• Am 28. Mai kontaktierte mich Antoine Spautz per Nachrichtenanfrage auf Facebook.
    Er bekannte, einer meiner Leser zu sein und dass er sich nun auch ein persönliches Wappen zugelegt hätte, das er demnächst in eine Wappenrolle eintragen lassen will. Zuvor allerdings wünschte er sich noch eine Überprüfung der französischen Blasonierung. Dem kam ich am 31. Mai nach und der Wappenträger erlaubte mir daraufhin, meine ihm mitgeteilten Überlegungen hier zu veröffentlichen. Daraus entstand der vorliegende Text, den ich noch etwas erweitert habe, da ich einige Überlegungen vertieft habe und in einem Detail sogar zu einer leicht anderen Schlussfolgerung kam.

    Ausgangslage

    Der Wappenträger präsentierte für sein Wappen die folgende Zeichnung:

    Dabei schlug er die nachstehende französische Blasonierung vor:

    Armes:
    D’argent au bâton noueux de gueules péri en bande accompagné de deux frettes en gueules, une en chef senestre une en pointe dextre.
    Cimier:
    Un hibou grand-duc au naturel

    Spautz bekannte sich weiter dazu, dass ihm Einfach- und Klarheit in der Heraldik wichtig sind und bat mich um meine Meinung zu der französischen Wappenbeschreibung.

    Analyse der Blasonierung

    Grundsätzliches

    Viele Wege führen nach Rom, und es sind unterschiedliche Formulierungen zur Beschreibung für ein und dasselbe Wappen möglich, es gibt da unterschiedliche Schulen. Ich bin selber dabei Anhänger der Bewegung, welche versucht, bei den Beschreibungen den mittelalterlichen Stil nachzuahmen.
    Die Herolde hatten die Aufgabe, ihren Dienstherren zu berichten, wie das Wappen der anderen (Gegner/Verbündete/Schiedsrichter) aussähe und ggf. Zeichnung davon anzufertigen. Die Texte wurden dabei nur selten aufgeschrieben, sicher weil Schreibmaterialien teuer waren, möglicherweise auch, weil einige Herolde nicht schreiben konnten. Daher bemühten sie sich:

    1. Die Formulierung möglichst kurz zu halten, unter Ausnutzung bestimmter Konventionen („Sous-entendus“), die nicht noch extra betont werden müssen. Etwa, dass Heroldsstücke den Feldrand berühren, es sei denn, es würde was anderes gesagt. Oder dass Löwen immer nach heraldisch rechts schauen, aufrecht gestellt sind, und nur einen Schwanz haben, es sei denn es würde was anderes gesagt. Usw.
    2. Der Wortschatz war eher beschränkt, genauso wie die verwendbaren Figuren. Die Vielfalt ergab sich aus den Kombinationen.

    Davon ausgehend denke ich folgendes:

    Zur Hauptfigur

    Die Hauptfigur darf „bâton noueux“ genannt werden, das hat der Autor soweit richtig gemacht. Alternativ, könnte man sie auch einfach „chicot“ nennen.
    Es handelt sich um ein Stück eines Astes mit Knoten der abgeschnittenen Zweige dran. Hier ein paar Beispiele klassischer Luxemburger Wappen mit dieser Figur, wobei im Wappen “Henry, dit de Sechamp” die Figur als bâton noueux bezeichnet wird, bei Vannerus und Stockem hingegen als chicot.:


    Nun ist ein „bâton“, zu deutsch ein Faden, kein „meuble“, sondern ein Heroldsstück [„pièce“] und zwar ein Schrägbalken [„bande“], der etwas schmaler ausfällt.
    Der Unterschied zwischen „meuble“ und „pièce“ ist der, dass ein Meuble nie den Rand berührt, es sei denn dass dies ausdrücklich gesagt wurde, und beim Heroldstück ist es umgedreht: es muss den Rand des Feldes berühren.
    Um sicher zustellen, dass kein Künstler den Faden bis an den Schildesrand zeichnet, griff der Autor der Wappenbeschreibung zur Formulierung péri en bande.
    Mir behagt diese Formulierung nicht, aus zwei Gründen:

    1. Zunächst ist das Wörtchen „péri“, mir etwas zu esoterisch. Es stammt nicht aus dem Wortschatz der frühen Herolde, sondern ist eine Schöpfung späterer Zeit. Die Herolde haben damals (so ab dem Spätmittelalter) den heraldischen Wortschatz absichtlich verkompliziert, um (die Kinder von) Nichtfachleute(n) aus ihren erlesenen Reihen auszuschließen. Bei allen anderen Figuren sagt man „alésé“, aber bei der „bande“ und dem davon abgeleiteten „cotice“ und „bâton“ soll es dann „péri“ sein? Das ist ein Spitzfindigkeit, auf die ein heraldischer Autodidakt nicht so ohne weiteres kommt und die Eingeweihten konnten sich dann über ihn lustig machen und als Emporkömmling ächten.
    2. Zweitens ist „péri“ nicht besonders eindeutig, bezüglich der Grösse der verbleibenden, vom Heroldsstück zum „Meuble“ gewandelten Figur. Einige Autoren gehen sogar hin, und verwenden „péri“ nur für deutlich kleinere Figuren, und behalten „alésé“ dem Standardfall vor, der vorsieht dass die Figur das Feld in dem sie sich befindet möglichst ausfüllen muss.

    Weiter ist es so, dass in dem Wort „Bâton“ die Rechtsschrägstellung bereits drin ist. Es ist der Standardfall eines Fadens, daher kann „en bande“ weggelassen werden.
    Macht man aus dem „bâton noueux“ einen „chicot“ kann man die obige Problematik umgehen. Bei einem chicot ist automatisch klar, dass er den Rand nicht berührt und er raumausfüllend sein muss, wir brauchen dann weder „péri“ noch „alésé“. Dafür muss dann aber präzisiert werden, dass er „en bande“ gestellt wurde, dieser hat keine Standardstellung (siehe Wappen Stockem).

    Die Stellung der Nebenfiguren

    Der Schrägbalken wird von zwei Gitterstücken [ frettes] begleitet [accompagné]. Hier ist es wieder so, dass wenn nichts anderes gesagt wird, diese selbstverständlich zentral und rausausfüllend in den beiden durch die Hauptfigur (dem „bâton noueux“) geschaffenen Feldern positioniert werden. Also so, wie im Wappenentwurf. Man kann daher Zusatz „, une en chef senestre une en pointe dextre“ daher weglassen, denn der liefert keine weitere Information.
    Noch eindeutiger als „accompagné“, wäre das Wort „accosté“ (dt. beseitet) und auf jeden Fall eleganter als die komplizierte Formulierung mit den Ortsangaben. Allerdings streiten sich hier die Autoren, ob das auch bei schief gestellter Hauptfigur möglich ist: Loutsch, Henri Gourdon de Genouillac und Pastoureau meinen “nein”, das wäre nur für vertikale Figuren möglich, Martin denkt, es wäre ein Synonym für accompagné, Ménestrier sagt “ja” und Simon de Boncourt meint gar, es wäre nur für schräge Figuren möglich. Also belassen wir es lieber bei accompagné.

    Die Angabe der Farben

    Bei den Farben lieben es die franzöischen Heraldiker schnörkellos. Hier gibt es keine poetischen Umschreibungen wie “in rot gehaltene” Figuren, wie das in deutschen Blasonierungen erlaubt ist. Daher sagen wir auch nicht, die beiden Gitterteile wären “en gueules” sondern halten fest: “deux frettes de gueules”.
    Nun wird es aber Heraldiker geben, die darüber die Nase rümpfen, dass ein und dieselbe Farbe, hier gueules, zweimal benannt wurde. Simon de Boncourt etwa schrieb 1888 in seinem Schlusskapitel zur manière de blasonner selon les principes:

    On doit éviter de nommer à nouveau un émail qu’on a déjà nommé, et pour cela on dit: de même.

