1und1: jetzt funktioniert es!

Die Fairness gebietet mir, nachdem ich mich über meinen DSL Provider wegen Nichterbringen des bestellten Dienstes beklagt hab, nun auch zu berichten dass seit gestern die DSL funktioniert. Kurz nach 12:00 rief eine automatische Stimme bei uns zuhause an und quäkte einen kryptischen Text. Sofort ausprobiert: immer noch kein DSL. Wenige Minuten später ein Anruf eines Technikers von der Telekom, siehe da, worauf wir mehr als einen Monat gewartet hatten war eingetroffen: die Fritzbox hörte auf zu blinken und es war möglich eine Internetverbindung über DSL zu bekommen.
Abends hab ich dann gleich mal alle Updates gemacht, die nun schon seit bald 2 Monaten nicht mehr möglich gewesen waren…

Wie von 1und1 gewünscht schrieb ich ihnen eine kurze Mail dass alles nun zu klappen schiene und siehe da: jetzt erhielt ich denn auch gleich Antwort! Von der Rechnungsabteilung die mir ungefragt 2 Monatsmieten erlassen will! Es ist natürlich zu früh schon dem Wunsch des Autors dieser Antwort nachzukommen und schon von einem wiederhergestelltem Vertrauen zu sprechen, aber die prinzipielle Bereitschaft finanzielle Entschädigung leisten zu wollen muss ich auf jeden Fall als guten Willen anerkennen und ausdrücklich loben!

Absolut keine Händlerempfehlung: 1und1

Am 23.9 habe ich bei 1und1 ein Komplett-Paket DSL 2000 + Telefonflat bestellt. 29 Euro 90 würde das im Monat kosten, mein Email-Provider GMX empfiehlt die Firma und würde mir drei Monate Grundgebühr gutschreiben. Da ich die Wohnung neu bezogen hatte, gab es da noch keinen verfügbaren Telekom Telefonanschluss und da lag der Gedanke nah: alles aus einer Hand! ich würde auch den Telefondienst dort beziehen. Ein “Verfügbarkeitscheck” auf den Seiten von 1und1 verhieß mir: ja, die Schaltung ist möglich! Ja, sie können das Komplettpaket haben!

Ein Bestellvorgang mit Tücken

Als erstes kam dann aber ein Brief zurück, ICH müsste 1UND1 anrufen, selbstverständlich auf meine Kosten (14cts/min), damit sie eine Alternativlösung bewerben könnten. Ich wollte dass es schnell geht und tat dies unglücklicherweise. Die Lösung sah dann so aus: Sie schlossen einen Vertrag mit der Telekom in meinem Namen ab, und würden mir dann die Grundgebühr + Anschlussgebühr zurückerstatten…. Ich war voll im Umzugstress und wollte schnell DSL haben, ich ging darauf ein. Zu meinem Unglück, denn nun begannen die Probleme mit 1und1 erst.
Zunächst musste ich also noch die Telekom abwarten, die richtete mir aber ziemlich rasch einen Telefonanschluss ein.
Dann bestätigten sie mir am Telefon (um den Achten rum, damals riefen sie mich noch an): am 19.10 würden sie mich freischalten! “Was? so spät erst?“, jammerte ich zunächst und dachte: was soll es, Hauptsache, es funktioniert!

Die Nummer mit der Rufnummernübertragung

Dann kam die Mail: ich sollte noch meinen Telekomanschluß auf 1und1 übertragen = kündigen!!! Ich lese wohl nicht recht? Ich hatte diesen doch eben erst auf deren Wunsch hin einrichten müssen! Ich glaubte an einen Fehler, eine automatisch generierte Mail wohl und fragte viermal nach! Ja, 4x (VIER MAL ) musste ich per Email nachfragen, bevor endlich eine der Kundenbetreuerinnen meine Frage auch gelesen und verstanden hatte und dann “oh, sie haben ja Recht!” sagte. Die drei Damen vorher konnten mit dem folgenden Brief nichts anfangen:

Ich wollte nie einen Telekomanschluss, SIE sagten mir, er wäre aus technischen Gründen erforderlich und haben ihn in meinem Namen beantragt. Fragen:

  • Wieso muss ich ihn dann jetzt wieder kündigen?
  • Wird die Schaltung denn auch funktionieren, wenn der Telekomanschluss wieder gekündigt ist?

Sie stellten sich stattdessen lieber selber eine andere Frage und beantworteten die dann. Eine Julia beantwortete am Thu, 11. Oct 2007 09:29:43 mit

C82740174 Ihre E-Mail vom 10.10.2007
Leider können wir Ihnen keinen Schaltungstermin nennen.

Um Ihren Auftrag weiter bearbeiten zu können benötigen wir das
Portierungsformular “Auftrag zur Anschluss- und Rufnummern- Mitnahme”.
Bitte senden Sie uns dieses Formular schnellstmöglich zu.

Tja. Also Annika die Vierte verstand am Freitag den 12. Oktober 2007 um 20:23:13 beharrte zwar auch auf dem Formular, konnte das Problem aber wenigstens richtig schildern. Zwar sei es, wie ich richtig erkannt hätte (haha!) zur Zeit technisch noch gar nicht möglich die Rufnummer zu portieren, sie bräuchten das Formular halt “für später” denn:

Das Portierungsformular ist jedem Auftrag, mit Option auf ein
Komplettpaket vorgeschaltet. Daher ist die weitere Bearbeitung auch
nur nach Eingang der Unterlagen möglich.

D.h. auf deutsch: Das Workflow-System von 1und1 ist so unflexibel und sieht den selber vorgeschlagenen Fall gar nicht vor. Die Bearbeitung könne aber nicht weiterlaufen, wenn ich die Rufnummernübertragung nicht unterschrieben und kostenpflichtig (24 cts./min) an sie zurück gefaxt haben würde. Ich tat sodann, wie mir befohlen Ich musste sie zweimal faxen und immer noch kamen bis Montag den 15.10 (!), jedes mal von anderen MitarbeiterInnen die den Fall gar nicht kannten, Mails in meine GMX Box mit dem Tenor “Ihre Rufnummernübertragungsformular liegt aber noch gar nicht vor!“. Dann scannte ich das Teil ein und versand es per Email: das funktionierte! Inzwischen hatten wir natürlich wieder eine Woche verloren und die schriftliche Bestätigung des Schaltungstermin ruderte dann auch kräftig zurück: am Freitag den 26.10 sollte geschaltet werden.

Der verpasste Schaltungstermin

Große Vorfreude auf den 26. Oktober, aber am Abend (gegen 18:00) blinkte die Diode welche die Sycronisierung der DSL anzeigt immer noch! Also die teure Hotline (24/min) angerufen. “Nein das ist noch nicht geschaltet, rufen sie morgen noch mal an“. Ich sollte noch mehrmals nachfragen müssen: am 27.10, am 29.11, 30.10, am 31.10, am 2.11, am 5.11. Ich lernte viele nette freundliche Damen kennen, einige fand ich sogar sympatisch. Aber jedes Mal musste ich meine Geschichte wieder von vorne erzählen, alle Informationen musste ich ihnen aus der Nase ziehen…. Ich glaube, die verdienen ihr Geld gar nicht mit DSL sondern mit Hotlines. Ansonsten das anscheinend übliche Spiel: 1und1 antwortete nicht mehr auf Emails, und wenn ich anrief: “die Telekom ist Schuld” und “ich gebe es weiter!“.

Dann widersprachen sie sich: am 6.11 meinte eine Stefanie:

Anhnad meiner Datenbank kann ich einsehen, dass die Schaltung bereits am 26.10.2007 erfolgt ist.

In den meisten Fällen lässt sich dieser Fehler auf eine falsche Verkabelung zurückführen.
Aus diesem Grunde möchten wir Sie bitte folgende Punkte zu prüfen:

-Besitzen Sie mehrere TAE Dosen ( Telefondosen ) ?
(…)

Also in etwa die Frage, ob ich vielleicht zu blöd wäre, die Kabel richtig anzuschließen? Immerhin, ein interessanter Link war dabei, ich bekam endlich mal eine hübsche Illustration für das komische deutsche System mit den TAE-Dosen. Komisch. Am 26.10 wäre also doch geschaltet worden, Tags davor hatte eine Christine, die mir eigentlich überraschend kompetent rüber kam erklärt, dass genau das noch nicht erfolgt sei, es fehle die Rückmeldung der Telekom.

