Optimierungsreserven bei Veloh

Place de Paris um 16:45

Seit ein paar Wochen bin ich nun Abonnent bei Veloh, dem vielgelobten Leihfahrradsystem der Stadt Luxemburg (siehe z.B. Tom Wagners Bildreportage) Zunächst hatte ich einen solchen Schritt nicht vorgesehen, da ich meistens mein eigenes Fahrrad im Zug mitnehme und natürlich eines bevorzuge, das ich kenne und von den ich weiß in welchem Zustand es ist. In dem langen und harten Winter 2009/10 war es mir aber oft zu anstrengend mit dem Rad, die 2.7 km zum Bahnhof zurückzulegen, und ich nahm öfter die Buslinie 118. Deren Haltestelle “Friedhof” in Wasserbillig, ist etwas näher an meiner Wohnung vor allem aber kann ich mir mit dem Frühstück eine 1/4 h bis 1/2 Stunde länger Zeit nehmen (oder später aufstehen, wie man es nimmt ;-) . Problem hierbei ist aber, dass man ein Fahrrad im Bus nur sehr bedingt mitnehmen kann, selbst dann, wenn der Bus eine zweite Plattform hat wo man das Rad festmachen könnte. Denn andere Fahrgäste erleben mitgenommene Rad in den meistens sehr gut gefüllten Bussen in der Regel als Belästigung.

Und so erwartete ich mir von Veloh! folgende Vorteile:

  1. Ich brauche mich nicht morgens schon festzulegen, ob ich an dem Tag Fahrrad oder Bus fahren will, sondern kann es jeweils dann entscheiden, wenn ich die Fahrt antrete. Praktisch, wenn es z.B. morgens regnet und man doch lieber mit dem Bus fährt, abends aber die Sonne hervor gekommen ist und Lust aufs Radfarhen macht. Und erst recht im umgekehrten Fall.
  2. Wenn ich die Fahrt unterbreche, etwa weil ich am Bahnhofskiosk noch eine Zeitschrift kaufen will, muss ich mir keine Gedanken machen, wo ich das Fahrrad in der Zeit festkette, so dass es erreichbar bleibt, trocken und vor Vandalen sicher, denn es ist nicht meins: ich gebe es einfach an der Dockingstation ab

Das Missgeschick vom Dienstag Abend

Am Dienstag aber musste ich feststellen, dass Punkt 2, so nicht immer gegeben ist, aber der Reihe nach:
Für 18:30 hatte der Ingenieurverein ALI zur Mitgliederversammlung ins Lycée Technique de Bonnevoi gerufen, und weil hier, wie bereits beim Dachverband ALIAI ein neuer Präsident gewählt werden sollte, hielt ich es für wichtig diesmal an der Versammlung teilzunehmen. Um 20:53 fährt ein Zug nach Wasserbillig, diese Uhrzeit behielt ich im Auge und nahm mir um 20:30 ein Veloh an der Säule direkt vor dem Lycée. Zufällig hatte ich am Tag davor hier schon ein Rad ausgeliehen, daher wusste ich dass jedes zweite Opfer eines Aktes von Vandalismus geworden ist, und wählte mir das Rad, mit dem ich um 18:30 angekommen war (es war noch verfügbar), alles lief perfekt!

  • bis ich um 18:40 das Rad vor dem Bahnhofsgebäude an der Station abgeben wollte. Mist: alle Säulen besetzt!
  • Nicht schlimm, denke ich, ich weiß ja inzwischen, an der Place de Paris ist noch eine Station. Radel hin: auch alles voll!
  • Jetzt wird es aber schon bitter, vom Rosengarten, also Nähe Arbeitsministerium / ARBED Gebäude (Arcelormittal) zum Bahnhof zu Fuß, es sind nur noch 5 Minuten, das wird aber knapp! Ankunft: auch alles voll!

Nun finde ich es schon nicht mehr lustig! Ich weiß jetzt bereits, dass ich, trotz großzügiger Zeitplanung, den Zug nicht mehr erwischen kann und wohl eine Stunde, nachts im Bahnhofsviertel rumlungern muss. Das ist ärgerlich genug, aber so langsam drängt die Frage: wie werde ich das dämliche Leihrad wieder los? die halbe Stunde, die ich es gratis benutzen kann ist ja auch bald rum. Aber wo soll ich hinfahren? Also rief ich mal die gratis “Hotline” an, deren Nummer 800 611 00 auf der Karte angegeben ist, nur um zu erfahren, dass die um 18:00 Dienstschluss machen. Toll! Also weiter zum nächsten:

  • Noch mal Place de Paris, vielleicht ist ja inzwischen einer weggefahren? Fehlanzeige
  • Dito, Bahnhofsvorplatz
  • Centre Mercier (Post), kein Platz frei, weiter
  • zum Strasburger Platz.

Hier endlich war eine Säule frei, eine einzige! Die hab ich mal gleich blockiert und geflucht! Dann ging ich zum Bahnhof, ließ mich von einem Penner anpöbeln den ich aber gekonnt ignorieren konnte und stand dann um 21:05 vor der Anzeigetafel. Also gut 25 später als ich eigentlich dort sein sollte, der Zug natürlich längst weg. Ich hatte noch Glück im Unglück dass der Sommer- anders als der Winterfahrplan noch einen Zug um 21:15 nach Trier kennt. Sonst hätte ich noch bis 21:53 im Bahnhofsviertel bleiben dürfen.

Die Rückfrage

Am Mittwoch morgen rief ich, enttäuscht von der Dürftigkeit der FAQ auf der Homepage dann die Hotline 800 611 00 erneut an, um zu klären,

  • wie das passieren konnte,
  • was ich in Zukunft in einer solchen Situation machen könnte,
  • und um ggf. Verbesserungsvorschläge unterbreiten zu können.