    Dies ist in der Tat allgemein eine gute Idee, ich persönlich finde dabei aber, dass man es nicht übertreiben muss!
    Deshalb hätte ich mit dem Punkt der Spautzschen Blasonierung keinerlei Probleme, wenn er die Farbe wiederholt. In komplizierteren Wappen, kann man bei strikter Anwendung dieses Prinzips sogar schnell durcheinander kommen, besonders wenn man nur den Text hat.
    Welche Farbe wurde denn nun als letzte benannt? Bei Tieren oft die Farbe der Kronen oder Fingernägel, und die begleitenden Figuren sollen dann diese Farbe haben, aber möglicherweise selber wiederum Garnituren einer anderen aufweisen, etc.

    Das vorliegende Wappen ist ein Spezialfall, weil der Autor sehr sparsam mit Farben umging, er verwendet nur zwei. Das könnte Siegelschneider und Drucker freuen. In diesem Fall, gibt es noch eine weitere Alternative, dass man sagt “das Ganze hat diese oder jene Farbe”, also “le tout de/d’…“. Aber wie gesagt, “du même” ist ganz ok.

    Die Helmfigur

    Bei der Helmfigur (cimier), würde ich, auch wenn ich grundsätzlich dafür plädiere in der Heraldik bei der Einteilung der Tiere nicht unbedingt auf der modernen Systematik der Biologie zu bestehen, sondern die falschen mittelalterlichen Vorstellungen durchaus gelten zu lassen, nur die Art „Uhu“ [Grand-Duc] angeben, und die Ordnung des Tieres „Eule“ [hibou] weglassen. Man sagt ja auch nicht „un chat lion“, sondern einfach nur „lion“.

    Vorgeschlagene Alternativen

    In Würdigung des oben gesagten, schlage ich folgende Alternativen für das eigentliche Wappen (innerhalb des Schildes) vor:

    • D’argent au bâton noueux alésé de gueules accompagné de deux frettes du même.
    • D’argent au chicot, posé en bande, accosté de deux frettes, le tout de gueules.

    Die von mir bevorzugte Variante des gesamten Wappens wäre daher:

    Armes:
    D’argent au chicot de gueules posé en bande, accompagné de deux frettes du même.
    Cimier:
    Un grand-duc au naturel

    Weitere Informationen zum Wappen

    Ich will dem Leser aber weitere Informationen, die der Wappenträger mir zu diesem interessanten Wappen geliefert hat, nicht vorenthalten. Hier erst einmal meine Zeichnung:

    Herr Spautz wählte die Motive, ähnlich wie ich, aus seiner Familiengeschichte. Er hat sich dabei aber, anders als ich, intensiv mit Ahnenforschung beschäftigt und Vorfahren sowohl in Neuerburg als auch in Fels ausgemacht. Aus dem Gemeindewappen entnahm er das rote Dauner Gitter [fretté].


    Für die Wahl der Haupt- und die Helmfigur, zog er das Wappen des Corneille Grand-Bâtard de BOURGOGNE, einem unehelichen aber sehr geliebten Sohn von Philippe dem Guten, heran, weil seine streng männliche Linie zu Beginn des 19. JH an einem unehelichen Sohn endet, der den Namen der Mutter führen musste. Der Zusammenhang mag mit den Haaren herbei gezogen sein, ganz abwegig ist es aber nicht.1
    Wichtig ist, dass die Figur dem Wappenträger gefällt. Aus dem Wappen selber entnahm er nichts, nur die Helmfigur, aber wenn man zwei knotigen Äste kreuzt, erhält man das sogenannte Burgunderkreuz, wie wir eines z.B. im Wappen Arnoult sehen können.

    Insgesamt finde ich persönlich, dass es ein sehr gelungener Entwurf ist und ein sehr schönes Wappen dabei rauskam und gratuliere hiermit dem neuen Wappenherren.


    1. Meine eigene Wahl für den Löwen, der für Daniel in der Löwengrube stehen soll, ist auch nicht viel fundierter, ich hatte 1984 einfach besonders viel Spass daran einen schreitenden Löwen zu zeichnen. []
  • Nachdem ich vorige Woche zum ersten Mal seit 10 Monaten mal wieder was auf wiesel.lu schreiben konnte, meldeten sich gleich zwei treue Leser bei mir:

    1. Antoine Spautz am 30. Mai per Facebook
    2. und Félix Papier am 5. Juni per Mail.


    Beide wiesen mich auf dasselbe hin, nämlich dass nicht nur an der Kirche von Limpach das Allianz-Wappen der Familien Geisen-Schellart und Lafontaine d’Harnoncourt prangt, sondern auch in Luxemburg-Stadt, über dem Eingang zu dem “Hôtel particulier de Geisen”, dies an folgender Adresse:

    4, rue Génistre
    L-1623 Luxembourg

    Das ist sogar sehr zentral: gleich gegenüber der Stadtbibliothek und nicht weit weg vom “Cercle” und der sehr belebten Place d’armes. Hab ich bestimmt schon mal vorher gesehen und nicht bemerkt. Daher an dieser Stelle einen grossen Dank den beiden.
    Am Mittwoch, dem 9. Juni hab ich dann meine Mittagspause genutzt um ein paar Fotos davon zu machen:
    Hier erst mal das Wappen selber:

    Und so kommt man hin:

  • Wie seine Familie heute auf Facebook mitteilte, ist mein väterlicher Förderer Jo(seph) Kohn am 28. Mai 2021 verstorben.
    Jo wurde am 21. Mai 1946 geboren, studierte an der Universität Nancy II und schlug die Karriere eines Berufssoldaten ein. Er war Befehlshaber der Luxemburger Mission im Kosovo 1999. Später wechselte er an die zivilere Strassen- und Brücken(bau)verwaltung und war seit 2013 in Rente.
    Neben seinem Beruf schrieb Jo Kohn einige Artikel, auch zur Heraldik, war Mitglied im Orden der Konstantinsritter und bei der ALGH. Er führte auch selber ein Wappen, das er 1987 im Familjefuerscher veröffentlichte.


    Nach dem Tod seines Vaters, erlaubten ihm seine Halbgeschwister, das väterliche Wappen zu führen, das er mit seinem eigenen viertelte.
    Jo war 2009 auf meinen Auftritt aufmerksam geworden und hatte seither immer wieder was beigesteuert.

  • Letzte Woche war ich mit dem IVV in Limpach spazieren. Es ist toll, dass das wieder möglich ist. Dabei kam ich an der Kirche vorbei, die mir im Januar schon einmal aufgefallen war, denn über dem Eingang prangt ein Allianzwappen!


    Dieses wollen wir uns mal näher betrachten:

    Unter einer Krone sehen wir zwei runde Schilde. Ist typisch für das 18. JH und in der Tat, gibt die Inschrift, 1780 als Jahr der Errichtung der Kirche an.

    1. Das heraldisch rechte (im Bild links) ist viergeteilt mit in I und IV einem Schragabalken (Bande) und in II und III ein Balken belegt mit Kreuzchen und begleitet von Lilien.
    2. Das andere Wappen ist sogar noch übersichtlicher, zwei gekreuzte Pilgerstäbe (bourdon), darüber eine Jakobsmuschel (coquille)


    Diese Wappen sind mit den Elementen leicht zu identifizeren, auch ohne die Inschrift zu lesen:

    Für den “Mann” steht das Wappen der Famille Geisen-Schellart, und für die “Frau”, das Wappen der de Lafantoine, eine Familie die ursprünglich aus Marville stammt.

