Mit Rad und Bahn von Igel nach Strassen

Während der Vollsperrung der Strasse in Wasserbilligerbrück regnete es zwar immer wieder, die meiste Zeit aber war ganz akzeptables Fahrradwetter.

Die erste Fahrradampel, vor einer Behelfsbrücke


So kam ich trotzdem zur Arbeit, obwohl Emil Weber die Anfahrt von Zewen, Igel etc für seine Linien (ich nehme meist die 118) für die Zeit der Bauarbeiten einfach ersatzlos gestrichen hatte! Und das, wo ich ja dafür bezahlt hab, denn anders als für den Transport auf dem Territorium Luxemburgs, ist die Strecke von Igel bis zur Grenze nicht gratis.
Ich fuhr also mit Fahrrad und Zug. Am letzten Freitag der Sperrung, am 12. Juni hatte ich diese Fahrt einmal dokumentiert:

Radfahren nach Wasserbillig

Morgens früh fuhr ich erst mal über die Fahrradpiste entlang der Mosel und ab Wasserbilligerbrück, lass ich mal die Fotos sprechen:

Die Zugfahrt nach Luxemburg-Stadt

Zu der gibt es nicht viel zu sagen. Ja, Maskenpflicht nervt etwas, an dem Tag aber war alles ganz entspannt, ich bekam einen guten Platz für mein Rad und auch für mich.

Mit dem Fahrrad durch die Baustellen in Luxemburg: vom Bahnhof nach Belair

Spannend wurde es erst als ich in der Stadt angekommen war.
Wie sollte ich fahren? Ich entschied mich für die klassische Variante, aus der Zeit als ich noch fast täglich mit Rad und Zug zur Arbeit fuhr. Auf der Karte habe ich diese rot eingezeichnet.

Damals gab es zwar noch nicht den Radweg in der alten Avenue, dafür aber noch eine Radspur über den Viadukt. Heute bieten sich Alternativen an:

  1. Entweder fährt man am Ende der Avenue de la Gare nach links über den Boulevard de la Pétrusse und kommt dann an den Pont Adolphe. (rosa eingezeichnet). Das ist der offiziell empfohlene Weg (siehe Foto 32179). Den nehme ich aber nie gerne, weil es eine zu gleich sehr enge, aber nur wenig von Fussgängern frequentierte, etwas versteckte Strasse ist. Da fühlen sich die Autofahrer unbeobachtet und rennen! Wenn dann ein Radfahrer sie daran hindert schneller zu fahren, dann wird der schon mal gerne ausgehupt oder schlimmeres. Ein weiterer Nachteil: man muss an zwei Ampeln lange warten, die eine vor dem Pont Adolphe (vor der Sparkasse), und die zweite danach am Überweg, wenn man es über die Hängebrücke geschafft hat, hochgefahren ist und nun die die Avenue Marie-Thérèse überqueren muss um entweder in den Park oder die genannte Strasse einzubiegen.
  2. Seit letztem Jahr wurde ein Stück Radweg am Rosengarten in der Rue Zithe geschaffen, wo vorher nicht für Radfahrer freigegebene Einbahn war. (Blaue Strecke). Durch diese wurde eine gute Alternative zur Avenue de la Gare geschaffen. Leider muss man sich an der Place de Paris zur Zeit etwas durch die Baustelle quälen (weshalb ich die Variante an dem Tag auch verwarf) und um die Bettelampel mit der extrem langen Wartezeit in der Avenue Marie-Thérèse kommt man so auch nicht rum.

Aber hier erst mal, wie ich gefahren bin, an jenem Freitag:


Hervorheben will ich noch das folgende Bild, es zeigt die bereits am 28.6 beschriebene schwierige Situation an der Ampel, die dadurch entsteht, dass die Verkehrsführung den Radfahrer hier auf den Bürgersteig zwingt, statt ihn auf der Fahrbahn zu lassen. Hier hat der Radfahrer die Wahl, ob er sich mit den an der Ampel Wartenden anlegt, sich lieber aus der Gefahrenzone durch Abbieger entfernt, oder aber lieber sich aushupen lässt, weil er die Pflicht auf dem Bürgersteig zu fahren nicht mitkriegt.

Die Hauptschwierigkeit war also erst mal den Einstieg zu finden. Die Fahrt über den Viadukt und den Boulevard Roosevelt kann man auch schwierig finden, aber wie man damit trotzdem klar kommt, hatte ich am 28.6. beschrieben.

Mit dem Fahrrad den Berg hoch nach Strassen

An dieser Stelle schummele ich etwas. Die folgenden Fotos die meinen Weg ab der Ampel über den Belair beschreiben, hatte ich am Tag zuvor schon gemacht, als ich aus der Kantine kam und zurück zur Arbeit fuhr. In der Tat kam mir da die Idee, vielleicht den ganzen Weg mal zu dokumentieren.
Die Brücke ist ein sogenannter Zwangspunkt, über den muss man. Hier kann man sich allerdings auch entscheiden, wie man fahren will. Egal wie man sich entscheidet, es geht nun mehr oder weniger berghoch. Die gewählte Alternative ist etwas länger:

  • über die Avenue Marie Thérèse,
  • über die Kreuzung am “Foyer” rein in die Avenue Guillaume,
  • über die Kreuzung mit der X Septembre, rein in die Maréchal Foch,
  • den Boulevard de Verdun hoch, der für Luxemburger Verhältnisse eine Überraschung bereit hält: ein altmodischer Hochbordradweg (wir waren so lange unmodern bis wir wieder modern waren; in Luxemburg konnte sich diese deutsche Mode nie durchsetzen),
  • und danach dann durch die Avenue Grand-Duchesse Charlotte,
  • schliesslich rechts über die Avenue des Aubépines hoch. Die hat die bedeutendste Steigung.

Da das Arbeitsintegral wegunabhängig ist bedeutet das aber auch: diese Variante ist weniger anstrengend! Alternativen die ich sonst gerne wähle sind:

  1. (auf der Karte: blau) Durch den Park, über die Avenue Monterey ENTGEGEN der Einbahn, die ist nämlich für Radfahrer freigegeben, und dann durch die Avenue Gaston Diderich bis zur Kreuzung mit der Avenue Grand-Duchesse Charlotte, dann weiter wie bei der gewählten Route. Früher fand ich dies die optimale Route (siehe meinen Beitrag von 2008), weil in der Strasse viel weniger Verkehr war. Doch dann erfand man die Navis und nun sind dort auch immer viele Autos, die trotz Tempo 30 gerne überholen und seit die SUVs Mode wurden auch gerne “in der Mitte der Strasse fahren“.
  2. Oder die, je nachdem sportlichere oder faulere Variante (auf der Karte: grün): weiter durch den Park, dann links durch die Arsenalstrasse (Avenue Emile Reuter) zur Place de l’étoile. Dort dann entweder in den Bus No 22 oder 28 steigen (die faule Variante, optimal ausserhalb der Stosszeiten, wenn es regnet oder windet – aber wir hatten ja bestes Wetter!) oder den steilen Berg der Route d’Arlon hochtreten! Letzteres ist nicht nur anstrengend, sondern insofern etwas gefährlich, weil man wieder zwischen Bussen und Autos eingequetscht ist. Hier sollten die Behörden die Busspur für den Radverkehr freigegben, wenn man schon keinen Radweg einrichten will.

Ich entschied mich aber hier für diese Strecke, weil es hier schon etwas mehr Einrichtungen für den Radverkehr gibt, was mir Gelegenheit geben sollte, öfter anzuhalten und Fotos zu schiessen – wir waren ja nicht in Eile.

