass onsen Sekrétaire?
    2. We`n hât om Picnic an Box geschaß ?
    3. We` vill Fehler stinn an deser Invitation?”

    Betreiber und Anwohner des Ponttores mußten sich allerdings erst an die neuen Mieter gewöhnen. Gleich im ersten Jahr donnerte der Lastenaufzug der Madonna die Nase weg. Hatte diese seit Jahrhunderten in ihrer Nische über dem Tor alles Umheil von letzteren fernzuhalten versucht so mußte sie nun selbst durch ein Gitter geschützt werden. In den ersten Jahren verging fast kein Ponttor ohne daß zu später Stunde noch die Gäste mit den grünen Uniformen auf einen Sprung vorbei kamen.

  • Der “Tournoi de l` Ambassadeur” zwischen Brüssel, Lüttich und Aachen wurde 1970 erstmals in Brüssel ausgetragen.

Wie bereits gesagt nahm die Mitgliederzahl ständig ab. Der Verein versuchte gegenzusteuern, etwa mit dem Brief an Neue und Rebellen der anfing mit “lieber Kommilitone, durch Zufall haben wir erfahren daß Du in Aachen studierst..” oder durch Bekanntgabe der Diplome in der Presse.(LW und Tageblatt)

Um die Moral im “Comité” stand es nicht immer zum Besten. Versammlungen liefen immer nach folgendem Schema ab: Der Vorstand wird attackiert kritisiert und mit allmöglichen “Motions” genervt bis er sich bereit erklärt eine Runde zu schmeißen, was er aber wegen chronisch leerer Kassen nicht will. Vielleicht war die Atmosphäre durch die Diskussionsfreudigkeit der 68er angeheizt oder man verstand es als Folklore, jedenfalls kennt das Jahrzehnt (incl. 1980)

  • 8 Rücktritte und 2 Absetzungen von Vorstandsmitgliedern.
  • Ein Kassierer legte bis heute keinen Rechenschaftsbericht vor
  • Ein anderer setzt 50.000 Franken Vereinseigentum auf sein Privatkonto rückt es erst nach zwei Jahren raus, als seine Nachfolger es reklamieren.
  • 10 Jahre lang ist der Verein nicht in der Lage über das Konto bei der deutschen Bundespost zu verfügen weil am Ende niemand mehr wußte wer überhaupt zeichnungsberechtigt war! Einige Kassierer behalfen sich mit Urkundenfälschung!
  • Nach dem 4.7.1976 werden keine Sitzungsprotokolle mehr angefertigt, das “Schäißbuch” verzeichnet keine Einträge nach 1977!

Die große Krise

Leitet sich am 7.11.1978 ein. Hier beginnt eine “Lotterie à tirage immédiat”, damit wird das Geld aufgebracht um am 30.3.1979 in Steinsel einen sehr erfolgreichen “Bal” mit dem bekannten Orchester The Challengers abzuhalten. Dadurch verfügt der Verein erstmals seit den 20er Jahren wieder über sehr viel Geld! Und um dieses, bzw. dessen Verwendung entbrennt schnell ein Riesenstreit. Da gibt es auf der einen Seite stehen die Leute die damit eine Reise nach Paris bezahlen wollen. Sie werfen ihren Gegnern vor das Geld nur versaufen zu wollen. An ihrer Spitze stehen Aloyse Paulus und Claude Urbé alias Intz. Auf der anderen Seite sind die Leute die das Geld erwirtschaftet haben und daraus eine Mitspracherecht über dessen Verwendungszweck ableiten. Sie werden angeführt von den Ex-Präsidenten Paul Belche und Jean Quintus alias Full. Paris setzt sich durch, die Kasse ist leer, die Atmosphäre vergiftet.

Es gibt Neuwahlen am 5. Februar 1980. Die Streitkultur bleibt dennoch. Durch den Streit können sich Neutrale Mitglieder nicht mehr mit dem Verein identifizieren. Der Vorstand wird permanent verdächtigt sich nur persönlich bereichern zu wollen. Als erster wirft schon am 24. September “à cause de surmenage” Präsident Claude Reisch das Handtuch. Zu Beginn des neuen Semesters folgen VP Roland Hanten und Intz. So kommt es zur Generalversammlung vom 18. November 1980 um die Sache zu klären. Dramatisch der Appell des Sekretärs Josef Scharll der den Verein nunmehr leiten muß: “De Komitee werd durfir surgen, dat de Verein net durch Bazillen zerstei`ert get.”

Es sollte noch einige Zeit dauern bis das wieder gerade gebogen werden konnte. 1982 hatte der Verein 53 Mitglieder, die ANEIL gibt für dieses Jahr allein 74 Aachener Ingenieurstudenten an!

