Wappen Mousel’s Béier

Die Tage erwähnte ich, dass die Brauerei Mousel sich in der Tradition der Bierbrauer der alten Abtei Münster sieht, sie aber keineswegs das Wappen der alten Abtei, sondern das des Abtes Benoît I Hamblin zu Werbezwecken führt.

Für den interessierten Leser, der jetzt nicht aus Luxemburg ist und die lokale Biermarke nicht kennt, habe ich jetzt mal ein Foto geschossen:
well-mousels-beier

Hier zum Vergleich noch mal mein, künstlerisch bescheidenerer Versuch:

Benoît ler Hamblin

Die Heuschlings

Wappen waren nie nur auf den Adel beschränkt, auch nicht in Luxemburg. Auch hier kannte man die armories roturiers, also Wappen gewöhnlicher Bürger. Die Wappen der Heuschlings entnahm ich dem Armorial von Dr. Jean-Claude Loutsch (1974), den ich zur Überprüfung eines Abtwappens konsultiert hatte. Der Name stach mir ins Auge, weil ein Arbeitskollege so heißt.

[alphabetic|in detail|synoptic|cronologic|gallery]

L’ombre du soleil

Gestern konnte ich noch ein paar Abbildungen zur Liste der Wappen Luxemburg “Ancien Régime” nachliefern. Diese Liste fasst jene Wappen zusammen, von denen Elemente in Luxemburger Gemeindewappen sich wiederfinden.
Nachdem ich am Freitag zwei nicht so schöne Wappen berichtete, erspare ich dem Leser heute den Anblick des wirklich scheußlichen Wappens der hohen Gerichtbarkeit von Clervaux.

Ganz manierlich dagegen das Wappen der Gerichtbarkeit von Hachiville, von dem allerdings die Farben nicht überliefert sind (oder nur deswegen? So kann man sich zumindest vorstellen, sie hätten sich an die heraldischen Regeln gehalten)

Du Prel

Das Wappen der adligen Familie du Prel (ehemalige Herren von Erpeldange) finde ich wirklich gelungen. Wegen der ungewöhnlichen Linienführung “dentelé1”, welche ich für schwer zu zeichnen hielt, habe ich mich lange zurückgehalten dieses Wappen anzugehen.

Die Wappenbeschreibung:

De gueules au chevron dentelé d’argent accompagné de trois ombres de soleil à six rais d’or;

Aber im Grunde war er gezahnte Sparren recht leicht zu zeichnen. Einfach

  • einen kleinen Kreis zeichnen,
  • Die (obere) Hälfte löschen
  • und dann einen Halbkreis an den anderen gesetzt
  • und das ganze dann um ~60 Grad gedreht

und schon hatten wir die erste Linie des Sparrens. Dieselbe Linie nach unten kopiert und weil das ganze ja symetrisch zur Mittelsenkrechten ist => halbe Arbeit.

Der “Ombre de soleil” machte mir dagegen mehr Schwierigkeiten, weil ich zunächst erstmal gar nicht wusste das das sein soll? Ein “Schatten der Sonne”, welche aber goldfarben sein sollte ? Wenig hilfreich war da die Zeichnung im Armoirial Communal von 1989, hier hatte sich der Künstler (J.C. Loutsch?) einfach mit 6-strahligen Sternen beholfen. Vermutlich ein Flüchtigkeitsfehler unter dem Zeitdruck, das Buch noch 1989 rauszubringen.
Der Eintrag zu “Ombre de soleil” im Onlinelexikon von http://www.blason-armoiries.org/ half dagegen weiter:
Ombre de soleil nennt man die Sonne, wenn sie ohne Nase, Mund und Augen dargestellt wird.

  1. inzwischen wissen wir um den Schreibfehler: richtig engreslé []

Zwei eher nicht so schöne Wappen

In letzter Zeit konnte ich mich nicht mehr um meine Sammlung alter Luxemburger Wappen kümmern. Auf diesen Wappen basieren die Luxemburger Kommunalwappen. Es fehlten seit Mitte November immer noch so 12 Abbildungen (ohne die Siegel der Stadt Luxemburg, welche ich nicht zeichnen werde). Heute war ich gut drauf, denn ich kam gut mit meinen Programmierarbeiten voran und ich habe ab Mittwoch Urlaub! Also habe ich eben mal zwei gezeichnet:

Das Wappen der de Wanquant,

ist gar nicht so hässlich, aber ich störe mich ein wenig daran, dass hier Silber an Silber liegt:

de Wacquant

Ecartelé: aux I et IV d’argent plain, aux II et III d’argent au lion d’azur lampassé et couronné d’or, mouvant d’un tertre (ou mont à trois coupeaux) du même; à la fasce de gueules brochant sur l’écartelé;

Interessanterweise zeigt die Abbildung im Armorial Communal für I und IV rot, aber der Text ist das worauf es ankommt. Natürlich kann hier auch dem Setzer ein Fehler unterlaufen sein, ich werde das mal im Loutsch nachschlagen müssen.

