OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Ursprung und Ausbildung der Wappen und der Heraldik,

Dass unsere Urwappen, insbesondere die des hohen Adels, ihren Ursprung einem morgenländischen Einfluss verdanken, das steht über alle Zweifel fest. Dass die Kreuzzüge, darunter wohl am vorzüglichsten die drei letzten (1191-1248), in welchen der hohe Adel aller christlichen Länder mit seinen Ministerialen scharenweise dem Morgenlande zuzog, mehr als die Turniere an Entstehung von Wappen Ursache trugen, ist ebenso sicher. Denn die Turniere waren nur eine Folge des durch die Kreuzzüge angeregten ritterlichen Geistes, der im Adel eine Korporation hervorrief. Mögen immerhin einzelne Turniere in Deutschland schon um die Mitte des 12. Jahrhunderts stattgefunden haben, so lässt sich doch mit Bestimmtheit annehmen, dass sie jener Momente, die wir bei einem eigentlichen Turnier verlangen, dass sie namentlich einer heraldischen Praxis gänzlich entbehrten, Denn sollte sich um 1120 der niedere Adel in Deutschland wohl schon mit Wappen befasst haben, wenn er fast hundert Jahre später erst diese auf Siegeln und Denkmälern anzubringen Gelegenheit fand? Dass man aber unter milites in jener Zeit den hohen Adel allein zu verstehen habe, dürfte schwer zu beweisen sein. Auch der Gebrauch der Geschlechtsnamen lässt sich beim niederen Adel nicht wohl über die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückerweisen, und die Bezeichnung „minieterialis quidem nomine Thiemo“ oder dgl. findet sich noch häufig zu Ende dieses und Anfang des nächsten Jahrhunderts. Jedenfalls war ein fester unveränderlicher Geschlechtsname beim niederen Adel erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu suchen, Wie sollten also zu einer Zeit, in der noch keine bestimmten erblichen Geschlechtsnamen unter dem Adel nach gewiesen werden können, Turniere mit heraldischem Apparate anzunehmen sein!

Es ist daher meiner Ansicht nach ungerechtfertigt, wenn man die Waffenübungen des 11. und 12. Jahrhunderts mit den Turnieren des 13. bis 15. Jahrhunderts in gleichen Rang zu stellen meint, denn der Adel, der Turnierens pflegte, war größtenteils Ministerialadel, und dieser hatte, wie erwiesen, vor Ende des 12.Jahrhunderts kaum feste Geschlechtsnamen, viel weniger noch Geschlechtswappen. Ich komme nun auf den Ursprung unserer Wappen zurück. Dass der hohe oder Dinastenadel zuerst Wappen angenommen und geführt habe, beweist die Tatsache, dass wir von ihm zuerst Wappen und beziehungsweise Siegel vorfinden. Es lässt sich wohl auch dadurch bestärken, dass diese Dynasten, welche ihre Ministerialen um sich geschart hatten, ein bestimmtes Banner führten und führen mussten. Durch diese Banner mag ein Uranfang von Wappen oder Wappenbildern angeregt worden sein. Die Anwendung solcher, anfangs gleich den Namen veränderlicher, Wappenbilder auf Schilden, Röcken etc. war ein weiterer Schritt zur Ausbildung der Heraldik. Einer bestimmteren Richtung bedurfte die Ausbildung des Wappenwesens aber erst dann, als seine Produkte sich mehrten, als auch der niedere Adel anfing, Wappen sich anzueignen und diese angenommenen Bilder in geistige Verbindung mit Namen und Stammen zu bringe. Erst von der Zeit an, als der gesamte Adel sich fester erblicher Geschlechtsnamen erfreute, erst von da an konnte die Heraldik von Bedeutung werden. Die Entstehung von Wappen mag also immerhin dem 11. und 12. Jahrhundert zugegeben werden, die Entstehung einer Heraldik, eines bestimmten Systems in diesen Wappen, ihren Regeln und Rechten kann unbedingt erst dem 13. Jahrhunderte vindiziert werden.