Um es vorweg zu nehmen, es endete recht bald in dem Satz “mais qu’est ce que vous voulez en fait?” ? Aber hier mal, nach Gedächtnis und ins deutsche gesetzt einige meiner Fragen und Antworten die ich bekam.

  1. was ich denn hätte machen sollen? Ja zur nächsten Station fahren!
  2. Ja, und wie erfahre ich, wo eine Säule frei ist? Ja gar nicht! Ich sollte mir das so vorstellen, das ist wie in einem Parkhaus, da kann man mir auch nicht angeben, wo der freie Platz ist, den ich nehmen kann. Die Metapher konnte ich nicht gelten lassen, im Parkhaus muss ich ein zwei Etage weiter aber nicht mehrere hundert Meter, und ausserdem bin ich da motorisiert und muss nicht strampeln! Um das Parkhausbild beibehalten zu können müsste man eher sagen, “Das ist wie wenn Sie am Parkhaus ankommen, und man ihnen zumutet zum nächsten Parkhaus und ja unter Umständen sogar wieder bis zu ihrem Ausgangsort zurückzufahren“. Dann brauche ich die Fahrt eigentlich gar nicht erst anzutreten!
  3. Wieso waren Sie eigentlich gestern nicht erreichbar um mir zu sagen, was ich tun soll? Wir können keinen 24/24 Stundendienst bieten, das wird viel zu teuer (für das was das System letztlich ist?).
  4. Ob denn die Einsatzpläne nicht vor sähen, die Fahrräder regelmäßig umzuverteilen? Ja doch, aber doch nicht mehr nach 18:00, da haben die doch auch Feierabend.
  5. Ja wieso sehen diese Pläne dann nicht vor, um 18:00 sagen wir die Hälfte der Fahrräder aus dem Verkehr zu ziehen?(was sie außerdem dem Zugriff der Vandalen entziehen würde) Ja das dürfen Sie mich nicht fragen, ich sitze hier in Brüssel, und …
  6. Ja, können sie mich denn mit dem Verantwortlichen der mir sowas sagen könnte verbinden, oder mir seine Telefonnummer geben? Nein, das muss über uns gehen, wir geben das dann weiter…. An der Stelle fühlte ich an eine andere Hotline erinnert).
  7. Ja gut, und wie erfahre ich, was dabei rauskam? Ja sie müssen uns eine Mail schreiben (an contact.veloh@gcdecaux.be) und sie bekommen dann eine Antwort. Haha.

So, ich vermute jetzt mal, ich bekam am Bahnhof keinen Platz mehr, weil bei dem schönen Wetter viele Pendler statt mit dem Bus mit dem Rad zu ihrer Zugverbindung nach Hause fahren (eigentlich ja sinnvoll und gewünscht), dort aber von den Umverteilern niemand mehr da ist, der die Plätze leer räumt. Ich unterstelle weiter, dass das von den Verantwortlichen sogar gewünscht ist, weil dann am nächsten Morgen dieselben Pendler, die aus dem Zug steigen und zum Büro radeln wollen, auch Räder vorfinden ohne dass der Umverteiler sie hinbringen muss.

Weitere Unannehmbarkeiten

Nachdem ich am Donnerstag Veloh bei der Verbesserung ihres Systems geholfen hatte, in dem ich dem Leser eine brauchbarere, weniger spartanische Gebrauchsanweisung für den Vorgang des Ausleihens zur Verfügung gestellt habe, wollte ich diese überprüfen und mir fiel eine weitere Unannehmbarkeit auf:

Ich lieh mir an der Route d’Arlon ein Rad aus. Was man vorher nicht sehen konnte, das Hinterrad eierte, was ich bald als unangenehm empfand. Also wollte ich an der nächsten Station “Gaston Diderich” das Rad zurückgeben, und mir dafür ein weniger kaputtes ausleihen. Erstaunt stellte ich fest, dass die Konsole mir nur anbot, mir eine Rückgabequittung drucken zu lassen, die Option “retirer un vélo” aber rot unterlegt war, und folgerichtig auch nicht angewählt werden konnte, obwohl noch etwa 6 Räder verfügbar waren. Technische Panne, oder von Veloh bewusst nicht gewollt? Gaston Diederich ist für mich “mitten in der Pampa”, wie komme ich (oder gar ein Tourist) von da zum Bahnhof? Ich musste zehn Minuten warten, bis das System mich offenbar wieder freigab und das Wiederausleihen zuließ ???!

Fazit

das System Veloh ist interessant, hat ein paar kräftige Haken, die weniger duldsame als mich schon GANZ vom Radfahren abhalten. Es bestehen demnach noch gewaltige Optimierungsreserven! Hier meine Vorschläge

  • Entweder, ein 24/24 Stunden Fahrradräumdienst muss her
  • Und/Oder man muss an der Station erfahren können, an welcher Station die nächsten FREIEN Säulen sind
  • Die Hotline, am besten einstampfen, wenn sie einem eh nichts sagen kann, da ist schon viel Geld gewonnen

Da ich annehme, dass es keinen Sinn macht sich an JC Decaux zu wenden, die eine so miserable Homepage und ein nutzloses Callcenter in Brüssel (???!!!) unterhalten, würde mal sagen, Herr Verkehrsschöffe Bausch, bitte übernehmen SIE! Bislang sind Sie schließlich der Mann, der am meisten für die Radfahrer in der Stadt Luxemburg gemacht hat, Ihnen vertraue ich!

