Farbregeln

Man kann die Wappenkunst als ein Teilgebiet der Graphik, gar der Malerei auffassen. Ein wesentliches Merkmal ist dabei aber, dass nicht alles erlaubt ist und es bestimmte Regeln zu beachten gilt, wie und von wem die Elemente eines Wappens zu verwenden sind. Die allermeisten und -wichtigsten sind Farbregeln:

  1. Es dürfen keine zwei Personen, egal ob natürliche oder moralische, dasselbe Wappen führen. Es darf der Knecht nicht das Wappen des Herren führen, der Sohn vor dessen Ableben nicht das des Vaters und vor allem darf kein Ritter das Wappen eines seiner Feinde führen. Denn Sinn und Zweck der Wappen war es, dass der Ritter von Freund und Feind erkannt werden kann, auch wenn seine Rüstung unkenntlich macht, spätestens dann wenn er den Helm schliesst.
    Natürlich ist diese erste und wichtigste Regel eine Rechtsfiktion die so in der Realität gar nie eingehalten wurde.
  2. Bei der Farbgestaltung müssen sich die Metalle [Gold (or) und Silber (argent)] mit den eigentlichen Farben [Rot (gueules), Blau (azur), Schwarz (sable), Grün (sinople) und Purpur (pourpre)] sich abwechseln.
    Dies gilt insbesondere für die Figuren die ein Feld belegen. Wenn man sich vergewissert, wie die Regel (vermutlich) entstanden ist, leuchtet sie unmittelbar ein und dürfte kaum als unnötig große Einschränkung der künstlerischen Freiheit missgedeutet werden! Sehen Sie sich die folgenden Beispiele mal an:

    Versuchen Sie eins der Folgenden:

    • Machen Sie das Licht aus und besehen sich die obigen Bilder,
    • gehen Sie vielleicht mal etwas weiter vom Bildschirm weg,
    • nur wenn Sie nicht überzeugt sind: drucken Sie sich diese Seite aus

    und stellen sich dann die Frage: Bei welchen Abbildungen sind noch am ehesten zu erkennen dass hier ein Doppeladler abgebildet ist? Klar, bei den beiden Beispielen wo sich an die Farbregeln gehalten wurde!
    Der vollgerüstete Ritter im Gefecht am späten Nachmittag, oder wichtiger noch, im Heerlager auf dem Kreuzzug und beim Turnier wollte erkannt werden! Daher muss er nicht nur sein eigenes Wappen führen, es darf auch nicht mit dem eines anderen verwechselt werden.

  3. Aus dem selben Grund dürfen auch Nuancen bei der Farbgebung keine Rolle spielen. Es entsteht nicht dadurch ein anderes Wappen, dass statt eines roten Adlers, ein hellroter oder rosa Greifvogel verwendet wird, auch nicht dadurch dass ein Feld in Himmel- statt Kobaldblau ausgeführt ist.

[…wird noch erweitert werden]

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