Das Wappen von Tom Diederich

Mit dem Wappen von Tom Diederich konnte endlich auch wieder mal ein Beitrag zur lebendigen Heraldik geleistet werden.


Tom Diederich hatte Wiesel.lu gefunden und mit einem Kommentar auf sich aufmerksam gemacht.
Der Mann arbeitet im Staatsarchiv und ist Geschichtsnachsteller bei den Milites Viennenses.

Den Entwurf hat Marcel Lenertz gemacht. Die Wellen stehen wohl für seinen damaligen Wohnort Moerdorf, das Schwert für “Dietrich von Bern” = Theoderich der Grosse, als imaginärer Ahnherr der Diederichs herangezogen. Es handelt sich also um ein sprechendes Wappen.
Wofür das Rad noch gleich steht, muss ich Tom noch mal fragen, das hab ich vergessen.

Die Wappen der Luxemburger Konstantinsritter

Ein wenig Abwechslung sollte niemals schaden und so unterbreche ich kurz die Arbeit am Projekt Armorial Loutsch online, und widme mich mal wieder der lebendigen Heraldik, genauer Privatleuten die meine Zeitgenossen sind und ein Wappen führen.


Wer führt denn in Luxemburg heute überhaupt noch Wappen? Vom Gesetz (1972) vorgesehen sind die Wappen für den Staat mit allen seinen Behörden und Unterorganisationen, hier besonders die der Gemeinden. Deren Erstellung in den 1980er Jahren löste freilich einen gewissen Boom auch unter Privatleuten aus, so dass einige neue Wappen geschaffen wurden. Als Jugendlicher war ich selber von dieser Begeisterung ergriffen und legte mir selber auch eins zu. Aber wie findet man sie? Manchmal melden sich die Wappenführenden bei mir, wie etwa Marcel Herber, aber das ist selten, in der Regel muss man die Leute suchen. Am einfachsten finde ich sie, wenn sie sich in Vereinen zusammenschliessen und sie veröffentlichen. Als Beispiel wären hier die Wappen der Mitglieder der ALGH zu nennen.

Der Orden der Konstantinsritter

Als einen solchen Zusammenschluss muss man auch die Luxemburger Abteilung der Konstantinsritter ansehen. Jo Kohn, in Luxemburg vor allem bekannt als Förderer der Ex-Libris gehört auch zu diesem Orden und hat mir freundlicherweise das Jahr- und Wappenbuch 20101 zur Verfügung gestellt und ich beginne nun, die Wappen der Mitglieder zu zeichnen und online zu stellen.

Den Anfang machte natürlich der Präsident Istvan von Habsburg-Lothringen. Der hochadelige Jurist lebt in Luxemburg und sein Wappen gehört somit selbstverständlich in meine Sammlung2

Der Konstantinsorden heisst korrekterweise eigentlich Ordre sacré et militaire constantinien de Saint-Georges. Er selber will sich bereits von Kaiser Konstantin gegründet wissen, das erscheint nicht nur mir ziemlich unmöglich; Die Spätantike kannte noch keine Ritterorden. Die Ritter Roms waren eine soziale Schicht mit völlig anderen Aufgaben als die Kaste der mittelalterlichen berittenen Krieger. Der Orden hat militärische Wurzeln, er sieht seine Aufgabe heute wohl in erster Linie in der Unterstützung der römisch-katholischen Kirche.

Am wahrscheinlichsten ist dass der Orden auf dem Balkan entstanden ist, er verlegte seinen Schwerpunkt dann aber nach Italien, konkreter ins Königreich beider Sizilien (Neapel). Konsequenterweise sind auch unter den Luxemburger Mitgliedern besonders viele mit italienischer Herkunft zu finden, etwa Paola Aldobrandini.