Rufen Sie doch mal bei ihren Geschäftspartnern an ;-)

FAQ Veloh

ein ausgewogenes Verhältnis

A propos, Hotlines, kennen Sie das folgende auch?
Weil Sie ohnehin wissen, dass die von der Hotline Ihre Probleme nicht lösen können, suchen Sie hoffnungsfroh die FAQ des Dienstanbieters an, gehört es doch schließlich zum guten Ton dass echt jeder Micky Maus Verein eine Seite mit angeblich oft gestellten Fragen bereit hält. Und dann stellen Sie fest, dass Ihre Frage dort überhaupt nicht behandelt wird, offenbar sind Sie der einzige Mensch auf der Welt der jemals vor einem solchen Problem stand. Stattdessen stellt dort der Dienstleister sich selber Fragen, die Ihnen niemals im Leben in den Sinn kommen würden und beantwortet sich selber dann diese Frage.

So auch veloh.lu, die lassen dort einen, ich hoffe mal stark, fiktiven Dumm-User allen Ernstes die Frage stellen, ob er die allgemeinen Geschäftsbedingungen wirklich akzeptieren muss, um die Dienste in Anspruch nehmen zu können?!

Die Antwort auf eine Frage, wie sie sich mir am Dienstag stellte: “Was mache ich mit dem SCHEISS-Fahrrad, wenn schon an der dritten Station in Folge alle Säulen voll besetzt, aber mein Zug in fünf Minuten abfährt?“, steht dort natürlich nicht. Auch nicht, ob ich denn dafür bezahlen muss, dass ich unfreiwillig länger als 30 Minuten das Rad hatte? Gut ich kann mir denken dass die Antwort “JA!” sein würde.

Auch finde ich auch die Gebrauchsanweisung, “(Comment) retirer un vélo?” etwas dürftig, aber wiesel ist niemand der einfach nur meckert, wiesel hilft! Hier mein Vorschlag:

Wie leihe ich mir ein Veloh-Fahrrad aus?

Im folgenden gehe ich einfach mal davon aus, dass Sie bereits Abonnent sind. Wenn Sie dagegen nur ein Kurzabo (einmalige Benutzung) verwenden, ist es etwas komplizierter. Lesen Sie hier wie Sie sich abonnieren können (wenn des französischen mächtig sind)

  1. Als erstes suchen Sie sich am besten ganz in Ruhe ein Fahrrad aus. Achten Sie darauf, dass es möglichst wenig beschädigt ist, denn die Bestimmungen des Code de la Route welche verlangen dass das Fahrzeug in Ordnung zu sein hat bevor man damit losfährt gelten auch für geliehene Räder! Wenn genügend zur Auswahl stehen, setzen Sie sich vielleicht mal drauf und wählen eins, wo die korrekte Höhe des Sattels bereits eingestellt ist. Merken Sie sich dann die Nummer des Rades
  2. Gehen Sie nun zum Säule, und halten Ihre Veloh-Karte vor den Scanner

    Karte vor den Scanner halten

  3. Die Karte muss nun überprüft werden, und das Gerät wird von Ihnen verlangen dass Sie Ihren vierstellige PIN eingeben. An dieser Stelle haben Erstbenutzer oft Schwierigkeiten, weil sie erwarten, dass wie beim Bankomat auf dem Bildschirm für jede gedrückte Taste auch ein * erscheint. Die Sterne leuchten auch auf, aber nicht auf dem Bildschirm sondern auf dem Display das zur Tastatur gehört. Das verwirrt!! Nach den vier Ziffern, das grüne V drücken

    Tastatur und Display

  4. Wenn das Gerät gerade eine Verbindung hinkriegt (kommt schon mal vor, dass es abbricht), wird es Sie auf dem Bildschirm mit ihrem Namen ansprechen und fragen, was Sie denn schon wieder wollen:
    1. Retirer un vélo (Ein Fahrrad ausleihen, ja, das ist es!
    2. consulter votre compte ; Ihr Konto abfragen, das machen Sie besser übers Internet nachher in ihrem Wohnzimmer.
    3. consulter les consignes de sécurité (Die Sicherheitsbestimmungen nachlesen), das machen allenfalls übervorsichtige Mütter und klagewütige Juristen

    Klar: 1 ist die Option unserer Wahl, das geben wir auf dem Display ein und drücken das grüne V, für Valider. Achtung: wenn Sie Ihre Karte zum ersten Mal benutzen, werden Sie aufgefordert werden, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Kenntnis zu nehmen, und V zu drücken.

  5. Dann gibt es noch ein Hinweis zu lesen, wie genau das Rad jetzt rauszuziehen ist, etc. Die meisten Radfahrer werden nicht den Nerv haben, alles durchzulesen und es deshalb direkt richtig machen. Wichtig ist abermit “V” zu quittieren, sonst kommen wir nicht zum nächsten Punkt!

    Hinweis ist mit V zu quittieren

  6. Jetzt will das Gerät eigentlich nur noch wissen, welches Rad Sie benutzen wollen und bietet Ihnen eine graphische Darstellung der verfügbaren Räder. Tippen Sie jetzt die vorhin gemerkte Nummer ein, und drücken “V”. Auch hier gilt: die Eingabe erscheint nicht, wie erwartet auf dem Bildschirm, sondern nur auf dem Display!!
  7. Das war es nun, was Sie am Gerät machen müssen! Eilen Sie nun zum ausgewählten Rad, fassen es vorsichtig an
  8. und drücken dort auf den Kopf an der Fahrradsäule,

    Vor dem Losfahren, auf den Knopf drücken

  9. und ziehen gleichzeitig das Rad, ebenso vorsichtig nach hinten. An dieser Stelle reissen Anfänger oft zu heftig, oder schieben das Rad unabsichtlich nach vorne, und die Anlage fehlinterpretiert dies als eine (vorzeitige) Rückgabe.