Da nun sicherlich die Vermehrung der Wappen bei allen abendländischen christlichen Völkern ziemlich gleichen Schritt gehalten haben wird, so können wir nicht wohl behaupten, dass die Deutschen die ersten Wappen gehabt hätten, aber so viel lässt sich festhalten, dass sie kein anderes Volk früher gehabt habe, als eben das deutsche. Es erhellt ferner hieraus, dass die Entwicklung des einmal eingeführten Wappenwesens von jeder Nation selbstständig gepflegt wurde, sonst müsste die Heraldik aller dieser Nationen dieselbe sein, was sie aber faktisch nicht ist, – Es dürfte aber unabweislich feststehen, dass die Grundbegriffe von Wesen und Bedeutung der Wappen in allen diesen Nationen von Uranfang gleich gewesen sein müssen, weil die Produkte der Heraldik dieser verschiedenen Nationen durch alle Jahrhunderte trotz vieler Verschiedenheiten eine so große Stammverwandtschaft erwiesen haben und noch erweisen.


Ein orientalischer Einfluss bei Entstehung der Wappen dürfte sich in dem so häufig und frühzeitig vorkommenden Wappenbilde, dem Löwen und den ebenso häufigen Kreuzen finden lassen. Herr Adalbert de Beaumont will in seinen recherches zur l’origine du blason etc.» (Paris 1853) die ganze Heraldik von den Arabern ableiten; so z.B. die Helmwulste und Decken von den Haupttüchern und Binden der Araber. Das Urbild der Lilie findet er in der ägyptischen Lotosblume. Obwohl nun die Ägypter und überhaupt die alten Völker von einer Heraldik in unserem Sinne keine Spur hatten, so lässt sich doch nicht leugnen, dass insbesondere die Ägypter ihren Figuren und Gegenständen einen gewissen ernsten Typus verliehen, der mit den Uranfängen unserer christlichen Heraldik, mit ihren ornamentalen Formen so manche Ideenverbindung eingehen lässt. Ich teile zum Beweise dafür einige Figuren aus dem Prachtwerk „Rosellini, monumenti dell’ Egitto, Pisa 1834“ auf Tafel I mit und zwar einen schreitenden Löwen (1), einen Palmbaum (6), eine Harfe (5), eine Lotosblume (4), eine Reisetasche (2) und einen Reiger (3). Eine ornamentale Auffassung ist darin gewiss nicht zu verkennen. – Was nun unsere Heraldik betrifft, so will ich nicht in Abrede stellen, dass man das Kreuz und den Löwen in biblischer Bedeutung schon vor den Kreuzzügen bei uns gekannt habe; die schönste Gelegenheit, das Kreuz als Erkennungszeichen zu benützen, boten aber sicher diese christlichen Züge nach dem Orient, und ebenso mag das lebendige Dasein des Löwen dort zur Aufnahme seines Bildes in Banner und Schilde Veranlassung gegeben haben. Neben dem Löwen erscheint der Adler in Siegeln und Bannern schon ziemlich frühzeitig. Die eigentlichen Heroldsstücke kommen um die Mitte des 13. Jahrhunderts auch schon vor, wie z.B. das Siegel des Otto de Perchtoldsstorff 1232 (Schild gespalten, vorne dreimal schräggeflutet, hinten leer), des Otto de Ottenstein 1251 (ein Schrägbalken mit drei Ringen belegt), des Heinrich von Seefeld 1254 (ein Adler mit Brustschild, darin zwei Balken) usw. (Huber, Austria illust., tab. III sqq.); ferner ein Schild (mehrmals schräggeteilt), darauf ein Helm mit Flug oder Federn, 1280 in einem Siegel Ulrich’s von Kapellen (I.c. VI. 8), Graf Konrad von Wasserburg führt 1202 einen gerauteten Schild, (S, oben in der Einleitung die Abbildung dieses Siegels,) Der steirische Panther kommt 1203 auf einem Rittersiegel mit der Umschrift: „Livpoldus Dei gratia dux Stirie“ vor usw., 1223 der Lilienschild des Hauses Bourbon, 1239 erscheint das savoische Kreuz zum erstenmal in Siegeln. Je weiter wir uns der Mitte des 13. Jahrhunderts nähern, desto sicherer wird die Existenz von eigentlichen erblichen Wappen, während bis dahin schon Wappenbilder verschiedener Art abwechselnd in guter Anzahl gefunden werden.

