OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Kronen, Hüte und Mützen

Abgesehen von dem Vorkommen der Kronen, Hüte und Mützen als Schildesfiguren (s. oben S. 102), erscheinen selbe in der Heraldik in dreierlei Anwendungen, nämlich als Vermittlungsglieder zwischen Helm und Kleinod, als Hauptzierde von Schildes- und Kleinodfiguren und als Rang- und Abzeichen der Würde des Wappenherrn. Die letztere Bedeutung ist es hauptsächlich, welche veranlasst, den Kronen etc. einen eigenen Abschnitt in der Heraldik zu widmen. Über die gekrönten Helme habe ich schon oben bei den Kleinoden S.122,das Nötigste beigebracht, ich füge hier noch hinzu, dass diese Helmkronen in der Regel von Gold, der Reif mit Edelsteinen oder Perlen besetzt, die Blätter aber, gewöhnlich drei, wovon die beiden äußeren wegen der Rundung der Krone nur halb erscheinen, in ihrer Form je nach Zeitalter und Nation auch verschieden sich zeigen. XXXII. 1222, 24 und 26 sind drei Formen beziehungsweise nach Denkmalen von 1569, 1400 und 1499. Die Krone 1226, von einem paulstorffer’schen Grabsteine in Regensburg, hat etwas absonderliche Blätterformen. Es kommen auch farbige Helmkronen in der Heraldik vor, z.B. eine blaue bei den Barnbüler auf Helm II, dann rote und grüne bei den Grafen von Salm.

Die weitere Anwendung der Kronen als Zierde des Hauptes bei Schildes- und Kleinodbildern ist auch schon ziemlich alt, doch scheint diese Sitte sich nicht zugleich mit den Uranfängen der Heraldik, sondern erst etwas später, etwa mit Ende des B. oder Anfang des 14.Jahrhunderts, geltend gemacht zu haben, Namentlich ist die Krönung von Tieren (mehr als die von menschlichen Figuren), in ihrer Erscheinung von Interesse, es lässt sich aber kaum behaupten, dass man in jenen frühesten Zeiten damit eine besondere Auszeichnung, eine Erhöhung des Wappens bezweckte, wie dies im 15., 16. u. ff. Jahrhunderten in der Tat als heraldische Praxis galt. Der thüringische Löwe erscheint schon zu Ende des 13. Jahrhunderts gekrönt. Von dem pfälzischen Löwen finde ich bei Mone, Zeitschrift VII. 53, zu einer Urkunde Pfalzgraf Ruprechts, rsp. des daran hängenden Siegels vom J. 1355, die interessante Notiz: der erste so einen gekrönten Löwen im Schilde führte. Dass die Hauptkrone des pfälzischen Löwen in der Regel rot gemalt gefunden wird, ist bekannt, ich habe aber in letzter Zeit Originalkleinode (Ehrenzeichen) bayerischer Herzoge an der Schützenkette der Münchner Armbrustgesellschaft gesehen, von denen zwei (das des Herzogs Hans 1463 und Herzogs Sigmund 1473) im bayerischen Schilde die pfälzischen Löwen mit silbernen Kronen zeigen. Ich bemerke dazu, dass die Wappenschilde in den betreffenden Farben emailliert sind. Eine diplomatisch festgestellte Notwendigkeit der roten Krone für den pfälzischen Löwen war also damals noch nicht vorhanden. Die Krönung der Tiere mit Spangenkronen (s. unten), wie sie im vorigen Jahrhunderte z.B. beim preußischen Adler, beim hessischen Löwen und anderen Wappentieren eingeführt wurde, ist heraldisch nicht zu billigen, und unschön. Die Hauptkronen sollten der alten Heraldik gemäß nur offene Helmkronen sein.