Die Rückgabe

Die Rückgabe gestaltet sich dagegen sehr viel einfacher, falls, und ich betone ausdrücklich falls sie eine freie Säule finden! In dem Fall, schieben Sie den am Rad befestigten Bügel, einfach nur in die Halterung bis es >>klick<< macht. Fertig!

Die Rückgabe


So! Jetzt weisst de Bescheid! Drucks dir aus, zieh los, leih dir ein Rad und fahr vorsichtig!

Generalversammlung der ALI

Am Dienstag nahm ich an der Generalversamlung des Luxemburger Ingenieurvereins ALI teil. Besagte Veranstaltung stieg um 18:30 im Lycée Technique de Bonnevoie. Weil ich ein wenig zu spät ankam (ich kann das Vorankommen der Stadtbusse immer noch so schlecht einschätzen) fand ich im Eingangsbereich der Schule niemanden vor, den ich hätte fragen können, wo genau in dem riesigen Gebäude die Versammlung denn nun abgehalten wird, denn Wegweiser suchte ich vergebens. So lief ich dann erst mal einem schlanken hochgewachsenem Mann hinterher, den ich im Verdacht hatte Jungingenieur auf dem Weg zur Versammlung zu sein, er erwies sich dann aber doch als Sportlehrer. Anschließend ließ ich mich auf einer Bank nieder und fing den jetzt doch vorbeikommenden Pförtner ab, der mir dann anvertraute dass das Restaurant der Ort meiner Sehnsucht dieses Abends wäre.
Ich ging also hin und kam gerade noch rechtzeitig den Schluss vom Vortrag von Danielle Mousel über die Aktivitäten der ANEIL mitzubekommen. Da ich annehme, dass es derselbe war den sie und ihr Kollege Michel Hansen (ich kann meinen Lesern stolz versichern dass beide Studentenfunktionäre Aachener sind :-) ) am letzten Donnerstag (15.4) den Besuchern der Generalversammlung der ALIAI hielten, war dies weniger tragisch als dass ich den Aktivitätsbericht der Sekretärin der ALI, Janine Bisdorff nicht mitgekam. Dies ist umso bedauernswerter, als der Verlauf des Abends zeigen sollte, dass es zumindest vorläufig ihr letzter war.

Es folgte der Bericht des Kassierers Dany Winbomont, natürlich war er langweilig wie Kassenberichte nun mal sind. Es gab eine Rückfrage aus dem Publikum, ob man die Spenden an die ANEIL nicht erhöhen könnte, oder sollte, dies wurde aber zurückgewiesen mit dem Hinweis, dass deren eigene Kassenlage hinreichend ausgewogen wäre.

Nach der Entlastung durch Akklamation, und der Vorstellung des Haushaltsentwurfes für 2010 wurde dann beschlossen, dass die Höhe des Jahresbeitrages von 50 Euro beibehalten würde, da auch der Dachverband ALIAI keine Beitragserhöhung empfohlen hätte. An dieser Stelle, wurde vereinzelt bereits darauf hingewiesen, dass die ALI nicht Miteigentümerin des neuen Hauses wäre, obwohl sie auch im letzten Jahr wie eben gesehen 2/3 ihres Budgets an den Dachverband überweisen würde. Dies im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der ALIAI, der Architektenverband und die Tema, welche nicht nur Mitglieder der ALIAI wären, sondern auch Mitbesitzer der Immobilie.

Dann kam endlich der spannende Teil des Abends, weswegen die meisten sich ja auch hin bequemt hatten: die Teilerneuerung des Vorstandes. Die Mandate der folgenden Mitglieder waren ausgelaufen:

  • Georges Beck
  • Janine Bisdorf (Sekretärin)
  • Pierre Dornseiffer
  • F. Hengen
  • Fränz Jaeger (Präsident)
  • und A. Zenner

Derweil Georges Beck und Janine Bisdorf nicht erneut kandidierten, also aus dem Vorstand ausschieden traten die anderen noch einmal an, zudem stellten sich die beiden neuen Kandidaten auf:

  1. Yves Elsen und
  2. Pierre Mangers

Beide waren zu früheren Zeitpunkten bereits einmal Mitglieder des ALI Vorstandes gewesen, und ihre Namen findet man auch in den Vorstandlisten der ANEIL an prominenter Stelle.

Alle Vorschläge wurden, erneut par acclamation angenommen, es wurden noch die drei Kassenprüfer gedrängt auch im kommendem Jahr zu wirken und dann wurde der neue Präsident gekürt: Yves Elsen, der nun seine schwungvolle Antrittsrede halten konnte:

Als erstes vollzog er das Ritual der Danksagung für seinen Vorgänger Fränz Jaeger, den er seit 30 Jahren kennen würde, und setzte dessen Apotehose zum Ehrenvorsitzenden durch. Dann schilderte er seine Anliegen für das kommende Jahr:

  • Die Feierlichkeiten zum 75 jährigen Bestehen der ALI durchführen (und überstehen?)
  • Möglichkeiten erörtern, der angeblichen Knappheit an jungen Ingenieuren gegenzusteuern (arbeitslose oder in Stellung für die sie überqualifiziert sind ausharrende alte gibt es ja bekanntlich noch genug, denn die verschmäht der feinschmeckerische Arbeitsmarkt ja nicht nur in Krisen-, sondern zu allen Zeiten)
  • Ausgehend von dem (von wem eigentlich erhobenem ?) Vorwurf, vor 30 Jahren hätten die Ingenieure unser Land in die Krise von 1974 gewirtschaftet, ließ er seine Vision anklingen, dieses Mal wären es die Ingenieure welche das Land wieder aus einer herausführen könnten
  • Dann will er dem fortschreitendem Bologna Prozess stärker Rechnung tragen, welcher ja das Diplom als Abschlusszeugnis für das Ingenieurstudium abschafft, und den Studienerfolg nun mit den Titeln Bachelor(entspricht wohl: abgelegtes Vordiplom) und Master (Diplom) sanktioniert, indem der Verein sich die Möglichkeit zur Aufnahme von Bacheloren(Junggesellen) schaffen soll. Möglicherweise, müsste der Verein sich dazu in zwei Sektionen aufteilen (und die Verwirrung unter den Ingenieuren, über die Vielzahl an Vereinen noch vergrössern?) Vielleicht eine Reaktion darauf, dass die Tema auch Master aufnimmt und beide Vereine sich nicht mehr als komplementär, sondern als Konkurrenten betrachten?
  • Und der schon länger angedachte Plan, doch noch Mitbesitzer des Foyer Technique zu werden, müsste durchgezogen werden, wo doch so viele Mitglieder des Vereins im Vorstand der Fondation ALIAI sitzen.
  • Er überlegt weiter zur Mitgliederwerbung, die Patenschaften wieder einzuführen und gab allgemein seiner Hoffnung Ausdruck, künftig wieder mehr Mitglieder zählen zu können.
  • Seine Abschlussworte richtete er, eine gewesenen Präsidenten der ANEIL würdig an die Studenten, tröstete sie wegen zur Zeit (schon wieder mal *grummel*) schwierigen Berufsaussichten und bat sie, bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers auch die zahlreichen, guten Luxemburger Betriebe im Land zu berücksichtigen. Als ob die Berufsanfänger und nicht die Manager der Betriebe das entscheiden würden?!

Beim Schreiben bemerke ich, dass meine Wiedergabe der Rede viel kritischer ist, als ich sie empfunden habe, als Yves Elsen sie hielt! Als Zuhörer, der freilich sich seine Notizen nahm, empfand ich sie wohltuend optimistisch, fast schon von der Qualität eines Churchill, jedenfalls eine der besten Reden die ich in den letzten fünf Jahren gehört habe.

Anschließend hielt Freund Cos (Constant Colling) noch einen Rückblick auf die Karrieren von Yves und Fränz als Funktionäre, unterstützt von vielen aussagekräftigen Fotos aus den letzten 30 Jahren. Fränz und Janine erhielten ihre Abschiedsgeschenke und dann konnte endlich die Stehparty beginnen, wo man sich endlich unterhalten konnte. Ich freute mich besonders, mal wieder mit Pierre Mangers plaudern zu können, den ich von der ANEIL und REEL in Strasbourg 1993 in besonders guter Erinnerung habe. Er war von Yves Elsen gebeten worden, auch zu kandidieren um diesen unterstützen zu können, was mein optimistisches Gefühl von dem Abend verstärkte.

Der Aachener Geschichtsverein im SS 2010

Vermutlich werde ich auch diesmal an keiner dieser Veranstaltungen teilnehmen können. Schade, klingen alle gut:

  • 21. u. 24.April

    Das antike Tongern

    (Andreas Schaub M. A., Aachen)

  • 05. u. 08. Mai

    Kirchen, Klöster, Kohlen.

    Aus der Stadtgeschichte von Herzogenrath und Übach-Palenberg (Dr. Frank Pohle, Aachen)

  • 16. u. 19. Juni

    Spaziergang zu den Quellen von Pau und Wurm

    (Prof. Dr. Dietrich Lohrmann, Aachen)

  • 30. Juni u. 3. Juli

    Kerniel und Zoutleeuw.

    Kunst und Geschichte im Grenzgebiet von Lüttich und Brabant
    (Georg Tilger, Aachen)

  • 28. u. 31. Juli

    Relikte der Vergangenheit in Bonn.

    Von der Residenz zum Regierungsviertel. Ein Spaziergang durch die Südstadt. (Dr. Holger Dux, Aachen)

  • 25. – 26.September

    Löwen – eine Stadt im hellen Licht von Wissenschaft und Kunst

    (Dr. Mechthild Isenmann, Brühl)

Änderungen vorbehalten

Lästiger Fehler gefunden: current_user_can() wars

Mein Plugin “wsl-gallery” löste in letzter Zeit folgendes Fehlverhalten aus: wenn man

  • Nicht eingeloggt war (bin ich dauernd, drum fiels mir wohl erst später auf *g*)
  • Sich die Bilder in der view “synoptic” betrachtete

wurden einem ALLE Kommentare, die es auf der ganzen Website gibt angezeigt, auch die, die nicht zum Posting passten. Das konnte ich nur dadurch abwenden, dass ich in den Templates <?php comments_template(); ?> auskommentierte. Nachteil: es konnte auch niemand mehr einen Kommentar auf wiesel.lu abgeben.

Jetzt hab ich den Fehler gefunden. Mir war aufgefallen, dass irgendwie beim Aufruf meiner Funktion die Information, um welche Seite es sich handelt (vermutlich ist sie in der globalen Variablen $id gespeichert) verloren geht. Auch WordPress Funktionen wie edit_post_link(‘(edit)’,”,’ ‘) funktionierten nicht mehr richtig. Die Funktion comments_template(); wusste also nicht mehr, zu welchem Post sie die Kommentare rausrücken soll und dachte sich wohl: spuck ich sie eben alle aus.

Nun hab ich, wie gesagt den Fehler gefunden, aber er liegt leider nicht bei mir, so dass ich ihn nur so beheben kann, dass ich auf eine bestimmte Funktionalität verzichte (ein Link zum Editieren der Bildinformation, wenn man eingeloggt ist):

Ich überprüfte in meinem Script mit der Funktion current_user_can() ob ich eingeloggt bin, und diese eigentlich sehr praktische Funktion current_user_can() vernichtet wohl die ID irgendwo.