    Das bestätigt auch die Inschrift, sie lautet ungefähr (ich krieg nicht alles sicher entziffert):

    J:C:A:GEISEN.EQUES.TOPARKA.IN.DICKERICH.LIMPAC.GORCY.C:M:S:V:P.ET.V:D.COMITISSA.A.A.LAFONTAINNE.ET.LIANBNOCONUR.CONTUX.CONSTR..1780

    Also ein Ritter (eques?) und Fürst (toparka?) in Diekirch, Limpach und Gory namens J.C.A Geisen. Was C.M.S.V. heissen könnte, keine Ahnung!
    Mit der Gräfin (Comitissa) A.A. Lafontaine (?)
    Ich verstehe wirklich nicht genug von diesen Inschriften um sie sicher deuten zu können 🙁

    Die Gemeinde Reckange sur Mess schreibt auf https://www.reckange.lu/fr/la-commune/informations/histoire über die Geschichte des Dorfes Limpach u.a.:

    Limpach, das Böhmerrecht befreit war, war bis 1630 eine Grundherrschaft mit niederer und mittlerer Gerichtsbarkeit, die zur Richterei Küntzig und zur Probstei Luxemburg gehörte. Dann erhielt der Herr von Tavigny die Hochgerichtsbarkeit im Dorf. 1708 ging die Herrschaft auf Philippe-Jacques de Geysen über.
    1763 wütete ein Sturm in Limpach, mehrere Häuser sowie die Kirche wurden in arge Mitleidenschaft gezogen. Das heutige Gotteshaus stammt aus dem Jahre 1780. Die feierliche Einweihung geschah am 18. August 1782.

  • Während der Vollsperrung der Strasse in Wasserbilligerbrück regnete es zwar immer wieder, die meiste Zeit aber war ganz akzeptables Fahrradwetter.

    Die erste Fahrradampel, vor einer Behelfsbrücke


    So kam ich trotzdem zur Arbeit, obwohl Emil Weber die Anfahrt von Zewen, Igel etc für seine Linien (ich nehme meist die 118) für die Zeit der Bauarbeiten einfach ersatzlos gestrichen hatte! Und das, wo ich ja dafür bezahlt hab, denn anders als für den Transport auf dem Territorium Luxemburgs, ist die Strecke von Igel bis zur Grenze nicht gratis.
    Ich fuhr also mit Fahrrad und Zug. Am letzten Freitag der Sperrung, am 12. Juni hatte ich diese Fahrt einmal dokumentiert:

    Radfahren nach Wasserbillig

    Morgens früh fuhr ich erst mal über die Fahrradpiste entlang der Mosel und ab Wasserbilligerbrück, lass ich mal die Fotos sprechen:

    Die Zugfahrt nach Luxemburg-Stadt

    Zu der gibt es nicht viel zu sagen. Ja, Maskenpflicht nervt etwas, an dem Tag aber war alles ganz entspannt, ich bekam einen guten Platz für mein Rad und auch für mich.

    Mit dem Fahrrad durch die Baustellen in Luxemburg: vom Bahnhof nach Belair

    Spannend wurde es erst als ich in der Stadt angekommen war.
    Wie sollte ich fahren? Ich entschied mich für die klassische Variante, aus der Zeit als ich noch fast täglich mit Rad und Zug zur Arbeit fuhr. Auf der Karte habe ich diese rot eingezeichnet.

    Damals gab es zwar noch nicht den Radweg in der alten Avenue, dafür aber noch eine Radspur über den Viadukt. Heute bieten sich Alternativen an:

    1. Entweder fährt man am Ende der Avenue de la Gare nach links über den Boulevard de la Pétrusse und kommt dann an den Pont Adolphe. (rosa eingezeichnet). Das ist der offiziell empfohlene Weg (siehe Foto 32179). Den nehme ich aber nie gerne, weil es eine zu gleich sehr enge, aber nur wenig von Fussgängern frequentierte, etwas versteckte Strasse ist. Da fühlen sich die Autofahrer unbeobachtet und rennen! Wenn dann ein Radfahrer sie daran hindert schneller zu fahren, dann wird der schon mal gerne ausgehupt oder schlimmeres. Ein weiterer Nachteil: man muss an zwei Ampeln lange warten, die eine vor dem Pont Adolphe (vor der Sparkasse), und die zweite danach am Überweg, wenn man es über die Hängebrücke geschafft hat, hochgefahren ist und nun die die Avenue Marie-Thérèse überqueren muss um entweder in den Park oder die genannte Strasse einzubiegen.
    2. Seit letztem Jahr wurde ein Stück Radweg am Rosengarten in der Rue Zithe geschaffen, wo vorher nicht für Radfahrer freigegebene Einbahn war. (Blaue Strecke). Durch diese wurde eine gute Alternative zur Avenue de la Gare geschaffen. Leider muss man sich an der Place de Paris zur Zeit etwas durch die Baustelle quälen (weshalb ich die Variante an dem Tag auch verwarf) und um die Bettelampel mit der extrem langen Wartezeit in der Avenue Marie-Thérèse kommt man so auch nicht rum.

    Aber hier erst mal, wie ich gefahren bin, an jenem Freitag:


    Hervorheben will ich noch das folgende Bild, es zeigt die bereits am 28.6 beschriebene schwierige Situation an der Ampel, die dadurch entsteht, dass die Verkehrsführung den Radfahrer hier auf den Bürgersteig zwingt, statt ihn auf der Fahrbahn zu lassen. Hier hat der Radfahrer die Wahl, ob er sich mit den an der Ampel Wartenden anlegt, sich lieber aus der Gefahrenzone durch Abbieger entfernt, oder aber lieber sich aushupen lässt, weil er die Pflicht auf dem Bürgersteig zu fahren nicht mitkriegt.

    Die Hauptschwierigkeit war also erst mal den Einstieg zu finden. Die Fahrt über den Viadukt und den Boulevard Roosevelt kann man auch schwierig finden, aber wie man damit trotzdem klar kommt, hatte ich am 28.6. beschrieben.

    Mit dem Fahrrad den Berg hoch nach Strassen

    An dieser Stelle schummele ich etwas. Die folgenden Fotos die meinen Weg ab der Ampel über den Belair beschreiben, hatte ich am Tag zuvor schon gemacht, als ich aus der Kantine kam und zurück zur Arbeit fuhr. In der Tat kam mir da die Idee, vielleicht den ganzen Weg mal zu dokumentieren.
    Die Brücke ist ein sogenannter Zwangspunkt, über den muss man. Hier kann man sich allerdings auch entscheiden, wie man fahren will. Egal wie man sich entscheidet, es geht nun mehr oder weniger berghoch. Die gewählte Alternative ist etwas länger:

    • über die Avenue Marie Thérèse,
    • über die Kreuzung am “Foyer” rein in die Avenue Guillaume,
    • über die Kreuzung mit der X Septembre, rein in die Maréchal Foch,
    • den Boulevard de Verdun hoch, der für Luxemburger Verhältnisse eine Überraschung bereit hält: ein altmodischer Hochbordradweg (wir waren so lange unmodern bis wir wieder modern waren; in Luxemburg konnte sich diese deutsche Mode nie durchsetzen),
    • und danach dann durch die Avenue Grand-Duchesse Charlotte,
    • schliesslich rechts über die Avenue des Aubépines hoch. Die hat die bedeutendste Steigung.

