OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Die Bestandteile einen Wappens

sind je nach dem Alter, der Bedeutung und der Ausführung des Wappens selbst mehrere oder wenigere. Ich setze sie in der Folge, wie sie die Entwicklungsgeschichte der Heraldik gibt, hierher:

  1. Der Schild mit seinen Bildern,
  2. der Helm und
  3. das Kleinod,
  4. die Decken,
  5. Schildhalter,
  6. Kronen,
  7. Mäntel,
  8. Orden,
  9. Wahlsprüche und Devisen,
  10. Banner.

Der Haupt- und wesentlichste Bestandteil und zu gleicher Zeit der Repräsentant der Wappen an sich war und ist der Schild mit seinen Figuren; etwas später wird der Helm mit seinem Kleinod diesem Schilde hinzugefügt und bald darauf die Zierde der Decken, Schildhalter, Wappenmäntel, Orden, Sprüche, Kronen, Devisen und Banner als Ausschmückung der Urbestandteile gehören den höheren und höchsten Stufen der Entwicklung unserer Heraldik an.

Jeder dieser einzelnen Bestandteile hat wieder seine besondere charakteristische Entwicklung, und diese wird in den nachfolgenden Abschnitten nach Gebühr berücksichtigt werden.

Die Heraldik befolgt aber nicht nur das einfache künstlerische Prinzip der Abgrenzung aller dieser Teile durch bestimmte ihr eigene Linien, sondern sie besitzt ein noch weiter greifendes Mittel, diese einzelnen Teile fürs Auge zu unterscheiden, indem sie die Flächen zwischen den Linien mit Farben ausfüllt. Die Farben, welche, wie schon oben bemerkt, eine unerschöpfliche Quelle der Unterscheidungsmöglichkeit an sich bieten, geben dem Wappen auch zugleich sein eigentliches Leben. Ein nichtgemaltes Wappen bleibt zwar immer ein Wappen, aber es verhält sich dem Auge gegenüber noch ungünstiger als der Schwarzdruck zum Buntdruck, denn die heraldische Malerei hat die besondere Eigenheit, dass sie nur ganze Farben und diese wieder möglichst abstechend nebeneinander angewendet haben will.

Die Farben sind kein einzelner Bestandteil eines Wappens, sondern ein allen Teilen desselben zu Gute kommendes Unterscheidungs- und Verschönerungsmittel. Die Heraldiker sind deshalb unschlüssig, wo sie das Kapitel von den Farben in ihren Lehrbüchern anbringen sollen, und sie tun dies gewöhnlich vor oder nach dem Kapitel vom Schilde. Auch ich habe in meinen „Grundsätzen der Wappenkunst“ die Farben nach dem Schilde behandelt, und wenn ich hier die umgekehrte Ordnung einschlage, so geschieht es, weil diese mir jetzt passender scheint, ohne jedoch auf diese Anordnung besonderen Wert legen zu wollen.

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