Die ältesten Königskronen sind so ziemlich alle nach Art der Helmkronen geformt; manche, z.B. die sogenannte eiserne Krone der Lombardei, bestehen bloß aus einem Reife von Goldblech mit Edelsteinen verziert (ähnlich wie 1227, doch ohne die Perlenschnüre), ohne Blätter; andere, z.B. die altfranzösischen Kronen, haben diesen Reif mit g. Lilien besteckt . Moderner in dieser Art ist die florenzer Herzogskrone (1242), welche den Reif mit spitzenförmigen Enden in der Mitte mit einer Lilie besteckt hat.

Ähnliche Goldreife, oben mit Perlen besetzt, zeigen die modernen Rangkronen des niederen Adels, und man hat allgemein angenommen, dass die Edelmannskrone fünf (1223), die Freiherrnkrone sieben (1250) und die Grafenkrone (1251) neun Perlen auf der Vorderseite zeigen sollte. In älteren Lehrschriften findet man auch einen einfachen Goldreif, mit einer Perlenschnur schräg umwunden (1227), als Freiherrnkrone angegeben.

Aus diesen offenen Kronen mögen nach und nach die geschlossenen oder Spangenkronen dadurch entstanden sein, dass man anfangs eine farbige Mütze unter der Krone auf dem Haupte trug und später dann diese Mütze mit einer oder mehreren Spangen überwölbte, z.B. die deutsche Kaiserkrone oder Krone Karl des Großen (1230). Die venediger Herzogskrone (1246), auch Dogenhut (in Venedig corno ducale genannt), ist ursprünglich eine rote Fischermütze, welche später am Kopfende in eine offene g. Krone gesteckt und mit einem g. mit Perlen und Edelsteinen verzierten Band umwunden wurde ; so ist auch der österreichische Erzherzogshut nach der genauen Abbildung bei Herrgott, Mon. dom. Austriacae I. Taf. 20., nichts Anderes, als ein hermelingestülpter runder roter Hut mit flachem Boden, von zwei perlenbesetzten g. Spangen kreuzweise überhöht; in der Heraldik findet man seine Form jedoch in der Regel wie 1240 angewandt. Auf ähnliche Weise sind die böhmische Krone (1232), die ungarische Krone (1233) , die englische (1234), schwedische und andere Kronen gefütterte Spangenkronen.

Des heil. Röm. Reichs Krone, seit Rudolf II, auch österreichische Hauskrone (1237), ist ein Kronenreif mit drei Spangen von vorne nach hinten, die mittlere erhöht, die andern dienen zugleich als Abschluß einer zu beiden Seiten angebrachten Mütze oder eines Futters, welches bald s., bald r., bald b. gefunden wird und ebenfalls mit Edelsteinen besetzt ist. – Die neue kaiserl. russische Krone (1235) ist ähnlich der Reichskrone, aber durchweg nur mit Brillanten besetzt.

Die gewöhnlichen modernen Königskronen, deren sich aber auch Großherzoge, Herzoge und Fürsten zuweilen bedienen, sind ebenfalls fünfspangige Kronen, aber ohne Futter (1225). Die bourbon-französische Königs- (1231) und die napoleonische Kaiserkrone (1236) sind gleichfalls nicht gefüttert. Der deutsche Kurfürstenhut war ursprünglich nur eine pp. Mütze mit Hermelinstulp (1228); im vorigen Jahrhunderte fingen die Kurfürsten an, den Hut mit fünf Spangen zu zieren (1229). Der gewöhnliche Fürstenhut (1238) hat nur drei Spangen sichtbar, d.h. in Wirklichkeit zwei gekreuzte Spangen, und ein interessantes altes Beispiel eines solchen Fürstenhutes (1244) gibt Büsching: „Das Grabmal Herzogs Heinrich IV. von Schlesien.“ Dieses Monument in der Domkirche zu Breslau ist aus Ton gebrannt und bemalt, und die Beschreibung des Hutes, den der Herzog auf dem Haupte trägt, lautet in dem angezogenen Werke S. 4: „Der Herzogshut ist blau. Eine goldene Borte, mit bunten Edelsteinen besetzt, geht um den unteren Rand und eine solche auch von der Stirne zum Hinterkopf, Über der Stirne ist ein besonders großer Edelstein, Auf jeder Seite des Hutes ist eine Stickerei in Gold und Edelsteinen, in deren Mitte kniende Engel mit Leuchtern sich befinden; zu den Seiten ein drachenartiges Tier.“