Die hier angeführten Beispiele gehören dem hohen Adel an. Für den niederen Adel ergibt sich selbstverständlich ein späteres Auftreten von Wappen, doch finden sich heraldische Siegel auch schon aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, z.B. ein Dreiecksiegel des Heinricus de Saco 1236 mit einem balkenweise gestellten Adler und einem schreitenden Löwen darunter, ein Dreiecksiegel eines Truchsessen von Heidegg (l, 8) mit einem Eisenhut mit Schnüren und der Umschrift DAPIFER. DE. HEIGGO vom selben Jahre (1236), ein Dreiecksiegel des Konrad von Behburg (I.9) mit einem Lindenzweig vom J. 1247- ein Dreiecksiegel des Heinrich von Rosenegg vom J. 1262 mit einem Balken und einem mit Rosen besäten Felde usw. Vom J. 1264 und 1268 sind mir zwei Siegel mit Helm und Kleinod (ohne Schild) bekannt.

So bieten sich uns also im 13. Jahrhundert Wappen in unvermuteter Anzahl dar, während wir sie im 12. Jahrhundert noch mit Emsigkeit zu suchen haben und selbst bei den wenigen gefundenen nicht sicher sind, ob wir sie für wirkliche Wappen halten dürfen und können, Gleichen Schritts mit der Vermehrung und dem Anwachsen der Wappen mussten sich bestimmte Regeln über Bildung und Führung, und über den Unterschied der Wappen unter sich geltend machen, denn wenn Wappen einen Namen und ein Recht sinnbildlich vertreten sollten- so mussten sie zur Vermeidung von Streitigkeiten und Verwechslungen unter sich verschieden sein. Das erste, wichtigste und ergiebigste Mittel zu diesem Zwecke war die Annahme gänzlich verschiedener Wappenbilder. Was der damaligen Zeit an Tieren, Bäumen, Blumen, Waffengerätschaften usf. bekannt war, findet sich schon in den ältesten Wappen.

Traf es sich, dass zwei oder mehrere verschiedene Geschlechter durch Zufall ganz dasselbe Wappenbild angenommen hatten so griff man zum zweiten Unterscheidungsmittel – der Verkehrung der Farben, d.h. wenn z.B. das eine Geschlecht den Löwen oder den Turm gold in Blau führte, so nahm das andere denselben blau in Gold oder rot in Silber usf. an.

Erwies sich auch dieses Mittel noch nicht hinreichend, so griff man zu dem dritten, der Wappenfigur selbst besondere Abzeichen zu geben oder beizusetzen. Hierzu rechne ich z.B. das Schach, welches über den mährischen Adler gezogen ist, die Schindeln, welche das Feld des nassauischen Löwen bestreuen, die zweifarbigen Streifen des hessischen und thüringischen Löwen usf. Das vierte Unterscheidungsmittel, welches aber in Wirklichkeit nur auf die deutsche Heraldik bezogen werden kann, ist die angenommene Verschiedenheit der Kleinode. Dieses letzte Mittel konnte aber auch bei uns erst dann in Anwendung kommen, als man anfing, Helme auf die Wappenschilde zu setzen. Einen gewissen Ausbildungsgrad der Heraldik bekundet auch schon die im 13. Jahrhundert vorkommende Tatsache, dass Glieder desselben Stammes verschiedene Wappen, je nach ihren Besitzungen oder Allianzen etc., führen konnten, – Nur so war es möglich, zu den Verschiedenheiten der bestehenden Wappen zu gelangen, und dies gibt uns zugleich Beweis von dem unendlichen Reichtum an heraldischen Mitteln, wenn wir bedenken, dass es mindestens 200.000 von einander verschiedene Wappen gibt. In meiner heraldischen Praxis sind mir unter vielleicht 80 bis 90.000 Wappen, die ich gesehen habe, noch nicht zwei (im Schild und Kleinod) völlig gleiche vorgekommen, trotzdem, dass sie vielleicht in den verschiedensten Gegenden der alten Welt entstanden waren.

