Der Traité de Blason “Clement Prinsault”

Nun habe ich, als Vorarbeit zum Erstellen einer Einführung in die Heraldik und zur Verbesserung meines Lexikons, bereits einige “Einführungen in die Heraldik/in die Kunst des Blasonierens” digitalisiert1 und machte mir Gedanken über die dort vorgeschlagenen Strukturen, didaktische Ansätze etc. Ich habe eine regelrechte Sammelwut entwickelt und festgestellt dass ich bislang nur welche aus dem 19. JH habe. Dies ist insofern logisch, als dass jüngere Darstellungen noch den Autoren und ihren Erben gehören und die älteren mir nicht so bekannt sind. Bislang hatte ich diese älteren ohnehin ausgeschlossen, da ihr wissenschaftlicher Wert von heutigen Heraldikern zumeist als viel zu gering eingeschätzt wird. Dann kam mir allerdings die Idee, dass sich an ihnen andererseits aber vielleicht eine gewisse Entwicklung ablesen lassen würde und ich beschloss, nach früheren Darstellungen zu suchen. Das eine oder andere Werk vom Père Ménestrier werde ich ganz bestimmt digitalisieren, aber gibt es vielleicht noch frühere die sich lohnen könnten?

Beim Digitalisieren des guten alten Otto Titan von Hefner wurde ich dann auf Prinsault aufmerksam. Den zitiert er öfter weil der Prinsault für ihn die älteste bekannte Darstellung war der heraldischen Theorie war! Bereits im Kapitel II. Namen und Begriff der Heraldik, berichtete OTvH in einer Fussnote:

Die erste französische Lehrschrift der Heraldik, überhaupt zugleich die erste aller mir bekannten Lehrschriften dieses Faches, ist der „Traité de Blason“ von Clement Prinsault aus dem Jahre 1416. Prinsault teilt sein Buch in zwei Teile: “Traité und Armorial. Im l. Teil gibt er XII Kapitel, deren Titel und Hauptinhalt ich zum Verständnis der damaligen französischen Heraldik hier wörtlich anführe:

  • I. De ceulx qui premier trouverent armes (hier werden Alexander der Große, Hektor u.A. als die ersten Wappenherren zitiert)
  • II. De quelle manière on fait armes (hierin wird gesagt, dass jedes Wappen aus drei Dingen bestehe: de metal, de couleur et de penne).
  • III. Quantes métalx, quantes couleurs et quantes pennes il y a en armes et comment on les doit blasonner.
  • IV. A quelle vertu, quelle complexion, quelle des sept planettes, quel des XII signes célestes, quelle pierre précieuse, quel jour de la sepmaine, quel des III élémens et quel métal signifie en armes chascun desdits métalx et couleurs (dies Kapitel ist genau so wie die betreffenden Abschnitte in den früheren deutschen Lehrschriften, wo von der Bedeutung der Farben gesprochen wird, Siehe unten bei den Farben)
  • V. Le chappitre contient IX choses dont chascune desquelles fait le tiers de l’escu, et quant elle est plus petite, c’est devise (hier führt er das Haupt, den Pfahl, den Schrägbalken, den Balken, Sparren, die Ständerung, die innere Bordur, das Kreuz und den Schragen an).
  • VI. Démonstre jusques à quel nombre on doit nombrer toutes choses … et quant on doit dire sans nombre ou semé (hier sagt er, das Zählen höre auf: bei Kugeln, Münzen und Streifen mit 8, bei Wecken und Schachplätzen mit 25, bei Tieren und allen anderen Dingen mit 16),
  • VII. Fait mention de la disposition des métalx ou couleurs ou blason, et comment on peut discerner les faulses armes des vrayes (der Grundsatz Farbe auf Metall und umgekehrt wird festgehalten und behauptet, dass nur des gens de bas estat et non nobles qui sans discrétion prennent armes à leur volonté, falsche Wappen, d.h. Farbe auf Farbe x. führten).
  • VIII. En quelle partie de l’escu on doit commencer à blasonner (diesen Abschnitt werde ich im II, Teile dieses Buches bei der Blasonierung ausführlicher anführen).
  • IX. De certaines différences d’oyseaux et bestes ou blason d’armes.
  • X. En quelle façon on doit blasonner lyons et léopars (der Löwe zeigt immer nur ein Auge und Ohr, der Leopard deren zwei).
  • XI. De quelle façon sont en armes besans, tourteaux, cotice etc, et quelle différence il y a entre crois etc.