Das Wappen der de Trappe

de Trappe


dagegen zeigt nicht nur denselben Nachteil (hier grün an grün), das ist auch noch heraldisch falsch, weil kein Metall dazwischen ist.

Ecartelé: aux I et IV de sinople à une colombe d’argent accompagnée de trois chausses-trappes d’or, aux II et III de sinople à la couronne d’or doublée de gueules mise en bande;

Nett ist daran nur, dass es ein sprechendes Wappen ist: Der Name der Familie wird wohl durch die Chausse-Trappe (eine Art militärisches Hindernis).

Das Wappen der Pfortzheim, das ich am 1. März gezeichnet habe, finde ich dagegen sehr ästhetisch.

Trouvaille: Das Wappen von Marnach

Localité de Marnach


Ein Zufallsfund, das kennt bestimmt kein Mensch mehr, vielleicht noch nicht mal jemand in Marnach (Ein Dorf in Nordluxemburg, in der Gemeinde Munshausen)! Das Internet brachte es an den Tag: Auf der Suche nach dem Arrêté ministériel welches der neuen Gemeinde Tandel ihr Wappen verlieh, fand ich auf den Seiten von Legilux den folgenden Text:

Arrêté grand-ducal du 27 novembre 1954 concédant à la localité de Marnach des armoiries qui lui sont propres.

Nous CHARLOTTE, par la grâce de Dieu,

Grande-Duchesse de Luxembourg, Duchesse de Nassau, etc., etc., etc. ;

  • Vu la délibération du Conseil communal de Munshausen en date du 20 mars 1954, par laquelle ce corps désire obtenir pour la localité de Marnach des armoiries qui lui soient propres ;
  • Vu l´arrêté royal du 3 janvier 1818 sur la forme des cachets des administrations communales ;
  • Notre Conseil d´Etat entendu ;
  • Sur le rapport de Notre Ministre de l´Intérieur et après délibération du Gouvernement en Conseil ;

Avons arrêté et arrêtons :

  • Art. 1er. Les armoiries, décrites ci-après, sont concédées à la localité de Marnach, commune de Munshausen :

    Coupé sapiné d´azur et d´or : au 1er deux fleurs de genêt en naturel posées en fasce, au 2e un flambeau allumé au naturel posé en pal.

  • Art. 2. Notre Ministre de l´Intérieur est chargé
    de l´exécution du présent arrêté, qui sera inséré
    au Mémorial.

Palais de Luxembourg, le 27 novembre 1954.
Charlotte

Das müsste demnach so aussehen wie auf meiner Zeichnung oben.

Wohlgemerkt erhielt 1954 keine Gemeinde das Recht ein Hoheitszeichen zu führen erhalten, sondern ein Dorf!
Den Schnitt “sapiné” kannte ich übrigens gar nicht, scheint in Kanada verbreiteter zu sein. Ansonsten ist das Wappen recht fantasielos. Der Ginster, der überall im Norden wächst, und was soll die Fackel “au naturel” ?

Wappen von Niederanven und Tandel

Seit soeben ist meine Sammlung Luxemburger Gemeindewappen vollständig, d.h. zu jeder Gemeinde wo eine Wappenbeschreibung vorliegt habe ich eine eigene Zeichnung mit Gimp angefertigt.

Tandel

Die Gemeinde Tandel ist erst mit dem Gesetz vom 21. Dezember 20041 durch Fusion der Gemeinden Bastendorf und Fouhren entstanden.

Am 18.1.2006 wurde das Wappen im Amtsblatt der Gemeinde2 vorgestellt, hier die Beschreibung:

De gueules à l’écusson d’argent chargé d’une tour crénelée et ouverte de gueules, accompagné de trois merlettes d’argent, deux en chef et une en pointe;

Wer Autor des Projektes ist, geht nicht so ganz deutlich hervor, der Text besagt nur, dass man sich an René Klein gewand hatte, da dieser ja auch Präsident der heraldischen Kommission ist.
Das Wappen ist im wesentlichen das von Bastendorf, nur dass die Lilien gegen die gestümmelten Meisen aus Fouhren ausgetauscht wurden.
Neben Tandel entstand gegenüber dem Stand von 1989 auf den sich meine Sammlung bezieht noch Kischpelt aus einer Fusion der Gemeinden Kautenbach und Wilwerwiltz zum 1.1.2006. Diese Gemeinde führt offenbar (vorerst?) ihre beiden alten und übrigens sehr schönen Wappen fort.

