Der Wendehut

Nachdruck eines Postings vom 27. November 2009 auf wiesel.lu. Da zu viele Bezüge auf inzwischen dort gelöschte Hinhalte genommen wurden, musste ich es auf wiesel.lu ebenfalls entfernen:

Mit der Seigneurie de la Marche Wende als letzter noch anzufertigender Zeichnung, ist die Liste der Länder der Habsburger Herrscher vollständig.

Diese Liste hatte Jean-Claude Loutsch angefertigt, um sich die Arbeit beim Blasonieren der Herrscherwappen zu vereinfachen. Es ist nämlich so, dass gerade hochadlige Häuser wie jenes der Habsburger Wappen mit sehr vielen Feldern führen, wobei dann jedes Feld für ein Land steht welches das Haus beherrscht oder auch nur einen Anspruch darauf erhebt es beherrschen zu wollen. Erstaunlich ist dabei oft die Wichtung, dass ein Kaiser wie Joseph II seinen Anspruch auf ein Königreich, wie das von Ungarn genauso im Wappen führt, wie die Grafschaft Falkenstein.1

Statt nun jedes Feld zu blasonieren, gibt der Heraldiker einfach an, für welche Herrschaft sie steht und der Leser kann dann in der Liste nachschlagen.

Die Herrschaft der “Marche Wende” macht mir etwas Schwierigkeiten, weil ich absolut nicht bestimmen konnte, wo diese angesiedelt ist. Handelt es sich um die Wendemark? Diese liegt aber nicht gerade in österreichischen Landen und nach einem Schlapphut sieht ihr Wappen auch nicht aus. Also musste ich nachschlagen, welcher Herrscher nun den rot geschnürten schwarzen Hut der Wendemark, führte.

Es war Margarethe von Österreich (25-7-1584 bis 3-10-1611), sie erhob Anspruch auf die Marche Wende und führte deren Wappen in ihrem eigenen, welches bei Loutsch dann wie folgt beschrieben wird:

Tiercé en fasce:

Sur le tout du tout, au point d’honneur un écusson écartelé d’Autriche, de Bourgogne ancien, de Tyrol et de Habsbourg.

Aber welches Land gemeint ist? Da bin ich weiterhin ratlos.

  1. Graf von Falkenstein, war ein beliebtes Inkognito unter dem dieser Kaiser reiste, etwa bei seinem geheimen Staatsbesuch im Russland Katharinas der Großen []

FAQ Veloh

ein ausgewogenes Verhältnis

A propos, Hotlines, kennen Sie das folgende auch?
Weil Sie ohnehin wissen, dass die von der Hotline Ihre Probleme nicht lösen können, suchen Sie hoffnungsfroh die FAQ des Dienstanbieters an, gehört es doch schließlich zum guten Ton dass echt jeder Micky Maus Verein eine Seite mit angeblich oft gestellten Fragen bereit hält. Und dann stellen Sie fest, dass Ihre Frage dort überhaupt nicht behandelt wird, offenbar sind Sie der einzige Mensch auf der Welt der jemals vor einem solchen Problem stand. Stattdessen stellt dort der Dienstleister sich selber Fragen, die Ihnen niemals im Leben in den Sinn kommen würden und beantwortet sich selber dann diese Frage.

So auch veloh.lu, die lassen dort einen, ich hoffe mal stark, fiktiven Dumm-User allen Ernstes die Frage stellen, ob er die allgemeinen Geschäftsbedingungen wirklich akzeptieren muss, um die Dienste in Anspruch nehmen zu können?!

Die Antwort auf eine Frage, wie sie sich mir am Dienstag stellte: “Was mache ich mit dem SCHEISS-Fahrrad, wenn schon an der dritten Station in Folge alle Säulen voll besetzt, aber mein Zug in fünf Minuten abfährt?“, steht dort natürlich nicht. Auch nicht, ob ich denn dafür bezahlen muss, dass ich unfreiwillig länger als 30 Minuten das Rad hatte? Gut ich kann mir denken dass die Antwort “JA!” sein würde.

Auch finde ich auch die Gebrauchsanweisung, “(Comment) retirer un vélo?” etwas dürftig, aber wiesel ist niemand der einfach nur meckert, wiesel hilft! Hier mein Vorschlag:

Wie leihe ich mir ein Veloh-Fahrrad aus?