Das Buch war mit dem Suchbegriffen “Prinsault Traité du blason” ganz leicht zu finden, ich fand dass die beste Fassung der E-bookserver der französischen Nationalbibliothek “Gallica” bietet wo man eine der digitalisierten Kopien konsultieren kann:

http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b53023953p/f1.zoom2
Eine echte Augenweide, wirklich! Hier ein paar Illustrationen aus diesem Werk:


Wie man sich leicht überzeugen kann, ist die Handschrift zwar sauber und sehr schön, für den Ungeübten und leicht Ungeduldigen (wie mich) aber mühsam zu lesen! Zum Glück hat im Jahre 1858 das der Archivar Louis Douët-d’Arcq (1808 – 1883) (https://fr.wikipedia.org/wiki/Louis_Dou%C3%ABt_d%27Arcq) bereits gemacht und eine Abschrift veröffentlicht! Davon wiederum erfuhr ich via eine Google Suche vom Archivisten Charles Samaran (1879-1982), welcher 1905 in einem Artikel “de quelques manuscrits ayant appartenu a Jean d’Armagnac évéque de Castres frère du duc de Nemours.3 erstellte wo er dann u.a. über die Büchersammlung des Klerikers bemerkte:

Si nous ajoutons qu’un certain Clément Prinsault, serviteur de « reverend Pere en Dieu monseigneur de Castres, » composa et donna au jeune « Jacques Monseigneur, » fils du duc de Nemours et neveu de son maitre, un Traité de Blason inachevé qui porte aujourd’hui à la Bibliothèque nationale le n° 5936 du fonds français, nous aurons épuisé la liste, bien courte, des renseignements que nous avons pu recueillir sur la bibliothèque et les goûts artistiques de ce frère puîné du « pauvre Jacques. »

In einer Fußnote führte er dann weiter aus, dass was er 1905 über Prinsault wusste:

Sur ce manuscrit, voir un article de Douët-d’Arcq paru dans la Revue archéologique, XV (1858), p. 257-274 et 322-333. M. Douët-d’Arcq ne parait d’ailleurs pas disposé à reconnaître à Clément Prinsault la paternité de cet ouvrage.

Das ermöglichte es mir eine digitale Fassung bei Google Books zu finden:
https://books.google.lu/books/about/Un_trait%C3%A9_de_blason_du_XVe_si%C3%A8cle.html?id=Src7AAAAcAAJ&hl=de

Der Artikel, ein Sonderdruck, muss dem bekannten Heraldiker Luxemburger Abstammung Paul Adam-Even gehört haben denn sein Ex-Libris ziert das Deckblatt. Offenbar hat der ebenfalls renommierte Heraldiker Léon Jécquier es irgendwann erworben und an die Lausanner Kantonal- und Universtitätsbibliothek weitergereicht, von denen Google Books seine Vorlage bezog.

Douët-d’Arcq gilt nun mein Interesse. Auch wenn er es nicht ausdrücklich erwähnt, aber ich denke schon dass OT v. Hefner, der den Franzosen mehrmals in seinem Werk lobt, auch die Datierung des Traité de blason auf das Jahr 1416 von Douët-d’Arcq übernommen hat. Douët-d’Arcq ist nämlich der Meinung dass Prinsault einen durchaus anderen Schreibstil habe als der Teil mit den 12 Kapiteln. Er nimmt an, dass Prinsault einfach um einem Dienstherren zu gefallen schnell eine Schrift vorlegen wollte und dafür einfach eine andere abschrieb und seinen Namen drüber setzte. Im Mittelalter eine durchaus gängige Praxis4. Weiter verweist er darauf, dass der Text wohl noch öfter verarbeitet wurde und nicht alle überkommenen Exemplare tragen die Widmung des Prinsault. So kommt er zur folgenden Überlegung zur Datierung:

Quant à sa date, elle ne peut pas remonter plus haut que l’année 1416. Car, dans la seconde partie de l’opuscule, nous voulons parler du petit armorial, on trouve ceci, à l’article du duc de Berri: « Est de l’apanage de la couronne de présent, et n’est plus du compte ne nombre du Vergier de France. » Or, il s’agit ici de Jean, duc de Berri, mort en 14165, et dont l’apanage fit alors retour à la couronne. Cela dit sur le contenu et l’âge de notre manuscrit, passons à sa valeur. Il faut bien qu’elle eut paru grande dans son temps, car il existe, rien qu’à la Bibliothèque impériale, sept manuscrits qui contiennent la reproduction intégrale de ce petit traité de blason en douze chapitres, soit seul, soit entremêlé à d’autres traités.