Das Wappen Aldobrandini


Den Fehlerteufel konnte ich übrigens druckfrisch erwischen! Bei der Wappenbeschreibung der Prinzessin Paola ALDOBRANDINI, die das berühmte Wappen dieser alten Familie römischer Adliger führt, verschwanden ein paar Buchstaben bei der Angabe wie die Sterne angeordnet seien. Die Beschreibung behauptete nun, die Sterne wären “rangées en or“. Jo Kohn konnte dies mit Leichtigkeit berichtigen, es heisst selbstverständlich “rangées en orle“, also in gleichmässigem Abstand zueinander und zum Rand des Schildes. Das heisst dann allerdings auch, dass die Abbildung in der Broschüre, wie die meisten die im Netz zu finden sind, dieser Beschreibung nicht folgen, meistens werden die Sterne parallel zum Schrägbalken ausgerichtet.

Kleine Geschichte am Rande: Vor wenigen Monaten erschien im Geschichtsmagazin damals.de ein Beitrag über den Renaissance Maler Caravaggio, der hat eben diese Sterne aus dem Wappen der Aldobrandini geschickt in seinem Bild untergebracht, direkt unter den Arschbacken. Zitat aus Wikipedia:

Eines der berühmtesten Bilder Caravaggios ist Amor als Sieger (1601/02, Gemäldegalerie Berlin). Es zeigt einen beflügelten Knaben, der in provozierender Nacktheit, Geschlecht und Schritt lächelnd zur Schau stellend, über Musikinstrumente und Symbole von Macht und Gelehrsamkeit hinwegschreitet.

Die Aldobrandini waren damals eine einflussreiche Familie im Zeitalter der Kardinalsnepoten, die Sterne stehen demnach hier für die Macht, wie sie etwa Pietro Aldobrandini inne hatte.

Pascal Nicolay

Zu den Konstantinsrittern gehört auch ein geschätzter Bekannter von mir, der Bibliothekar Pascal Nicolay, den ich bereits lange vor Jo kannte. Er sagte mir, dass er sich für ein sprechendes Wappen entschieden hat; was man aber erst beim Vollwappen erkennt. Ich zeichne an dieser Stelle aber immer nur das Schild (écu): Als Figur auf dem Helm (cimier) führt er einen heiligen Nikolaus, den vor bei Kindern so beliebten Bischof aus Myra in Kleinasien, von dem er seinen Nachnamen ableitet.

  1. Ordre sacré militaire constantinien de Saint Georges – annuaire et armorial de la délélgation des chevaliers luxembourgeois
    ISBN 978-287996-592-5 []
  2. Die Dynastie der Habsburger erfreut sich übrigens, auch Jahrhunderte nachdem die französischen Revolutionstruppen ihre Herrschaft in Luxemburg beendeten immer noch grosser Sympathien in Luxemburg. Vielleicht weil die Regierungszeiten von Maria-Theresia und Joseph II von wirtschaftlicher Prosperität gekennzeichnet waren? []

Lebendige Heraldik

Nun, da die Migration abgeschlossen ist, kann ich mich wieder den “Vorkriegsprojekten” widmen. Eines davon hatte Jo Kohn angeregt bei seinem ersten Besuch auf wiesel.lu angeregt:

Sammlung der Wappen aller Zeitgenossen, also nicht nur alte Familienwappen sondern insbesondere auch Neuschöpfungen! Jo verwendete dafür den Begriff “lebendige Heraldik” zur Bezeichnung der Wappen von Zeitgenossen und ich fand ihn ganz eingängig.

Den Anfang soll mein eigenes Wappen machen, sowie die Wappen die im Familijefuerscher veröffentlicht worden waren:

Erpelding, Daniel

Für diese habe ich nun, unter “Wappenkunde” den Ordner “Zeitgenossen” eingerichtet. Jo hatte Wort gehalten und auf meiner Festplatte harren noch einige seiner Angaben, von mir gezeichnet zu werden.((Edit 4.9.2011 inzwischen alle umgesetzt))

Wer darüber hinaus mir noch Luxemburger Wappen anzeigen will, sei es sein eigenes oder das von Bekannten, der möge mir schreiben: d.erpelding@gmx.net