Niederanven

Die Zeichung des Wappen der Gemeinde Niederanven habe ich gestern als letzte erstellt. Dies findet seine Begründung darin, dass das Wappen eine Vielzahl an “meubles” aufweist:

  • 1 tilleul feuillé, fruité et arraché
  • 1 casque romain
  • 1 crosse
  • 1 quintefeuille
  • 2 bâtons fleurdelisés

Darunter zwei unkonventionnelle. Den Römerhelm (der sich ja noch relativ leicht zeichnen liess) und einen verrotteten Lindenbaum. Letzeres um wohl daran zu erinnern dass bis 1974 ein mehr als tausend Jahre alter Lindenbaum in Niederanven zu finden war. Als alter Künziger kann ich das im Prinzip verstehen (siehe Künzigs Lokalkatastrophe von 2006 )… Mir wäre es trotzdem lieber gewesen, wenn Niederanven sich wie die meisten anderen Gemeinden bei der Wahl seiner Motive mehr von der politischen als von der Naturgeschichte hätte leiten lassen.

Übrigens fiel mir dabei auf, dass Marcel Lenertz 1989 wohl ein Fehler unterlaufen sein, muss. Denn die Wappenbeschreibung:

Parti de gueules au tilleul feuillé, fruité et arraché d’or, et d’azur au casque romain d’argent brochant sur une crosse d’or posée en barre; au chef d’or chargé d’une quintefeuille de gueules boutonnée d’argent brochant sur deux bâtons fleurdelisés de sable posés en sautoir;

spricht ausdrücklich davon, dass das Fünfblatt silberne Knöpfe hat, die Abbildung im Armorial Communal weist, wie das Wappen das die Gemeinde auf ihrer Homepage führt an der Stelle ein Loch auf. Aber wie lautet der alte Heraldikerspruch:

C’est le texte qui prime le dessin.

  1. Quelle: http://www.legilux.public.lu/leg/a/archives/2004/0216/a216.pdf []
  2. War mal zu finden unter: http://www.tandel.lu/Infoblat/Infoblat%2018%2001%202006.pdf []

Das Wappen der Gemeinde Roeser

Die Tage erreichte mich die E-mail von einem Studenten der Geschichte an der Uni Luxemburg. Er fragte mich, ob mir neben der ausgestellten Wappenbeschreibung für Roeser auch Geschichte des Wappens bekannt wäre. Es handelt sich dabei um eine Hausaufgabe im Fach “historische Hilfswissenschaften“, die Blasonierungen der Gemeindewappen vorzunehmen und ihre Geschichte anzugeben.


Natürlich konnte ich ihm helfen, denn Dr. Jean-Claude Loutsch et al. hatten die Geschichte des Wappen der Gemeinde 1989 im Armoirial Communal (ISBN: 2-87969-000-59) geschildert. Im Falle Roeser:

Das Wappen der Gemeinde geht im Kern auf das Wappen der adligen Familie derer von Roeser zurück. Übernommen wurde dabei die wahrscheinlichste Variante: de gueules à trois feuilles de némuphar d’or.
In den schriftlichen Quellen sind oft die Farben nicht angegeben, denn die häufigste Quelle für Wappen ausgestorbener, oder wieder zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkener Familien sind die Stempel. Gerade diese geben aber nie die Farben an, oft noch nicht mal die Schraffur!

1973 stellte die Gemeinde den Antrag, ein bis dahin inoffiziell geführtes Wappen zu legalisieren, welches ebenfalls die drei Seerosenblätter beinhaltete:

D’argent à trois feuilles de némuphar de gueules; à la bordure d’azur.

Die Autoren des Armorial gehen nicht darauf ein, wo der Roeser Schöffenrat, welche statt des Gemeinderates diese Fassung als verbindlich festgelegt hatte, das Wappen hernahm. Offenbar waren die Farben des Wappens derer von Roeser nicht mehr bekannt, oder man wünschte sich bewusst ein Wappen in den Nationalfarben rot-weiss-blau. So jedenfalls basierte der Entwurf nicht mehr auf jenen von Roeser, sondern auf dem Wappen der Herren von Bourscheid. Die blaue Bordure, möglicherweise zur Unterscheidung zugefügt, wäre zudem, berichtet Loutsch bei jeder Neuzeichnung des Wappens immer dünner ausgefallen und teilweise als einfache Begrenzung des Schildes aufgefasst worden.

Daher vielleicht schlug Lenertz daher auch das Gironné (à 12 pièces!) vor, das die Druckereien nicht mehr so leicht weg interpretieren konnten.