Summa: doch der Aufwand zur “Digitalisierung” lohnt sich Ich werde also:

  1. erstmal unter den Quellen für Herrn Douët-d’Arcq eine Autorenseite anlegen,
  2. dann den Aufsatz “Un traité de blason du XVe siècle” bereitstellen,
  3. dann den Text des Traité de blason “Prinsault” von Fehlern beim Einscannen bereinigen und samt den Anmerkungen von Douët-d’Arcq online stellen,
  4. dann mir etwas überlegen, was ich mit den Abbildungen mache. Douët-d’Arcq der Schwarz-weiss drucken musste, hat Zeichnungen erstellen lassen. Ich könnte selber auch Zeichnungen anfertigen, oder aber die eingescannten von Gallica übernehmen, was “originaler” aussähe. Allerdings ist die möglichst originalgetreue Reproduktion alter Schinken keineswegs mein Ziel, das können Google, Gallica und Co viel besser, die leichtere Lesbarkeit und Zitierbarkeit ist mir deutlich wichtiger.
  5. möglicherweise nehme ich mir noch vor, den angehängten Armorial wiederzugeben, auch wenn der nicht zu meinem Grundthema “Heraldik in Luxemburg” passt. Entscheide ich später.

Inzwischen ist die Forschung wohl auch weiter gekommen als Otto Titan von Hefner, bzw. Douet-d’Arq und der Prinsault wird allgemein nicht mehr ganz so früh ins 15. Jahrhundert datiert, sondern ins späte 15. Einen Überblick zum Forschungsstand findet sich (auf englisch) unter:
http://www.textmanuscripts.com/manuscript_description.php?id=3055&%20cat=Archive&
Na dann werde ich mir als nächstes mal das Buch von Lisa Jefferson6 besorgen.

  1. Die Digitalisierungen habe ich übrigens jetzt doch wieder alle unter “Quellen” eingeordnet und nur auf die Ebene “Digitialisierungen” verzichtet; es ist einfach viel logischer []
  2. Hier die Angaben von Gallica zur Herkunft des Buches:

    Titre: Traité de blason composé par Clément PRINSAULT et dédié à Jacques [II] de Nemours.
    Date d’édition: 1475-1500
    Type: manuscrit
    Langue: Français
    Format: Parchemin. – 31 feuillets, plus les feuillets A-E préliminaires. Les feuillets B-E sont blancs
    Droits: domaine public
    Identifiant: ark:/12148/btv1b53023953p
    Source: Bibliothèque nationale de France, Département des manuscrits, Français 5936
    Description: Le titre est le suivant: « Cy commence certain traitié du blazon d’armes, composé et donné à Jacques, monseigneur, filz de monseigneur le duc de Nemours, conte de La Marche, par Clément PRINSAULT, très obéisant de mondit seigneur le duc et très humble serviteur de très révérend père en Dieu monseigneur de Castres, oncle dudit Jacques, monseigneur. » L’incipit du Prologue est: « Combien, très noble enfant, Jacques… » — L’incipit du traité proprement dit est: « Le très vaillant et très victorieux roy Alexandre… » Des blasons grossièrement coloriés accompagnent ce traité. Au feuillet 2, miniature représentant l’auteur offrant son livre à Jacques II de Nemours, tout enfant, dans un berceau. Cet exemplaire est vraisemblablement l’exemplaire de dédicace. — Publié par Douët d’Arcq, Revue archéologique, XVe année (1858), p. 322-333.
    Provenance: bnf.fr
    Date de mise en ligne: 24/10/2012

    []

  3. nachzulesen auf http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/bec_0373-6237_1905_num_66_1_448237?_Prescripts_Search_tabs1=standard& []
  4. Dieses Kopieren ist heute wohl anscheinend auch noch weit verbreitet, aber heute ist die Praxis erstens geächtet und zweitens kommt man dank der vernetzten Computer den Plagiatoren viel leichter auf die Schliche. []
  5. Wikipediaeintrag zu Jean Duc de Berry: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_de_Valois,_duc_de_Berry []
  6. Jefferson, Lisa. “Tournaments, Heraldry and the Knights of the Round Table: A Fifteenth-Century Armorial with Two Accompanying Texts,” in Arthurian Literature, XIV, ed. J. P. Carley, J. P. and F. Riddy, Cambridge, 1996, pp. 69-157. []

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