Die nicht erfolgte Behebung der Störung

Im Nachhinein erscheint mir Christine noch die wirkungsmächtigste Frau bei 1und1 zu sein. Denn immerhin rief am Dienstag den 6. November eine Frau von der Telekom bei uns zu hause an, und bestätigte uns dass am Donnerstag Nachmittag des 8.November ein Techniker der Telekom zu uns kommen wolle, um “die Störung zu beheben”. Das kam mir zwar komisch vor, denn ich ging noch davon aus dass immer noch das stimmte was Christine mir 03.11.2007 gesagt hatte, nämlich dass die Telekom hätte noch nicht geschaltet hätte. Aber 1und1 hatte mich nicht informiert,
Ja, und dann kam der Techniker nicht!
Der hat nicht angerufen und gesagt, “ich kriege meine Tour nicht fertig, ich kann heute nicht!”, er hat sich auch nicht später entschuldigt und er hat insbesondere keinen Ausweichtermin benannt, der ist schlicht und ergreifend nicht gekommen und hat sich ganz feige einfach gar nicht mehr gemeldet. Gleichzeitig trudelte die erste Rechnung von 1und1 ein, wo sie ganz grosszügig die Leistung schon seit dem 29.10 berechnen. Und nun reichte es mir!

Die Fristsetzung

Zufällig las ich am Sonntag noch in der Zeitung, dass die Verbraucherzentrale von mehreren solchen Fällen weiß und rät, nach zwei Wochen eine Frist von 10 Tagen zu setzen. Am Donnerstag hab ich das dann getan! Am Freitag ging der Brief per Einschreiben ab, die Frist lief ab gestern und damit es schneller geht, hab ich parallel dazu 1und1 noch per Email über meinen Schritt informiert. Vielleicht reagieren sie ja jetzt? Und tatsächlich, wenn es ums Geld geht kann kommt die Antwort auch von 1und1 prompt: sie wiesen mich darauf hin, dass ich laut AGB ihnen aber 14 Tage einräumen müsse und ausser einem allgemeinen
wir bedauern, dass es Grund zur Beschwerde gegeben hat. Unserer Techniker arbeiten gerade an der Behebung der Störung.
keinerlei Benennung von Massnahmen welche 1und1 nun zu unternehmen gedenken würde (etwa “wir werden unseren Vertragspartner Telekom gemahnen, dass der Techniker noch diese Woche zu Ihnen kommt..”). Nichts! Wie muss ich diese enttäuschende Reaktion bewerten? Betrachtet 1und1 mich nicht mehr als Kunden den es zufrieden zu stellen gilt, sondern feilscht nur noch um die Tage die sie mich vertraglich binden wollen, damit ich kein Konkurrenzunternehmen mit dem Fall betrauen kann?

Eine interessante Information

Gestern rief ich noch mal die teure Hotline an, und kam einen klitzekeinen Schritt weiter. Nachdem ich mich noch mal durch den Sprachkomputer gequält hatte und der Versuchung nicht widerstehen konnte sein Gequäke “Ich habe sie nicht verstanden!” mit einem “dann hör gefälligst besser zu, wenn andere Leute sprechen!” zu quittieren *g*1 bekam ich eine Stefanie (?) an den Apparat. Auch sie liess sich wieder alles aus der Nase ziehen hielt aber eine neue Info bereit: sie meinte jetzt, die Telekom hätte doch schon am 5.11. geschaltet. und 1und1 hat mich NICHT darüber informiert!!!! Und das, obwohl ich ihnen meine Handynummer schon DREIMAL am Telefon mitgeteilt hatte. Ich gab sie auch Stefanie (?) zum vierten Mal denn selbstverständlich konnte sie keinen entsprechenden Eintrag in ihrer Datenbank finden.

Ansonsten wieder: Ja, ich leitet das dann weiter! Aber diesmal fragte ich dann keck nach:
ich an wen?
Antwort: an die zuständige Abteilung!
ich: Na dann verbinden Sie mich doch mit der !
Antwort: Sie sind schon mit der technischen Abteilung verbunden
Ich: hey super: na dann schicken sie mal flugs einen Techniker vorbei, der das alles durchmessen kann!
Antwort: wir haben keinen Aussendienst.
Ich: ja von mir aus: lösen Sie das Problem von ihrem Schreibpult aus, aber lösen Sie es
Antwort: ja, ich gebe das dann mal weiter…

Dabei hängt in jedem zweiten Computerladen hier an der Mosel die Werbung “Wir sind 1und1 Partner“! Damit erwecken sie also den falschen Eindruck, über ein riesiges Heer an Technikern vor Ort zu verfügen. Nur auf diese zugreifen darf der Kunde nicht.
Letzten Freitag habe ich per Einschreiben eine Frist von 10 Tagen gesetzt, dann werde ich kündigen. Die Frist gilt ab gestern.

Böse Vorahnungen

Mein Ziel ist nach wie vor nicht die Kündigung des Vertrags, sondern 1und1 Beine zu machen, denn noch bin ich, trotz allem immer noch guter Hoffnung. Notgedrungen, denn dass mir noch weit schlimmeres bevorstehen könnte zeigt der Fall des Achim K. aus Bonn, Zitat:

Er kündigt seinen DSL-Anschluss bei 1und1 schriftlich per Einschreiben. “Aber auch darauf”, so K. “kam von 1und1 keine Reaktion.” – Was der Familienvater zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: 1und1 hatte reagiert. Und ihm eine Kündigungsbestätigung zukommen lassen. Sinnigerweise nicht in den Briefkasten, sondern per E-Mail ins virtuelle Postfach, das er Dank 1und1 von zu Hause aus gar nicht abrufen konnte.
Mitte Juli will der K. nicht mehr warten. (…). Er wendet sich an T-Online und versucht dort, einen DSL-Anschluss für seine neue Wohnung zu bekommen. Die schicken ihn weiter zur T-Com. Grund: Man könne da was nicht einsehen. Das Problem klärt die T-Com schnell: 1und1 säße noch immer auf Ks. Port. Daher könne, ohne dass 1und1 diesen freigebe, kein T-DSL dort verlegt werden.

  • Und hier noch so ein Fall
  • Und diese Fälle zeigen, dass auch die Hardware, auf jeden Fall mitgelieferte die Fritzbox schon öfter mal nicht so das wahre ist!

Dass man in einem Land wie Deutschland, das sich als Heimat der Hochtechnologie versteht, mehr als einen Monat braucht um die, nicht besonders aufwendige Technik des DSL einzusetzen versetzt mich in basses Erstaunen. Oder liegt es daran, dass 1und1 ist halt doch immer noch, nur eine Klitsche von Wäller Bauern wäre?

  1. jaja, ich weiss das auch, das nützt gar nichts, aber gestern war mir danach []

Händlerempfehlung: Bike Passion

Nun da ich umgezogen bin, muss ich mir für alle Dienstleistungen die ich so von Zeit zu Zeit in Anspruch nehmen muss neue Partner suchen. Am Samstag fuhr ich zufällig nach Konz. Mit dem Fahrrad ist das, eigentlich eher hässliche Städtchen von Langsur aus gut zu erreichen, mit dem Auto eher schlecht1.
Seit ich nach dem Hollandurlaub die Kette selber gereinigt habe (sowas machen Fahrradmechaniker nur ungerne für dich), hatte ich Schwierigkeiten, die drei letzten Gänge vor dem leichtesten drin zu behalten. Das ist besonders unangenehm, wenn man so einen Berg wie die “Areler Strooss” in Luxemburg-Stadt hochfahren muss: für das grösste Ritzel ist die Steigung nicht stark genug und der Radler strampelt sich tot, und das viertgrösste lässt sich nur treten.
So kam ich dann bei Bike Passion vorbei, und erlebte eine positive Überraschung! Der freundliche Mechaniker (vermutlich Franz Schmitt) stellte nicht nur in Null Komma Nichts die richtige Diagnose, er führte diese einfache Kalibrierung auch selber durch, obwohl ich das Rad bei ihm gar nicht gekauft habe! Meistens sind sich die tollen Radmechaniker dafür nämlich zu schade. Bravo! Weiter so!
Gut, über Layout seiner Homepage kann man streiten, aber die Philosophie gefällt mir ganz gut.