Die Wappenrolle der ALGH

Ab 1987 veröffentlichte der Heraldiker Marcel Lenertz in der ALGH mehrere Projekte von Wappen für Privatleute. Es handelte sich dabei ausschliesslich um Mitglieder der ALGH. Hintergrund ist der, dass es in Luxemburg nur ein Gesetz gibt das sich überhaupt mit Wappen beschäftigt und dieses sparte jene der Privatleute einfach aus. Was aber tun bei der Neuschaffung von Wappen? In anderen Ländern sind es die heraldischen Vereine, welche Wappenrollen führen in welche die Privatleute dann ihre Wappen eintragen lassen können, was lag näher als dass die ALGH für Luxemburg einen ähnlichen Dienst anbeiten würde?

Damit ging die ALGH endlich jene Aufgaben an, wegen denen ich 1984 dem Verein beigetreten war. Allerdings kam die Aktion zu spät; 1987 war ich zunächst mit meinem Abitur beschäftigt und ab Oktober dann wohnhaft in Aachen. Das Interesse für Heraldik war inzwischen bereits stark in den Hintergrund gedrängt worden, zugunsten des C64 und der ersten PCs.

Marcel Lenertz ist der Mann, der die meisten Gemeindewappen in Luxemburg in den 1980er Jahren entworfen hat, und von ihm stammen auch die Zeichnungen im Armorial Communal. 1985 habe ich sogar mal mit gerade in den Ruhestand getretenen Beamten des Arbeitsamtes telefoniert, er war sehr freundlich. Ich hatte damals den, in der Rückschau abenteuerlichen Plan, der Gemeinde Colmar-Berg ein Wappen vorzuschlagen (diese, das hatten meine Nachfragen ergeben führte noch keins), und wollte mir fachlichen Rat von dem verehrten Heraldiker holen. Er bot mir selbstverständlich seine Unterstützung an, verriet mir aber auch dass er längst selber einen Vorschlag eingereicht hatte hatte, mit dem mein Entwurf natürlich nicht konkurrieren konnte.

Hier nun eine Zusammenstellung aller von Lenertz im Familjefuerscher veröffentlichten Wappen. Lenertz bezeichnet sie dort als “Projets d’Armoiries“. In wie fern die Träger dieser Wappen diese nun als Warenzeichen beim Enregistrement eingetragen haben, weiß ich gerade nicht und hoffe dass ich damit jetzt nicht gegen geltendes Markenrecht verstoße.

Die Zeichnungen habe ich alle selber angefertigt, dabei versucht so weit ich das kann, dem Vorbild Lenertz zu folgen. Eins kann ich jetzt schon sagen, wenn man sich die Wappen mal in Farbe anschaut, merkt man erst so richtig, zu welcher Perfektion im Entwerfen von Wappen Lenertz es Ende der 1980er Jahre schon gebracht hatte. Klar, er hatte die Aktion “Gemeindewappen” gerade abgeschlossen und war entsprechend routiniert.
Alle Gemeinden hatten sich übrigens beeilt um zur Feier der 150 jährigen Unabhängigkeit Luxemburgs, ihr Wappen legalisieren zu lassen, damit es in den Armoirial Communal aufgenommen werden konnnte. Einzig die Wappen der Gebrüder Klein sind nicht von ihm, sie hatten ein Familienwappen aus dem 18. JH aus dem 18. JH ausfindig gemacht und einfach mit dem Turnierkragen und den Geldmünzen an diesem Wappen Brisüren vorgenommen.

Autoren Luxemburger Gemeindewappen

M. LENERTZ 48
DR. J.CL.LOUTSCH 37
N. LEMOGNE 5
R. MATAGNE 3
A. MAY 2
N. VAN WERWEKE 2
L. WIRION 2
P. GILSON 1
R. KLEIN 1
A. ATTEN 1
F. MATHIEU 1
F. TISSEN 1
J. FLIES 1