Die 80er Jahre – Neuanfang und Boom

Der Streit war auch in gewisser Weise ein Generationskonflikt. Urbé, Paulus, Scharll, Hanten und die anderen gehören zu dem neuen Typus des Aachener Studenten, der nach dem Handwerkergesellenbrief die Hochschulreife über eine dreijährige Ausbildung am Institut Superieur de Technologie (IST) in Luxemburg erworben hat. Weil der Titel eines “Ingénieur Technicien” jedoch keinen Anspruch auf eine geregelte Beschäftigung oder festgelegte Bezahlung garantierte, in Zeiten wirtschaftlicher Krise oft nur das bezahlt wird was ein Geselle oder Abiturient auch bekommt, setzten viele ihr Studium in Aachen fort.

Es ist auf jeden Fall das persönliche Verdienst von Leuten wie Charles Bemtgen al. Bähmchen, Lucien Conrardy al. Ufo, Léon Hirtt al. Läo, Patrick Goffinet oder auch Pierrot Bis und Paul Schlesser al. Pooli daß der AVL in den nun folgenden Jahren die Talsohle durchschreitet und wieder für alle attraktiv wird. Ohne klassische Bildung ist alles Intellektuelle ihnen nicht nur fremd sondern sogar suspekt. Der AVL beschränkt, auch aus Geldnot, seine Aktivitäten auf das absolut Notwendige, viele seiner Gewohnheiten haben hier ihren Ursprung!:

  1. Die Zahl der kaum noch besuchten Generalversammlungen wird auf eine einzige im Jahr reduziert. Hier wird der Vorstand gewählt. Um die Leute dorthin zu locken wird mit großem Erfolg ein sehr einfacher aber effizienter Trick angewandt: Freibier.
  2. Hierbei kommt es ihnen sehr entgegen daß sie ohnehin ihre Buden in den Türmen meist nur verlassen um die studentisch geführten Kellerkneipen Intzekeller (später Knautschzone) Motorbar (MOB) oder Eimer zu besuchen. Hier hält man denn auch die Generalversammlung ab.
  3. Dennoch haben sie lange noch Schwierigkeiten Mitarbeiter für den Vorstand zu gewinnen. Leo Hirtt wird Kulturminister des Vereins weil er die Frage “Wer will noch in den Vorstand?” mit “Wer will jetzt noch ein Bier haben?” verwechselte.
  4. Neu ist auch das Wahlverfahren: wurden vorher die Chargen Präsident, Sekretär und Kassierer einzeln, direkt vom Wahlvolk bestimmt so legt dieses jetzt nur noch fest wer in den Vorstand kommt. Die Gewählten machen dann unter sich aus wer welchen Posten bekleiden soll.
  5. Das Picknick wird durch ein zünftiges Grillfest zum Ende der Vorlesungszeit im SS ersetzt. Allerdings dauert es bis 1991 bevor der erste Kassierer bereit ist das Eis zu bezahlen damit das Bier auch kalt getrunken werden kann!
  6. Zum Winter wird ein Glühweinabend organisiert.
  7. Weniger Geschick als ihre Vorgänger beweisen die Neuen allerdings beim Bal, den sie immer im Bierkeller von Diekirch abhalten. 1984 wird ein derartiges finanzielles Fiasko daß der Bal aufgegeben wird.

Beachtlich sind auch die “kulturellen” Leistungen der frühen 80er:

  • Es ist die Zeit wo die “Aktioun Lëtzebuergësch” ihre größten Erfolge erzielte, welche in der Anerkennung des Luxemburgischen als eigenständige Sprache durch die UNO im Jahre 1984 gipfelten. Auch der AVL verschloß sich diesem Trend nicht und wechselte bei seinen Rundschreiben an die Mitglieder (Courrier) und den Sitzungsprotokollen von Französisch auf Luxemburgisch.
  • Die Möglichkeiten der Photokopie werden nun voll genutzt und zur Auflockerung werden schon mal verfremdete Ausschnitte aus Comics eingefügt. Besonderes Geschick bewies hier Pierrot BIS . Köstlich sein “Tim und Struppi”- Verschnitt vom 2.11.1983 wo er ihnen folgende Worte in den Mund legte:

    Tim: “Freuen Sie sich! Es findet eine Luxemburger Versammlung in der MOB statt. Die Neuen sind auch dabei.”

    Kapitän Haddock: “Die Neuen? Wenn die Ärmsten wüßten was ihnen bevorsteht… Was habe ich armer Mann leiden müssen!”

    Tim: “Natürlich durch die schweren Klausuren”…

    Kapitän Haddock: “Nein Durst!”