    Da das Arbeitsintegral wegunabhängig ist bedeutet das aber auch: diese Variante ist weniger anstrengend! Alternativen die ich sonst gerne wähle sind:

    1. (auf der Karte: blau) Durch den Park, über die Avenue Monterey ENTGEGEN der Einbahn, die ist nämlich für Radfahrer freigegeben, und dann durch die Avenue Gaston Diderich bis zur Kreuzung mit der Avenue Grand-Duchesse Charlotte, dann weiter wie bei der gewählten Route. Früher fand ich dies die optimale Route (siehe meinen Beitrag von 2008), weil in der Strasse viel weniger Verkehr war. Doch dann erfand man die Navis und nun sind dort auch immer viele Autos, die trotz Tempo 30 gerne überholen und seit die SUVs Mode wurden auch gerne “in der Mitte der Strasse fahren“.
    2. Oder die, je nachdem sportlichere oder faulere Variante (auf der Karte: grün): weiter durch den Park, dann links durch die Arsenalstrasse (Avenue Emile Reuter) zur Place de l’étoile. Dort dann entweder in den Bus No 22 oder 28 steigen (die faule Variante, optimal ausserhalb der Stosszeiten, wenn es regnet oder windet – aber wir hatten ja bestes Wetter!) oder den steilen Berg der Route d’Arlon hochtreten! Letzteres ist nicht nur anstrengend, sondern insofern etwas gefährlich, weil man wieder zwischen Bussen und Autos eingequetscht ist. Hier sollten die Behörden die Busspur für den Radverkehr freigegben, wenn man schon keinen Radweg einrichten will.

    Ich entschied mich aber hier für diese Strecke, weil es hier schon etwas mehr Einrichtungen für den Radverkehr gibt, was mir Gelegenheit geben sollte, öfter anzuhalten und Fotos zu schiessen – wir waren ja nicht in Eile.

    Das letzte Stück ist gefährlicher als es ausschaut

    Wir sind fast da, aber es wird noch einmal schwierig. Zunächst fahren wir durch die vor wenigen Jahren erst angelegte neue Avenue Grand-Duchesse Charlotte. Sie sieht sehr ruhig aus, aber gerade dann lauert die Gefahr und die geht von den Kraftfahrzeugen aus. Wenig Verkehr verleitet immer dazu, zu meinen, man dürfe vielleicht doch irgendwie schneller fahren.
    Besonders fies ist das letzte Stück bevor wir auf die Route d’Arlon stossen: Die Avenue des Aubépines steigt an, das heisst:

    1. Wir müssen treten, dadurch brauchen wir mehr Platz. Viele Nur-Autofahrer haben dafür kein Verständnis, sie fahren nie selber Rad und wissen nicht, dass Fahrräder nicht so spurtreu fahren können wie ihre Autos auf vier Rädern. Gerade wenn man nicht so schnell fahren kann wird der Lauf instabil, also pendelt das Rad um dies auszugleichen.
    2. Wir müssen auf sich öffende Autotüren achten, denn die meisten die hier stehen wohnen nicht hier, die arbeiten und sind gerade erst angekommen. Auch wenn die von hinten hupen: schön einen Meter von den geparkten Autos wegbleiben!
    3. Unglücklicherweise sind um die Zeit auch sehr viele Autofahrer unterwegs zur Arbeit. Eine ununterbrochene Kette quält sich hoch und weil es ansteigt, geben sie gerne auch Gas. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit dann überschritten wird, egal. Radfahrer machen da nervös und aggressiv. Ich fahre meistens von Zeit zu Zeit in die Parkbuchten, laufe dann aber Gefahr, dass man mich nicht wieder einfädeln lässt. Wenn Du anhalten musst, ist der ganze schöne Schwung weg, also schön durchhalten.
    4. Schwierige Stelle: die Einmündung der Rue du Kiem. Die Autofahrer von dort sind wartepflichtig, aber es sind immer viele die meinten, die route d’Arlon so umfahren zu können. Diese Autos, aber auch LKW und Linienbusse stauen sich also und ragen gerne mal ein wenig mit der Schnauze in den gegenüberliegenden Radweg rein, um ihren Wunsch vorgelassen zu werden Nachdruck zu verleihen. Viele Autofahrer auf der Aubépines weichen denen instinktiv nach rechts aus und schnüren dem Radfahrer den Weg ab, Angebotsstreifen hin oder her!

    Wenn wir es erst mal bis in den Kreisverkehr geschafft haben, sind wir gerettet, den Weg danach schildere ich nicht.
    Na? Wer hat es ausgehalten das jetzt alles zu lesen?

  • Mobilität, velo 28.06.2020 3 Comments

    Kürzlich hatte ich dem Leser mitgeteilt, dass ich mich wieder mehr für das Radfahren in Luxemburg engagiere.
    Ein wichtiges Nadelöhr vom Bahnhof nach Belair ist für den Radfahrer zur Zeit die Situation zwischen dem Viaduct und der Place de Bruxelles (Pôle Nord).
    Seit 2007 bestand hier ein abgetrennter Radweg, leider in zwei Richtungen, aber immerhin! Vor allem viele ungeübtere Radfahrer bestehen auf so einer Abtrennung vom Kraftverkehr, sonst fahren sie gar nicht, und ich kann sie gut verstehen. Diese Verbindung wurde 2018 dann aber ersatzlos gestrichen, als die Arbeiten zur Verbreiterung der Brücke begonnen wurden. Zudem wurde ein regelmässiger Busverkehr in Richtung Bahnhof aufgenommen, ein Kraftverkehr den es in die Richtung zuvor nicht gab. In Richtung Bahnhof kann man seither nicht mehr legal mit dem Fahrrad fahren. Stattdessen muss man:

    • entweder das Rad über den stets sehr vollen Bürgersteig auf der anderen Seite schieben,
    • oder einen erheblichen Umweg über den Pont Adolphe fahren!

    Man hätte hier entweder die Busspur für Fahrräder freigeben, oder eine Kraftfahrspur temporär opfern müssen. Minderwertigerweise tat man lieber einfach gar nichts.



    Von der anderen Seite her ist die Spur aber befahrbar. Das ist auch als Radfahrer recht gut machbar, denn der Kraftverkehr hat, seit die Gegend um den Bahnhof für die Autos so schlecht zu befahren ist, deutlich nachgelassen. Die suchen sich wohl andere Wege. Man muss nur warten bis es grün wird, sich erst rechts halten, so als habe man echt vor durch den Tunnel zu fahren, dann die wenigen verbliebenen Autos und Busse einfach vorbei lassen und wenn dann die Bahn frei ist, nach links abbiegen auf die Kathedrale zu. Nur der letzte Punkt ist manchmal schwieriger, hier bitte echt darauf achten, dass man alle Busse dieser Grünphase durchgelassen hat. Notfalls kann man, wenn man ängstlicher ist, auch am Plateau du Saint Esprit absteigen und über den Bürgersteig bis zum alten Athenäum schieben (bitte nicht fahren!).
    Nach dem Abbiegen wichtig: nicht zu weit rechts, eher fast in der Mitte der Spur fahren denn rechts von euch verläuft noch eine Busspur! Die Autos soll man ruhig hupen lassen, sie sind im Unrecht, denn legal überholen können sie euch an der Stelle gar nicht, weil es nur eine Spur ist und kein Auto ist so schmal, dass man damit überholen UND die vorgeschriebenen 1,50 Meter einhalten kann. Der Radfahrer hat an dieser Stelle das höher zu wertende Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, derweil ein Recht darauf mindestens so schnell zu fahren zu können wie maximal erlaubt, im Code de la route nicht vorkommt, auch wenn die Autonation das manchmal zu haben glaubt.
    Übrigens halten auch die wenigsten Busfahrer, die dann rechts vorbei brettern die 1,5 Meter ein, aber gerade mit denen rechnen wir ja, daher halten wir uns weiter links. Einzelne Autos überholen dann verbotenerweise rechts, das macht aber nichts, DIE begehen ja dann die Ordnungswidrigkeit und nicht wir. Zum Glück hat sich die verachtenswerte deutsche Mode Radfahrer anschliessend, durch knappes vor ihnen Einscheren und so zum Bremsen zwingen und auf jeden Fall einen kräftigen Schrecken einzujagen, zu “belehren”, noch nicht durchgesetzt.