Bianca, der neue Hausserver

Letztes Jahr habe ich mir einen neuen Hausserver zugelegt, ich nenne ihn bianca wegen der weißen Farbe seines Gehäuses. Gekauft habe ich das Teil namens

Synology Disk Station DS209 Profi NAS Server – Workgroups

via Amazon bei Jacobs Electronik in Karlsruhe. Die NAS Disk Station hat, wie der Name bereits andeutet keine Festplatten eingebaut, also musste ich mich noch eine kaufen, und zwar eine

Western Digital WD10EADS Caviar Green 1TB interne Festplatte (3,5 Zoll, 7200RPM, 32MB Cache, S-ATA)


Die Synology Disk Station DS209 bietet auch einen Webserver samt PHP und MySQL an, so dass ich am 10. Januar dieses Jahres eine WordPress Instanz noch zufügen konnte. Bianca dient seither als Haustagebuch, nein eher als Testgerät, denn zum regelmässigem Tagebuchführen bin ich zu faul. z.Z. lauft auf bianca z.B. bereits WordPress 3.0 beta.

Dadurch ergeben sich jetzt zwei Dienstzugangspunkte für den Webbrowser der auf bianca zugreifen will:

  1. http://bianca:5000/ öffnet die Oberfläche zur Verwaltung der Synologie Disk Station, derweil
  2. ein einfacher Aufruf von http://bianca einfach das Tagebuch anzeigt.

Es ist klar, dass der Leser nicht zu versuchen braucht auf diese Links zu klicken, er kann gar nicht auf meinen NAS zugreifen, der liegt in einem für ihn nicht erreichbaren Netzwerk bei mir zuhause.
Notwendig und zum Glück auch hilfreich war allerdings die Konsultation des Synologie Wikis.

nach dem Update auf WordPress 2.9.1.

Die Tage kam jetzt das Upgrade von WordPress auf 2.9.

Wie üblich habe ich auch dieses Verbesserung eher passiv hingenommen, aber meine Programme nicht erweitert. Bei den Bildern ist ein Feld “Alternate text” hinzugekommen, vielleicht lässt sich das irgendwie nutzen…
Was mir aber auffiel, es gab jede Menge ganz komischer Effekte:

  • auf aachen.lu liess sich das menu “plugins” im Administration Panel nicht mehr aufruffen; mod_security schlug Alarm, wenn man dies beabsichtigte.
  • Bei mir konnten von Beiträgen die sich über mehrere Seiten spannen (Text durch <!–nextpage–> getrennt) aufgerufen werden, weil die URL irgendwie falsch gebildet wird)
  • zudem interferierte diese Version irgendwie ganz komisch mit meinem Programm itm_theme. ES tauchten ALLE Kommentare die es irgendwo gab, dann auf bestimmten Seiten auf. Abhängig war dies, jedoch vom Theme. Schaltete ich das Plugin aus, war alles wieder gut.

Mit 2.9.1 sind diese Probleme behoben. Das ist jetzt schon das zweite Mal dass mir das passiert. Ich hege den Verdacht, dass WordPress die Gemeinschaft irgendwie als unfreiwillige Beta-Tester benutzt ;-) Ich überlege stark, bei meinen Vereinsauftritten künftig erst ein update auf die Version x.y.1 durchzuführen, und die glatte Version (3.0 z.B.) auszulassen….

A propos Comments, hier noch ein netter Tip auf den ich die Tage aufmerksam wurde:
Hör auf dich selbst zu pingen

[Edit 11.1.2010: ] Leider ist das Problem mit den an der falschen Stelle auftauchenden Kommentaren, beim Benutzen meines hausinternen Plugins wsl-gallery noch nicht gelöst. Diese Kommentare werden von der WordPress Template Funktion comments_template() ausgespuckt. Vermutlich vergreife ich mich an irgendwelchen globalen Einstellungen. Provisorisch wurde daher die Möglichkeit, auf Pages einen Kommentar abzugeben abgeschaltet, bis ich das Problem gelöst habe.

Nochmal Pont Blanc

Erneut, Hut ab vor dem Culturverein. Mein Augenzeugenbericht ist nicht der einzige: Auch Luxemburgs größte Zeitung hat, nicht nur die Vorankündigung veröffentlicht, es gibt jetzt auch einen Bericht zum grenzenlos weißen Fest vom Luxemburger Wort!

Das Wort folgt dabei mehr oder weniger den Angaben des Vorsitzenden Herrn Michael Reichling, was nicht wirklich wundert. Journalisten machen sich bei Lokalereignissen nur selten die Mühe mehr als nötig selber zu schreiben. Demnach

  • War das Ziel gewesen, Leute kennen zu lernen,
  • waren 140 Personen der Einladung gefolgt,1, die, in der Regel besser recherchierte Druckfassung spricht dagegen von 120 Personen – differenziert aber auch nicht, zwischen Leuten die an den Tischen sassen und Schaulustigen, wie mir :-)
  • und im Mittelpunkt wäre “die Grenzenlosigkeit” gestanden, denn Zitat:

Bei unserer Aktion ging es darum, neue Leute kennen zu lernen. Zudem wollten wir aufzeigen, dass es keine Grenzen gibt.2 Der Ort Langsur zum Beispiel liegt genau an der Grenze zu Luxemburg und doch ist es hier grenzenlos, denn wir sind mit Straßen und Brücken miteinander verbunden.“, erläuterte Reichling den Hintergrund der Aktion. Die Sauerbrücke, die zur Hälfte zu Luxemburg und zur Hälfte zu Deutschland gehört, sei folglich auch ein geeigneter Veranstaltungsort für das Fest gewesen.”

Hmm. Wo genau, ist eigentlich “genau die Grenze“, die es wiederum gar nicht gibt? Soviel ich weiss,

  • gehört die Brücke zur Gänze der Gemeinde Langsur (quasi Privatbesitz)
  • und ist die von ihr überspannte Sauer, wie alle Grenzflüsse Luxemburgs, ein sogenanntes Kondominium , gehört also beiden Staaten nicht zur Hälfte, sondern ganz, als gemeinsamer Besitz.