  • Pierrot Bis unternimmt auch den Versuch eine Vereinszeitung herauszugeben. Doch es reicht nur für ein Titelblatt im Stil der Bildzeitung. Geldmangel und Pierrot` s Abwahl aus dem Vorstand 1985 verhindern den Durchbruch.
  • Die Tradition, die Schluckmeile vom Ponttor zum Hühnermarkt abzulaufen haben sie natürlich nicht eingeführt. Sie fanden aber den Namen dafür: “Rentnerweg”
  • Paul SCHLESSER zeichnete 1982 den Badge des AVL, den biertrinkenden Löwen, der sich auf die Bücher stützt. Er ist zwar von jenem der Lütticher abgekupfert und man sieht förmlich, daß er letztlich nur eine Verlegenheitslösung ist: Der einzige gravierende Unterschied besteht darin daß die Bücher die Lütticher Marktsäule ersetzen! Aber es wurde ein Symbol für den AVL geschaffen, nachdem das Wappen aus der Verbindungszeit in Vergessenheit geraten war. Der Aufkleber ziert heute so manches Luxemburger Auto.
  • Die Leute zeigten sich sogar traditionsbewußt, trotz der radikalen Neuerungen. Als der Botschafter 1984 darauf verzichtete die Aachener um ihre Mithilfe beim “Te Deum” zu bitten, entschlossen diese sich spontan künftig den Empfang mit patriotischen studentischen Volksliedern zu verschönern.

Ab 1984 kam dann der Boom, die Wirtschaft hatte sich erholt, die Luxemburger Industrie war umstrukturiert worden, die Zahl der Luxemburger in Aachen wuchs unaufhörlich. Das Vertrauen in den AVL war wieder hergestellt, dafür war Aachen in der Universität Kaiserslautern eine ernst zu nehmenden Konkurrenz erwachsen. Der Verein “Lëtzeburger Studenten zu Kaiserslautern” (LSK) betrieb eine Abiturientenwerbung welcher der AVL nichts gleichwertiges entgegen zu setzen hatte! Anfang der 90er war der LSK größer als der AVL!

Der AVL in allerletzter Zeit

Aktivitäten

Nach der Konsolidierung wuchs der Verein und baute seine Aktivitäten zusehends aus, einige Beispiele:

  • John Sliepen , der den AVL bei der Karlspreisverleihung an das luxemburger Volk am 8. Mai 1986 im Rathaus vertritt, und seinem Nachfolger Romain Weydert gelingt es auch dem Vorstand des AVL wieder ein seriöseres Image zu geben, seither steht kaum ein Luxemburger mehr abseits des AVL (4/5 der Luxemburger sind Mitglied des AVL). Weydert vereinigt Popularität und diplomatisches Geschick. Er organisiert einen Luxemburger Weinstand auf dem Marktplatz am 3.11.1990, dem Tag der deutschen Wiedervereinigung und er holt den Unterrichtsminister und die Abiturienten nach Aachen. (1991)
  • 1984 führt Henri Kox die “Aweihung” wieder ein, bis 1988 in der MOB, 1989, 1990 und 1991 im Malteserkeller.
  • 1988 organisiert Sportminister Alain Kieffer alias Sabbely den ersten “Staffellaaf” nach Luxemburg.
  • 1990 verpflichtet sich der AVL im kommenden Jahr den Tournoi de l` Ambassadeur auszurichten. Um Geld hierfür aufzutreiben wird nun ein “Bal”, eigentlich eher eine Disko, im Melusina in Clausen abgehalten.
  • 1990 gibt André Schwarz die erste Zeitung heraus. Seit 1991 heißt sie “Um Karel”, hat den Charakter eines Memorial, wird kostenlos an die Mitglieder verteilt. Ihr Erfolg gründet hauptsächlich auf den abgebildeten Fotos, Satire oder Gesellschaftskritik sind eher selten.
  • 1991 wird der AVL eine asbl.
  • 1991 dichtet Marcel Belche das “Lidd vum Oochener Student” damit hat der AVL seine eigene Hymne.
  • Ab 1994 veranstaltet der AVL einen zweiten Bal um Ostern, diesen in eigener Regie.
  • Ab 1996 ist der AVL auf Betreiben von Tom Mannes auch im Internet vertreten. Welche Folgen das für das Vereinsleben haben wird muß sich noch zeigen.
  • 1994 kamen die ersten Portugiesen aus Luxemburg nach Aachen. Dies ist sehr zu begrüßen weil der AVL damit das Bild der Luxemburger Bevölkerung besser wiedergibt.

Außenpolitik

Dies war für die Ära Bemtgen ein Fremdwort. Obwohl gerade einer seiner Mitarbeiter Lucien Conrardy alias UFO an der Neubelebung derANEIL beteiligt war. Deren Aktivitäten hatten von 1977 bis 1981 geruht. In der ANEIL haben Aachener in den letzten Jahren keine allzu große Rolle gespielt, auch wenn Aachen die größte Ortsgruppe in der ANEIL stellt.