Das letzte Stück ist gefährlicher als es ausschaut

Wir sind fast da, aber es wird noch einmal schwierig. Zunächst fahren wir durch die vor wenigen Jahren erst angelegte neue Avenue Grand-Duchesse Charlotte. Sie sieht sehr ruhig aus, aber gerade dann lauert die Gefahr und die geht von den Kraftfahrzeugen aus. Wenig Verkehr verleitet immer dazu, zu meinen, man dürfe vielleicht doch irgendwie schneller fahren.
Besonders fies ist das letzte Stück bevor wir auf die Route d’Arlon stossen: Die Avenue des Aubépines steigt an, das heisst:

  1. Wir müssen treten, dadurch brauchen wir mehr Platz. Viele Nur-Autofahrer haben dafür kein Verständnis, sie fahren nie selber Rad und wissen nicht, dass Fahrräder nicht so spurtreu fahren können wie ihre Autos auf vier Rädern. Gerade wenn man nicht so schnell fahren kann wird der Lauf instabil, also pendelt das Rad um dies auszugleichen.
  2. Wir müssen auf sich öffende Autotüren achten, denn die meisten die hier stehen wohnen nicht hier, die arbeiten und sind gerade erst angekommen. Auch wenn die von hinten hupen: schön einen Meter von den geparkten Autos wegbleiben!
  3. Unglücklicherweise sind um die Zeit auch sehr viele Autofahrer unterwegs zur Arbeit. Eine ununterbrochene Kette quält sich hoch und weil es ansteigt, geben sie gerne auch Gas. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit dann überschritten wird, egal. Radfahrer machen da nervös und aggressiv. Ich fahre meistens von Zeit zu Zeit in die Parkbuchten, laufe dann aber Gefahr, dass man mich nicht wieder einfädeln lässt. Wenn Du anhalten musst, ist der ganze schöne Schwung weg, also schön durchhalten.
  4. Schwierige Stelle: die Einmündung der Rue du Kiem. Die Autofahrer von dort sind wartepflichtig, aber es sind immer viele die meinten, die route d’Arlon so umfahren zu können. Diese Autos, aber auch LKW und Linienbusse stauen sich also und ragen gerne mal ein wenig mit der Schnauze in den gegenüberliegenden Radweg rein, um ihren Wunsch vorgelassen zu werden Nachdruck zu verleihen. Viele Autofahrer auf der Aubépines weichen denen instinktiv nach rechts aus und schnüren dem Radfahrer den Weg ab, Angebotsstreifen hin oder her!

Wenn wir es erst mal bis in den Kreisverkehr geschafft haben, sind wir gerettet, den Weg danach schildere ich nicht.
Na? Wer hat es ausgehalten das jetzt alles zu lesen?

Zur Situation für Radfahrer rund um die Place de la Constitution

Kürzlich hatte ich dem Leser mitgeteilt, dass ich mich wieder mehr für das Radfahren in Luxemburg engagiere.
Ein wichtiges Nadelöhr vom Bahnhof nach Belair ist für den Radfahrer zur Zeit die Situation zwischen dem Viaduct und der Place de Bruxelles (Pôle Nord).
Seit 2007 bestand hier ein abgetrennter Radweg, leider in zwei Richtungen, aber immerhin! Vor allem viele ungeübtere Radfahrer bestehen auf so einer Abtrennung vom Kraftverkehr, sonst fahren sie gar nicht, und ich kann sie gut verstehen. Diese Verbindung wurde 2018 dann aber ersatzlos gestrichen, als die Arbeiten zur Verbreiterung der Brücke begonnen wurden. Zudem wurde ein regelmässiger Busverkehr in Richtung Bahnhof aufgenommen, ein Kraftverkehr den es in die Richtung zuvor nicht gab. In Richtung Bahnhof kann man seither nicht mehr legal mit dem Fahrrad fahren. Stattdessen muss man:

  • entweder das Rad über den stets sehr vollen Bürgersteig auf der anderen Seite schieben,
  • oder einen erheblichen Umweg über den Pont Adolphe fahren!

Man hätte hier entweder die Busspur für Fahrräder freigeben, oder eine Kraftfahrspur temporär opfern müssen. Minderwertigerweise tat man lieber einfach gar nichts.



Von der anderen Seite her ist die Spur aber befahrbar. Das ist auch als Radfahrer recht gut machbar, denn der Kraftverkehr hat, seit die Gegend um den Bahnhof für die Autos so schlecht zu befahren ist, deutlich nachgelassen. Die suchen sich wohl andere Wege. Man muss nur warten bis es grün wird, sich erst rechts halten, so als habe man echt vor durch den Tunnel zu fahren, dann die wenigen verbliebenen Autos und Busse einfach vorbei lassen und wenn dann die Bahn frei ist, nach links abbiegen auf die Kathedrale zu. Nur der letzte Punkt ist manchmal schwieriger, hier bitte echt darauf achten, dass man alle Busse dieser Grünphase durchgelassen hat. Notfalls kann man, wenn man ängstlicher ist, auch am Plateau du Saint Esprit absteigen und über den Bürgersteig bis zum alten Athenäum schieben (bitte nicht fahren!).
Nach dem Abbiegen wichtig: nicht zu weit rechts, eher fast in der Mitte der Spur fahren denn rechts von euch verläuft noch eine Busspur! Die Autos soll man ruhig hupen lassen, sie sind im Unrecht, denn legal überholen können sie euch an der Stelle gar nicht, weil es nur eine Spur ist und kein Auto ist so schmal, dass man damit überholen UND die vorgeschriebenen 1,50 Meter einhalten kann. Der Radfahrer hat an dieser Stelle das höher zu wertende Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, derweil ein Recht darauf mindestens so schnell zu fahren zu können wie maximal erlaubt, im Code de la route nicht vorkommt, auch wenn die Autonation das manchmal zu haben glaubt.
Übrigens halten auch die wenigsten Busfahrer, die dann rechts vorbei brettern die 1,5 Meter ein, aber gerade mit denen rechnen wir ja, daher halten wir uns weiter links. Einzelne Autos überholen dann verbotenerweise rechts, das macht aber nichts, DIE begehen ja dann die Ordnungswidrigkeit und nicht wir. Zum Glück hat sich die verachtenswerte deutsche Mode Radfahrer anschliessend, durch knappes vor ihnen Einscheren und so zum Bremsen zwingen und auf jeden Fall einen kräftigen Schrecken einzujagen, zu “belehren”, noch nicht durchgesetzt.

Auf der Höhe des Parkhauses steht übrigens ab hier rechts auf dem Bürgersteig, gut versteckt ein Schild “vorgeschriebener Radweg” (blauer Lolli). Es ist aus vergangenen Tagen und trägt nur der Verkehrssituation vor Beginn der Bauarbeiten Rechnung: ein Radfahrer könnte es an dieser Stelle gar nicht schaffen der Vorschrift nachzukommen und sich unter die Fussgänger zu mischen, dafür kommen zu viele Busse angeschossen. Zu eurer eigenen Sicherheit also am besten so tun als hättet ihr es nicht gesehen und weiterradeln. Hier gefährdet nämlich die Verkehrsplanung Menschenleben!
Erreichbar ist hingegen ab etwa der Höhe der britischen Botschaft (links) oder spätestens der Staatskantine (Platz vor der Kathedrale mit Denkmal für die ermordeten Juden), auf der LINKEN Seite: der neue Radweg der künftig zum Bahnhof führen wird. Wenn man denn erst mal wieder auf der Brücke fahren darf. Leider in zwei Richtungen, also angeordnetes Geisterradlen!

Dem ängstlicherem Radfahrer empfehle ich wegen der erwähnten vielen Busse auch, diesen ab hier zu benutzen! Leider hört er kurz vor der Place de la constitution unvermittelt auf?! Nun wird die Spur Richtung Pôle Nord, mittels eines kombinierten Fussgänger- Radüberweg, verfügbar nur mit Bettelampel mit sehr langer Wartezeit wieder auf die rechte Seite verfrachtet.

Das Warten auf Grün, was hier wieder minderwertigerweise sehr, sehr radfahrerunfreundlich durchgeführt wurde, dauert aber vielen zu lange und sie fahren als Geisterradler auf dem Bürgersteig weiter geradeaus. Hier haben sie dann nicht nur Probleme mit entgegenkommenden Radfahrern, oder falls sie auf den Gehweg ausweichen mit Fussgängern, sondern drohen auch mit den sehr zahlreichen Parkern dort zu kollidieren. Viele achten beim Rechtsabbiegen schon nicht auf die Radfahrer die in der richtigen Richtung wie sie selber unterwegs sind, wie sollen sie da auch mit Geisterfahrern klar kommen? Sollte man also wirklich nicht machen.
A propos: Sollten die Parkplätze um die “Gëlle Fra” nicht mal verschwinden? Sehe nichts davon!
Glaube hier hat sich die motorisierte “Bloss keinen Meter zu Fuss gehen müssen” Fraktion wieder einmal, diesmal unter dem wohlfeilen Vorwand “Corona”, durchgesetzt: der Parkplätze sind sogar mehr geworden, weil die Touristenbusse da nicht mehr verkehren.
Schlecht gemacht ist auch der Einstieg auf der anderen Seite, wo man gleich noch einen Überweg nutzen muss und wo, angesichts der Nähe der Kathedrale, häufig touristische Fussgänger rumstehen.