Aber wer wird bei dem gelungenen Fest und dem (im Augenblick: noch) schönen Wetter Haare spalten wollen! Seien wir lieber froh, dass es nicht zu so gedankenlosen Aktionen gekommen ist, wie sie Florian1990 auf Lokalo.de angekündigt hatte!

Florian1990, 22.08.2009, 23:02 Uhr

Ich würde sagen wir Sprengen die Aktion! In Pf Group öffnen und möglichst viele Leute Organisieren die in Schwarz kommen mit Bierbänken:-D

  1. wen sie davon bereits vorher kannten, und wen sie dadurch neu kennen gelernt haben, verrät der Bericht leider nicht []
  2. Gemeint sind sicher, die leicht sichtbaren Grenzen []

Pont Blanc in Langsur

Eins muss man ihnen lassen, den Jungs und Mädels vom Langsurer Culturverein Longasura: vom Werben verstehen sie was! Sogar das Luxemburger Wort hatte ihre Veranstaltung angekündigt, gestern vor Ort war angeblich Antenne West (gesehen habe ich es nicht) und ihr Plakat hing in der Grenzregion an allen möglichen und unmöglichen Orten aus. Zur Werbestrategie gehörte wohl auch, dass der Culturverein, der sich bitte schön mit “C” schreibt (warum eigentlich?) seit Monaten schon einen gewissen Zauber aufführte, aber nur nach und nach damit rausrückte, um was es gehen soll. Aber der Reihe nach:

Werbung


Longasura ist der alte lateinische Name Langsurs, der anscheinend 978 erstmals urkundlich erwähnt wird, als der Trierer Erzbischof Egbert das Dorf verschenkte. Man würde annehmen dass, ein Verein, der diesen Namen trägt und zudem das Wort “Kultur” in demselben führt, vielleicht Ausgrabungen oder zumindest Vorträge zu dieser interessanten Geschichte organisiert. Zumindest was ihr Internetauftritt zu dem Thema hergibt ist mehr als dürftig: Auch die Culturvereinsmeier schreiben nur ein wenig ab, vielleicht von der kläglichen offiziellen Webseite der Gemeinde Langsur. Stattdessen haben sie folgende Vorhaben als culturelle Anliegen, Zitat von “Wir über uns” :

  • Initiativen zur Dorfverschönerung
  • Aktionen zu Denkmalschutz und Denkmalpflege
  • Ausstellungen
  • Dorfgemeinschaftsveranstaltungen
  • sportliche Veranstaltungen, wie z.B Boule-Spiele
  • Veranstaltungen zur gesundheitlichen Aufklärung
  • Aktionen zur Erhaltung der körperlichen Fitness
  • Maßnahmen der Jugend- und Altenhilfe

und begründet seinen Einsatz als:

Der als gemeinnützig anerkannte CulturVerein LongaSura e.V. will sich durch einen bildenden Kunst- und Kulturbetrieb den Ideen der Entschleunigung, des Stressabbaus und einer friedlichen und gesunden Lebensart verschreiben.

Sie sehen sich also offenbar von “Hektik und sinnlose(r) Hast in alle(n) Lebensbereiche(n)” bedroht. Aber hehre Ziele haben sie ja, alle Achtung! Ein etwas differenzierteres Bild offenbart ein Blick auf die bislang tatsächlich durchgeführten Aktionen, zumindest über die der Verein online berichtet:

Hier lesen wir dann doch etwas mehr über Bespassungsaktionen für den eigenen Nachwuchs, und weniger über kulturbeflissene Vorträge (Sorry, aber Metty Krings lass ich nicht gelten!) oder über Hilfe für die Alten. Dies erkärt sich wohl so: den meisten Anhang hat der Verein unter den Bürgern der Neubausiedlung “am Brüderberg“, von denen aus dem historischen Ortskern Lhasas1 etwas respektlos “Champagnerhügel” genannt.

Das Dîner en Blanc in der preussischen Provinz

In die Kategorie “z.B. Boulespielen” fällt wohl auch ihre neueste Aktion, das “Pont Blanc“, denn auch dieses möchte sich in einer angeblichen französischen Tradition wissen…
Ich gebe zu, ich habe von der Pariser Tradition des “Dîner en Blanc2 noch nie etwas gehört, aber anscheinend gibt es Leute, die auf sowas abfahren. Nun hat Langsur natürlich keine Place de la Concorde, dafür aber eine einmalige Brücke.


Die “Wirtschaftsbrücke” genannte Überquerung der Sauer in Langsur, ist eine der ganz wenigen grenzüberspannenden Brücken in Europa in Gemeindebesitz. Als der Wiener Kongress 1815 die Ortschaft Langsur aus dem alten Herzogtum Luxemburg ausgliederte und dem Königreich Preussen zuschlug, und wenig später (1816) der Aachener Grenzvertrag die Sauer als Grenze zwischen den beiden Staaten festlegte, fand sich ein erheblicher Teil des Gemeindeeigentums auf Luxemburger Territorium wieder, und die Gemeinde erhielt die Sondergenehmigung, zur Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften auf dem anderen Ufer eine eigene Brücke zu betreiben. Wohl nur so war es auch möglich, dass eine Gemeinde eine Grenzbrücke für eine private Veranstaltung von Privatleuten sperren konnte.