  1. man muss erst bis Grevenmacher oder gar bis nach Trier fahren, um über die Mosel setzen zu können, es sei denn, man nimmt die Autofähre Wasserbillig <-> Oberbillig []

Ich habe geplündert.

Seit heute wohne ich nun auch offiziell wieder in Deutschland. Und zwar in Langsur1, einem Dörfchen gegenüber von Wasserbillig auf der anderen Seite der Sauer. Es liegt ganz malerisch, von einer Schleife der Sauer umschlungen und vor allem ist meine Wohnung nur fünf bis zehn Minuten mit dem Fahrrad vom Bahnhof Wasserbillig entfernt, je nach Tagesform, Witterungsbedinungen und verwendetem fahrbaren Untersatz.
Bekannt ist Langsur auch wegen dem Deu-Lux Lauf2.

  1. Homepage der Gemeinde Langsur: http://www.langsur.de []
  2. Homepage für den Deu-Lux Lauf: http://www.deulux-lauf.de/ []

75 Jahre UNEL

Was man auf alten Festplatten aber noch so alles findet?! z.B. den ersten Teil einer Artikelreihe die 1995 von mir in den UNEL News erschienen sind. Sie waren sozusagen die Generalprobe für Rull de Waak 1997:

75 Jahre UNEL

Die Vorkriegs-UNEL

Luxemburger Studentenvereine

  • die “Cercles” an den einzelnen Universitäten

    Voraussetzung für das Entstehen einer nationalen Studentenorganisation wie die UNEL, waren bereits vorhandene Strukturen. Da gab es zunächst die Luxemburger Studentenvereine an den einzelnen Universitäten im Ausland. Da Luxemburg keine eigene Universität besaß und besitzt, besuchten die Luxemburger seit alters her vornehmlich die Hochschulen der drei Nachbarländer und zwar vorzugsweise:

    • Jura in Paris, Nancy und Straßburg
    • Ingenieurstudien in Belgien und Deutschland ,hier vor allem Aachen
    • Medizinstudien wurden meist in Deutschland begonnen und in Frankreich beendet.

    Da die Studenten meist nur zwei bis dreimal im Jahr ins Heimatland zurückkehrten, insbesondere für die Weihnachts- rsp. Osterferien, bildeten sie an ihren Universitäten, sobald sie in ausreichender Zahl dort vertreten waren, Luxemburger Studentenvereine. Beispiele: 1880 Louvain, 1886 Aachen usw.
    Diese Vereine wollten zunächst vor allem den Zusammenhalt der Luxemburger in der Ferne sicherstellen und erreichten dies in erster Linie durch Folklore, Exkursionen, Vorträge selten auch Sport. Gerne werden sie, im studentischen Sprachgebrauch auch als “AMICALES” oder “Cercles” bezeichnet. Diese Form von Vereinen erwies sich bis jetzt als die dauerhafteste. Von Studentenfunktionären wird manchmal auch die Bezeichnung “Folkloreverein”, mit etwas verächtlichem Unterton gebraucht. Dies ist jedoch nicht angebracht, boten die Veranstaltungen dieser Vereine doch auch stets Foren, die Diskussionen und somit gewerkschaftliche Tätigkeiten überhaupt erst ermöglichten. So kam die Reform der UNEL von 1963 nicht zuletzt dadurch zustande, daß deren Hauptverfechter sich aus dem “Cercle des étudiants Grand-Ducaux à Liège” bestens kannten. Auch waren ,noch so erbittert, sich bekämpfende Kontrahenten in den Cercles gezwungen, sich doch zumindest zu dulden, was Entspannung brachte. Bestes Beispiel ist hier der Pariser Studentenverein während der sog. 68er “Revolte”.

    Ganz anderer Art waren da die beiden Vereine AV und ASSOSS.

  • Der AV

    Die Gründung des AV erklärt sich aus der politischen Situation in Luxemburg vor dem ersten Weltkrieg. Das Wahlrecht war an das Einkommen gebunden, so daß die überwiegend konservative katholisch denkende Landbevölkerung davon ausgeschlossen blieb. Die politische Szene beherrschten daher die bürgerlichen Liberalen und Sozialisten die sich zum Block der Linken zusammengeschlossen hatten. Die kath. Kirche wollte mehr Macht und vorallem einen laïzistischen Staat, den die Linken anstrebten verhindern. Es entstanden in allen Berufsgruppen prokirchliche Verbände, so auch aus der Gruppe um Pierre Dupong 1910, die “Association Catholique des étudiants luxembourgoises” (ACEL). Sie wurde aber fast immer mit dem Kurzwort der deutschen Bezeichnung Akademikerverein AV bezeichnet. Unterstand sie zwar nie direkt dem Bistum so vertrat sie doch fast immer dessen Meinung. Im Streit um die Monarchie 1918-1919 stand sie treu zur Großherzogin und der Unabhängigkeit des Landes. Der AV verfügte von Anfang an über einen Verband der Ehemaligen, der sog. “Alten Herren”. Der AV brachte die Zeitschrift “ACADEMIA” heraus, dessen berühmtester Schreiber der Abbé Batty Esch war. Das Verhältnis des AV zum Nationalsozialismus in Deutschland war gespalten, einerseits Kritik, anderseits gewisse Sympathie für dessen autoritäres Vorgehen zum vermeintlichem Schutz der Religion. Erst ab 1938 verwirft sie ihn. Der AV wir am 13.8.1940 auf Befehl der Gestapo aufgelöst und nennt sich nach der Befreiung in Association Luxembourgeoise des Universitaires Catholiques (ALUC) um. Aus dem AV gingen viele wichtige Politiker der Rechtspartei, rsp. CSV hervor: Pierre Dupong, Emile Schaus, Pierre Werner um nur diese zu nennen.

  • Die ASSOSS

    Die Association Generale des Etudiants Luxembourgois (AGEL) wird 1912 gegründet. Die AGEL will zunächst in politischer und religiöser Hinsicht neutral sein und alle Studenten aufnehmen1. Doch auf dem Hintergrund des Schulstreites um die “Loi Braun”, die von der ASSOSS begrüßt und gefördert wird, gerät sie sehr schnell in den Gegensatz zum AV. Vielleicht weil AGEL und ACEL so ähnlich klingen wird auch die AGEL fast nur mit dem Kürzel ASSOSS bezeichnet. Aus der politischen Situation vor dem ersten Weltkrieg, wie oben geschildert, erklärt sich auch daß die ASSOSS zum Sammelbecken für die Anhänger des Linksblocks wurde. Nach dem Waffenstillstand 1918 zerbricht die Linkskoalition im Streit um die Monarchie. Einige Mitglieder der ASSOSS befürworten die Republik, gar den Anschluß an Frankreich. Während in der Politik Liberale und Sozialisten, durch das allgemeine Wahlrecht unterschiedlich stark geworden, nun oft getrennte Wege marschieren, bleibt die ASSOSS eine gemeinsame Einrichtung. Ihren Zusammenhalt muß sie immer öfter durch radikalen Antiklerikalismus sicherstellen, was das Verhältnis zum AV belastet.
    Wie der AV ist auch die ASSOSS von Anfang an, kein reiner Studentenverein sondern hat eine sehr stark und einflußreiche Abteilung von Ehrenmitgliedern. Diese sind insbesondere liberalen Hüttenherren, weshalb die ASSOSS auch vorallem unter Ingenieuren sehr beliebt ist.
    Im Gegensatz zum AV bekämpft die ASSOSS ab 1933, unter ihrem Präsidenten Henri Koch und dessen unmittelbaren Nachfolgern, den Nationalsozialismus in Deutschland und warnt vor dessen Folgen. Ab 1936 geht sie aber wieder zu einer neutralen Haltung über. Henri Koch-Kent macht in seiner Biographie “Vu et Entendu” den Einfluß der Ehrenmitglieder verantwortlich, welche die wirtschaftlichen Interessen der von Deutschland stark abhängigen ARBED in Gefahr sahen. Die ASSOSS wird am 11.11.1940, ebenfalls auf Befehl der Gestapo, aufgelöst. Nach dem Krieg behält sie ihre Bezeichnung bei. Nachdem sie in den 50er und 60er Jahren noch wichtige Impulse lieferte, existiert sie seit Anfang der 70er Jahre allerdings nur noch auf dem Papier.