Nun geht es weiter Richtung Pôle Nord, hier wird man wieder auf den Bürgersteig gelenkt und hat öfter Probleme mit Rechtsabbiegern. Seltener zwarals vor dem Umbau, weil jetzt so viele lange Busse dabei sind, die natürlich alle gerade ausfahren, aber wenn dann doch mal einer abbiegt hat er euch auch seltener gesehen als vorher, weil sein Blick bis zum Einschlagen des Lenkrades auf den Kofferraum des Busses fixiert war.

Dann kommt man an die Kreuzung des Bvd Roosevelt mit dem Bvd Royal. Hier steht eine neuartige Radfahrerampel, die nun das Radfahrerherz entzweit:

  1. Auf den ersten Blick löst sie ein häufiges Problem, das viele Tote unter uns verursacht hat: An der Stelle müssen die Busse rechts abbiegen in den Bvd Royal. Die Ampel für Radfahrer schaltet ein paar Sekunden vor der Ampel für die Kraftfahrer auf grün. Der Radfahrer hat so die Möglichkeit die Kreuzung zu queren, bevor die Kraftfahrzeuge losbrettern, sie sind im Idealfall weg bevor die Kraftfahrer selber losfahren können, zumindest sind sie bis dahin aus dem “toten Winkel” rausgefahren, den schwere Kraftfahrzeuge bei falsch eingestellten oder nicht benutzten Spiegeln nun mal haben.
  2. Leider schaltet sie auf rot, sobald die Kraftfahrer grün haben, denn 90% der KFZ sind rechtsabbiegende Busse! Das heisst, der Radverkehr geradeaus kann nur in einem sehr kurzem Zeitfenster erfolgen, danach staut er sich, denn die Phase für die Busse ist sehr viel länger! Hier wurde das Prinzip “Geradeausverkehr vor Abbiegeverkehr” mit Füssen getreten!

Hinzu kommt, dass ein direktes Abbiegen nach links auf den Pont Adolphe nicht ermöglicht wird, hier waren vorher sehr sinnvolle Radaufstellstreifen. Wer zum Bahnhof will, muss:

  1. Entweder wissen dass er erst die Kreuzung überqueren, dann wieder ganz lange an einer sehr ungünstig eingestellten Bettelmpel warten muss, um die Strasse zu queren, dann kann er über die unter der Neuen Brücke aufgehangene “Passerelle” fahren.
  2. Oder er muss direkt an dieser Stelle die Strasse überqueren, wo die Ampel auch nicht fussgängerfreundlich ist und dann sein Fahrrad die Treppe runter tragen, denn minderwertigerweise wurde statt einer Fahrradrampe (als Zubringer für einen Fahrradweg!!!) nur eine rechtfragwürdige Fahrradrinne verbaut, die ich bei ihrer Fertigstellung noch gut fand, nur weil sie im Vergleich zur noch schlechteren am Bahnhof passabel war.

Es wurde also sehr radfahrerunfreundlich gelöst. Vielleicht entsteht, wenn die vielen Baustellen von Tram, Centre Hamilius etc. mal zu Ende sind eine Alternative durch die Rue Notre Dame, aber werden auch Touristen die erkennen?
Schwierig gestaltet sich auch die Weiterfahrt, an dem Tag zusätzlich erschwert dadurch dass wieder mal eine Baustelle den Radweg beanspruchte, aber niemand verpflichtet war, dabei auch auf die Sicherheit der Radfahrer zu achten. Die stellten einfach ein Schild “Vélo à la main” hin und glaubten sich so aus der Verantwortung raus.


Die dagegen immer bestehende, fest eingeplante Schwierigkeit besteht darin, dass der Radweg an der Stelle mal wieder kurz auf den Bürgersteig geführt wird, wo aber häufig Fussgänger und Radfahrer darauf warten, dass die Ampel für den Überweg (Zebra) endlich mal grün wird. Dies, weil man meinte, sich noch eine Abbiegerspur für KFZs aus der anderen Richtung aus der Avenue Marie Thérèse leisten zu müssen. Minderwertigerweise hat man an der Stelle auch den beschriebenen Weg quer durch die Fussgänger zur Pflicht gemacht, also die Gefährdung der Fussgänger sogar angeordnet!
Man kann nur hoffen dass ein Entscheider in naher Zukunft mal den Führerschein abgeben und dann selber Rad fahren müsste.

Ja, Vollsperrung in Wasserbilligerbrück

Was sich schon am Donnerstag abgezeichnet hatte, ist seit gestern bestätigt: Vollsperrung der Strasse in Wasserbilligerbrück.
Schon am Wochenende hatte es sich angedeutet, überall waren Schilder die auf die Sperrung aufmerksam machten aufgestellt worden, so in Zewen wo den Kraftfahrern erklärt wurde, dass hier nun die letzte Wendemöglichkeit wäre. Sie waren aber noch überklebt.
Gestern bin ich dann nach Wasserbilligerbrück gefahren. Schon ab Löwener Mühle war die Strasse abgesperrt. Ich ging dann zu Fuss weiter um zu klären, ob man denn wenigstens mit dem Rad oder zu Fuss rüber kommt. Ja kann man!


Mit dem Aufreissen war schon begonnen worden. Auf dem Rückweg erklärte ich noch einigen Autofahrern was ich weiss. Ein Pendler zeigte sich völlig verzweifelt als ich ihm riet, bereits in Trier über die Mosel zu fahren, und dann in Grevenmacher wieder zurück aufs linke Ufer. Die Alternative über Liersberg erstmal das Sauertal hoch, oder durch die Weinberge ist auch nicht trivial für den der nicht von hier ist. Eine gute Frage ist auch, ob sie in Langsur auf der Brücke nun eine Ampelschaltung haben?
Mein Fahrrad aufgehangen im Zug

Mein Fahrrad im Zug. Einer der wenigen Wagen, wo man das Rad aufhängen muss.


Heute morgen habe ich mich also auf mein KTM Terano gesetzt und bin nach Wasserbillig gefahren, 4,8 km. Wird ein richtiggehendes Sportprogramm die nächsten Wochen!
Nach so langen Jahren immer nur im Bus, genoss ich es richtig, auch mal wieder Zug zu fahren. Etwas ungünstig war, dass ich mein Fahrrad aufhängen musste. Ich befestigte es aber, damit es nicht hin- und herschaukelt. Angenehm, ich konnte daneben sitzen, denn das Abteil war leer, und ich konnte ein paar Notizen aufschreiben.
In der Mittagsstunde, eine schöne Überraschung: die Staatskantine hat ihre Pforten wieder geöffnet und direkt mit Spaghetti Bolognese, eines ihrer erfolgreichsten Menus angeboten. Endlich, mein persönliches Stück Normalität ist wieder hergestellt, jetzt glaube ich auch an das “Déconfinément”.
Auf der Rückfahrt merkte ich, dass man mit dem Rad zur Zeit im Bahnhofsviertel doch ziemlich aufgeschmissen ist. Ich fuhr wie immer, die Gaston Diderich runter, dann durch den Park, steuerte aber nicht gleich das Pole Nord an, denn die Ampelschaltung für Fussgänger und Radfahrer ist sehr ungünstig, da steht man ewig! Lieber fuhr ich Stück in Richtung “Foyer” und kreuzte die Strasse dort, wo die Avenue Joseph II hoch geht, denn dort wird noch nach Zeitschlitzen geschaltet und nicht per Bettelampel. Dann über die Brücke unter der Brücke (Pont Adolphe und die Rue Zithe Richtung Bahnhof. leider ist dort nur noch eine Fahrspur, auf der die Autos ewig stehen und natürlich keiner rechts Platz lässt. Morgen fahre ich anders!