Eigentümliche Formen zeigen die Kronen der russischen, rsp. slawischen Knjäise, welche jetzt als Fürstenkronen gelten und von denen ich bei Behandlung des neuen russischen Wappens in meinem „Wappenwerk“ (Ergänz, Band S. 44, T. 32 ff.) eine ganze Reihe abgebildet habe. Sie erscheinen in der Regel als kegelförmige, unten mit Zobelpelz verbrämte Mützen von Goldbrokat mit Edelsteinen besetzt und oben mit einem Kreuze geziert (1241).

Eine hohe weiße Mütze mit drei Kronenreifen übereinander bildet die päpstliche Krone (1243) oder Tiara, auch Triregnum genannt.

Die geistlichen Würdenträger minderen Ranges pflegen Hüte und Mützen als Amts- und Würdezeichen zu führen, und zwar die Hüte in der gewöhnlichen Form eines niederen breitkrempigen runden Hutes, ursprünglich mit bequasteten Schnüren zum Binden unter dem Kinne. Diese Schnüre und Ouasten sind später symmetrisch geordnet worden und die Anzahl der letzteren, sowie die Farbe des Hutes, der Schnüre und Ouasten bilden seit lange ein Unterscheidungsmerkmal des Ranges der Würdenträger.

Der Hut der Kardinäle ist rot mit 15 Quasten zu jeder Seite (1248), der der Erzbischöfe grün mit je 10 Quasten (1247), der Hut der päpstlichen Protonotare ist # mit 6 Quasten zu jeder Seite (1249) usw.

Außerdem haben Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte noch ihre besonders geformten Mützen, meistens aus weißem Brokat mit Goldborten besetzt und mehr oder minder mit Edelsteinen besät. Eine derartige Abtsmütze gibt 1245.

Was die Anwendung der Kronen, Hüte und Mützen in ihrer Eigenschaft als Würdezeichen betrifft, so stehen sie regelrecht auf dem Oberrand des Schildes.

Dieser heraldische Gebrauch ist jedoch überhaupt nicht alt, und ich glaube, dass wenn wir als frühestes Erscheinen desselben (wenigstens für Deutschland) die Mitte des 15. Jahrhunderts annehmen, wir nicht weit irre gehen dürften. In Frankreich und England mag die Sitte vielleicht 20 Jahre früher auftreten, in eigentlichen Schwung kam sie doch erst mit Schluss des 15. Jahrhunderts und zwar zuerst bei Kaisern und Königen, und dann allmählich abwärts, bis sich Kronen sogar über bürgerlichen Wappenschilden einfanden. Unter dem niederen Adel ist mir das erste Beispiel eines gekrönten Schildes in einem Siegel des Ferdinand Bart 1692 vorgekommen. Es muss weiterer Forschung überlassen bleiben, bestimmte Grenzen über das heraldische Auftreten solcher Würdezeichen zu ermitteln, für hier genügt es, anzudeuten, dass die Heraldik von dem ersten Vorkommen gekrönter Schilde an bis etwa um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, d.h. bis zum Verfalle der alten Wappenkunst keinen anderen Begriff damit verband, als den, durch das Anbringen einer Rangkrone auf dem Schilde die hohe Würde des Wappenherrn zu kennzeichnen, während sie zugleich diese Kronen als die wirklichen Kopfbebedeckungen der betreffenden Herren betrachtete und in Folge dessen die Helme da wegließ, wo sie derlei Kronen anbrachte. überhaupt mag die Idee dieses heraldischen Gebrauches auch erst dann hervorgerufen worden sein, als man sich gewöhnte, Kaiser und Könige nicht mehr im kriegerischen Helmschmuck, sondern nur noch in Amt und Würden mit ihren Kronen auf den Häuptern sich vorzustellen, und in Folge dessen die gewohnten Kronen auch auf dem Wappenschilde wiedersehen wollte.