    Auf der Höhe des Parkhauses steht übrigens ab hier rechts auf dem Bürgersteig, gut versteckt ein Schild “vorgeschriebener Radweg” (blauer Lolli). Es ist aus vergangenen Tagen und trägt nur der Verkehrssituation vor Beginn der Bauarbeiten Rechnung: ein Radfahrer könnte es an dieser Stelle gar nicht schaffen der Vorschrift nachzukommen und sich unter die Fussgänger zu mischen, dafür kommen zu viele Busse angeschossen. Zu eurer eigenen Sicherheit also am besten so tun als hättet ihr es nicht gesehen und weiterradeln. Hier gefährdet nämlich die Verkehrsplanung Menschenleben!
    Erreichbar ist hingegen ab etwa der Höhe der britischen Botschaft (links) oder spätestens der Staatskantine (Platz vor der Kathedrale mit Denkmal für die ermordeten Juden), auf der LINKEN Seite: der neue Radweg der künftig zum Bahnhof führen wird. Wenn man denn erst mal wieder auf der Brücke fahren darf. Leider in zwei Richtungen, also angeordnetes Geisterradlen!

    Dem ängstlicherem Radfahrer empfehle ich wegen der erwähnten vielen Busse auch, diesen ab hier zu benutzen! Leider hört er kurz vor der Place de la constitution unvermittelt auf?! Nun wird die Spur Richtung Pôle Nord, mittels eines kombinierten Fussgänger- Radüberweg, verfügbar nur mit Bettelampel mit sehr langer Wartezeit wieder auf die rechte Seite verfrachtet.

    Das Warten auf Grün, was hier wieder minderwertigerweise sehr, sehr radfahrerunfreundlich durchgeführt wurde, dauert aber vielen zu lange und sie fahren als Geisterradler auf dem Bürgersteig weiter geradeaus. Hier haben sie dann nicht nur Probleme mit entgegenkommenden Radfahrern, oder falls sie auf den Gehweg ausweichen mit Fussgängern, sondern drohen auch mit den sehr zahlreichen Parkern dort zu kollidieren. Viele achten beim Rechtsabbiegen schon nicht auf die Radfahrer die in der richtigen Richtung wie sie selber unterwegs sind, wie sollen sie da auch mit Geisterfahrern klar kommen? Sollte man also wirklich nicht machen.
    A propos: Sollten die Parkplätze um die “Gëlle Fra” nicht mal verschwinden? Sehe nichts davon!
    Glaube hier hat sich die motorisierte “Bloss keinen Meter zu Fuss gehen müssen” Fraktion wieder einmal, diesmal unter dem wohlfeilen Vorwand “Corona”, durchgesetzt: der Parkplätze sind sogar mehr geworden, weil die Touristenbusse da nicht mehr verkehren.
    Schlecht gemacht ist auch der Einstieg auf der anderen Seite, wo man gleich noch einen Überweg nutzen muss und wo, angesichts der Nähe der Kathedrale, häufig touristische Fussgänger rumstehen.

    Nun geht es weiter Richtung Pôle Nord, hier wird man wieder auf den Bürgersteig gelenkt und hat öfter Probleme mit Rechtsabbiegern. Seltener zwarals vor dem Umbau, weil jetzt so viele lange Busse dabei sind, die natürlich alle gerade ausfahren, aber wenn dann doch mal einer abbiegt hat er euch auch seltener gesehen als vorher, weil sein Blick bis zum Einschlagen des Lenkrades auf den Kofferraum des Busses fixiert war.

    Dann kommt man an die Kreuzung des Bvd Roosevelt mit dem Bvd Royal. Hier steht eine neuartige Radfahrerampel, die nun das Radfahrerherz entzweit:

    1. Auf den ersten Blick löst sie ein häufiges Problem, das viele Tote unter uns verursacht hat: An der Stelle müssen die Busse rechts abbiegen in den Bvd Royal. Die Ampel für Radfahrer schaltet ein paar Sekunden vor der Ampel für die Kraftfahrer auf grün. Der Radfahrer hat so die Möglichkeit die Kreuzung zu queren, bevor die Kraftfahrzeuge losbrettern, sie sind im Idealfall weg bevor die Kraftfahrer selber losfahren können, zumindest sind sie bis dahin aus dem “toten Winkel” rausgefahren, den schwere Kraftfahrzeuge bei falsch eingestellten oder nicht benutzten Spiegeln nun mal haben.
    2. Leider schaltet sie auf rot, sobald die Kraftfahrer grün haben, denn 90% der KFZ sind rechtsabbiegende Busse! Das heisst, der Radverkehr geradeaus kann nur in einem sehr kurzem Zeitfenster erfolgen, danach staut er sich, denn die Phase für die Busse ist sehr viel länger! Hier wurde das Prinzip “Geradeausverkehr vor Abbiegeverkehr” mit Füssen getreten!

    Hinzu kommt, dass ein direktes Abbiegen nach links auf den Pont Adolphe nicht ermöglicht wird, hier waren vorher sehr sinnvolle Radaufstellstreifen. Wer zum Bahnhof will, muss:

    1. Entweder wissen dass er erst die Kreuzung überqueren, dann wieder ganz lange an einer sehr ungünstig eingestellten Bettelmpel warten muss, um die Strasse zu queren, dann kann er über die unter der Neuen Brücke aufgehangene “Passerelle” fahren.
    2. Oder er muss direkt an dieser Stelle die Strasse überqueren, wo die Ampel auch nicht fussgängerfreundlich ist und dann sein Fahrrad die Treppe runter tragen, denn minderwertigerweise wurde statt einer Fahrradrampe (als Zubringer für einen Fahrradweg!!!) nur eine rechtfragwürdige Fahrradrinne verbaut, die ich bei ihrer Fertigstellung noch gut fand, nur weil sie im Vergleich zur noch schlechteren am Bahnhof passabel war.

    Es wurde also sehr radfahrerunfreundlich gelöst. Vielleicht entsteht, wenn die vielen Baustellen von Tram, Centre Hamilius etc. mal zu Ende sind eine Alternative durch die Rue Notre Dame, aber werden auch Touristen die erkennen?
    Schwierig gestaltet sich auch die Weiterfahrt, an dem Tag zusätzlich erschwert dadurch dass wieder mal eine Baustelle den Radweg beanspruchte, aber niemand verpflichtet war, dabei auch auf die Sicherheit der Radfahrer zu achten. Die stellten einfach ein Schild “Vélo à la main” hin und glaubten sich so aus der Verantwortung raus.


    Die dagegen immer bestehende, fest eingeplante Schwierigkeit besteht darin, dass der Radweg an der Stelle mal wieder kurz auf den Bürgersteig geführt wird, wo aber häufig Fussgänger und Radfahrer darauf warten, dass die Ampel für den Überweg (Zebra) endlich mal grün wird. Dies, weil man meinte, sich noch eine Abbiegerspur für KFZs aus der anderen Richtung aus der Avenue Marie Thérèse leisten zu müssen. Minderwertigerweise hat man an der Stelle auch den beschriebenen Weg quer durch die Fussgänger zur Pflicht gemacht, also die Gefährdung der Fussgänger sogar angeordnet!
    Man kann nur hoffen dass ein Entscheider in naher Zukunft mal den Führerschein abgeben und dann selber Rad fahren müsste.