Nach dem Niedergang von ASSOSS, ALUC und UNEL waren die, von den Studentenfunktionären gerne “Folklorevereine” geschmähten Clubs an den einzelnen Universitäten die einzigen Zusammenschlüsse welche noch eine größere Zahl von Studenten aktivieren konnten. Sonja Bemtgen aus Louvain-la-Neuve kam schon am 1.12.1976 mit dem Vorschlag einer Versammlung aller Vorstände zur Zusammenarbeit etwa bei der Abiturienteninformation oder auf sportlichem Gebiet. Aachen zeigte Interesse doch die Sache verlief sich im Sande. 1984 hatten Studenten aus Karlsruhe die gleiche Idee und etwas mehr Erfolg. Sie hoben die Réunion européenne des étudiants luxembourgeois (REEL) aus der Taufe. Schon auf der ersten 1985 wurde dann die Gründung eines Dachverbandes der “Folklorevereine” beschlossen. Die Geburt der Association des Cercles d’ étudiants Luxembourgeois (ACEL)

((Nicht zu verwechseln mit der Associations catholique des étudiants luxembourgeois ACEL von 1910. Die nennt sich heute ALUC.)) . Ohne daß es den Leuten bewußt war hatten sie in etwa das Konzept der UNEL der 50er kopiert, allerdings mit einem viel rigideren Föderalismus (one club, one vote) mit allen bekannten Vor- und Nachteilen. (Etwa daß auf diese Weise die Delegierten Leute wählen die der Masse nicht bekannt sind!)

Schnell war von Ministerium, Studenten, deren gewieften Funktionären und allmöglichen Lobbyisten gleichermaßen erkannt worden daß sich hier wahrlich eine (theoretisch) die Mehrheit umfassende nationale Studentenorganisation gebildet hatte. Durch die große Aufmerksamkeit, welche die REEL ihr verschafft, fand die ACEL viele Sponsoren, insbesondere unter den Banken. Diese Nähe ist ihr oft vorgeworfen worden. Der AVL, Beobachter von Anfang an, ist seit 1986 Mitglied der ACEL und war noch auf jeder REEL gut vertreten. Im Vorstand der ACEL spielten Aachener kaum eine Rolle.

Die UNEL, 1984 ebenfalls reformiert, bietet heute wieder Platz für alle Richtungen, insbesondere seit dem Untergang des Kommunismus als Staatsform in Osteuropa 1989-91. Sie ist aber sehr klein, wobei Aachen fast eine UNEL -Hochburg ist.

In Aachen selbst gab es zu anderen Vereinen nur sportliche Kontakte, selten auch rein “festliche” etwa das denkwürdige “Europafest” der Turnerschaft Rheno-Borussia 51 im Jahre 1992. Gute Beziehungen gab es Anfang der 90er zu dem Verein der Belgier “Belania” und zu denen der Niederländer AV Hollandia (Maastrichter) und KAV. Alkuinus 52 (Grenzgänger) welche in den Jahren 1990-1994 den AVL beim Staffellaaf unterstützten.

Erinnern wir uns an die 1995 geplante BeNeLux-Fete der vier Vereine in der MOB, aus der aber nur eine NeLux-Fete wurde. (AVL und Alkuinus)

Kneipen
1972 – 1985 Apfelbaum” am Hühnerdieb. Er wurde von dem Luxemburger Victor Jungbluth alias Zaff geführt. War ein recht siffiges Lokal, aber bei Studenten, Prostituierten und anderen Nachteulen sehr beliebt.
1970 – 1978 Gaststätte “Bei Reulen” Sandkaulstraße.
1975 – 1982 “Beim Théo” am Westbahnhof
1980 – 1992 “Café Molkerei” (nachmittags) abgelöst durch “Café Kaktus”
1981 – 1991 “Rethel Pub” Rethelstraße. Sehr berüchtigt! Hier wurden die unbedachten Studenten abends dazu verleitet auf die Tische zu steigen, wo sie unter Gegröle einen “à fond” (ad Fundus) exercieren mußten.
1991 – heute(1997) “Café Kaktus” Pontstrasse. Kannte bisher bereits zwei Luxemburger Kellner.