Aufgaben und Wirkung der Vorkriegs – UNEL

Nach dem ersten Weltkrieg wurden überall in Europa die Studenten sich ihrer Rolle mehr und mehr bewußt. In Deutschland entstanden an den Universitäten die Allgemeinen Studenten Ausschüsse (AStA). Auch AV und ASSOSS erkannten daß sie bei aller ideologischer Differenz gemeinsame Forderungen (gegenüber dem Luxemburger Staat) hatten: Die sog. “Collation des Grades”, d.h. die Anerkennung ausländischer Diplome der Fachrichtungen Jura, Philologie Medizin und Pharmazie und später in den 30er Jahren die Akademikerarbeitslosigkeit.

Schon 1919 trafen sich die Präsidenten von ASSOSS und AV in Straßburg und arbeiteten den Rahmen der künftigen Zusammenarbeit aus. Ab dem 20. August 1920 war dann der Vertrag über die UNEL (Union Nationale des Etudiants Luxembourgeois) in Kraft. Diese erste UNEL war nur ein paritätisch zusammengesetztes Gremium aus den Vorständen von ASSOSS und AV. Es brachte keine eigenen Veröffentlichungen heraus, und war aufgrund starker ideologischer Differenzen zwischen den beiden Organisationen völlig handlungsunfähig. Ihre einzige Funktion blieb am Ende die Vertretung Luxemburgs bei der CIE (Conférence Internationale des étudiants), einer Unterorganisation des Völkerbundes. Auch den Organen der beiden Muttergesellschaften war die UNEL bald recht gleichgültig und sie findet in deren Schriftum nur dann Erwähnung wenn sich mal wieder Streit anbahnte oder man sich gerade wieder versöhnt hatte. So z.B. der von der Equipe KOCH losgetretene Streit um PAX ROMANA 1934. Der AV, der den internationalen Kongreß katholischer Studentenvereinigungen organisierte hatte dazu auch jene aus den faschistischen Ländern Deutschland und Italien eingeladen, was die ASSOSS veranlaßte eine antikleriale Hetzschrift an die Delegierten zu verteilen. Der AV kündigte daraufhin den Vertrag über die UNEL auf.
Letzte Erwähnung findet die UNEL 1940. Nachdem die Nazis am 10. Mai 1940 Luxemburg überrannt hatten, war die Luxemburger Regierung nach Paris geflüchtet Hier versuchte sie nun, die dort studierenden Luxemburger in eine in aller Eile aufzustellende “Freiwilligen-” Truppe zu pressen und an die Front zu werfen. Damit wollte man den Alliierten klarmachen auf welcher Seite Luxemburg stünde. Nun wußte aber jeder daß Frankreich kurz vor dem Zusammenbruch stand. Die Studenten wollten sich nicht verheizen lassen, kaum einer meldete sich! Da die Regierung ohne Parlament keine Wehrpflicht einführen konnte ärgerte sich ein gewisser Staatsrat Léon Schaus: als er glaubte daß in der UNEL die ASSOSS-Mitglieder die führenden Stellungen belegen würden: “Ech mengen et wir un der Zäit daß d’ASSOSS an den AV getrennt giffen hier Aktivitéiten obhuelen”. Der Mann lebte allerdings völlig in der realen Welt!

Die UNEL nach 1951

Die Gründung

Nach 1945 traten die ideologischen Differenzen zunächst in den Hintergrund. ASSOSS und AV bauten ihre Organisationen, samt einiger lokaler Sektionen (in den Universitätsstädten), wieder auf. Doch 1951 waren Epuration und Wiederaufbau in die Endphase getreten, Wirtschaft und Sozialleben waren im Aufwind. Die optimistische, zukunftsgewandte studentische Jugend wollte, nun da die unmittelbare nationale Not überwunden war, endlich ihre eigene Situation verbessern. In der Festbroschure “Dix années de mouvement Etudiant au Luxembourg” (UNEL 1962) werden als Zielsetzungen der Studentenschaft von 1951 festgehalten: “..une attention plus grande envers la formation de l’élite du pays, entraînant par là-même la necessité d’une démocratisation et d’une reforme profonde du système d’éducation.”

Recht hehre Ziele also, keineswegs nur die Verbesserung ihrer momentanen materiellen Situation wurden da herbeigesehnt! Davon abgesehen daß dies eine “offizielle” Formulierung ist, die natürlich selbstlosere Motive in den Vordergrund stellen muß, so ähnlich haben die Leute um Jean Barbel (gestorben_1954) wirklich gedacht. Diese Gruppe gründete am 30.3.1951 die UNEL, welche sich eine förderale Struktur (s.u.) gab und deren Arbeit auf den “Folklorevereinen” basierte. Ziel war die Sammlung und Vertretung aller Luxemburger Studenten.

Nun bestand die Gefahr daß neben ASSOSS und ALUC nur eine dritte Kraft entstünde, hatte doch einst auch die ASSOSS den Anspruch erhoben, für alle offen zu sein. Doch hatte dieser neue Verein keck den eingeführten Namen UNEL aufgegriffen, oder besser gestohlen! In seltener Einmütigkeit protestierten ASSOSS und AV, die “Voix des jeunes” informierte im Oktober 1951 ihre Mitglieder: “l’ UNEL entre l’AV et l’ ASSOSS existe toujours. Une vague organisation a usurpé le titre d’ UNEL. L’ancienne UNEL a protesté dans une lettre adressée à Monsieur le ministre de l’Education Nationale, publiée dans les cinq quotidiens du pays”. Doch so ganz stimmte ersteres nicht, jene alte UNEL bestand gerade noch auf dem Papier. Dann gelang es Jean Barbel, sowohl ASSOSS als auch AV zu überzeugen, daß sie den neuen Verein nicht bekämpfen sondern unterstützen sollten um damit ihre eigenen Ziele ebenfalls besser ereichen zu können. ASSOSS und AV gaben also ihre eigene UNEL preis und schlossen sich der UNEL mit Wirkung vom 16.4.1952 an, bei der CIE übernahm der neue Verein die Rechtsnachfolge. Dafür mußte die UNEL ihre Struktur modifizieren und ASSOSS und AV Sonderrechte zugestehen. (Siehe “Struktur”). ASSOSS und AV betrachteten die UNEL als willkommenes Forum für ihre eigene Überzeugungsarbeit und fungierten als der linke und der rechte Flügel der UNEL. Dies sollte solange gut gehen wie sie sich in etwa die Waage hielten und mehrheitlich linke sich mit mehrheitlich rechten Bureaus abwechselten. So nutzte die UNEL geschickt bereits bestehende Strukturen und wurde schnell als einzige legale Vertretung der Luxemburger Studenten anerkannt. Zuweilen zum Leidwesen des Ministerium, welchs dann und wann versuchte die UNEL wieder zu spalten. So verlangte ein würdiger Nachfolger des Léon Schaus 1960 statt mit der UNEL verhandeln zu müssen, je einen Vertreter von ASSOSS und AV als Ansprechpartner. Er konnte sich aber nicht durchsetzen2.

Die Struktur

Die UNEL (von 1952) war ein Zwitter aus Basisdemokratie und Förderation. Die “Cercles”, mit mindestens 7 Mitgliedern, konnten Deleguierte zum Weihnachtskongress und für den “Conseil” bestimmen. Zum Weihnachtskongress waren aber auch individuelle Mitglieder zugelassen. Schlossen sich mehr als 7 Studenten zu einer Gruppe zusammen besassen sie zudem Stimmrecht. Allerdings machte der Kongress nur Vorgaben, welche Politik einzuschlagen sei. Das Exekutivbüro hingegen wurde vom “Conseil” gewählt und auch kontrolliert. ASSOSS und ALUC durften darüber hinaus noch je 3 Deleguierte in den beiden Gremien ernennen. Zusätzlich sassen stets je ein ALUC- und ein ASSOSS-Mitglieder im Exekutivbüro ohne daß diese einer Wahl oder Bestätigung des “Conseil” bedürft hätten. Weiter gab es noch ein “Comité des anciens” dessen Aufgabe vage mit “assure la permanence des institutions” definiert war, aber keine wirklich Macht besass. Diese hatte das Exekutivbüro mit seine Stellen Président, Secrétaire générale (welcher in luxemburg-Stadt residieren musste!), vice-président aux affaires sociales, vice-président aux affaires culturelles, trésorier und dem Comissaire à l’ information (und noch die zwei Vertreter der Flügelvereine).