Abends wollte ich wissen, wie man mit dem Auto denn vielleicht noch rüber käme. Daher fuhr ich mit dem Rad nicht direkt von Wasserbillig zurück, sondern erst nach Langsur. Dort führt noch eine, freilich einspurige Brücke über die Sauer. Polizisten standen dort auf unserer Seite, hielten die Autos auf und winkten ihren Kollegen auf deutscher Seite zu, um den Verkehr zu regeln. Ob sie demnächst eine Ampelanlage aufstellen?


Dann fuhr ich über den Brüderberg (vulgo Champagnerhügel) durch die Weinberge, am Grutenhäuschen vorbei nach Igel. Etwas oberhalb der Löwener Mühle, mitten im Weinberg, kam mir ein Auto auf dem Feldweg entgegen. Es holperte sehr auf dem grasbestandenem Weg. Der Fahrer fragte mich, ob ich wüsste, wie man die Baustelle umfahren könnte. Ich war völlig ausser Atem wegen dem Anstieg. Jedenfalls nicht daher, wo Sie gefahren sind, das ist nur ein schmaler Pfad. Ich schickte ihn nach Langsur zurück, wenn er nich den Weg nach Liersberg finden würde.

Wird es jetzt eine Vollsperrung in Wasserbilligerbrück geben?

Zuerst las ich es am Donnerstag bei die Grenzgaenger.de:

Vollsperrung von wichtiger Grenzgänger-Strecke
Ab dem 02. Juni 2020 wird die B 49 in der Ortsdurchfahrt Wasserbilligerbrück voll gesperrt.
(..)
Die B 49 hat in diesem Streckenabschnitt eine hohe Verkehrsbelastung mit rund 12.730 Fahrzeugen in 24 Stunden. Bedingt hierdurch zeigen sich in der Fahrbahn starke Verdrückungen, die eine erhebliche Unfallgefahr mit sich bringen.

Das LBM hätte sofort als die Grenzschliessungen beschlossen worden waren, die Gelegenheit genutzt und die Arbeiten ausgeschrieben. Inzwischen sind diese Schliessungen nun schon wieder einen Monat aufgehoben, aber gut, irgendwann muss die Arbeit ja gemacht werden.

Leider wies mich dann noch Johannes Mirbach am Freitag in seinem Pendler Newsletter, auf einen, auch für mich ungünstigen Umstand hin:

Deshalb müssen die Buslinien 118 und 306 so lange umgeleitet werden und können die Haltestellen in Zewen und Igel sowie Wasserbillig, Op der Bréck und Wasserbillig, Cimetière nicht anfahren, siehe https://www.mobiliteit.lu/de/stor-und-verkehrshinweise/?searchKeyword=118&typeTransport=all.

Dort steht:

Wie zuletzt im August 2015 und zuvor 2014 würden demnach die Busunternehmer die Leistung, für die wir freilich bezahlt haben, einfach nicht erbringen! Wäre der Transport, wie auf Luxemburger gratis, wäre dagegen natürlich nichts zu sagen. Interessanterweise ist der Hinweis auf dem Leistungsausfall für Zewen, Igel etc inzwischen aber wieder verschwunden.

Aber ob sie überhaupt morgen damit anfangen? Immerhin war die Pressemitteilung noch recht unpräzise mit “Bedingt durch die notwendigen Vorlaufzeiten und die vorgeschriebenen Fristen bei öffentlichen Ausschreibungen ist der 02. Juni 2020 der frühestmögliche Baubeginn.“. Frühestmöglich heisst ja nicht, “wir fangen Dienstag dann an”.
Morgen hab ich noch frei, dann werde ich mal schauen. Als Alternative stünde der Zug zur Verfügung, wobei es dort aber unverständlicherweise so geregelt wurde, dass ich mit meiner Jahreskarte für den Bus den gar nicht nehmen darf. Angeblich hatte sich die DB damals bei den Verhandlungen für das Pendler Abo quer gelegt. Jetzt im Sommer würde ich ja am liebsten mit dem Fahrrad nach Wasserbillig fahren, aber wenn die Brücke vollgesperrt ist, kann man sicher auch nicht zu Fuss oder mit dem Rad rüber, schwimmen möchte ich dadurch allerdings doch nicht.

Ab heute brauche ich einen Passierschein um abends wieder heim zu kommen

Wegen der Corona Krise hat der deutsche Innenminister Seehofer die Grenzkontrollen, auch zu Luxemburg reaktiviert. Leider arbeite ich in Luxemburg, wohne aber in Deutschland.
Damit die Bundespolizei uns abends wieder heim lässt, brauchen wir Pendler nun einen Passierschein, den der Arbeitgeber ausstellen muss. Ein Muster kann unter
https://gouvernement.lu/dam-assets/documents/actualites/2020/03-mars/Zertifikat-Berufspendler-Nachweis-Notwendigkeit-Grenzuebertritt.pdf heruntergeladen werden.
Mein Dienstherr hat ihn mir heute mittag unterschrieben. Heute abend bin ich allerdings noch ohne durchgekommen, in Wasserbillig stand heute abend keine Bundespolizei.

Werde wieder zum Mobilitätswendeverlierer

Aus Gründen der Gesundheit, der Verkehrssicherheit und des Klimaschutzes befürworte ich die vielbeschworene Mobilitätswende. Es kann nicht länger sein, dass wir alles Mögliche mit dem Auto erledigen.
Wer nicht gerade dort wohnt oder arbeitet und jeden Tag die Staus auf den Autobahnen und Strassen mitgekommt, sondern nur die Zeitung liest könnte glauben, in Luxemburg stünde sie nun kurz bevor! So schreibt die Onlinezeitung für Grenzgänger heute1:

In Luxemburg ÖPNV bald kostenlos
In Luxemburg hingegen wird der öffentliche Personennahverkehr im gesamten Großherzogtum kostenlos. Vom 1. März 2020 an ist Luxemburg das erste Land der Welt, in dem man für Busse und Bahnen keine Fahrkarten mehr braucht. Nur die 1. Klasse der Bahn bleibt kostenpflichtig.

Dies schreiben sie aber vor allem um einen Kontrapunkt zur deutschen Bahn zu setzen. Wer hingegen Grenzgänger ist, kann nicht umsonst fahren, denn die Luxemburger können natürlich nur auf ihrem eigenen Territorium ein Gesetz zur Übernahme der Fahrkosten erlassen. Den Teil, den die Grenzgänger in ihren Herkunftsländern im ÖPVN fahren übernehmen sie natürlich nicht! Immerhin aber, wird für sie der Teil wegfallen, der auf luxemburgischem Staatsgebiet zurückgelegt wird. Es wird also in Zukunft für alle billiger, wenn sie Bus und Bahn in Luxemburg benutzen.

Für alle ?

Nein! Für mich persönlich, der ich seit 2004 grösstenteils mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahre, sorgt wieder einmal ein Detail der Vereinbarung aber dafür, dass es für mich sogar teurer wird!
Denn bislang zählte der Grenzort Igel in dem ich wohne, seit etwa 2016 (?) zum nationalem Gebiet, d.h. ich musste nur zahlen, was ich auch in Wasserbillig gezahlt hätte. Diese Ausnahme fällt nun wieder!
Durch diese Regelung und dem Umstand, dass der Luxemburger Staat die MCard für ihre Angestellten anbot, konnte ich jetzt drei Jahre sehr günstig mit dem Bus fahren.
Inzwischen weiss es auch die nationale Presse http://www.lessentiel.lu/de/luxemburg/story/gratis-opnv-wird-fur-einige-pendler-teurer-als-vorher-13592945.
Die Einwohner der Grenzdörfer auf Luxemburger Seite haben jetzt schon Angst, dass nun wieder die pendelnden Grenzgänger ihnen alle ihre Parkplätze wegnehmen. Vermutlich werden sie Parkplatzgebühren erheben müssen.
Ich werde dem ÖPNV treu bleiben und ein Jahresbillet von 379 Euro kaufen.
Sehr blöd gemacht ist, dass ich zwar ab 1. März schon das Ticket für die 4 km gekauft haben muss, es aber erst am Sonntag kaufen KANN. Immerhin gelang es mir, mir inzwischen ein Karte in der Mobilitätszentrale ausstellen zu lassen. Dazu musste ich ein Formular ausfüllen, mir ein Mshop Konto zulegen (hatte ich schon) und, besonders lästig, mich in der Fotokiste am Bahnhof ablichten lassen. Ich werde mich überraschen lassen.