Literaturverzeichnis


  1. Zur Geschichte der Aachener Hochschule

    1. “Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereines (ZAGV) 1992/93”

      hier die Aufsätze:

      • “Stadt und Hochschule – Aachen als Standort”
        von Kurt Düwell und
      • ” von Max Kerner/Klaus Ricking
    2. “Der Geist bewegt die Materie -Mens Agitat molem” von Klaus Ricking Verlag Mainz, Aachen 1995
    3. der Klassiker“Der Aachener Student” von Professor Max
      Eckert
      in “die Technische Hochschule Aachen 1871 bis 1920” P. Gast (HG) Aachen 1920
  2. zur Geschichte der Luxemburger Studenten:

    1. “Vu et entendu” vol. 1+2 von Henri Koch-Kent
    2. “les associations estudiantines luxembourgeoises”

      “-histoire de l`AV et de l`ASSOSS des origines à la deuxième
      guerre mondiale”

      Mémoire de DEA présenté pour le stage pédagogique
      par André Grosbusch

      Luxembourg 20 septembre 1985

Danksagung

Die folgenden Personen waren durch ihre Aussagen, Bereitstellung von Hilfsmitteln oder durch ihre Mitarbeit an der Erstellung der Festschrift beteiligt:

  1. Zeitzeugen

    Zeuge berichter Zeitraum besonderes, zusätzliches
    Heisbourg Hubert 20er
    Seeburger Alfred 20er
    Zander Egon 20er/30er mehrjähriger Brieflicher Kontakt
    Funck André 30er
    Putz Norbert 30er
    Robert Schanen Student im 2. Weltkrieg
    Thielen Jean Neugründung (50er)
    Conter Roland Neugründung (50er)
    Heusbourg Jean 50er Fuchs von Loesch Robert , Übermittlung von dessen Archiv.
    Kremen François 50er
    Edgard Steffes 50er Sohn von Paul Steffes
    Santer Gilbert späte 50er/frühe 60er
    Jean-Louis Knaff späte 50er/frühe 60er Sohn von Knaff Emile.
    Quintus Jean 70er
  2. Angehörige und Nachfahren

    Name Verwandter von
    Madame Jean Tonteling Witwe von Jean Tonteling
    Madame Louis Kesseler Witwe von Louis Kesseler
    Madame Hubert Heisbourg Witwe von Hubert Heisbourg
    Madame Joseph Damman Witwe von Joseph Damman
    Eduard Michels Erbe von Léon Thill
    Guy de Muyser Sohn von de Muyser Constant

    Neffe von de Muyser Erneste

    Nelly Moia Tochter von Moia Jean

    Schwester von Marco Moia

    Norbert Mergen Sohn von Mergen Camille
    Bob Frommes Schwiegersohn von Arend Jules al. Lull
    Jean-Luc Mousset Enkel von Mousset Camille
  3. Hilfe bei der Literaturrecherche

    Frau Dr. Lutz Leiterin des Hochschularchivs
    Frau Brumund WiMi am Hochschularchiv
    Reinhard Roericht ehemaliger Pressesprecher der RWTH
    das Corps Montania
  4. Hilfe bei Redaktion und Drucklegung (1997)

    André Detaille, Dit Busch, Marco Ensch, Alex, Rukawina, Serge
    Simon, Corinne Stephany, Maurice Theis, Gérard Thiel, Fränk
    Thomé, Mike Wolter

  5. Festkomitee 1997

    Charles Frauenberg Gérard Thiel Asorne Michel Serge Calteux Christian Schröder(P) André Detaille (S)
    Fränk Feyereisen Patrick Majerus Simon Serge Bellot Claude
    Mike Wolter Patrick Majerus Daniel Erpelding

    Zesummesetzung

    • P: Christian Schröder
    • S:André Detaille
    • T: Mike Wolter
    • Michel Asorne,
    • Claude Bellot,
    • Serge Calteux,
    • Daniel Erpelding,
    • Serge Simon,
    • Maurice Theis,
    • Alain Wagner.

Schlusswort des Autors 1997

Was die nun folgenden Zeilen ausdrücken, finden die Leser anderer Bücher gewöhnlich im Vorwort oder in der Einleitung. Weil aber das Vorwort ohnehin stets erst zum Schluß formuliert wird, warum sollte es nicht auch dort stehen? Auch ist bekannt, daß die überwältigende Mehrheit Vorwörter überhaupt nicht liest. Ein weiterer Vorzug dieser Methode ist, daß ich nun den Text als bekannt voraussetzen und den Leserfragen kann:

War es das was Sie erwartet hätten?

Das wird vermutlich nicht jeder bejahen können. Einige hätten gerne eine Auflistung der vielen feierlichen Höhepunkte wie den Besuch des Großherzogs von 1977, der hier gar nicht vorkommt) und ein Hochlebenlassen der bedeutenden Absolventen, der Professoren und des akademischen Lebens schlechthin gesehen. Dazu hätte dann auch eine Verklärung der Ideale der Jugend und der schönen Erlebnisse der Studentenzeit gehört, Robert Loesch alias Sippy hatte wohl sowas vorgeschwebt, als er 1968 anfing Dokumente und Fotos für eine ins Auge gefaßte Festschrift “hundert Jahre RWTH” zusammenzustellen. Er hatte auch eine Absolventenliste angeregt und in seinem Brief an den AVL vom 1.3.1968 befunden. “Voilà un petit travail pour un jeune Luxembourgeois”. Diese hatten die entsprechende Arbeit jedoch gescheut und den alten Recken im Regen stehen gelassen. Wohl nur ein “Alter Herr”, der bereits innerlich und äußerlich zum realen Studentenleben Abstand gewonnen hat, hätte solch ein Werk schreiben können. Doch Sippy starb 1969 und erlebte das große Fest nicht mehr. Er hatte allerdings das Material seinen Füchsen Quick und Kluef gegeben und so konnten Teile davon in” Rull de Waak” integriert werden.