Mit der Einführung heraldischer Unterscheidungsmittel war der erste Schritt zur Fortbildung des Wappenwesens geschehen. Nach dem Muster der Adelswappen, welche unstreitig die ersten waren, begannen bald auch Städte, namentlich Reichstädte sich bestimmter Wappen zu bedienen. Der Ursprung derselben ist also jünger als der der Adelswappen und ihr Sinn lässt sich aus ihren Bildern sehr häufig erkennen. Sie nahmen entweder das allgemeine Städtebild – eine Mauer mit Tor und Türmen – oder das Wappenbild ihrer Schutzherrschaft, also z.B. des Reiches überhaupt, oder ihres besonderen Landesherrn an, indem sie nicht selten das erstere allgemeine Bild durch Beigabe des letzteren, des schutzherrlichen Wappenbildes, unterscheidend kennzeichneten. Eine andere Gewohnheit brachte die Figur ihres Herren, des Kaisers, Herzoges, Bischofes, oder das Bild des Schutzpatrones ihrer Kirche und Stadt in das Siegel, beziehungsweise den Schild, oder auch, man wählte ein dem Namen entsprechendes redendes Wappenbild.

Die Menge der Städtewappen (resp. Siegel), in denen das Städtezeichen mit dem Wappen oder Wappenbild der Landesherrschaft gebeizeichnet erscheint, ist ziemlich groß. z.B. Hall im Hennegau (in Gold eine rote Burg, an deren Fuß der alte bayerisch-pfälzische Schild – wegen der früheren Herrschaft Bayern Hollands, Höchstadt (in Silber ein roter Burgturm mit dem bayerischen Weckenschildlein belegt), Lauf (in Rot eine zweitürmige silberne Burg, zwischen den Türmen der Schild der Stadt Nürnberg) usw. Die Gattungen der Städtewappen, welche das Wappen ihrer Schutzherrschaft ganz oder teilweise enthalten, sind gleichfalls sehr zahlreich; eine große Menge ehemaliger Reichsstädte führt den Reichsadler der ältesten Form mit einem Haupte. In den ältesten Siegeln ist derselbe oft ohne alles weitere Beizeichen, z.B. bei den Siegeln von Eßlingen, Heilbronn, Bopfingen, Reutlingen usw. Manche Reichsstädte haben den Adler angenommen, doch früher oder später Beizeichen in Farben oder Figuren hinzugefügt, so z.B. Schweinfurt führt den Adler silber in Blau, Frankfurt silber in Rot, Isny gold in Schwarz, seit 1488 mit einem silbernen Herzschild, darin ein blaues Hufeisen, Nürnberg hat einen Jungfrauenadler daraus gemacht usw. Der Landstädte mit dem ganzen oder teilweisen Wappen ihrer Herren sind sehr viele. So erscheint bei mecklenburgischen Städten der Stierkopf allein oder neben andern Bildern; die Stadt Strelitz führt das Wappen ihrer Gründer, der Herren von Dewitz. So führen viele württembergische Städte den württembergischen Schild mit den Hirschstangen mit oder ohne Beizeichen. In den Schilden vieler alt bayerischer Städte finden sich die blau-silbernen Wecken entweder einzeln oder auf Heroldsstücken. Was die Städte mit dem Bilde ihres Schutzheiligen im Siegel betrifft, so verweise ich auf das Siegel der Stadt Ingolstadt (s, bei den „Quellen“), oder auf das Wappen der Stadt Oehringen.