  • Mobilität 03.06.2020 1 Comment

    Was sich schon am Donnerstag abgezeichnet hatte, ist seit gestern bestätigt: Vollsperrung der Strasse in Wasserbilligerbrück.
    Schon am Wochenende hatte es sich angedeutet, überall waren Schilder die auf die Sperrung aufmerksam machten aufgestellt worden, so in Zewen wo den Kraftfahrern erklärt wurde, dass hier nun die letzte Wendemöglichkeit wäre. Sie waren aber noch überklebt.
    Gestern bin ich dann nach Wasserbilligerbrück gefahren. Schon ab Löwener Mühle war die Strasse abgesperrt. Ich ging dann zu Fuss weiter um zu klären, ob man denn wenigstens mit dem Rad oder zu Fuss rüber kommt. Ja kann man!


    Mit dem Aufreissen war schon begonnen worden. Auf dem Rückweg erklärte ich noch einigen Autofahrern was ich weiss. Ein Pendler zeigte sich völlig verzweifelt als ich ihm riet, bereits in Trier über die Mosel zu fahren, und dann in Grevenmacher wieder zurück aufs linke Ufer. Die Alternative über Liersberg erstmal das Sauertal hoch, oder durch die Weinberge ist auch nicht trivial für den der nicht von hier ist. Eine gute Frage ist auch, ob sie in Langsur auf der Brücke nun eine Ampelschaltung haben?
    Mein Fahrrad aufgehangen im Zug

    Mein Fahrrad im Zug. Einer der wenigen Wagen, wo man das Rad aufhängen muss.


    Heute morgen habe ich mich also auf mein KTM Terano gesetzt und bin nach Wasserbillig gefahren, 4,8 km. Wird ein richtiggehendes Sportprogramm die nächsten Wochen!
    Nach so langen Jahren immer nur im Bus, genoss ich es richtig, auch mal wieder Zug zu fahren. Etwas ungünstig war, dass ich mein Fahrrad aufhängen musste. Ich befestigte es aber, damit es nicht hin- und herschaukelt. Angenehm, ich konnte daneben sitzen, denn das Abteil war leer, und ich konnte ein paar Notizen aufschreiben.
    In der Mittagsstunde, eine schöne Überraschung: die Staatskantine hat ihre Pforten wieder geöffnet und direkt mit Spaghetti Bolognese, eines ihrer erfolgreichsten Menus angeboten. Endlich, mein persönliches Stück Normalität ist wieder hergestellt, jetzt glaube ich auch an das “Déconfinément”.
    Auf der Rückfahrt merkte ich, dass man mit dem Rad zur Zeit im Bahnhofsviertel doch ziemlich aufgeschmissen ist. Ich fuhr wie immer, die Gaston Diderich runter, dann durch den Park, steuerte aber nicht gleich das Pole Nord an, denn die Ampelschaltung für Fussgänger und Radfahrer ist sehr ungünstig, da steht man ewig! Lieber fuhr ich Stück in Richtung “Foyer” und kreuzte die Strasse dort, wo die Avenue Joseph II hoch geht, denn dort wird noch nach Zeitschlitzen geschaltet und nicht per Bettelampel. Dann über die Brücke unter der Brücke (Pont Adolphe und die Rue Zithe Richtung Bahnhof. leider ist dort nur noch eine Fahrspur, auf der die Autos ewig stehen und natürlich keiner rechts Platz lässt. Morgen fahre ich anders!

    Abends wollte ich wissen, wie man mit dem Auto denn vielleicht noch rüber käme. Daher fuhr ich mit dem Rad nicht direkt von Wasserbillig zurück, sondern erst nach Langsur. Dort führt noch eine, freilich einspurige Brücke über die Sauer. Polizisten standen dort auf unserer Seite, hielten die Autos auf und winkten ihren Kollegen auf deutscher Seite zu, um den Verkehr zu regeln. Ob sie demnächst eine Ampelanlage aufstellen?


    Dann fuhr ich über den Brüderberg (vulgo Champagnerhügel) durch die Weinberge, am Grutenhäuschen vorbei nach Igel. Etwas oberhalb der Löwener Mühle, mitten im Weinberg, kam mir ein Auto auf dem Feldweg entgegen. Es holperte sehr auf dem grasbestandenem Weg. Der Fahrer fragte mich, ob ich wüsste, wie man die Baustelle umfahren könnte. Ich war völlig ausser Atem wegen dem Anstieg. Jedenfalls nicht daher, wo Sie gefahren sind, das ist nur ein schmaler Pfad. Ich schickte ihn nach Langsur zurück, wenn er nich den Weg nach Liersberg finden würde.

  • Mobilität 01.06.2020 1 Comment

    Zuerst las ich es am Donnerstag bei die Grenzgaenger.de:

    Vollsperrung von wichtiger Grenzgänger-Strecke
    Ab dem 02. Juni 2020 wird die B 49 in der Ortsdurchfahrt Wasserbilligerbrück voll gesperrt.
    (..)
    Die B 49 hat in diesem Streckenabschnitt eine hohe Verkehrsbelastung mit rund 12.730 Fahrzeugen in 24 Stunden. Bedingt hierdurch zeigen sich in der Fahrbahn starke Verdrückungen, die eine erhebliche Unfallgefahr mit sich bringen.

    Das LBM hätte sofort als die Grenzschliessungen beschlossen worden waren, die Gelegenheit genutzt und die Arbeiten ausgeschrieben. Inzwischen sind diese Schliessungen nun schon wieder einen Monat aufgehoben, aber gut, irgendwann muss die Arbeit ja gemacht werden.

    Leider wies mich dann noch Johannes Mirbach am Freitag in seinem Pendler Newsletter, auf einen, auch für mich ungünstigen Umstand hin:

    Deshalb müssen die Buslinien 118 und 306 so lange umgeleitet werden und können die Haltestellen in Zewen und Igel sowie Wasserbillig, Op der Bréck und Wasserbillig, Cimetière nicht anfahren, siehe https://www.mobiliteit.lu/de/stor-und-verkehrshinweise/?searchKeyword=118&typeTransport=all.

    Dort steht:

    Wie zuletzt im August 2015 und zuvor 2014 würden demnach die Busunternehmer die Leistung, für die wir freilich bezahlt haben, einfach nicht erbringen! Wäre der Transport, wie auf Luxemburger gratis, wäre dagegen natürlich nichts zu sagen. Interessanterweise ist der Hinweis auf dem Leistungsausfall für Zewen, Igel etc inzwischen aber wieder verschwunden.

    Aber ob sie überhaupt morgen damit anfangen? Immerhin war die Pressemitteilung noch recht unpräzise mit “Bedingt durch die notwendigen Vorlaufzeiten und die vorgeschriebenen Fristen bei öffentlichen Ausschreibungen ist der 02. Juni 2020 der frühestmögliche Baubeginn.“. Frühestmöglich heisst ja nicht, “wir fangen Dienstag dann an”.
    Morgen hab ich noch frei, dann werde ich mal schauen. Als Alternative stünde der Zug zur Verfügung, wobei es dort aber unverständlicherweise so geregelt wurde, dass ich mit meiner Jahreskarte für den Bus den gar nicht nehmen darf. Angeblich hatte sich die DB damals bei den Verhandlungen für das Pendler Abo quer gelegt. Jetzt im Sommer würde ich ja am liebsten mit dem Fahrrad nach Wasserbillig fahren, aber wenn die Brücke vollgesperrt ist, kann man sicher auch nicht zu Fuss oder mit dem Rad rüber, schwimmen möchte ich dadurch allerdings doch nicht.

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  • velo 31.05.2020 1 Comment

    Es ist an der Zeit hier auch mal was über die Critical Mass zu schreiben. 2018 lernte ich die internationale Critical Mass Bewegung kennen und fuhr im Juni zum ersten Mal in Aachen mit.1

    Ich war sofort begeistert. Seither nehme ich regelmässig an Touren in Trier, vor allem aber in Luxemburg teil, wo ich auch arbeite.