Nein, eine solche Arbeit konnte nicht mein Ziel sein. Auch erspart “Rull de Waak” einigen ,.Bedeutenden” die peinliche Feststellung, daß nun ausgerechnet jene Leute mit ihm renommieren, mit welchen ihn seinerzeit nur wechselseitige Verachtung verband.

Andere hätten von den Studenten einer Ingenieurschule einen eher technischen Beitrag erwartet; Beispiele moderner, heute gelehrter Technik. Wenngleich solche Publikationen in Festschriften beliebt sind, stellen sie doch meist nur eine Verlegenheitslösung dar, in einer solchen aber sind wir nicht!

“Rull de Waak” legte vielmehr Wert auf eine Durchleuchtung der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Vereinsgeschichte. Ein wirklich wissenschaftliches Werk ist dennoch nicht entstanden. Wohl ist unsere Geschichte reichhaltig genug und auch das recherchierte Material hätte wohl gereicht ganze Dissertationen für die Soziologenfakultät zu liefern. Die vorliegende Schrift ist, gewissermaßen ein, von wirtschaftlichen Gesichtspunkten diktierter Kompromiss: nicht die Kürze und Belanglosigkeit einer Eloge, und nicht die Tiefe (und Langatmigkeit) einer Studienarbeit.

Begonnen hatte ich meine Nachforschungen gleich 1990, nach meiner Wahl zum Schatzmeister des AVL. Der Verein war kurz zuvor vom ehemaligen Pressesprecher Dr. Gerd Wassenberg auf sein Gründungsjahr aufinerksam gemacht worden. 1989 hatte ich den dürftigen Beitrag über Studenten der Ausstellun- zu unserer 150 jährigen Unabhängigkeit gesehen, wo Studententum ein Unterkapitel des Themas “Auswanderung” war. Anfangs vervollständigte ich nur das alte Archiv des AVL durch Nachfragen bei Ehemaligen. Ab 1992 suchte ich die Namen aller Absolventen aus dem Hochschularchiv. Zufällig stieß ich, durch Vergleich dieser Liste mit jener der Ehrenmitglieder aus dem Kassenbuch auf Alfred Seeburger und Hubert Heisbourg. Diese empfahlen mich an Egon Zander und Andre Funk und so begann ich die AHAH, zunächst allgemein dann gezielt, nach ihrer Studentenzeit in den 20er Jahren zu befragen. Insbesondere mit Egon Zander führte ich einen mehrjährigen Briefwechsel. Er erwies sich als ein besonders objektiver, nüchterner Zeitzeuge, weshalb seine Aussagen besonders wertvoll sind.

Vorarbeiten zu ” Rull de Waak” waren seit seinem Bestehen im “Um Karel” veröffentlicht worden. Das ermöglichte ein Feedback welches Anstöße für neue Suchrichtungen gab und verschollene Dokumente wieder auftauchen ließ. Angeregt zu weiteren Nachforschungen wurde ich von Tom Theves, der ungefähr dieselbe Arbeit für die LL wie ich für den AVL tätigt. Nicht nur das Wälzen der Luxemburgensia, auch etwas Genealogie wollte betrieben sein, um Dokumente bereits Verstorbener ausfindig zu machen. An dieser Stelle möchte den folgenden Absolventen und Angehörigen und Nachfahren für ihre Unterstützung und/oder für die Bereitstellung von Lichtbildern danken:

In der Reihenfolge wie ich sie aufgesucht habe, oder sie sich bei mir meldeten:

  • Robert Schanen,
  • Mme Jean Tonteling,
  • Mme Louis Kesseler,
  • Roland Conter,
  • Jean Thielen,
  • Hubert Heisbourg + 1992
  • , Mme Heisbourg,
  • Alfred Seeburger,
  • Egon Zander,
  • Norbert Pütz,
  • Mme Joseph Damman,
  • Eduard Michels,
  • Guy de Muyser,
  • Jean Heusbourg,
  • Jean-Louis Knaff,
  • Nelly Moia,
  • Norbert Mergen,
  • Andre Funck,
  • Bob Frommes † 1995,
  • Frangois Kremen,
  • Jean-Luc Mousset,
  • Gilbert Santer,
  • Edgar Steffes,
  • Jean Quintus und
  • Louis Philippe III.