Der Städte mit redenden Wappen sind endlich ungemein viele. Ich erinnere z.B. an die Wappen von München (in Silber ein schwarzgekleideter Mönch), Rosenheim (in Rot eine silberne Rose), Aalen (in Rot ein silberner Aalfisch), Stuttgart (in Silber eine schwarze Stute) usf. Später noch als die Städtewappen mögen die Wappen der geistlichen Gemeinden, Bistümer, Klöster etc. und die Wappen der Zünfte entstanden sein. In den Siegeln der Bistümer finden wir in der Regel das Bild des Bischofs oder eines Heiligen, ebenso in den Siegeln der Klöster – später wurden diesen die jeweiligen Wappen ihrer Vorstände oder die Wappen der Stifter beigesetzt, wohl auch als Wappen ganz allein geführt. So z.B. führt das Erzbistum Mainz vom 14. Jahrhundert an einen roten Schild mit weißem Wagenrad, angeblich zur Erinnerung an den Bischof Willigis, welcher eines Wagners Sohn gewesen war. Das Erzbistum München-Freising, rsp. Bistum Freising, führt als Wappen in Silber einen rot gekrönten Mohrenkopf, Ursprünglich war es der Kopf des hl. Korbinian, Stifter des Bistums, und erst im 14. Jahrhundert wurde er in ein gekröntes Mohrenhaupt verwandelt.

Manche geistliche Fürsten haben Amtszeichen ihrer Würde in den Wappenschild aufgenommen, so z.B. führt das Bistum Eichstädt in Rot einen goldenen Bischofsstab mit silberner Fahne, Basel in Silber den Knopf eines schwarzen Bischofsstabs, Regensburg zwei silberne Schlüssel geschrägt in Rot. Das Erzbistum York in England hat gleiches Wappen wie das Bistum Regensburg, nur über den Schlüsseln noch eine goldene Krone, die Erzbischöfe von Dublin, Armagk und Kandelberg (Canterbury) führen im blauen Schilde das erzbischöfliche Pallium mit verschiedenen goldenen Kreuzen als Unterscheidungszeichen usf. Das Zeichen des Kreuzes ist selbsterklärlich häufig als Wappenbild der geistlichen Würden angenommen worden; dasselbe führen z.B. schwarz in Silber das Erzbistum Köln, rot in Silber das Erzbistum Trier, silber in Blau das Bistum Speyer, gold in Rot das Bistum Paderborn usw.

Ähnliche Beschaffenheit hat es auch mit den Wappen der Abteien und Klöster, nur dass hier eine Ausbildung der Heraldik noch weniger zu bemerken ist. Gewisse Orden, wie Karmeliten, Franziskaner, Jesuiten u.a., haben in allen ihren Pflanzschulen und Ablegern dieselben Siegelbilder, z.B. die Jesuiten den Namenszug Ieaum badeo aaleatorem innerhalb eines Flammenscheines. Andere Klöster haben die Wappen ihrer Stifter angenommen, z.B. Inderstorf den eckig gezogenen goldenen Balken in Blau als angebliches Wappen der Pfalzgrafen von Scheiern, Andechs das Wappen der Grafen von Andechs und Meran; manche haben die Namenspatrone ihrer Kirchen als Wappenbild, z.B. die Fürstabtei Kempten das Brustbild der hl. Hildegard. Manche endlich haben sprechende Wappen, z.B. die Reichsabtei Ochsenhausen (Schwaben) in Gold einen aus einem roten Haufe hervorschreitenden schwarzen Ochsen, das Kloster Baumburg (Oberbayern) in Rot eine zweitürmige silberne Burg, hinter welcher ein goldener Baum hervorkommt. Wappen weltlicher Vereine oder Gesellschaften finden sich auch schon in früher Zeit, z.B. das Wappen der Zunft zum grünen Esel in Ravensburg : in Silber ein grüner Esel; das der adeligen Gesellschaft zur Katze in Konstanz: in Blau eine gekrönte silberne Katze; ebenso der adeligen Zunft zum Distelzwang in Bern: gespalten von Silber und Silber, vorne ein Mannskopf mit über gezogener roter Tarnkappe, hinten ein grüner Zweig, darauf ein Distelfink sitzend. Das Wappen der adeligen Gesellschaft zu Lindau, „Sünfzen“ genannt, hatte den Reichsadler mit einem Schilde auf der Brust, welcher in Silber eine schwarze Spitze und darin einen goldenen Röhrbrunnen zeigte.