    Die CM in Luxemburg hatte Gary Diderich gegründet, doch seit letztem Jahr ist er ein profilierter Politiker von nationaler Bedeutung für die Partei der Linken so dass er sich weniger um seine alte parteipolitisch unabhängige Radfahrerorganisation kümmen konnte. Da ich nach Gary der regelmässigste Mitfahrer war, fiel mir dann sowas wie die organisatorische Leitung der CM zu.

    Die CM Bewegung in Luxemburg

    ..hat sehr viele Sympathisanten, das Forum auf Facebook unter https://www.facebook.com/groups/Critical.Mass.Lux/ ist gut besucht und findet regelmässig Leute die engagierte Beiträge verfassen oder zumindest teilen. Mit der Teilnahme an der regelmässigen Fahrt durch die Stadt, die wie fast in jeder Stadt der Welt seit Jahren immer abends am letzten Freitag des Monats stattfindet2, sieht es leider nicht so gut aus. Etwa vier bis fünf Leute bekommen wir regelmässig zusammen, was dann etwas kümmerlich wirkt, in manchem Monaten aber bis 20. Dabei sollen früher regelmässig bis zu 50 Menschen mitgefahren sein. Um dem entgegen zu wirken, hatte ich die engagierteren Mitfahrer die ich so kannte, Anfang Dezember ins George and Dragon, eine britische Kneipe in Luxemburg Stadt eingeladen, denn Luxemburg ist eine internationale Stadt und die CM eine internationale Bewegung. Wir trafen uns zu acht und hielten folgenden Aktionsplan fest:

    1. Wir legen alle Daten fest, und geben eine Plakat oder zumindest einen Flyer damit raus
    2. Wir schaffen eine eigene Homepage um auch Menschen ausserhalb Facebook zu erreichen
    3. Wir lassen uns ein neues Logo entwerfen, das weniger nach “sozialer Revolution” und “parteipolitisch festgelegt” aussieht, denn die aus zwei Rädern hervorragende Faust. Ich persönlich finde das aktuelle Logo allerdings gut, es hat sowas kraftvolles. Das obwohl ich beleibe kein Linker bin, noch nicht mal ein Grüner.

    König Auto und unsere Hauptforderung

    Trotz alledem, ist die CM natürlich eine Bewegung mit politischen Forderungen! Die wichtigste:

    Reclaim the Streets (RTS)!

    Seit Jahrzehnten fördern die Wirtschaft und die Politik einseitig das Auto, für das viele Privilegien geschaffen wurden. Die Strassen wurden autogerecht hergerichtet, überall wurden Parkplätze angelegt und wo sie fehlen, finden die Menschen es normal, dass die Autos zumindest mit zwei Reifen auf den Bürgersteigen stehen, selbst da wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist. Ein “Pechert” der hier einen Strafzettel schreibt gilt als kleinlich, obwohl so z.B. Rollstuhlfahrer behindert werden, weil der Bürgersteig nicht mehr breit genug ist. Und die Autos werden auch noch immer breiter, genau wie die Menschen die sie fahren. Alle Strassen wurden so angelegt, dass Autofahrer die kürzesten Wege hätten, Fussgänger wurden in Unterführungen verbannt und Radfahrer auf handtuchbreite sogenannte “Radwege” auf dem Bürgersteig. Vor allem in Deutschland begann man ab den 1930er Jahren, die Radfahrer von der Strasse zu verbannen, damit der Autofahrer “stets freie Bahn” haben möge. In Luxemburg waren wir zum Glück immer etwas rückständig. In meiner Kindheit war mit dem Rad auf der Strasse fahren noch ganz normal, aber dann schlug die Demokratisierung des Automobils voll zu. So kam es, dass wir noch nicht mal zu diesen handtuchbreiten Streifen auf dem Bürgersteig kamen (die lernte ich erst in Aachen kennen), sondern gleich zu den in den 2000er Jahren propagierten, ebenfalls kritischen Angebotsstreifen übergingen.
    Wird eine Brücke repariert oder umgebaut, wie etwa zur Zeit der Viadukt (“al Bréck”) finden die Autofahrer es normal dass die Radfahrer einen ganz schön gehörigen Umweg über die Adolphebrücke (“nei Bréck) nehmen sollen. Verlangt man von einem Autofahrer hingegen, er soll z.B. einen 5 KM langen Umweg fahren, was in etwa die Entsprechung wäre für den Umweg den die Radfahrer zur Zeit machen müssen, weil der Viadukt immer noch gesperrt ist, dann heulen sie aber! Das wäre ja schlecht für die Umwelt, so das heuchlerische Argument der leidenschaftlichen NUR-Autofahrer, die seit ihrem 18. Lebensjahr in keinem Fahrradsattel mehr sassen, wenn überhaupt schon mal, und es gewohnt sind keinen Meter mehr zu Fuss gehen zu müssen und die Bewegungsenergie aus dem Benzin ziehen. Der Radfahrer muss dagegen richtig in die Pedale treten und kann sie nicht einfach nur benippen…
    Überhaupt finden die NUR-Autofahrer, sollten Radfahrer nur noch in ihrer Freizeit auf möglichst billig angelegten Wegen auf dem Lande fahren, aber bitte nicht in der Stadt! Und wird mal eine Brücke nur für Radfahrer eingerichtet oder ein Feldweg geteert, blöken sie in den Foren rum, deswegen sollte jetzt aber bitte kein Freizeitradler mehr vor ihnen auf der Hauptstrasse sein wenn sie gerade “Biergcourse” mit ihrem Auto spielen wollen, schliesslich würden sie ja mit ihren Steuern die Strassen bezahlen. Meist sind es Männer so ab 50 und es ist ihnen noch nicht mal peinlich dass sie damit unfreiwillig preisgeben, was für unterdurchschnittliche Schüler sie einst waren, die wohl Kreide holen geschickt worden waren, als der Lehrer in “Initiation à la vie active” erklärte, dass alle Steuern in einen Säckel kämen und z.B. von der “Steier um Benzin” keineswegs die Strassen bezahlt würden. Oder haben sie unter der Bank die Bravo oder die Kicker gelesen? Nee, ich glaube, eher mit dem Nachbarn Mau Mau gespielt.

    Critical Mass möchte, dass die Autofahrer es zumindest in den Städten, wie früher bis in die 1970er Jahren als völlig normal akzeptieren, dass auch Fahrräder wieder auf der Fahrbahn fahren, wo sie sich angewöhnt hatten der König zu sein. Aber es gibt noch viel zu tun, und die Reaktion schläft nicht!

    Ausgebremst

    Inzwischen habe ich in Michael Merten, den habe ich der Trierer CM abgeworben3, einen zuverlässigen Mitstreiter gewonnen und er organisierte einen Flyer, Marco holte ein Angebot für ein neues Logo ein und hoffentlich funktioniert http://www.criticalmass.lu/ auch bald.

    Wir fuhren dann noch im Januar, es kamen trotz der Kälte 8 Leute. Zum 28. Februar lag ich schwer erkältet im Bett, da sind die Freunde aber auch gefahren. War es ein Vorzeichen? Im März kam dann der Shutdown wegen der Covid-19 Pandemie! Am 14. März wollten wir noch in Trier eine Poolnoodleaktion starten, aber alle Aufmerksamkeit richtete sich schon auf die gefährliche Krankheit, wir sagten sie ab. Wir wollten da nicht aus der Reihe scheren und die CM für März und April fielen aus.