  1. unter: https://www.diegrenzgaenger.lu/mobilitat/die-bahn-und-ihre-preise/ []

Weitere Erfahrungen mit den technischen Defekten bei Vel’Oh!

Mein Erfahrungsschatz mit Vel’Oh! wächst weiter.

Inzwischen berichtete auch die Onlinezeitschrift “Die Grenzgänger” über die technischen Probleme!

Kurz: die Benutzung der Vel’Oh!s ist zur Zeit gratis, die dafür grösstenteils allerdings auch nicht funktionieren1. Denn in einer hügeligen Stadt wie Luxemburg ein fast 29 kg schweres Rad zu treten2 ist nicht ganz ohne.
Grenzgänger schrieb:

Heute sind Probleme wie Beleuchtung oder Fahrraderkennung in Bahnhöfen gelöst, aber die Unterbrechung der elektrischen Unterstützung während der Fahrt ist noch nicht behoben.

Was mit der “Fahrraderkennung in Bahnhöfen” gemeint ist, weiss ich nicht und ob das Licht jetzt immer funktioniert kann ich nicht überprüfen, weil es jetzt meistens abends schon hell ist. Interessant ist aber, was sie weiter schreiben:

Dieses Problem (“die Unterbrechung der elektrischen Unterstützung während der Fahrt”) ist auf ein fehlerhaftes Verhalten eines elektronischen Teils der Karte zurückzuführen, der die elektrische Unterstützung steuert. Um dies zu korrigieren, werden wir (-sic-) die betreffenden Karten in allen Fahrrädern ersetzen und das Zusammenspiel aller Komponenten dieser Karten und des gesamten Systems neu programmieren, so dass alle Elemente korrekt miteinander interagieren. JCDecaux plant für diese Systemüberholung etwa 6 bis 8 Wochen, um das System bis Mitte April 2019 voll funktionsfähig zu machen.

Wer jetzt mit “wir” gemeint ist, weiss ich auch nicht, ich vermute mal die Grenzgänger haben vielleicht eine Mitteilung von JCDecaux abgeschrieben und an einer Stelle vergessen die erste Person Mehrzahl durch die dritte zu ersetzen 😉 Weniger schlimm.
Es läge demnach also weniger an den Batterien, dass die elektrische Unterstützung immer dann versagt wenn sie gefordert ist, z.B. wenn es Minusgrade hat und es bergan geht, sondern an so einem Chip. Das könnte das entsetzliche Geräusch, verbunden mit großem mechanischem Widerstand erklären, vielleicht schaltet die Elekronik irrtümlich in den Dynamobetrieb?
Dass die Probleme zur Zeit noch nicht behoben sind, musste ich diese Woche wieder erfahren.

Ausgehupt und stehengelassen am Montag

Am Montag den 25. Februar wollte ich von meiner Dienststelle zum Bahnhof fahren um anschliessend ein Konzert zu besuchen, weshalb ich mein eigenes Rad nicht nehmen wollte. Ich lieh mir an der Route d’Arlon per Handyapp (was anderes funktioniert ja bekanntlich an der Stelle nie), ein Vel’Oh!. Nach wenigen Metern merkte ich: Es war ein Fehlgriff, der Reifen hatte nicht genug Luft und das Vorderrad eierte etwas.
Dann fuhr ich die Rue des Aubépines, da hupte mich so ein SUV Fahrer aus, weil ich für seinen Geschmack zu weit links fuhr. Das hatte aber seinen guten Grund, denn entlang der Strasse parken IMMER Autos und zur Zeit auch viele Baufahrzeuge, wo gerne mal Fahrzeugtüren ohne Vorwarnung auffliegen. Da Gegenverkehr war, konnte er an der Stelle ohnehin nicht legal überholen, denn die Spur muss dabei gewechselt werden, wenn die 1,5 Meter Abstand zum Radlenker links eingehalten werden sollen.


Er der König der Strasse fühlte sich aber wohl in seinen herrscherlichen Prärogativen beschnitten weil er die, nur theoretisch erreichbaren 50 km/h, jetzt mit seinem breiten geländetauglichen Gefährt nicht ausfahren konnte.
Ich zeigte auf die parkenden Autos und rief “Du gesäiss dach, dass do Autoen stinn!“.
Was ich nicht wusste, er hatte das Beifahrerfenster schon runter gelassen und blöckte zurück “Dir braucht guer nit sou haard hei ze jäitzen!“.
Dann kam zum Glück eine Parklücke, in die fuhr ich rein und liess ihn vorbei ziehen. Er bedankte sich brav mit einem Stinkefinger und aus meinem Mund erklangen Tiernamen. Letzteres zu meinem eigenen grossen Erstaunen, aber in solche Situationen wo mehrere Tonnen Stahl dich kraftvoll bedrängen schüttet der Körper wohl fleissig Adrenalin aus.
Weiter ging meine Vel’Oh!fahrt, doch nebem platten Vorderreifen machte sich nun auch das Geräusch wieder bemerkbar. Die elektrische Unterstützung fiel aus und obwohl das Gelände abschüssig blieb, die 28,5 kg liessen sich nicht leicht treten. Also gab ich das Rad bei nächster Gelegenheit in Merl zurück. Hierbei machte ich dann die unerfreuliche Feststellung, dass Vel’Oh! mich kein neues Rad ausleihen liess, sondern behauptete, ich hätte ja noch eines in Besitz! Die Erfahrungen vom nächsten Tag sollten mich lehren, dass der Mechanismus an der Vel’Oh!-Säule offenbar nicht immer richtig schliesst. Ist das der Fall, erkennt er das Rad auch nicht als zurückgegeben an.
Danach musste ich zu Fuß bis zur Kirche von Merl gehen, wo ich dann in den Bus No 13 einsteigen konnte. Auf weitere Vel’Oh! Experimente hatte ich an dem Abend keinen Bock mehr, denn Melissa wartete auf mich.

Drei Vel’oh!-Fahrten am Dienstag

Geplant war erst was in der Kantine (an der Kathedrale) zu essen und dann weiter zum Training ins Kieser (rue du Rangwee). Zunächst lieh ich mir ein Vel’Oh! an der Route d’Arlon und fuhr ohne Beanstandung mit dem zum Plateau du Saint Esprit. Unterstützung funktionierte, war aber auch nicht nötig, es ging ja stets bergab. Probleme machte das Rad erst, als ich es zurückgeben wollte. Der Riegel wollte nicht einrasten und das Rad war damit weder abgegeben noch konnte es geladen werden. Der Effekt vom Vortag war wieder da, erst die dritte Säulen nahm das Rad zum Glück an.
Nach dem Essen kam mir die verwegene Idee, mit dem Vel’Oh! weiter zum Rangwee zu fahren, das Rad dort abzuschliessen und nach dem Training zurückzufahren, denn die Grenze der 1/4 Stunde ist ja aufgehoben, weil zur Zeit alles kostenlos wäre. Allerdings bemerkte ich, dass an den neuen ElektroVel’Oh!s gar keine Schlösser mehr dran sind zum Abschliessen. Ein Aufkleber verhiess zwar, per Anruf könnte ich so eine Pause einlegen, aber was solls, dachte ich: ich bin doch unterwegs um sportlich zu sein, also kann ich es auch am LTB abgegeben und den Rest zu Fuß gehen.
Schon in Bonnevoie liess die anfangs noch verfügbare elektrische Unterstützung merklich nach, da ging jetzt ja auch bergauf.
Nach dem Training wollte ich zunächst mit dem Bus zurückfahren. Dann hielt die Linie 3 am LTB wo die Schule gerade aus war. Da verfiel ich auf die Idee, mir wieder ein Vel’Oh! zu borgen. Natürlich sassen wieder viele Schüler auf den angeleihnten Rädern, wie auf Barhockern. Ausser auf denen, wo sie alle Einstellungen verstellt hatten, die nur gingen. Zwei Stück liessen sich nicht lösen, weil sie ganz schräg drin standen. Ein Jugendlicher meinte zu mir: Doch, doch die lassen sich lösen, Sie müssen etwas Gewalt anwenden! (Jugendliche) Gewalt hatte sie vermutlich auch so verkantet.
In der hinteren Reihe hatten Mädchen auf den Räder Platz genommen, ich vermutete, die wären pfleglicher damit umgegangen und vielleicht auch netter. Ich sollte mich nicht täuschen, das Mädchen machte mir sofort Platz und ich konnte das Rad ausleihen. Ein Jugendlicher stiess dann zu mir und fragte mich, wo er so ein Abo her bekäme. Ich erklärte es ihm und warb dafür, sich so einen Ausweis ausstellen zu lassen. Wo kann man schon für 15 Euro (inzwischen sind es allerdings 18) ein ganzes Jahr sich Räder ausleihen ? Und zur Zeit auch noch kostenlos! Ich freute mich über sein Interesse, aber dann kam ein weiterer junger Mann dazu und beide lachten dreckig. Es war also wohl eine Mutprobe: wer traut sich den Erwachsenen hochzunehmen? Egal! Waren nett.
Aber auch dieses Bike, das gut durchhielt bis Merl versagte zum Schluss, als die Ansteigung in der Rue des Aubépines zu meistern war.