Hierher sind auch zu zählen die Schilde und Fahnen der Turniergesellschaften, z.B. im Steinbock, im Wind, im Wolff, im Bracken ) usw., welche alle die genannten sprechenden Wappenbilder führten. Eine weitere Klasse dieser weltlichen Vereinswappen sind die der Hochschulen oder Universitäten. Ihre Heraldik ist noch nicht sehr fixiert, da die meisten eigentlich nur Siegel führen, in denen neben dem Bilde des Stifters oder Schutzheiligen etwa ein Wappenschild erscheint, doch lässt sich als allgemeines Wappenbild das Buch wohl annehmen, wie denn solches die Hochschulen Ingolstadt (München), Oxford, London, Cambridge, Basel mit oder ohne andere Insignien führen.

Gelehrte Vereine, historische Gesellschaften usw. führen auch zuweilen Wappen, manche derselben sind gut heraldisch, andere schwülstig im Stil und überladen mit sinnreichen Emblemen. Unter die bessern Beispiele gehören z.B. das Wappen der Society of antiquaries zu London, welches den Georgenschild (in Silber ein rotes Kreuz), in der Mitte mit der englischen Königskrone belegt, zeigt; oder das Wappen des historischen Vereines für Oberbayern, welches unter einem von Blau und Silber gespaltenen Schildshaupte in Rot drei silberne Schildlein und einen Engel als Schildhalter zeigt.

Auch Handwerkszünfte bedienten sich schon frühzeitig der Siegel, manche haben sogar eigene Wappen und Wappenvermehrungen erhalten, z.B. die Baker und Kupferschmiede in München, welche ihren besonderen Zunftschild auf der Brust des Reichsadlers führen. Von den Webern in Augsburg geht die Sage, dass sie ihren Schild (von Rot und Gold geviertet) in der Hunnenschlacht am Lechfeld erobert hätten; die Sage von der erfrornen Schlange, welche, am Feuer eines Schmiedes erwärmt, diesen aus Dankbarkeit gebissen habe, soll Veranlassung gegeben haben, dass die Schmiede neben Hammer und Zange eine Schlange in ihrem Schilde führen, Im Allgemeinen aber darf man annehmen, dass die Zünfte sich begnügten, ein Embleme aus ihren vorzüglicheren, kennzeichnenden Werkzeugen zu bilden.

Zum Schlusse dieses Abschnittes glaube ich noch der bürgerlichen Wappen erwähnen zu müssen, und sage, dass eigentliche Wappen von freien Bürgern wohl etwas später angenommen worden seien als vom niederen Adel; dagegen ist nicht unwahrscheinlich, dass die sogenannten Hausmarken, welche später in Schilde und Wappen übergingen, ebenso frühzeitig, wenn nicht noch früher, als Wappen überhaupt gebraucht worden seien. Viele adlige Geschlechter müssen den Ursprung ihrer Wappenbilder in diesen Hausmarken suchen, ja einige Gruppen von Adelswappen, z.B. ein großer Teil der polnischen, dürften unbedingt ihre Figuren aus diesen Marken herausgebildet haben. Ich werde bei der Charakteristik der Nationalheraldik weiter darüber sprechen.

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