Die förderale Struktur war in den Anfangstagen gewählt, und als die natürlichste Form für eine Studentenorganisation eines so kleinen Landes betrachtet worden, da die Mehrzahl der Studenten über ganz Europa verstreut lebte und ihre Aktivitäten in Luxemburg sich auf die Ferienzeit beschränkten3. Neue Kommunikationsmittel (Auto, Telefon) veränderten in ersten Jahrzehnt die Situation aber völlig es wurde mehr Einfluß für Einzelpersonen gewünscht. Auch ALUC und ASSOSS wünschten dies, aus unterschiedlichen Gründen freilich! Die ALUC beklagte daß die ASSOSS mehr Hochburgen (Paris, Cours universitaires (CUL), Lüttich, Straßburg) hatte als sie selbst (Louvain und Aachen). Die ASSOSS nutzte die Unzufriedenheit zur Polemik und verteufelte die förderale Struktur gar als “Korporatismus”, und zog unzulässige Parallelen zum faschistischen österreichischen Ständestaat, den viele AV’ er in den 30er Jahren angestrebt hatten.

1963 kam es dann zur Reform, ASSOSS und ALUC verzichteten auf ihre reservierten Posten und die UNEL führte individuelle Mitgliedskarten ein. Unnötig zu sagen daß dies auch die Ressourcen der UNEL drastisch erhöhte. Die UNEL hatte bald gut 800 Mitglieder (bei etwa 1200 Studenten insgesamt!)

Die Zeitung “de Lëtzebuerger Student”

Der Comissaire à l’ information bekam ab 1958 richtig Arbeit als die UNEL ihre eigenes Bulletin “de Lëtzebuerger Student” (LS) herausgab. Es erschien einmal pro Quartal. Damit wiederholte die UNEL nicht den Fehler ihres Vorläufers sich kein eigenes Sprachrohr zu schaffen. So konnte sie eine gewisse Unabhängigkeit von den Muttergesellschaften erreichen. Dafür verschärften jene aber ihre Anstrengungen die UNEL selber zu kontrollieren. Immer wieder wurde der UNEL von der jeweils minoritären Fraktion vorgeworfen, in ihren Publikationen nicht neutral zu sein und offen, im Namen aller Studenten, nur die Ansichten ihrer eigenen Fraktion zu vertreten. Dies war nicht selten ein nur allzu berechtigter Vorwurf, wobei der Versuchung, den LS wie ein Parteiorgan zu behandeln, die ASSOSS öfter erlag als die ALUC. Das lag aber auch daran daß erstere in den 60er Jahren öfter die Mehrheit im Bureau hatte als die ALUC.

Die “fédérations facultaires”

1958 hatten die Ingenieurstudenten die ANEIL gegründet. Dieser Verein begab sich ebenfalls unter das Dach der UNEL, nicht zuletzt um die “Infrastruktur” der UNEL (Zeitung, Präsens in den “Cercle”) nutzten zu können.die ANEIL war außerhalb der UNEL gegründet worden, doch als in den frühen 60er Jahren das Interesse ihrer Mitglieder mehr und mehr erlahmte, funktionierte sie fast wie eine Unterorganisation der UNEL: die Abgeordneten vieler “Cercles” aus Ingenieurschulstädten für UNEL und ANEIL waren identisch, kaufte man eine Mitgliedskarte der UNEL war der Student automatisch Mitglied der ANEIL. 1965 wurde sogar eine Fusion beider Organisationen erwogen.

Angesichts des Erfolges der ANEIL, rief die UNEL gezielt Fachvereine als Unterorganisationen der UNEL ins Leben. Diese sollten sich der fachspezifichen Probleme annehmen: 1965 ALED (Droit) und 1966 die ALEM (Mediziner)4 Genau das taten sie aber nicht, sondern ergaben sich ebenfalls endlosen ideologischen Diskussionen hin. So gab es bald zwei ALEM’ s, eine Unel-konforme und eine “wilde”. Mit dem Zusammenbruch der UNEL 1969 verschwanden die FF wieder. Die ANEIL trat aus dem Schatten der UNEL, konnte aber erst ab 1982, nach 7-jähriger Suspendierung, wieder aufblühen.

Beabsichtigte weitere Kapitel

  1. Themen und Erfolge
    • Relations internationales
    • Collation des grades
    • Democratisation des études
    • Reforme du secondaire
  2. Das Kommissariat
  3. die 70er
  4. Konsolidierung in den 80ern
  5. die Konkurrenz ACEL
  1. Vermutlich dieser Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit, muß den Historiker Marc Hessel † dazu verführt haben, in seinem Artikel “Happy Birthday ACEL” in LEO 2/93 die ASSOSS mit der UNEL zu verwechseln. Er schreibt: “Sie (die UNEL) war … somit nicht unschuldig am Sturz der ASSOSS.” Und in Fußnote 4: ” Wie die UNEL war auch die ALUC Mitglied der ASSOSS” []
  2. LS No 10, dec 1960 p 3 []
  3. Vgl. “10 années de mouvement Etudiant au Luxembourg” p 5/6 []
  4. LS avril 1967 p 11 sowie No 36/37 p 9. []

Neues Fahrrad von Stevens

Mein neues Strada800 von Stevens

Ein Strada 800, hab ich bei Jan Ostergaard in Mersch gekauft. Wurde zwar schon im Februar bestellt, sollte für Ende April da sein, wurde aber erst am letzten Freitag geliefert. Waren wohl die Vorzieheffekte bei deutschen Radfahrern schuld an den Lieferschwierigkeiten von Stevens.

Es handelt sich um ein sog. Fitnessbike, also ein Fahrrad das recht leicht ist aber ohne die für Rennräder typischen Elemente wie

  • Lenker der den Fahrer zum ausgeprägten Katzenbuckel zwingt. Böse Zungen sprechen daher ja auch von einer Radfahrermenthalität: nach oben buckeln, nach unten treten, obwohl diese ja nun beileibe nicht nur bei Rennradfahrern vorkommt! Auch Fahrradfunktionäre mit Speckrollen, die noch nicht mal ein richtiges Fahrrad besitzen sind davon betroffen.
  • Klickpedale, so dass man nur mit besonderen Schuhen damit fahren kann.

Also mit anderen Worten: ich habe mir ein Rad für Warmduscher gekauft!

Eingeweiht hab ich die Kiste natürlich auch schon: Wir sind am Sonntag die Florancy Rundfahrt in belgisch Lothringen noch einmal damit gefahren. Das Teil geht ab wie eine Rakete!! Ich brauchte noch nicht mal kräftig zu treten und hatte schon 20 km/h drauf.
Der Cyclo Club Messancy organisiert jedes Jahr im April seine “Florancy” Rundfahrt, die von uns ausgewählte 55 km Strecke führt von Messancy über Aubange, Aix-Sur-Cloie, Guelff, Habergy, Rachecourt, Musson, Baranzy, Mussy-La-Ville, St. Léger, Châtillon, Meix-le-Tige, udange, Wolkrange, Differt, Turpange (,Hondelange), Sélange zurück nach Messancy. Da wir nicht in Messancy sondern in Clémency starteten, liessen wir Hondelange links liegen und kehrten von Sélange gleich nach Clemency zurück

Dream in Infrared und die classic pages

Nachdem ich nun ein selber geschriebenes Plugin, das mir erlaubt Listen, Formulare und Bilder auf diesen Seiten zu präsentieren, umgeschrieben habe, konnte ich die classic pages auf wiesel.lu nun ganz abschalten!
Somit kann ich nun auch viel gefahrloser neue Themes ausprobieren, wie z.B.
Dream in Infrared by Adam Freetly.