Der Gebrauch die Helme mit solchen Rangkronen zu bedecken- ist in neuerer Heraldik nicht selten wie denn z.B. der bourbon-französische und der napoleonisch-französische, auch der königl. preußische Wappenhelm mit den betreffenden Kaiser- und Königskronen bedeckt erscheinen. Von Erzherzog Maximilian, späterem Kaiser, ist bei Bredius ein Siegel abgebildet, das den Helm mit dem österreichischen Erzherzogshut bedeckt zeigt. Ingleichen tragen die in kriegerischer Tracht dargestellten Kurfürsten-Erzbischöfe, deren in Stein gehauene über lebensgroße Figuren einst am Kaufhause zu Mainz angebrachte jetzt im dortigen Antiquarium zu sehen sind, auf ihren Kübelhelmen die bischöfliche Mütze, während man auf den Helmen der weltlichen Kurfürsten das gewöhnliche Kleinod erblickt. Aus diesen Beispielen wäre zu entnehmen, dass man auch in der alten Heraldik ein derartiges Würdezeichen als Helmkleinod zu benützen sich nicht scheute. Dagegen habe ich einen anderen Gebrauch der späteren Heraldik nicht durch urkundlich alte Beispiele bestätigt finden können, ich meine denjenigen, die Rangkronen als Vermittlungsglieder zwischen Helm und Kleinod zu benützen, wie dies z.B. bei einem Wappen der Könige von Polen aus dem Kurhause Sachsen sich erweist, welche auf dem Schilde einen königlich gekrönten Helm und auf dieser Krone gleichsam als Kleinod den polnischen Adler stehend führten. Ähnlich ist auch die Sitte neuerer Heraldik Fürstenhüte und Adelskronen als Mittelglieder zwischen Helm und Kleinod zu setzen. Ich halte diese beiden Usancen für unschön und unheraldisch, denn ein Helm sollte nur durch eine offene einfache Helmkrone, nicht durch eine Rangkrone die Vermittlung zwischen sich und dem Kleinode erhalten.

Am wenigsten aber dürfte diejenige Sitte zu verteidigen sein, welche eine Rangkrone auf den Schild, und auf diese Krone dann wieder die Wappenhelme stellt. Aut – aut, entweder sollen die Helme wie in der alten Heraldik direkt auf dem Oberrande stehen, oder, wenn man den Gebrauch einer Rangkrone vorzieht, so soll diese die Stelle der Helme einnehmen, d.h. also Beides zugleich und zwar auf- oder über einander ist zum mindesten Pleonasmus; dagegen kann es nicht als unheraldisch getadelt werden, wenn man die Rangkrone zugleich mit den Helmen auf dem Oberrande anbringen kann. Derlei war in Schweden viel in Übung, wie denn Svea Rikes Vapenbok bei den zweihelmigen Wappen in der Regel die betreffende Rangkrone zwischen die Helme auf den Oberrand des Schildes stellt. Auch Grünenberg gibt bei den Wappen der Bischöfe einen Kleinodhelm und eine Bischofsmütze nebeneinander auf dem Oberrande des Schildes.

Schließlich führe ich noch an, dass, sowie Kleinode nicht fliegend über den Helmen, so auch Helme oder Rangkronen nicht freischwebend über dem Schilde erscheinen fallen. Ich erwähne dies nun weil Maler und Siegelstecher so häufig dagegen fehlen, und glaube kaum, dass diese schon im Begriffe der Wappenzusammenstellung begründete Sitte noch einer weiteren Motivierung bedürfe.

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