    Erste Critical Mass unter Corona Bedingungen gefahren

    Vor zwei Wochen fuhr ich dann noch mal bei einer Aktion in Trier mit. Doch, doch, ich kam da zufällig mit dem Rad vorbei. Es regnete und so wollte ich eine Pause machen und mich ein wenig ausruhen, drum stellte ich mich unter die Kolonnaden. Dann merkte ich, dass immer mehr Radfahrer ankamen und irgendwann entdeckte ich Anja. Natürlich ging ich zu ihr hin um sie zu grüssen, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr gesehen und freute mich. Sie zeigte mir ihr tolles neues Faltrad, und auch andere Radfahrer schauten zu. Natürlich hielt ich mich schön auf Distanz zu ihr und den anderen, die meisten kannte ich ja gar nicht und zusammen wohnen tun wir ja auch nicht.
    Dann hörte es auf zu regnen, und einer der Radfahrer fuhr los, zufällig in die Richtung in die ich auch wollte, also fuhr ich dem hinterher und die anderen auch. Es machte mir dann aber irgendwie doch Spass und wir fuhren immer weiter. Gut, dass wir jetzt mehrmals um den Stadtkern rumfuhren war vielleicht etwas ungewöhnlich für eine Spazierfahrt, aber ich hatte ja Zeit….

    Zeit des Erwachens. Die CM auch in Luxemburg wieder aktiv

    Inzwischen kannte auch Luxemburg einige Lockerung und erlaubt auch wieder Versammlungen mit bis zu 20 Menschen, die nicht miteinander verwand sind. Dennoch wagten wir es nicht, für die CM zu werben, und am Freitag fuhr ich zur Place de la constitution an die “Gëlle Fra” und fragte mich, wer überhaupt kommen würde. Nur Michael, Marina und Camille hatten die Absicht bekundet, fahren zu wollen. Ich war um 17:53 da. Dann trudelte einer nach dem anderen ein, rein zufällig natürlich, sie hatten sich wohl an den Flyer und an die Tradition erinnert. 14 Personen zählte ich, ohne dass wir das verabredet hatten! Der Bedarf an Aktion pro Fahrrad scheint da zu sein.
    Irgendwann fuhr einer los, und die anderen ihm hinterher, so wie es sein sollte. Unterwegs warb Michael noch eine junge radelnde Touristin aus Kroatien an, die mit uns fuhr. Hätte die CM in Deutschland stattgefunden, hätten wir nun die ausreichende Anzahl an Teilnehmern gehabt um von der Verbandsregel zu profitieren, aber der Code de la route aus Luxemburg hat keine solche Entsprechung.


    1. Wer nicht weiss was Critical Mass ist, hier ein paar erklärende Texte:

      []

    2. Hier bekamen wir letztes Jahr zusätzliche Konkurrenz durch die von mir gutgeheissene Fridays for Future Bewegung []
    3. Nein, natürlich nicht, Michael hat einfach inzwischen eine Arbeitsstelle in Luxemburg und ist nun Pendler wie ich []
  • Heraldik 29.05.2020 No Comments

    Steen Clemmensender betreibt die Seite armorial.dk, auf der er Informationen über mittelalterliche Wappenbücher für Kenner zusammenstellt. Am 15 Mai 2020 erwies er sich als nun schon der zweite, der mich darauf aufmerksam machte dass es Fachleute gibt, denen anders als mir die Person des G. Strasser bekannt war. Letzterer veröffentlichte 1917 den von mir kürzlich digitalisierten Aufsatz:

    Wappengruppen in Luxemburg und der Eifel

    Die Ehre als erster sich gemeldet zu haben um meine Wissenslücke zu füllen, gebührt aber Karl Solchenbach, der mich bereits am 28. April 2020 per Mail darüber informierte um wen es sich bei G. Strasser handelt. Beiden meinen herzlichen, aufrichtigen Dank.

    Zunächst einmal hiess G. Strasser gar nicht Georg, sondern Gotthard (oder Gothard). Als ich meine Bemühungen veröffentlichte hatte ich vom Vornamen gesichert nur den Anfangsbuchstaben “G.”. Zunächst glaubte ich an einen Luxemburger, weil er über Luxemburgische Geschlechter schrieb und da der Name “Strasser” bei uns doch sehr weit verbreitet ist. Ich war daher schon erfreut auf Regesta Imperii wenigstens eine Art Werkverzeichnis zu finden: http://opac.regesta-imperii.de/lang_en/autoren.php?name=Strasser%2C+Georg

    Dort schrieb ich auch den falschen Vornamen “Georg” ab, und die Liste hatte erste Zweifel an der Zugehörigkeit zu Luxemburg gesät. Vielleicht eher ein Trierer Historiker ? Ich stellte mir allerdings, meinen gepflegten Vorurteilen folgend einen Gymnasiallehrer vor, etwa so wie der berühmte Professor Rath aus Heinrich Manns Roman “Professor Unrat“, der abends immer an seinen “Partikeln bei Homer” schreib. Doch nun war es ein preussischer Berufoffizier.

    Karl Solchenbach reichte mir auch die folgenden Links weiter:

    1. http://www.wgff.de/trier/tr-pub-Strasser.htm
    2. https://www.stadtarchiv-trier.findbuch.net/php/main.php?be_kurz=4e4c2053747261c39f6572#4e4c2053747261c39f6572

    Demnach wurde Gotthard Strasser am 20. Mai 1843 in Hermeskeil, also gar nicht mal so weit von Luxemburg entfernt geboren. Sein Vater war Notar und die Familie zog später nach Schweich an der Mosel. Folgerichtig besuchte Gotthard Gymnasien in Trier, später dann in Münstereifel wo er auch 1861 das Abitur erlangte. Danach meldete er sich zum Militär, zunächst ab dem 2. Oktober 1861 in Koblenz bei der 8. Artillerie-Brigade, und wurde Berufssoldat. Er nahm denn auch als Artillerieoffizier am deutsch-französischem Krieg von 1870/71 teil, zeitweise sogar als Adjutant des Kommandeurs der Belagerungsartillerie auf der Südfront von Paris. Als solcher durfte er bei der Kaiserproklamation im Schlosse Versailles am 18. Januar 1871 zuschauen.
    Er machte dann Karriere als Offizier,

    1. 1890 Ernennung zum Oberst.
    2. 1891 Inspekteur der 4. Fußartillerie-lnspektion zu Metz
    3. März 1893 General.

    Wegen gesundheitlicher Probleme schied er aber bereits 1895 aus dem Dienst und zog sich nach Wiesbaden in den Ruhestand nach zurück, wo er am 21. Juni 1923 starb. Er hatte also trotz schlechter Gesundheit für damalige Zeiten beachtliche 81 Jahre erreicht.
    Deutlich wichtiger für unser Interesse, war seine nebenberufliche Tätigkeit, denn er widmete sich der Wappenkunde und der Familieforschung. Genauer kann man das in seiner Biographie durch die westdeutsche Gesellschaft nachlesen, auf die ebenfalls Karl Solchenbach meine Aufmerksamkeit lenkte und wo ich obiges auch herhabe: http://www.wgff.de/trier/download/Strasser/Sammlung-Strasser1_Einleitung.pdf
    Dort wird sein Werk folgendermassen umrissen:

    Strassers Arbeitsgebiet war zunächst die Wappenkunde und weitete sich mit der Zeit immer mehr zu einer fast alle Adelsgeschlechter der Eifel und des Luxemburger Landes, sowie eine Reihe bedeutender bürgerlicher Geschlechter umfassenden Familienforschung aus. Seine Arbeiten wurden in Fachkreisen anerkannt durch die Ernennung zum korrespondierenden Mitgliede der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde und zum Ehrenmitgliede der Geschichtlichen Abteilung des Großherzoglichen Instituts zu Luxemburg.

    Daher also auch die Publikation in Luxemburg. Seine schwache Gesundheit und später der verlorene erste Weltkrieg und dessen Folgen verhinderten die Umsetzung seines Planes, ein Trierisches Wappenbuch herauszugeben. Es ist da nur folgerichtig, dass er das Stadtarchiv Trier zum Erben seiner genealogisch-heraldischen Sammlung einsetze.

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