Es ist erstaunlich, wie völlig anders meine Homepage mit seinem Layout rüberkommt! Meine Frau meinte, “wéi een Boopebistro, den op Szenekneipe emgemodelt guff“. Und ich muss selber sagen: es gefällt auch mir ausnehmend gut!

Nachteil: es lässt sich nicht validieren, ist ungeheuer kompliziert geschrieben (ich steig da nicht ein) und ich musste verschiedene Programme umschreiben, weil es sonst mit dem Speicherplatz nicht ausreicht.

Egon Zander (1902 – 1997) und die Rheinromantik

Vor zehn Jahren starb Egon Zander. Er stand mit mir in den Jahren 1992-1996 in Briefverkehr und half so maßgeblich mit bei der Erstellung der Festschrift Rull de Waak zum 100. Bestehen des AV d’Letzeburger. Durch seine nüchterne, die Studentenzeit nicht verklärende Art, war er ein sehr wertvoller Zeitzeuge.

Kurzbiographie

Egon Zander stammte aus Luxemburg Stadt, seine Eltern betrieben dort eine Epicerie. Er besuchte das Athenäeum und war Klassenkamerad von Batty Esch. Wie dieser fühlte er sich dem katholischem Studentenmilieu zugehörig und trat später dem Akademikerverein (heute ALUC) bei.

Egon als Täufer

Egon als Täufer


In Aachen studierte er dann von 1923 bis 1932 Hüttenkunde und engagierte sich auch stark im AV d’Letzeburger, wo er mehrmals Vorstandsposten übernahm. Sein Biername war “Tipp“, der ihm auf der Taufe verliehen worden war. Sein Studium musste er immer wieder unterbrechen, um im elterlichen Betrieb auszuhelfen. Nach seinem Diplom arbeitete er als Ingenieur im Stahlwerk von ARBED Beval.

Aber Egon half nicht nur beim Erstellen der Festschrift, in jüngeren Jahren griff er auch selber zur Feder. Der nachstehende Artikel erschien im Annuaire des Akademikervereins 1929. Egon lässt hier seinen gesamten Kulturpessimismus zu Worte kommen, über den er Jahrzehnte später erschrickt und mit den Worten “Mein Gott, war ich damals bissig.” quittiert.

Rheinromantik,

eine exklusive Jupiterlampen-Angelegenheit.
Skizze von Egon Zander.

Willst du Rheinromantik? Hier das Rezept. Benutze nicht den veralteten Baedeker, kaufe dir das neueste Kriminalmagazin (herausgegeben von Edgar Wallace, dem theoretischen Verbrecherkönig), studiere eifrig “Wie lerne ich kriminalistisch denken”, verweile recht lange bei dem Kapitel “Indizienbeweise” (eine gute Parodie hierüber: Fall Rigaudin oder Halsmannprozeß) und begib dich dann an Ort und Stelle (in diesem Falle selbstverständlich: der Rhein), um die Rheinromantik in flagranti zu erwischen.

Persil bleibt PersilSo ich, Es kostet ein gutes Stück Mühe, bis man die vielen Irrtümer ausgemistet hat, die einem durch das Lesen von aufgebauschten Artikeln und Rheinbeschreibungen im Hirnkasten herumspuken. Aber schließlich gelang es mir doch die mit Reklamen über und über bedeckte Litfassäule mit Papa Rhein zu identifizieren. Vulkanausbrüche von Farben, das Unerdenklichste ausplappernd; das Anpreisen eines dem Gummiknüppel zum Verwechseln ähnlichen Unterhaltungsspieles, Punktroller genannt; die Bekräftigung der alten Formel, daß Persil Persil bleibt; das Hinweisen auf das neue Pflaster zur Pianissimo -Behandlung der Hühneraugenklaviatur, Reklamen für Zigaretten, Champagnermarken, Korsetts, das Niederwalddenkmal, ganz bestimmt das Produkt einer an Größenwahnsinn ernstlich erkrankten Sekte (gehen Sie mir weg mit dem Märchen, das hätte einer allein ausgeklügelt), eine künstlerische Katastrophe, die man durch Unterlegen von etwas Dynamit schmerzlos in eine künstliche überführen sollte. Gasthöfe und Weinschenken, Garagen und Tankstellen schreien in grellen Farben, alles unter dem Motto: Strömt herbei ihre Völkerscharen, Nun, das hatte 1918 seine Wirkung nicht verfehlt. Aus allen Gegenden, sogar aus dem Chewinggumlande und aus dem dunklen Erdteil (so genannt wegen der schwarzen Hautfarbe seiner Einwohner) waren sie gekommen, allerdings statt Touristenstock, Lodenmantel und Rucksack … Gewehr, Kakiuniform und Tornister mit sich führend. Man hatte eben keine Zeit gehabt die Garderobe zu wechseln, die man beim Kriegspielen in Frankreich trug; sie bürgerte sich am Rhein auch schnell ein und wurde die führende Mode. Diese an den Rhein so urplötzlich Gekommenen bildeten sich zu Dauergästen aus, weil es ihnen anscheinend gut gefiel, und ganz begeisterte Naturschwärmer, über die Frankreich in Massen verfügt, waren nur mit Mühe und Not von der Idee abzubringen, das Rheinland als Weekend-Eldorado für französische Kleinrentner einzurichten.

Nun haben wir die Reklamen und Randbemerkungen gelesen, wobei aber darauf hingewiesen werden muß, daß ich das nicht so ruhig wie Sie tun konnte, denn hier an der Litfassäule ist die donnernde Hölle mit leibhaftigen Autoteufeln.

Das Niederwalddenkmal

Das Niederwalddenkmal


An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein, mein Sohn, ich rate dir gut! Wenigstens nicht zu Fuß, denn es bestehen große Aussichten, daß du dir mal ein Auto aus der Froschperspektive ansehen müsstest. Das ist recht unangenehm Du kugelst dich im Dreck, die Brille springt entzwei (vorausgesetzt, daß du eine solche trägst), dein Anzug wird besudelt. und so nebenbei erheischt die Umformung deines Körpers auch noch ein Transportmittel, entweder durch Roteskreuzfähnchen gekennzeichnet oder pietätvoll schwarz angestrichen. Manche und es dürfte die Mehrzahl sein, benutzen beide Transportmittel, zwar nacheinander, so in zweitägigem Abstand, nach einer wohltuenden ärztlichen Behandlung. In der Tat, es ist lebensgefährlich. Denn zu beiden Seiten des Rheins hat man Autostraßen angelegt, tadellos, kerzengrade, ein ideales Betätigungsfeld für Kilometerfresser und radikale Anhänger der Ellenbogen-, in diesem Falle Schutzblechfreiheit. Das Schutzblech, eine furchtbare Waffe, die, auf ihrem lammfrohen Namen fußend, Anspruch erhebt, in die Kategorie der Schutzmittel einverleibt zu werden, die aber dazu ganz und gar keine Berechtigung hat, aus der einfachen Ursache, weil sie wie dazu geschaffen ist, sich dem harmlosen Fußgänger einzuverleiben und das mit sprichwörtlicher Gründlichkeit und etlichen Pferdestärken und Zylindern (gemeint sind hier Autozylinder, nicht die bei Begräbnissen übliche Kopfbedeckung, ein Irrtum, der dem Leser leicht unterlaufen könnte).