  1. https://www.diegrenzgaenger.lu/mobilitat/gratis-Vel’Oh!-bis-mitte-april/ []
  2. cf. https://www.infogreen.lu/vel-oh-moderne-sur-facile-et-100-a-assistance-electrique.html, Zitat: “Avec un poids de 28,6 kg, les nouveaux vel’OH ! sont légèrement plus lourds que les anciens, notamment en raison du système d’assistance électrique.“ []

Mit dem Fahrrad auf den Kirchberg

Zum Themenkomplex “Wie ich komme ich nun ohne Auto zur Arbeit” hatte ich bereits im Dezember und vor ein paar Tagen geschildert, dass ich seit dem 10. Dezember nicht mehr von der Linie 118 bis in die Nähe meiner Arbeitsstelle gebracht werde, sondern mindestens einmal, in der Regel aber mehrmals umsteigen muss. Da die Tram erst ab dem Kirchberg bestiegen werden kann, muss ich mit dem Bus einen relativ großen Umweg fahren und zwar bis zum nicht mehr vorhandenen “Centre Hamilius”, bzw. am Boulevard Royal oder “virun der Post” wie die Luxemburger sagen. Dort muss ich ggf. umsteigen, und der Bus schleicht dann den Boulevard Royal und die ebenfalls stark befahrene Avenue de la Porte Neuve hoch, hält an der Fondation Pescatore, um dann erst die rote Brücke zu queren.


Ein viel direkterer Weg wäre, ab der Place de l’étoile gleich zum Pont Grand-Duchesse Charlotte zu fahren, nur in der Richtung zirkuliert kein Bus. Ein naheliegender Gedanke ist der, diese Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen und den wollte ich gleich im Dezember umsetzen.

Mit dem Veloh zum Kirchberg

Ich stieg also an der “Charlys Gare aus”, und lieh mir dort ein Veloh, fuhr durch den Park und querte die Brücke, drückte die Ampel für den Fußgängerüberweg und sah schon die Tram. Läuft wie geschmiert, dachte ich. Querte noch die Straße und dann erst bemerkte ich die Katastrophe! Obwohl so viel damit geworben wurde, dass die neue Station “Rout Bréck/Pfaffental” nicht nur mittels einer Seilbahn die Verbindung zu einem neu angelegten CFL Bahnhof im Pfaffental herstellen, sondern auch die Anbindung für den Radverkehr sicherstellen würde:

An dieser wichtigen Stelle sind gar keine Veloh Säulen!


Ich wurde das Rad also nicht los, Das haben die Planer wieder nicht vorgesehen! Ich fand es schon immer ärgerlich, dass die Veloh Stationen immer so weit von den Bushaltestellen weg angelegt wurden, einfach da wo Platz war ohne auf den Bedarf zu achten, aber jetzt fand ich mich echt angeschissen. Ich vermute dass, weil der Vertrag mit Veloh gerade neu ausgeschrieben wurde, und z.B. das Ersetzen der aktuellen Räder durch E-Bikes vorgesehen ist, die Bereitschaft hier Veloh Säulen einzurichten einfach nicht gegeben war. Ich traue ihnen aber auch zu, dass es vergessen wurde zu bedenken.

Ich musste wieder zurück auf die andere Straßenseite, und dort bis oberhalb der Konzerthalle fahren, bevor ich das Veloh loswurde. Dann stellte ich fest, dass der nächste Fußgängerüberweg mich keineswegs an die Tramhaltestelle geleitet, welche den Ort an dem ich mich gerade befand im Namen führt (Philharmonie/Mudamm), sondern dass ich mich zwischen zwei Haltestellen befand. Und auf der Seite des Bahnsteiges wo ich einsteigen wollte, war gar kein Fußgängerweg, sondern nur die Fahrradpiste oder die noch anzupflanzende Wiese. Außerdem war es dunkel. Zurück oder zur nächsten Haltestelle vorgehen?
Ich entschied mich, weil tiefster Winter und daher der Radverkehr nicht all zu dicht war, auf dem Radweg zu der nächsten Haltestelle vorzugehen, ein künftiges Problem der Radfahrer vorausahnend. Denn der Mensch ist faul, er macht nicht gerne Umwege. Niemand der in Zukunft sich in dieser Situation befindet, wird zweimal die Gleise queren um zur nächsten Station zu kommen! Sie werden alle lieber einen Zusammenstoß mit dem Radler riskieren als einen mit der Tram, sie sind ja nicht lebensmüde.
Inzwischen habe ich die Operation noch mal durchgeführt, aber es ist wirklich sehr unbequem. Wenn ich das nächste Mal für die Veloh-Variante optiere, dann nehme ich das Teil einfach mit in die Tram und gebe es am Auchan (Station Aloyse Weicker) ab.

Mit dem eigenen Fahrrad in die M-Box

Als das Wetter wieder besser wurde nahm ich mir an einen Freitag Nachmittag frei und probierte die Variante mit eigenem Fahrrad mal aus. Den Weg von der Rue des Primeurs zur Place de Etoile beschreibe ich jetzt nicht, obwohl der wegen der Grossbaustelle zur Zeit auch ganz interessant ist Und leider auch ziemlich gefährlich, denn die Verkehrsführung von Pont & Chaussées berücksichtigt den Radverkehr fast gar nicht, oder überlässt man das den Bauarbeitern? Von Zeit zu Zeit wird der Radstreifen, wie der Bürgersteig einfach beseitigt und die schwachen Verkehrsteilnehmer können kucken wo sie bleiben. Zum Glück muss ich da meist nicht lang, ich fahre lieber durch die ruhigere Avenue Gaston Diederich oder die Val Saint Croix.

Von der Place de l’étoile zum Pont rouge

Ich ass noch zu Mittag in einem Restaurant an der Place de l’étoile und machte mich auf den Weg zum Kirchberg, hierzu befuhr ich die Rue Joseph II, die nach dem umstrittenen österreichischen Reformer auf dem Kaiserthron benannt ist, Sohn und Nachfolger der auch in Luxemburg einst heiss geliebten Maria-Theresia.


Es steigt etwas an, und der Radstreifen ist vorgeschrieben und mit einem durchgezogenem Strich von der Fahrbahn getrennt. Dooring Unfälle sind hier leicht möglich, aber mir sind keine bekannt. Kritikpunkt: Kurz vor der Glacis Kapelle hört der Streifen einfach auf! Zum Glück bin ich ein Einheimischer und weiss, dass der Radfahrer ohnehin besser daran tut, hier nach rechts in den Park abzubiegen, aber ich denke, dass der Radtourist vielleicht glücklich über einen Wegweiser wäre.