Den Auftakt zum Pont-Blanc bildete die Anbringung eines entsprechenden Schildchens im Juni, und am Luxemburger Nationalfeiertag, dem 23. Juni führten die culturbeflissenen “Luxemburg-Pendler” eine aufsehen erregende Putzaktion zur Vorbereitung des Pont-Blanc durch, und zwar, wie eine frühere Fassung dieses Berichtes stolz versicherte: Ganz stilecht, allles in Weiß! Klar! Wer derart mitten in der Woche eine Gemeindebrücke putzt möchte die Freiwilligkeit dieser guten Tat herausstreichen und nicht mit einem Ein-Eurojobber verwechselt werden!

Wir wollen aber nicht jeden!

Longasura lud ein und gab dabei den Dress-Code vor, Zitat:

am 30. August 2009 von 12.00 bis 14.00 Uhr,Ihre mitgebrachten Speisen und Getränke auf der Sauerbrücke zwischen Langsur (Deutschland) und Wasserbillig (Luxemburg) stilvoll an einer langen weißen Tafel, von Hut bis Schuh in Weiß gekleidet, zu genießen.

Mein Nachbar fragte denn auch die Tage, etwas spöttisch ob er auch in seinem Maleranzug vorbeikommen könne. Das war ganz sicher nicht erwünscht, denn die Webseite erläuterte in der früheren, strengeren Fassung noch ausdrücklich zu den Tischen, die man ursprünglich selber mitzubringen hätte, “Biertische passen nicht in den stilvollen Rahmen”. Dabei würde man unter der weißen Tischdecke dem Untersatz seine proletarische Herkunft aus dem Milieu der Dorfkneipen doch nicht ansehen! Longasura schrieb auch vor, was zu essen sei:

Geniessen Sie dann ausgiebig Ihren mitgebrachten Wein und Ihre moselfränkischen Spezialitäten und erleben Sie einen wunderschönen Tag!

und auch WIE:

Danach kosten Sie Ihren mitgebrachten Degistiv (-sic-), verpacken schliesslich Ihre Utensilien in Ihren Picknickkorb, nehmen Ihren Tisch und Ihre Stühle und verabschieden Sie sich von unserem kleinen friedlichen grenzenlosen Fest.

Das schloss mich schon aus, denn erstens weiss ich nicht mehr, wie man Bouneschlupp kocht, und wie ich sie in einem Picknickkorb unterbringen soll auch nicht. Und kalt schmeckt sie doch ohnehin nicht.

Gestern

War es dann soweit! Ein weißes T-Shirt war kein Problem, eine weiße Hose fand sich auch in meiner Kleiderkammer, nur die Schuhe, nun ja. Ich beschloss die Strümpfe wegzulassen und meine weißen Barfüße zu präsentieren.

Ich näherte mich der Veranstaltung von der Sauerstrasse und stellte befriedigt fest: Ein Drittel der Brücke war besetzt! Das gute Wetter trug wohl seinen Teil zum Gelingen bei, nicht schlecht! Am Brückenkopf angekommen, stach die Segregation zwischen Alt- und Neuviertler dann aber doch sofort ins Auge. Unsere Nachbarn aus dem Altdorf grüssten uns, und luden uns ein, uns zu ihnen unter das aufgestellte Zeltdach zu gesellen.


Nächstens Jahr machen wir auch mit

verkündete uns der alte Winzer fröhlich, aber dieses Jahr, nun ja.
Die Werbebotschaft war so angekommen, wie sie wohl auch gemeint war. Die jungen Leute vom Berg an den Tischen, die betagten Leute aus dem alten Lhasa, alle unter dem Baldachin.

Und doch gab es versöhnliches: Ein Mann mit Bart und Hut erhob sich von seinem weissen Tisch, und offerierete den Alteinwohnern “Patée” und kalte Mettwürste. Mussten die das mit der moselfränkischen Bauernkost denn wirklich so wörtlich nehmen? Ich war in Verlegenheit:  Patée konnte ich als Kind schon nicht riechen, geschweige denn essen. Der Höflichkeit geschuldet nahm ich einen Zipfel an, stellte entsetzt fest dass ich auch kalte, fettig Würste noch nie gemocht hab und kaute brav auf dem Ding rum, mit dessen Resten ich später einen Dorfhund beglücken konnte.

Wir schunkelten sogar mit den Nachbarn mit, bevor wir uns vornehm und cultiviert  entschuldigten und dem Solitär Stephane Weiler aus Wilz und seinem grenzenlosen luxemburgisch-deutschen Kulturmix aus “Kettchen, Kettchen” und “Fahr mich in die Ferne mein blonder Matrosen” wieder den Rücken zu wandten. Wir freuen uns aber schon jetzt, tierisch auf

Ponto Blanco 2010.

Grenzenlos weisse Katzen


Nachtrag 13.9.2009

Diese beiden Katzen wohnen übrigens direkt am “Pont Blanc” und sind jeden Tag grenzenlos weiß. Sie liegen dort immer, stets zu hundert Prozent entschleunigt in der Sonne. Am 30. August aber haben sie sich nicht sehen lassen, das Ganze war ihnen wohl zu hektisch und entsprach nicht ihrem gelassenen Stil.

  1. Lasa: der Name Langsurs im örtlichen Dialekt. Klingt wie die tibetische Hauptstadt, die Schreibweise aber ist unklar. Im Protokoll zum Aachener Grenzvertrag steht sogar “Lazer” []
  2. wohl nicht zu verwechseln mit der ebenfalls sehr französischen Tradition des Diner de Cons []

Heute: Update von Openbook

Wenn man gerade vom Teufel spricht, heute kam das Update von Openbook.

Es soll mehr können, etwa unterschiedliche Bibliotheken abgrassen, aber leider funktioniert es nicht auf Anhieb:-(

rufe ich etwa

[openbook booknumber=”3-7785-2337-6″ bookversion=”2″]

auf, erscheint einfach gar nichts. Es muss vermutlich an den Parametern rumgefummelt werden.