Darum raus aus dem Bereiche des Todes, (frei nach Karl May), raus aus der mit Öl und Benzin gesättigten Luft, runter von der Rennbahn. Mein Rettungsring (in der Not ergreift man eben, was grade dahergeschwommen kommt) war eine Diele, (kommt mit dem Wort “Garage” immer zusammen vor, die beide unter dem geläufigerer Sammelnamen “Tankstelle” besser bekannt sein dürften, übrigens Diele mit Artikel verbunden “Die-Die-le”, eine Redewendung, die Stotterern ganz besonders sympathisch sein müsste.) Vorn im Eingang schälten sich grade ein paar Kraftwagenfahrer (um nicht immer Auto zu sagen) aus ihren Lederetuis; nach vollbrachter Ausschirrung waren sie genötigt, besagte lederne Garderobe in der Garderobe abzugeben, weil man erstens in der deutschen Sprache für diese zwei grundverschiedenen Dinge nur eine Bezeichnung hat (und noch keine deutsche) und zweitens, weil gerade die dabei zu entrichtende Gebühr eine hübsche Nebeneinnahme, in rassereinen Nepplokalen sogar eine Haupteinnahme ausmacht und das Geschäft über Wasser hält, was bei den so nahe am Rhein gelegenen Etablissements ganz beruhigend auf die des Schwimmens Unkundigen wirkt. Nun, ich tat, wie ein drohendes Schild mir befahl, legte Mantel und Hut ab und gelangte in einen mit Pariser Parfums durchsetzten und von Rheinländern besetzten Saal, wo ich mich in einem Clubsessel verstaute. Obschon es noch früh am Nachmittage war, hatte man die Fenster mit zentnerschweren Vorhängen verhangen. Die Aussicht auf den Rhein wirke zu störend und außerdem sei Deckenbeleuchtung dem mit allen Schikanen zurechtgeschusterten Teint der Damen weitaus bekömmlicher als grelles Sonnenlicht.

O Rheinromantik wo bist du?
Eine aufgeregte Jazzmusik huddelte etwas vom Nil, ein Neger schlug sich auf sein breites Maul, ab und zu exotische Laute ausstoßend, und rund um dieses Podium des Schreckens und der Disharmonie gestikulierten mit Armen und Beinen die Rheintöchter, das Ganze Fünf-Uhr-Tee darstellend (die Uhr schlug eben 1/24 und Tee war nicht aufzutreiben). O holde Rheinmägdelein mit blondem Haar und blauen Augen, wer gab euch die Idee, Haartinktur zu benutzen, von wem erlerntet ihr – allerdings schlecht – die Kunst, den Lippen- und Augenstift zu führen, wer lehrte euch das Zigarettenrauchen, das blasierte Indieweltgucken, das Hochschürzen der Lippen? Was wallest du stumm durch die Berge, o Rhein? Na, da soll man nicht sprachlos werden!

Ich war offenbar an eine falsche Romantikquelle geraten, mein Rettungsring erwies sich als brüchig und zog Wasser. “Herr Ober, zahlen!”

Und da wiederholte sich die bekannte Geschichte vom Schiffer, der angesichts der Lorelei langsam in den Fluten des Rheins versank, in dem ich angesichts der hohen Rechnung – im Gegensatz zu besagtem Schiffer aber ziemlich rasch – in den Konturen des Clubsessels absackte. Nun, Ober sind außer Herren (Herr Ober!) Allerweltskerle, die auf alles gefaßt sind. So auch hier, Im Nu hatte er den Schwerpunkt der Situation erkannt, nämlich meine Silbermarken, die er mir blitzschnell abnahm und dadurch mich wesentlich erleichterte, was mir ein Wiederauftauchen an die Oberfläche gestattete.

Ausgang, “Ist die Tanzmusik erstklassig?” frug mich ein mit Pelzmantel und Brillanten behafteter “starker” Herr (dicker Herr paßte eigentlich besser, aber das Wörtchen “dick” ist neuerdings in besseren Kreisen verpönt), der grade im Begriffe stand oder, richtiger: saß, sich mit vieler Mühe aus einer Limousine zu laden … Er halte nämlich auf gute Musik, und, falls das hier nicht der Fall, sei die unternommene Reise zum Rhein zwecklos; er bewohne ein Landgut und höre allda durch Radio Jazzmusik, aber leider viel zu wenig, weil über die Hälfte der Zeit mit Vorträgen verplempert wurde; übrigens ein schöner Unsinn, diese Vorträge, die doch nur dazu da seien, das gemeine Volk aufzuklären, also eine direkte Schärfung des Verstandes bewerkstelligten, und er sähe nicht ein, zu was die deutschen Bürger Verstand benötigten. “Das ist eben die Quintessenz (beliebter Stammtischausdruck) allen Übels in Deutschland,” fuhr er fort (und hatte das Ausladen seiner Person noch nicht zu einem glücklichen Ende geführt), weil die Menschen langsam Verstand angenommen haben und nicht mehr hübsch brav in der Herde mittraben wollen, wie das zur glorreichen Regierungszeit Seiner augenblicklich in Holland zur Erholung weilenden Majestät an der Tagesordnung war.” Ich brauchte nicht zu antworten auf diese bandwurmlangen Satzgebilde, denn die aufgehende Saaltüre und das dadurch hörbare Musikgepolter hatten ihn zum Bleiben bestimmt.

Eine durch ein mittelalterliches Aushängeschild (werden heute auf Bestellung antiquarisch angefertigt) gekennzeichnete Weinstube mit “anschließender” Rheinterrasse und herrlicher Aussicht präsentierte sich so einladend, daß ich kurzerhand hineinging und -fiel, Ich setzte mich verstohlen in eine einsame Ecke und gab mir redlich Mühe, Rheinstimmung zu genießen, indem ich gedankenlos über die Wellen hinträumte (Stimmung ist bekanntlich der Zustand, wo der Mensch nicht mehr denkt. wenigstens nicht normal), wohlweislich den von einer Lebensversicherung am andern Ufer errichteten und herüber grinsenden Knochenmann aus meinem Gesichtskreis verbannend.

Da entstand plötzlich ein Lärm, als ob die Mauer einer Talsperre zusammengeklappt wäre und die Wassermassen sich talwärts wälzten. Zuerst strömten durch die Flügeltüren Gerinnsel von Menschenhäufchen, und dann ergoß sich ein Strom, auf die Terrasse, der alle Tische überflutete . . . Ein Gesangverein auf Sonntagsbillet. Nachdem Regenschirme und Aktenmappen (in ihnen wird, Akten ausgenommen, alles transportiert Lebensmittel, alte Schuhe, schmutzige Wäsche usw,) möglichst geräuschvoll abgelegt waren und die durstigen Kehlen (es war die 27. Station) mit der auf der Getränkekarte als Wein bezeichneten Flüssigkeit angefeuchtet waren, begann man das bei den in dieser Gegend herumvagabundierenden Gesangvereinen so beliebte rheinische Frage- und Antwortspiel, das

Aufschluß über diese Menschensorte gibt. Geistig unterernährt, das bestärken die dummen Fragen, und offenherzig, weil diese Fragen laut gesungen werden. (lies: gebrüllt, trompetet, posaunt, gehustet, gegurgelt.) Ad eins, “Warum ist es am Rhein so schön?” Das fragt man so anhaltend, so bittend, so wissensdurstig, man wiederholt die Frage, einmal, zweimal, dreimal, dreht sie herum, versucht ihr von einer andern Seite näherzukommen, ändert den Tonfall, vielleicht daß sie so verständlicher wird. Ist denn kein Oberstudienrat (auf hohen Titel wird gehalten, Nebensache wie hoch Gehalt betitelt) vorrätig, der diesen Leutchen aus der Patsche helfen könnte!

Zweite Frage. “Was ist Wein?” Diese Frage muß man vorsichtig beantworten, kann überhaupt frühestens am nächsten Tage beantwortet werden, wenn Kopf und Magen die Analyse gemacht haben, denn die Zunge läßt sich von den modernen Weinfabrikanten überlisten. Aber- diese sangeslustigen (tief Atem holen) Gehstduhintermichträger, auf deutsch Cut-träger (nähere Beschreibung in Modejournal unter: Nationalanzug) scheinen schon besser vorbereitet zu sein, denn sie finden verblüffend schnell die Antwort, “Was ist Wein? – Sonnenschein,” War eigentlich überflüssig (einige waren schon am überfließen), denn das sah man auf den ersten Blick, daß alle einen gehörigen Sonnenstich erwischt hatten.

Hier war statt Rheinromantik die Hochblüte des mit Vorhemdchen und Röllchen umgürteten Spießbürgertums.

Die Dämmerung fiel ein; ich verließ diesen in Zigarrenrauch und süßsäuerlichem Duft eingebetteten Menschenknäuel, der das Fehlen an individueller Originalität durch gemeinsame Gesangübungen ersetzte und sich “künstlich über die Mühsalen des Alltags hinwegtäuschte”.