Bei der Literaturrecherche waren besonders behilflich, Frau Dr. Lutz und ihr WiMi’ Frau Brumund vom Hochschularchiv der RWTH, die Farbenbrüder vom Corps Montania, und der Journalist Herr Reinhard Roericht.

Für das Korrekturlesen und die kritische Auseinandersetzung mit dem Text, welche zur vorliegenden fertigen Form führten bin ich Andre Detaille, Serge Simon, Gerad Thiel, Frank Thome und Mike Wolter dankbar. ” Die Kommata setzte” Deutschlehrer Dit Busch,

Beachten Sie bitte noch die Literaturhinweise und die Liste der Vorstände ab 1950.Die Namen vor 1934 sind wegen fehlender Protokollbücher nur teilweisebekannt und wurden hier nicht abgedruckt.

Daniel Erpelding, alias Wiesel. Aachen 1997

  1. Seit 1990 informiert zumindest der Briefkopf der Vereinskorrespondenz: “AVL seit 1897” []
  2. Sie wird noch mehrfach umbenannt werden, so 1882 in “Königlich Technische Hochschule” und erst 1919 erhielt sie ihren heutigen Namen. In dieser Schrift wird sie stets RWTH genannt werden. Der ursprüngliche Name blieb bei den Luxemburgern noch lange in Gebrauch, teilweise bis heute. So heisst der Ehemaligenvereines: “Amicale des Anciens étudiants de l` école polytechnique d` Aix-la-Chapelle” []
  3. in Max Eckert Seite 445, Paul Gast Aachen 1920 []
  4. Bereits 1848 sagte Wilhelm III: “Je vendrais ce fameux Luxembourg au premier juif d` Amsterdam venu.“ []
  5. Siméon, Das Verkehrswesen der Aachener Gebietes in Vergangenheit und Gegenwart, Aachen 1929 []
  6. Aufschluss über die Minderung der Rechte der Füchse, gebe hierüber etwa die Satzungen von 1915. []
  7. Vgl. ZAGV 1992/93 p.539 []
  8. Der Studentenverein “Demokrit” schlug als Lösung vor:”da auf jeden Dozenten nur zwei bis drei Hörer fallen, wäre es das rationellste für die Studenten, gleich in die Hochschule zu ziehen und anstatt drei Jahre, dreißig Jahre zu studieren”. []
  9. Jules Mersch “Biographie Nationale” Vol. 6 – “les Metz,
    une dynastie de fer” []
  10. Petits Devise, welche er später auf ein Tuch schrieb und über sein Bett hängte, lautete:
    “Was mir die Zeit verkürzt, verlängert mir das Leben”. aus Jules Mersch (s. 357 []
  11. Studenten nannten alle Nichtstudenten Philister, ein Ausdruck der sich in die Studentensprache einschlich als noch Theologie das meistgewählte Fach war. Die Philister waren bekanntlich die größten Feinde des Gottesvolkes. []
  12. Vgl. hierzu die Mitgliedsliste der Montania []
  13. Damals noch “Rull de Wack” geschrieben, heißt der Spruch auf Rotwelch in etwa “Gib das Geld aus!” oder “Rück das Geld heraus”. []
  14. Vgl. Annuaire 1934 “Amicale des anc. Elèves de l`école industrielle. et du commerce” Abganglisten. []
  15. Vgl. Annuaire 1934 “Amicale des anc. Elèves de l`école industrielle. et du commerce” Abganglisten. []
  16. Erneste de Muyser der Sohn des 1902 verstorbenen Constant de Muyser (s.o.). Wie sein Vater machte auch er seine Karriere bei der Eisenbahngesellschaft “Prince Henri” []
  17. Biernamen beziehen sich auf alle möglichen Eigenschaften, etwa das Studienfach (Nool, Stack, Tipp) oder Lebensgewohnheiten (Suff, Krunn). Egon Zander, Hüttenkundler, bekam seinen Namen indem man “Schlaakentipp” auftrennte ihm “Tipp” und seinem Freund Thill Léon “Schlaak” zuwies. (Brief vom []
  18. Das Bierkomment erhebt den Anspruch “eine aus dem Gewohnheitsrecht entsprungene rechtskräftige Norm” zu sein. Es werden viele zeitgenössische Biernamen erwähnt. Bei den im Bierkomment (als Beispiele) erwähnten Struwel, Wully, Schluck, Coseng und Zech könnte es sich um die Autoren handeln. []
  19. In der 1995 erschienenen Broschüre “125 Jahre RWTH aus stud. Sicht” des AStA, wird bemerkt, die Studentenzahlen der RWTH wären 1914-1918 nur unwesentlich gesunken. Das ist richtig, läßt aber ausser Acht daß etwa von den 775 Stundenten des SS 1917 gut 536 “beurlaubt”, d.h. gar nicht in Aachen anwesend sondern an der Kriegsfront, waren. []
