Schlußstein O

O ist auch überprüft. O ist ein etwas “kleinerer Buchstabe”, daher hatte ich die Wappen schon früh gezeichnet (vgl. chronologische Ansicht).

Grösste Überraschung hier: Viele Wappen lagen offenbar seit Oktober 2010 unbeschriftet online. Ich war in jenem Monat wohl schwer eingespannt. Entdeckt wurden

  • eine weitere Harpie (Jungfrauenadler), davon habe ich nun zwei in meiner Datenbank.
  • zwei übersehene Brisuren des Wappens Orjo
  • dass ich ein Wappen der vielen Familien die Osbourg hiessen zweimal gezeichnet, und dafür eine Variante weggelassen hatte.
  • dass viele bedeutende Familien wohl von den Ouren abstammen, und wiederum andere gerne mit denen verwechselt werden.

Das letzte Einhorn und der goldene Löwe mit dem verdrehten Kopf

Als ich vor anderthalb Jahren noch nicht so ganz weit mit der Umsetzung meines derzeitigen Hauptprojektes fortgeschritten war, konnte der Anreiz das Mammuthprojekt bald abzuschliessen nicht besonders befeuernd wirken. In der mittleren Phase von umfangreichen Vorhaben erleide ich manchmal Durchhänger und ich musste mich irgendwie motivieren, und so verfiel ich auf den Gedanken, nicht länger die Wappen langsam von A zu Z eins nach dem anderen durchzunehmen, sondern jene die bestimmte Figuren aufwiesen vorzuziehen. So widmete ich mich am 27. November 2010 den Einhörnern (licornes).
Inzwischen sind wir in der Endphase der Umsetzung angekommen, und so inzwischen wurden auch die drei letzten Wappen in denen Einhörner vorkommen gezeichnet:


Das Wappen Monschaw war nicht nur am schwersten zu zeichnen, die Wappenbeschreibung enthielt auch einen Fehler, es fehlte die Farbangabe! Dabei war Loutsch in seinem Buch auf Seite 587 gerade dabei, seine eigene Quelle R. de B.1 zu korrigieren, und zwar präzisierte er bei der Beschreibung der Quadranten I und IV, dass nicht der ganze Löwe, sondern nur dessen Kopf contouné wäre, und vergass dabei anzugeben welche Farbe das Tier denn hätte. In der entsprechenden Passage fehlen die Worte “d’or“:

Écartelé: aux I et IV d’azur au lion contourné d’or (en réalité: la tête contournée) lampassé de gueules,

Zunächst hatte ich angenommen, dass vielleicht der Löwe auch rot wäre. Das wäre zwar ein heraldischer Regelbruch, aber im écusson sur le tout, liegt auch eine rote Rose auf blauem Grund?! Andererseits kam es mir dann aber komisch vor, dass hervorgehoben wurde, dass die Zunge aber “de gueules” wäre. Das Wort “lampassé” taucht nur auf, wenn die Zunge eine andere Farbe hat, als der Rest des Vierbeiners. Zum Glück war Loutschs Quelle ein Buch, das ich heute problemlos im Nationalarchiv finden konnte.

  1. Baron de Ryckman de Betz: Armorial Général de la Noblesse Belge, Liège 1957. []

Türken, Mauren, Neger und Wilde

Es sind nur noch wenige Wappen zu zeichnen übrig. Im Augenblick sind es 62, können aber noch mehr werden, je nachdem ob ich noch bislang unberücksichtigte Varianten oder Brisuren entdecke. Zum Schluss wollen auch jene Figuren gezeichnet sein, die etwas unheraldischer sind, oder die ich nicht so mag. Darstellungen von, aus früherer Sicht exotischer Menschen kamen auch in Luxemburg vor, hier sind alle die ich bis jetzt gefunden habe:

Türken

Türken fand ich nur einen, im zudem redenden Wappen der Türk.

Mauren

In Nordafrika liegt Mauretanien, das seinen Namen von der alten römischen Provinz Mauretanien hat, und für die Europäer waren Mauren, wie die meisten Bewohner des heutigen gleichnamigen Staates von schwarzer Hautfarbe. Sie wurden noch auch noch Mohren genannt, und kommen praktisch nur in der Form des Mohrenkopfes vor, immer schwarz (sable) dargestellt, mal mit einem Kopftuch versehen, das mitunter verdrillt (tortillé) ist, mal nicht.

Neger

Neger (nègre) ist in der Heraldik nur ein anderes, späteres Wort für Mohr.

Und Wilde

Damit sind Menschen gemeint, die man sich stark, urtümlich und wild vorstellte. Hautfarbe meistens “de carnation“, also rosa. Kommen häufiger als Schildhalter vor, denn im Schild selber.

Reiter und Drachentöter

Inzwischen bin ich mit der zeichnerischen Umsetzung das AL bei 95% angekommen. Nun nehme ich mir auch die Zeit für die Wappen mit seltenen aber komplizierter zu zeichneden Figuren. Hier eine Reihe mit, wo immer entweder ein Drache, oder ein Pferd vorkommt. Alle sind sich ähnlich, und doch Unikate. Gut, heraldisch sind sie trotzdem phantasielos, kein einziges stammt aus der Hochzeit der Heraldik.