Der Park ist ruhig, befährt sich gut und ohne Abgase einatmen zu müssen. Dann kam ich an der grossen, wichtigen Kreuzung vor dem Pont Grand-Duchesse Charlotte an, der besser bekannt ist als “Rote Brücke”. Hier gibt es noch eine, ausnahmsweise mal günstig gelegene Veloh Station zu bewundern und damals waren da noch nervige Bauarbeiten.
Dann querte ich die Brücke.

Auf dem neuen Fahrradweg entlang der Tram

Zunächst galt es, wieder die Strasse (Boulevard John F. Kennedy) zu queren. Ich war hier schon oft, wenn ich die Tram als Fussgänger nahm.


Nun wurde mir wieder bewusst, dass hier der Radweg nicht so gestaltet ist, wie ich es oberhalb aus dem Tramfenster immer erspäht hatte. Statt zwischen Strasse und Tramtrasse, verläuft er hier hinter den Geleisen.

Und dann fuhr ich den neuen Radweg. Und er ist wirklich vorbildlich!

  1. Er ist sowohl von der Tram, als auch von den Fussgängern und vor allem vom individuellen KFZ Verkehr getrennt.
  2. Er wird immer wieder unterbrochen, von den Strassen die ihn queren. Hier hatte ich zunächst Angst, die Planer würden den Radfahrern alle paar Meter “zu ihrer eigenen Sicherheit” die Vorfahrt wegnehmen, wie es früher schon mal geplant hatten. Und tatsächlich hört er dann jedes Mal auf.
  3. ABER: es wurde eine eigene Ampelschaltung für Radfahrer vorgesehen. Der Clou: diese erkennt offenbar die sich nahenden Radfahrer und beginnt den Vorgang des “Auf Grün schalten”. Der Radfahrer muss nicht erst anhalten und drücken. Wenn man normal schnell fährt, kann man an den wenig befahrenen Kreuzungen fast durchfahren. (Am Bvd KAD natürlich nicht!)
  4. Und wenn man im Windschatten einer Tram fährt, hat man sowieso immer Vorfahrt.

Die Fahrradmitnahme in der Tram

Dann merkte ich aber zusehends, dass der KirchBERG seinen Namen nicht von ungefähr führt. Gut, ich bin über den Winter nicht viel Rad gefahren und geriet doch etwas aus der Puste, und so beschloss ich, doch mit der Tram weiter zu fahren.
Erfreulich: Dass man sich Mühe gegeben hat, die Tram barrierefrei zu halten, kommt auch dem müden Radler zu Gute. Der Einstieg war einfach, und das Rad liess sich gut unterbringen. Leider nicht festbinden.


An der derzeitigen Endstation Luxexpo stieg ich dann aus.

Ab in die M-Box

Endlich konnte ich die M-Box ausprobieren. Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Öffnung mit der oft Karte nicht sofort funktioniert.
Es waren nur zwei Räder drin, gute Räder.
Ich beschloss, weil das Rad über das Wochenende drin bleiben sollte, wollte ich es potentiellen Dieben so unangenehm wie möglich machen und das Rad auch auf der zweiten Ebene lagern, obwohl unten noch Plätze frei waren. Dabei fiel mir auf, dass die Schiene sich nur schwer rausziehen und wieder reinschieben liess.
Schwierig fand ich es auch, wieder aus der M-Box rauszukommen, denn dazu muss man so einen Knopf drücken, der unter einer Glasscheibe geschützt liegt.


Als ich Montags wieder kam, war alles noch da, das Rad war trocken.
Am Montag fuhr ich dann mit dem Rad ganz zurück zu meiner Dienststelle. Runter gings leicht, den Berg an der Route d’Arlon umfuhr ich, über die Val Saint Croix.

Fazit

Also, ein Zeitgewinn ist durch das Benutzen des Rades nicht zu erzielen. Wenn ich mit dem Rad statt mit dem Bus zum Bahnhof fahre ist das ganz anders, hier komme ich mitunter sehr viel schneller voran. Aber das kann ich nicht mehr, wenn mir fehlen die vier km zwischen Wasserbillig und Igel die ich nicht mehr legal mit der Bahn fahren kann.
Bleibt nur der sportliche Aspekt als Anreiz für die Radvariante, denn der Anstieg ist anspruchsvoll.

Buslinien 118 und 222 und die Tram

Als die Berichterstattung zu “Ein Jahr Donald Trump im Amt” in den Medien präsent war, fiel mir ein Plakat auf, das einige Demonstranten hochhielten und darauf stand der Spruch “We are still pissed!”. In Bezug auf die Fahrplanänderung der Linie 118, mit der ich bis 10. Dezember 2017 fast von meiner Haustür bis 5 Gehminuten zum meinem Bürostuhl fahren konnte, denke ich fast vier Monate später auch immer noch dasselbe.

Man hätte mit der Umstellung der Linie 118 noch warten müssen!

Wenigstens solange bis die Tram bis zur Place de l’étoile ausgebaut ist sie wenigstens die Leute auf der anderen Seite der roten Brücke rauslässt.
Wohl habe ich mich an einige Sachen inzwischen gewöhnt und es gibt inzwischen leichte Verbesserungen. Dennoch, die Planung der Zwischenlösung empfinde ich als wirklich suboptimal:

Zwei unterschiedliche Linien die 222 heissen

Eine Erleichterung wurde dann doch eingeführt: alle halbe Stunde fährt die Linie 222 vom Kirchberg zur Haltestelle “Kannerklinik” und … endet dort! Ich habe schon zweimal mitbekommen wie Fahrgäste in Erwartung dass die Fahrt Richtung Steinfort weiterginge, völlig verdutzt aussteigen mussten. Sie hatten nur blind auf die Busnummer vertraut, vielleicht konnten sie auch mit “Kannerklinik” nichts anfangen und verorteten diese im Westen des Landes?
Mein Problem dabei: Der Fahrplan wurde so ausgeheckt, dass der Bus den ich um 6:08 in Igel nehme um 6:47 auf dem Kirchberg ankommt, derweil die 222 “Kannerklinik” um 6:43 dort abfährt! Die 222 die für mich vorgesehen ist, fährt zwar erst um 6:53, von dort aber direkt nach Steinfort und lässt mich nur an der Haltestelle “Wandmillen” raus. Nehme ich diese, dann kommt es so, wie ich im Dezember richtig vorausgesehen hatte: ich sitze um 7:30 auf meinem Stuhl also gut eine halbe Stunde später wie vor der Fahrplanänderung.
Dann und nur dann, wenn

  1. Die Linie 118 auf der Autobahn schneller vorankam, als vorgesehen und sie vor 6:43 auf dem Kirchberg ist,
  2. Und/oder wenn die Linie “222 Kannerklinik” etwas Verspätung hat, dann bin ich zwischen 7:10 bis 7:15 schon auf meiner Behörde

Im tiefsten Winter stand die Baustelle zwischen Igel und Zewen still und die Ampelschaltung entfiel. Bis zum ersten März war die 118 dann pünktlich in Igel und wenn dann wenig Verkehr auf der Autobahn war, kam ich sogar erstaunlich oft pünktlich an. Aber inzwischen ist das auch wieder vorbei.

Warten auf dem Kirchberg

Meine Erwartung zur Rückfahrt, dass ich mich mit den anderen Fahrgästen um die Sitzplätze balgen müsste, die auf der Busnutzung vor der Fahrplanumstellung beruhte wo oft die Leute die auf dem Kirchberg erst zustiegen stehen mussten, erfüllte sich nicht. Ob das jetzt daran liegt, dass die Busse nun pünktlich abfahren, oder ob einfach die Zahl der Fahrgäste insgesamt abgenommen hat, weil sie sich nicht so plagen wollen wie ich, kann ich nicht angeben, aber überfüllt sind die Busse nicht mehr. Ich mache es sogar oft so, dass ich versuche als einer der letzten einzusteigen, denn dann kann ich mir aussuchen, wen ich auffordern werde den Sitz neben sich freizumachen, statt, dass ich hinnehmen muss, wer sich neben mich setzen will.
Allerdings muss ich vorher erst mal auf den Bus warten. In der Regel zwischen fünf Minuten und zwanzig Minuten, nach 18:50 bis zu einer halben Stunde. Das war besonders im Dezember, Januar und Februar schlimm, denn da standen wir in der Kälte auf dem Parkplatz vor der Luxexpo, weil man dafür optiert hatte, die Busse schon vor der Fertigstellung des Gebäudes der Gare routière umzustellen.