“Endlich allein,” hatte ich noch grade Zeit zu denken, da stand ich schon mitten unter einem mit Wildwestern und nackten Knien bekleideten Völkchen, das sich schlechthin Pfadfinder schimpft. Wenn man nur einen Augenblick an das polizeilich streng geregelte Deutschland denkt, wenn man bedenkt, wie auch der kleinste Weg durch riesengroße Warnungstafeln zum Betreten erlaubt oder verboten ist, so sieht man schnell ein, auf welchem Misthaufen von Logik die Bezeichnung “Pfadfinder” ihren Ursprung nahm. Was da für Pfade gefunden werden sollen, ist mir rätselhaft.

“Das ist auch Nebensache,” ließ ich mir vom Anführer (mit Klempnerladen auf der Brust) sagen, “Wir gehören der Jugendbewegung an, darum bewegen wir uns, marschieren wir, nichts wie marschieren, und, damit keiner sich daraus ein Vergnügen macht, tragen wir zentnerschwere Last, wie da sind Trompeten, Spaten, Fahnenstöcke, Kochgeschirre, Zeltbahnen, kurz alles was man zu einem Sonntagnachmittagsspaziergang benötigt, Wir zählen Kilometersteine, wir zählen die vorbeirasenden Autos, im Übrigen vermeiden wir jede geistige Anstrengung (statutengemäß), weil das Minimum an räsonnierendem Geist den Wert des vorbildlichen Soldaten ausmacht, das zu werden unser aller höchstes Ziel ist.” Man kann der Jugend nicht übelnehmen, daß sie Krieg spielt, während die Väter (Hugenberg wollen wir stillschweigen übergehen) sich redlich abmühen mittels Zerstäubern (ausrangierte Fly-tox-Tuben tun hier schon gute Dienste) ein bischen Locarnogeist in die mit Säbelgerassel verpestete Luft zu spritzen.

Die Heimfahrt. Ein Schreien, ein Schimpfen, ein Drängen. ein Zwängen, ein Kampf schlimmer als vor Verdun (der Leser möge verzeihen, es fiel mir nichts Passenderes ein) um ein armseliges Plätzchen. Der Zug setzte sich in Bewegung. Der Augenblick war gekommen, wo die mit Rheinromantik gespickte_ Herzen überflossen, wo grandios Erlebtes die Zungen löste, und so erzählte man, daß das Wetter besser gewesen, als man anfänglich gedacht; daß man nur zwei Autounfälle gesehen. allerdings einen ziemlich schweren, denn es gab 2 Tote und viele Scherben; daß man beim Weintraubenstehlen beinahe erwischt worden sei; daß man stundenlang einem Faltboot zugesehen habe und minütlich das Kentern erwartet habe, aber was meinen Sie wohl, man sei gefoppt worden, es ging nicht unter und wollte nicht untergehen, eine direkte Bauernfängerei eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, sieht so zerbrechlich, so unstabil aus und steht ganz fest, ja viel fester als die Wacht am Rhein!

Wo blieb die Rheinromantik?

Der Zug hielt. Voll Ärger über den verlorenen Tag und die Einsicht, daß mir das Zeug zum Detektiv vollständig fehl, ging ich ins Kino, Und da fand ich, was ich so schmerzlich gesucht. Rheinfilm mit romantischen Städtchen, goldigen Weinbergen, holden, sonnigen Mädchen, übermütigen Studenten. Die Leinwand, unterstützt von passender Musik, schüttete fuderweise Rheinromantik auf mich. Das alles für 1,50 RM.! Was Jupiterlampen und Regisseure nicht alles fertig bringen! Ohne sie keine Natur, keine Rheinstimmung mehr. Darum mein Sohn, beherzige den Rat: Zieh nicht an den Rhein, sondern ins Kino.

P.S. Es wäre vielleicht nett, wenn man alles durch die beschönigende Filmapparatlinse sehen könnte, aber ich glaube, dann würde viel, viel weniger gelacht.

Kommentar zu diesem Text.

Egon Zander

Egon Zander


Zufällig habe ich ihn 1993 entdeckt. Mir stach der Name Egon Zander sofort ins Auge, denn so häufig ist der Name in dieser Schreibweise in Luxemburg nicht. Auch kommt Egon als Vorname in Luxemburg nicht besonders oft vor. Also sandte ihm eine Kopie, worüber er sehr erfreut war, und stellte einige Fragen zu dem Text. Denn vieles war für den Studenten von 1993 nicht ohne weiteres zu verstehen. Wohl aber war mir aufgefallen, dass zuvor Lambert Schaus, der spätere Minister, einen, die Rheinromantik feierenden Artikel in der selben Studentenzeitschrift veröffentlicht hatte, und so vermutete ich, Egons Text könnte eine Parodie darauf darstellen. Dem war wohl auch so, allerdings schrieb Egon seine Erwiderung offenbar sogar auf dessen Anregung.

Er schickte mir folgenden Brief zurück:

Luxembourg, 18.12.1993

Lieber Catweazle !

Vielen Dank für Deinen Brief. Die Kopie meiner Skizze “Rheinromantik” hat mich besonders gefreut, da Manuskript und Akademia im Mai 1940 verloren gingen. Das deutsche Militär hatte gründlich in meinen Papieren geräumt. Uebrigens konnte ich mich nicht mehr an viele Einzelheiten erinnern. Mein Gott, war ich damals bissig.

Deine Vermutung betreff Verhältnis zwischen Lambert Schaus und mir stimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Ich war mit ihm gut befreundet, und er war es der die Veröffentlichung besagter Skizze in der Akademia bewirkte.

Was meine politische Einstellung betraf, so muss ich eingestehen, dass ich während meiner Studienzeit keine hatte. Es wurde nie in AACHEN politische Diskussionen zwischen Luxemburger Studenten geführt und auch nicht zwischen mir und deutschen Kommilitonen. Letzteres nicht aus Vorsicht, sondern wegen Interesselosigkeit. Durch den Sport, den ich auf der Hochschule betrieben habe lernte ich viele deutsche Studenten auch aus schlagenden Verbindungen kennen, zu denen ich stets, in gutem Einvernehmen war.

Das Schicksal von Batty Esch ist besonders tragisch. Klassenkamerad von mir im Athenäum war er ziemlich kompromisslos, was er auch bewies als er, von der Verhaftung seines Direktors Origer erfuhr, sich spontan der Gestapo stellte.
Nun zu Deinen Fragen:

Punktroller,

eine Art Nudelwalker mit punktförmigem Gummi überzogen, diente den Spiessbürgern zur Eigenmassage ihres Wanstes.

Niederwalddenkmal,

Der Bergrücken zwischen Rüdesheim und Assmannshausen heisst Niederwald. Dort wurde das Denkmal in Erinnerung von 1870/71 errichtet. Es stellt eine 10 Meter hohe Germania dar, flankiert von zwei Reichsadlern und etlichen Reliefs.

Fünfuhrtee,

Kopie vom englischen Five O’Clock Tea. Zu dieser Stunde traf sich die Jugend um das Tanzbein zu schwingen. Das war auch in Luxemburg der Fall und zwar im Majestic (Place d’Armes), Hotel de Cologne (heute Alima-Bourse) und Restaurant Schulz in der Rue des Capucins.

Der Name Zander:

Der Name Zander ist in der ganzen Welt Verbreitet, sogar im Süsswasser. In Schweden wurde von einem Doktor Zander Apparate für Widerstands= Gymnastik (?) eingeführt.
Vor geraumer Zeit habe ich einen Artikel im Luxemburger Wort gelesen, der sich mit den Bürgern der Stadt Luxemburg im siebzehnten oder achtzehntem Jahrhundert befasste. Darin ging Rede von einem Zander, der ein Wohltäter der Stadt war.

Ich hatte einen Bruder, der mit 15 Jahren Opfer der 1912 grassierenden spanischen Grippe wurde. Meine Vetter sind alle verstorben.

Verwandte mit Namen Zander habe ich ausser meiner Tochter, die Verheiratet ist, keine weder in Luxemburg noch im Ausland.

Nun Bleibt mir noch ein frohes Weihnachtsfest und viel Glück im Neujahr zu wünschen, Dir und Deinen Kommilitonen.