Im folgenden gehe ich einfach mal davon aus, dass Sie bereits Abonnent sind. Wenn Sie dagegen nur ein Kurzabo (einmalige Benutzung) verwenden, ist es etwas komplizierter. Lesen Sie hier wie Sie sich abonnieren können (wenn des französischen mächtig sind)

  1. Als erstes suchen Sie sich am besten ganz in Ruhe ein Fahrrad aus. Achten Sie darauf, dass es möglichst wenig beschädigt ist, denn die Bestimmungen des Code de la Route welche verlangen dass das Fahrzeug in Ordnung zu sein hat bevor man damit losfährt gelten auch für geliehene Räder! Wenn genügend zur Auswahl stehen, setzen Sie sich vielleicht mal drauf und wählen eins, wo die korrekte Höhe des Sattels bereits eingestellt ist. Merken Sie sich dann die Nummer des Rades
  2. Gehen Sie nun zum Säule, und halten Ihre Veloh-Karte vor den Scanner

    Karte vor den Scanner halten

  3. Die Karte muss nun überprüft werden, und das Gerät wird von Ihnen verlangen dass Sie Ihren vierstellige PIN eingeben. An dieser Stelle haben Erstbenutzer oft Schwierigkeiten, weil sie erwarten, dass wie beim Bankomat auf dem Bildschirm für jede gedrückte Taste auch ein * erscheint. Die Sterne leuchten auch auf, aber nicht auf dem Bildschirm sondern auf dem Display das zur Tastatur gehört. Das verwirrt!! Nach den vier Ziffern, das grüne V drücken

    Tastatur und Display

  4. Wenn das Gerät gerade eine Verbindung hinkriegt (kommt schon mal vor, dass es abbricht), wird es Sie auf dem Bildschirm mit ihrem Namen ansprechen und fragen, was Sie denn schon wieder wollen:
    1. Retirer un vélo (Ein Fahrrad ausleihen, ja, das ist es!
    2. consulter votre compte ; Ihr Konto abfragen, das machen Sie besser übers Internet nachher in ihrem Wohnzimmer.
    3. consulter les consignes de sécurité (Die Sicherheitsbestimmungen nachlesen), das machen allenfalls übervorsichtige Mütter und klagewütige Juristen

    Klar: 1 ist die Option unserer Wahl, das geben wir auf dem Display ein und drücken das grüne V, für Valider. Achtung: wenn Sie Ihre Karte zum ersten Mal benutzen, werden Sie aufgefordert werden, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Kenntnis zu nehmen, und V zu drücken.

  5. Dann gibt es noch ein Hinweis zu lesen, wie genau das Rad jetzt rauszuziehen ist, etc. Die meisten Radfahrer werden nicht den Nerv haben, alles durchzulesen und es deshalb direkt richtig machen. Wichtig ist abermit “V” zu quittieren, sonst kommen wir nicht zum nächsten Punkt!

    Hinweis ist mit V zu quittieren

  6. Jetzt will das Gerät eigentlich nur noch wissen, welches Rad Sie benutzen wollen und bietet Ihnen eine graphische Darstellung der verfügbaren Räder. Tippen Sie jetzt die vorhin gemerkte Nummer ein, und drücken “V”. Auch hier gilt: die Eingabe erscheint nicht, wie erwartet auf dem Bildschirm, sondern nur auf dem Display!!
  7. Das war es nun, was Sie am Gerät machen müssen! Eilen Sie nun zum ausgewählten Rad, fassen es vorsichtig an
  8. und drücken dort auf den Kopf an der Fahrradsäule,

    Vor dem Losfahren, auf den Knopf drücken

  9. und ziehen gleichzeitig das Rad, ebenso vorsichtig nach hinten. An dieser Stelle reissen Anfänger oft zu heftig, oder schieben das Rad unabsichtlich nach vorne, und die Anlage fehlinterpretiert dies als eine (vorzeitige) Rückgabe.