Seit Anfang März kann hat man immerhin dabei ein Dach über dem Kopf, fertig ist das Gebäude aber noch nicht.

Ein großes, nach wie vor ungelöstes Problem dabei: Es sind dort keinerlei Toiletten! Es ist auch keine Kneipe da, in die man zu dem Zwecke mal kurz reinspringen könnte, oder dabei noch was trinken und im Warmen auf den Bus warten. Nix. Dazu müsste man erst mal mit der Tram runter an den Auchan und dort was suchen, in der Zeit ist dann aber der Bus wieder weg. Solange der Bus fünf Gehminuten von meiner Dienststelle entfernt abfuhr, hatte ich das Problem nicht. Ich wusste wann der Bus abfährt, konnte meine Vorkehrungen treffen und bestieg das wohlig warme Vehikel nach höchstens 10 Minuten in der Kälte. Daran merke ich denn auch, dass ich doch älter bin als ich mich fühle.

Aber zunächst einmal gilt es, nach Dienstschluss überhaupt erst mal auf den Kirchberg zu kommen. Hier gibt es nun mehrere Möglichkeiten:

  1. Die Linie 222 fährt etwa alle 20 Minuten an der Kannerklinik weg. 20 Minuten sind lang, insbesondere, wenn man bedenkt, dass die 118 keineswegs auf die 222 wartet, und sie sich, wie alle anderen Busse auch durch die Oberstadt und dann den BVD Konrad Adenauer rauf quälen muss. Hier steht sie oft im Stau.
  2. Man kann aber an der ersten Station hinter der roten Brücke “Rout Bréck/Pfaffenthal” aussteigen und dort die Tram nehmen! Die Tram hat den großen Vorteil, dass sie, wenn man einmal drinsitzt, sehr pünktlich ist, denn sie hat ja ihr eigenes Gleisbett und Vorrang an allen Kreuzungen. Das ist ja auch der Grund, warum sie angeschafft wurde.
  3. Man muss also die erste Tramstation erreichen!
    1. Dazu kann ich außer mit der erwähnten 222 zu fahren, auch mit der 22 oder der 13 zum BVD Royal fahren und dort in die 1, die 16 oder die 18 steigen, alle halten an “Pont rouge/Pfaffenthal”.
    2. Mit dem Veloh ist sie nicht so gut zu erreichen, denn erstaunlicherweise ist an der Seilbahnstation keine Velohstation eingerichtet worden. Hierzu muss man erst mal bis zur Konzerthalle hoch, wo man dann feststellt, dass man sich genau zwischen zwei Tramstationen befindet. Nicht so gut.
    3. Mit dem Fahrrad ankommen, das dann in die M-Box reintun.
    4. Oder gleich mit dem Fahrrad zur Luxexpo, und es dann in die dortige M-Box tun.


Die letzte Option habe ich bis jetzt erst einmal ausprobiert, denn das Wetter ist erst seit kurzem wieder einladend zum Radfahren und außerdem wurde die sehr löbliche Option, mit der M-Card alle M-Boxes aufschließen zu können, erst zum ersten Februar eingeführt. Vorher konnte ich damit mein Rad immer nur am Hauptbahnhof unterstellen. Darüber werde ich in einem eigenen Artikel berichten.

Fahren mit der Tram


Die Tram lässt sich recht angenehm benutzen. Der Einstieg ist ebenerdig, es ist genug Platz drin, aber vor allem hat sie einen hohen Takt: spätestens alle 7 Minuten.


Das Interieur ist geschmackvoll, nur bequem ist es nicht: die Sitze haben so einen metallenen Rand der, zumindest jetzt im Winter unangenehm kühl ist:

  • Entweder man erträgt das unangenehm kühle Gefühl an der Unterseite der Oberschenkel,
  • Oder man legt seinen Schal, oder seine Mütze oder eine Zeitung unter die Beine, was diese unangenehme Kühle etwas nimmt. Das Teil dann aber bitte nicht beim Aussteigen vergessen.
  • Oder aber, man hebt die Beine etwas an um den Rand nicht zu berühren. Dann sitzt man allerdings sehr unbequem und es sieht wirklich doof aus.

Überhaupt ist es in der Tram fast immer unangenehm kalt: Obwohl es tiefster Winter war, umströmte einen auf 6 von 10 Fahrten ständig eine unangenehm kalte Lauft, als ob die Klimaanlage laufen würde.

  1. Hatte ich früher das Problem im Zug, sprach ich den Schaffner an, denn die kamen relativ zuverlässig vorbei. In der Tram habe ich noch nie einen gesehen.
  2. Habe ich das Problem im Bus, tue ich mich schon schwerer damit den Fahrer darauf anzusprechen, muss der sich doch auf den Verkehr konzentrieren. Andere haben dieses Hemmungen nicht und vor allem, es ist zumindest möglich, z.B. an einer Haltestelle. In der Tram sitzt der Fahrer in seiner eigenen Kapsel in seinem eigenen Microklima und bekommt die unangenehmen Windverhältnisse möglicherweise gar nicht mit.

Ich hatte mich darüber bei Luxtram beschwert und hatte mehrmals bei Mobilité.lu nachgefragt. Luxtram antwortete nie, mobilite.lu welche zuvor gestrunzt hatten, mir einen “Suivi” garantieren zu wollen, leitete immerhin meine Anfragen, an die ich sie gestellt hatte weil Luxtram nicht antworten wollte, sowie meine Erinnerungsmails weil niemand antwortete an Luxtram weiter, von Luxtram kam nie eine Antwort. Nur der Minister François Bausch selber antwortete auf meine Frage, dank der Präzisierungen von Freund Misch auf seinem öffentlichen Facebook Profil: Ja, es es gibt ein Problem, leider stand die Klimaanlage noch auf Sommerbetrieb.
Ist es, wie der Minister hofft nur eine Kinderkrankheit, oder ein systemimmanentes Problem? Die Antwort der Schaffner bei der Bahn war nämlich immer, dass die Anlage so kompliziert und zentral gesteuert sei, dass sie nichts machen könnten.
Etwas besser geworden ist es inzwischen mit der Klimaanlage, aber ganz gelöst ist das Problem nicht! Sobald es letzte Woche wieder etwas wärmer wurde, böllerte auch gleich wieder die Klimaanlage. Was für ein Glück, dass ich meine Winterklamotten noch anhabe.
Die Tram ist morgens übrigens, anders als in der Zeitung Luxprivat immer wieder behauptet wird, durchaus voll, auch wenn (für mich zurzeit: zum Glück) die Kapazität von 76 sitzenden und 320 stehenden Passagieren pro Tram nicht ausgeschöpft wird. Aber sie zirkuliert ja auch nur auf einer relativ kurzen Strecke.


Die einzelnen Stationen werden angekündigt durch ein jeweils unterschiedliches Gedudel, was ich persönlich ein wenig albern finde. Vielleicht soll das Sehbehinderten helfen, sich besser zu orientieren? Eine der Melodien erinnert mich verdächtig an “Manila du mäin hierzigt Kand”.1 aber man gewöhnt sich an alles.
Insgesamt aber bin ich optimistisch, da ich angesichts der ständig steigend Zahl der Beschäftigten in der Hauptstadt auch keinerlei realistische Alternative zum weiteren Ausbau der Tram sehe! Die können nicht alle mit dem privaten PKW in die Stadt kommen, und wie zurzeit die Linienbusse Stoßstange an Stoßstange sich die Avenue de la Liberté, über den Boulevard Royal an der Fondation Pescatore vorbei hochquälen, kann nicht so bleiben. Und, als leidenschaftlicher Alltagsradfahrer freue ich mich schon auf das wärmere Wetter, da kann ich die Lücke zwischen der Haltestelle “Rout Bréck” und der “Place de l’étoile” vielleicht anders schließen. Mal sehen.

  1. siehe: https://acel.lu/group/songbook/manyla []