  20. Harro Mies Seite 83 []
  21. Hochschularchiv (HSA) Akte 10175 (Studentenverzeichnis 1920 []
  22. Wie stark die Differenzen waren illustriert folgende Szene. Da wurde ein St. aus dem AV ausgeschlossen weil er sich nicht für den Besuch des ASSOSS Bals entschuldigen wollte! []
  23. Es wurde gar eine Strophe des Liedes “Alte Burschenherrlichkeit” abgeändert, so dass es nun hieß: “Seht die da vom LAVENSTEIN nicht wankten und nicht wischen …” []
  24. Almanak Academische Vereeniging Hollandia” 1960, Seite 60. Original einsehbar im Stadtarchiv (StA) Aachen []
  25. Houdremonds Haltung im Krieg war weniger vorbildlich, er stellte seine wirtschaftlich/wissenschaftlichen Ambitionen über die politische Einsicht. 1943 wird er Aufsichtsratsmitglied bei Krupp, es unterstanden ihm also auch Lux. Zwangsarbeiter. 1945 wurde er für fünf Jahre interniert. []
  26. Die Medizin hatte die Seuchen in Europa noch nicht ganz im Griff. Es gab das geflügelte Wort: “Mourrir en âge du Christ” []
  27. André Grosbusch: Seiten 98-101 []
  28. Henri Koch-Kent: “Vu et entendu” vol. 1 []
  29. Außer bei der Entlassung ihrer jüdischen Kollegen, da handelten sie, bis auf wenige Ausnahmen, recht egoistisch. []
  30. Akademia paques 1936: Jos Maertz “München Zugspitze” []
  31. Akademia Paques 1936, F.G. al. Spond. P 57 []
  32. Sie war die erste Frau überhaupt die an der RWTH einen Abschluß erhielt. Sie ist Doktorvater des Luxemburgers Norbert Proth al. Chemick. Oder heißt das Doktormutter ? []
  33. Bei der Erstellung der Festschrift “100 Jahre RWTH” []
  34. Vergleichbar mit dem Telefonbuch heute. []
  35. Henri Koch-Kent: “Vu et entendu” vol 2 []
  36. Felix Chomé “ARBED” 1960 []
  37. Suprime Head of the Allied Expeditionary Forces, das Gegenstück zum Oberkommando der Wehrmacht. []
  38. Henri Koch-Kent: “Putsch in Luxemburg ?” 1980 []
  39. Brief vom 19.1.1994 []
  40. So erscheint das vorher zweisprachige Amtsblatt des Parlaments, der “Memorial”, seither nur noch auf französisch. []
  41. Von den Professoren, nach denen die RWTH Gebäude benannt hat, waren nur zwei nicht in der NSDAP: Théodore von Kàrmàn, er war Jude und Otto Intze, er starb schon 1904! []
  42. Immerhin gab es in Luxemburg erst ab etwa 1958 eine wirksame Studienbeihilfe, die auch materiell schlechter gestellten eine Hochschulausbildung erlaubte. []
  43. So sind laut einer Umfrage von 1952 10% der Westdeutschen der Meinung Hitler wäre ein großer Staatsmann gewesen und 44% halten gar Adenauers Wiedergutmachung an Israel für unnötig. Michael Wolfsohn in SPIEGEL SPEZIAL 2/92 Seite 132. []
  44. ..und viele konnten noch über Trümmergrundstücke abhauen! Laut Polizeiangaben ca 25 Beteiligte. []
  45. 1961 hatten die Aachener die, zu einer “Guindaille” am 31.1 eingeladenen Lütticher wieder ausgeladen. Wegen dem “Altweiber” kamen diese aber trotzdem. []
  46. Präsident Fred Jungels hat sie sogar im Beisein des Konsuls angestimmt! []
  47. Am 9. Nov. 1967 vermerkt das Protokollbuch:” Fin du Byzutage un peu précoce sur force majeure. (On a été foutu à la porte!!” (vom Jakobshof. []
  48. Seit den 70er gelegentlich auch CHE (nach dem lateinamerikanischen Revolutionär Che Guevarra) genanntes Haus, das den Ausländern zur Verfügung steht. Ins AvH-Haus kam auch das Luxemburger Wort. []
  49. nicht in jedem Fall ist der Gatte auch mit dem Freund identisch! []
  50. O-Ton einer Deutschen, die von 1980-1985 in AC Biologie studiert hatte! []
  51. Kontakte auch Mitte der 70 er belegt. []
  52. Nach dem Hofgeistlichen von Karl dem Großen Alcuinus, Begründer von Karls “Academici” []