Die Rückgabe

Die Rückgabe gestaltet sich dagegen sehr viel einfacher, falls, und ich betone ausdrücklich falls sie eine freie Säule finden! In dem Fall, schieben Sie den am Rad befestigten Bügel, einfach nur in die Halterung bis es >>klick<< macht. Fertig! [caption id="attachment_12310" align="aligncenter" width="225" caption="Die Rückgabe"][/caption]
So! Jetzt weisst de Bescheid! Drucks dir aus, zieh los, leih dir ein Rad und fahr vorsichtig!

Generalversammlung der ALI

Am Dienstag nahm ich an der Generalversamlung des Luxemburger Ingenieurvereins ALI teil. Besagte Veranstaltung stieg um 18:30 im Lycée Technique de Bonnevoie. Weil ich ein wenig zu spät ankam (ich kann das Vorankommen der Stadtbusse immer noch so schlecht einschätzen) fand ich im Eingangsbereich der Schule niemanden vor, den ich hätte fragen können, wo genau in dem riesigen Gebäude die Versammlung denn nun abgehalten wird, denn Wegweiser suchte ich vergebens. So lief ich dann erst mal einem schlanken hochgewachsenem Mann hinterher, den ich im Verdacht hatte Jungingenieur auf dem Weg zur Versammlung zu sein, er erwies sich dann aber doch als Sportlehrer. Anschließend ließ ich mich auf einer Bank nieder und fing den jetzt doch vorbeikommenden Pförtner ab, der mir dann anvertraute dass das Restaurant der Ort meiner Sehnsucht dieses Abends wäre.
Ich ging also hin und kam gerade noch rechtzeitig den Schluss vom Vortrag von Danielle Mousel über die Aktivitäten der ANEIL mitzubekommen. Da ich annehme, dass es derselbe war den sie und ihr Kollege Michel Hansen (ich kann meinen Lesern stolz versichern dass beide Studentenfunktionäre Aachener sind :-)) am letzten Donnerstag (15.4) den Besuchern der Generalversammlung der ALIAI hielten, war dies weniger tragisch als dass ich den Aktivitätsbericht der Sekretärin der ALI, Janine Bisdorff nicht mitgekam. Dies ist umso bedauernswerter, als der Verlauf des Abends zeigen sollte, dass es zumindest vorläufig ihr letzter war.

Es folgte der Bericht des Kassierers Dany Winbomont, natürlich war er langweilig wie Kassenberichte nun mal sind. Es gab eine Rückfrage aus dem Publikum, ob man die Spenden an die ANEIL nicht erhöhen könnte, oder sollte, dies wurde aber zurückgewiesen mit dem Hinweis, dass deren eigene Kassenlage hinreichend ausgewogen wäre.

Nach der Entlastung durch Akklamation, und der Vorstellung des Haushaltsentwurfes für 2010 wurde dann beschlossen, dass die Höhe des Jahresbeitrages von 50 Euro beibehalten würde, da auch der Dachverband ALIAI keine Beitragserhöhung empfohlen hätte. An dieser Stelle, wurde vereinzelt bereits darauf hingewiesen, dass die ALI nicht Miteigentümerin des neuen Hauses wäre, obwohl sie auch im letzten Jahr wie eben gesehen 2/3 ihres Budgets an den Dachverband überweisen würde. Dies im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der ALIAI, der Architektenverband und die Tema, welche nicht nur Mitglieder der ALIAI wären, sondern auch Mitbesitzer der Immobilie.

Dann kam endlich der spannende Teil des Abends, weswegen die meisten sich ja auch hin bequemt hatten: die Teilerneuerung des Vorstandes. Die Mandate der folgenden Mitglieder waren ausgelaufen:

  • Georges Beck
  • Janine Bisdorf (Sekretärin)
  • Pierre Dornseiffer
  • F. Hengen
  • Fränz Jaeger (Präsident)
  • und A. Zenner

Derweil Georges Beck und Janine Bisdorf nicht erneut kandidierten, also aus dem Vorstand ausschieden traten die anderen noch einmal an, zudem stellten sich die beiden neuen Kandidaten auf:

  1. Yves Elsen und
  2. Pierre Mangers

Beide waren zu früheren Zeitpunkten bereits einmal Mitglieder des ALI Vorstandes gewesen, und ihre Namen findet man auch in den Vorstandlisten der ANEIL an prominenter Stelle.