Régnier

Bei der Angabe der Quellen gibt Loutsch zum Wappen Régnier an,

S.A.T. III, P. 202.
Sceau de Thilman Régnier, licencié, curé de Saint-Nicolas A. Luxembourg, 1445.

Eine Quelle S.A.T ist freilich nicht aufgeführt, da auf einer normalen QWERTZ Tastatur R und T sehr nach bei einander liegen, handelt es sich vermutlich nur um einen Tippfehler und gemeint wäre die Quelle

(S.A.R.): Jean-Théodore de Raadt: Sceaux armoriés des Pays-Bas et des Pays avoisinants (Belgique, Royaume des Pays-Bas, Luxembourg, Allemagne, France), 4 volumes, Bruxelles 1898 et ss.

Die übrigen Angaben :Band 3, Seite 202 würden dazu passen, ich habe den Fehler entsprechend korrigiert.

Ich nutze die Gelegenheit daraufhinzuweisen, dass ich ins Heraldiklexikon den Begriff “coq” = Hahn aufgenommen habe, um eine Stelle zu schaffen um die Wappen in denen ein solches Federvieh vorkommt zusammen zu stellen.

Luxemburger Wappen mit Greifen

Die Figur des Greifen (frz. griffon) ist nicht so häufig in Luxemburg. Das Fabelwesen ist eine Kombination aus einem Adler und einem Löwen, beides recht aufwendig zu zeichnende Figuren. Dank der Umsetzungstabelle liess sich aber ein rascher Überblick verschaffen, dass das Tier aber eher selten, und wenn dann zumeist die immer gleichen Felder belegend vorkommt:

  • Das ganze Schild
  • Felder des écartelé
  • eine Hälfte des parti

Weitere Beobachtung: überraschend viele halten was in der Hand und nur einer (der des Abtes Roberti) ist “passant”, alle anderen defaultmässig “rampant”.
Diese Monotonie hat natürlich einen Grund: der Greif war das traditionnelle Wappentier der Schöffen von Remich, viele Träger der Greifswappen waren solche.

Es lag all dies bedenkend nahe, sie beim Zeichnen vorzuziehen:

[alphabetic|in detail|synoptic|cronologic|gallery]

les licornes – Einhörner

Zeit sich mal wieder mit den Wappenfiguren zu beschäftigen. Meine Wahl fiel auf eine etwas seltenere: die licorne, oder auf deutsch: das Einhorn . In seiner table héraldique verzeichnet Dr. Loutsch die folgenden:


Insgesamt also 5, das sind erst mal nicht besonders viele. So erwähnt die Liste z.B. alleine schon 26 Wappen mit einer Merlette. Das Fabelwesen Einhorn, dieses Mischwesen aus Pferd und Ziege mit dem imposanten Horn auf der Stirn scheint in Luxemburg nicht besonders beliebt zu sein. Viel nachgefragter ist das Einhorn dagegen als Helmfigur (Cimier) oder Träger (support): Seit ein paar Wochen habe ich eine Datei mit allen Wappenbeschreibungen aus dem Hauptteil des Armorial Loutsch, also suche ich mal nach “licorne, hierbei kamen weitere Wappen mit Einhörnern zum Vorschein, die Dr. Loutsch also sehr wohl kannte, allerdings nicht mehr in seiner table héraldique aufgenommen hatte.

  • du Lory,
  • Mareschal
  • Monschaw
  • de Scherff

Er hatte halt noch keinen Computer.

Ein weiteres Wolfswappen

Ein weiterer Zufallsfund eines Wolfswappens, den Jean-Claude Loutsch im AL zwar führt, aber nicht in seiner Liste der Wolfswappen eingetragen hatte. Vielleicht ist er selber ja erst spät noch auf dieses gestoßen. Auch Jean Lupus, ein Pfarrer, führt den Wolf wohl in der Absicht sein Wappen sprechend zu gestalten, Lupus ist die latinisierte Form von Wolf.

Lupus

mouton à piloter

Das Wappen der Berlo-Suys führt in dreifacher Ausführung eine ganz ungewöhnliche Wappenfigur: Das mouton à piloter. Nicht schlecht staunte ich, als ich die Wappenbeschreibung las und dort auf dieses ungewohnte meuble stiess. Ein Schaf zum Steuern?

Berlo Suys


Loutsch’s Zeichnung war nicht wirklich hilfreich, ich wusste weder wie es zu zeichnen ist, noch was es sein soll. Google war zum Glück mein Freund, und ich fand auf www.heralogic.eu/, wo ich schon öfter fündig wurde, die folgende Beschreibung:

Dans les Pays-Bas du Nord, le mouton est employé à piloter les digues. Il figure dans l’héraldique de ce pays.

1887 Grosse poutre carrée, munie en haut d’un annelet, et destinée à enfoncer des pieux dans le sol.

Aha! also so eine Masse um Pflöcke in den sandigen Boden der Niederlande zu rammen. Gut, ich halte mich mal an die Beschreibung, gehe aber davon aus, das Teil auch in Zukunft eher selten verwenden zu müssen.