Alle Vorschläge wurden, erneut par acclamation angenommen, es wurden noch die drei Kassenprüfer gedrängt auch im kommendem Jahr zu wirken und dann wurde der neue Präsident gekürt: Yves Elsen, der nun seine schwungvolle Antrittsrede halten konnte:

Als erstes vollzog er das Ritual der Danksagung für seinen Vorgänger Fränz Jaeger, den er seit 30 Jahren kennen würde, und setzte dessen Apotehose zum Ehrenvorsitzenden durch. Dann schilderte er seine Anliegen für das kommende Jahr:

  • Die Feierlichkeiten zum 75 jährigen Bestehen der ALI durchführen (und überstehen?)
  • Möglichkeiten erörtern, der angeblichen Knappheit an jungen Ingenieuren gegenzusteuern (arbeitslose oder in Stellung für die sie überqualifiziert sind ausharrende alte gibt es ja bekanntlich noch genug, denn die verschmäht der feinschmeckerische Arbeitsmarkt ja nicht nur in Krisen-, sondern zu allen Zeiten)
  • Ausgehend von dem (von wem eigentlich erhobenem ?) Vorwurf, vor 30 Jahren hätten die Ingenieure unser Land in die Krise von 1974 gewirtschaftet, ließ er seine Vision anklingen, dieses Mal wären es die Ingenieure welche das Land wieder aus einer herausführen könnten
  • Dann will er dem fortschreitendem Bologna Prozess stärker Rechnung tragen, welcher ja das Diplom als Abschlusszeugnis für das Ingenieurstudium abschafft, und den Studienerfolg nun mit den Titeln Bachelor(entspricht wohl: abgelegtes Vordiplom) und Master (Diplom) sanktioniert, indem der Verein sich die Möglichkeit zur Aufnahme von Bacheloren(Junggesellen) schaffen soll. Möglicherweise, müsste der Verein sich dazu in zwei Sektionen aufteilen (und die Verwirrung unter den Ingenieuren, über die Vielzahl an Vereinen noch vergrössern?) Vielleicht eine Reaktion darauf, dass die Tema auch Master aufnimmt und beide Vereine sich nicht mehr als komplementär, sondern als Konkurrenten betrachten?
  • Und der schon länger angedachte Plan, doch noch Mitbesitzer des Foyer Technique zu werden, müsste durchgezogen werden, wo doch so viele Mitglieder des Vereins im Vorstand der Fondation ALIAI sitzen.
  • Er überlegt weiter zur Mitgliederwerbung, die Patenschaften wieder einzuführen und gab allgemein seiner Hoffnung Ausdruck, künftig wieder mehr Mitglieder zählen zu können.
  • Seine Abschlussworte richtete er, eine gewesenen Präsidenten der ANEIL würdig an die Studenten, tröstete sie wegen zur Zeit (schon wieder mal *grummel*) schwierigen Berufsaussichten und bat sie, bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers auch die zahlreichen, guten Luxemburger Betriebe im Land zu berücksichtigen. Als ob die Berufsanfänger und nicht die Manager der Betriebe das entscheiden würden?!

Beim Schreiben bemerke ich, dass meine Wiedergabe der Rede viel kritischer ist, als ich sie empfunden habe, als Yves Elsen sie hielt! Als Zuhörer, der freilich sich seine Notizen nahm, empfand ich sie wohltuend optimistisch, fast schon von der Qualität eines Churchill, jedenfalls eine der besten Reden die ich in den letzten fünf Jahren gehört habe.

Anschließend hielt Freund Cos (Constant Colling) noch einen Rückblick auf die Karrieren von Yves und Fränz als Funktionäre, unterstützt von vielen aussagekräftigen Fotos aus den letzten 30 Jahren. Fränz und Janine erhielten ihre Abschiedsgeschenke und dann konnte endlich die Stehparty beginnen, wo man sich endlich unterhalten konnte. Ich freute mich besonders, mal wieder mit Pierre Mangers plaudern zu können, den ich von der ANEIL und REEL in Strasbourg 1993 in besonders guter Erinnerung habe. Er war von Yves Elsen gebeten worden, auch zu kandidieren um diesen unterstützen zu können, was mein optimistisches Gefühl von dem Abend verstärkte.