OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Orden und Würdezeichen.

Orden im weiteren Sinne sind Verbrüderungen, deren Mitglieder nach bestimmter Regel zu leben und den Zweck ihrer Gesellschaft zugleich zu ihrem Lebenszwecke zu machen haben. In diesem Sinne gab und gibt es männliche und weibliche, geistliche und weltliche Orden, Orden im engeren Sinne sind Stiftungen zu dem Zwecke, besondere Verdienste Einzelner zu belohnen und die Belohnten durch diese äußere Ehrenbezeigung zugleich dem Geber des Ordens persönlich zu verbinden.

Beide Arten von Orden haben von jeher mehr oder minder äußere Kennzeichen für ihre Mitglieder in Anwendung gebracht und diese Kennzeichen pflegt man auch kappa Alpha Thau Epsilon Orden, Ordenszeichen und Dekorationen zu nennen. Der Habit, die Kutte des Mönches und der Nonne sind immer in Farbe oder Schnitt die äußern Zeichen eines geistlichen Ordens, zuweilen pflegen diese Orden aber noch durch farbige Kreuze oder dgl., welche an diesen Habiten angebracht sind, sich besonders kennbar zu machen.

Zunächst den geistlichen Orden stehen diejenigen, welche zu frommen oder wohltätigen Zwecken in den ersten Jahrhunderten unseres Zeitalters gestiftet wurden, z.B. der Johanniterorden (gestiftet 1118), der Orden von Aviz (1146) und von Calatrava (1158), der Deutschorden (1170), deren Zweck die Bekämpfung der Ungläubigen, die Pflege der Pilger und Kranken war; diese Orden sind, wenn auch nicht ursprünglich, doch bald nach der Entstehung hauptsächlich nur dem Adel zugänglich geworden, schließlich sogar unter Forderung strenger Ahnenproben. Mit der Zeit haben Fürsten bei verschiedenen Gelegenheiten Orden gestiftet, in der Regel als Mittel zur Gunstbezeigung, mitunter auch mit dem Nebenzwecke christlicher und ritterlicher Werke. Der Hosenbandorden (1350), der Vliesorden (1429)) der Schwanenorden (1440, erneuert 1843), der Hubertusorden (1444), der Elefantenorden (1450), der Georgiorden (1494, erneuert 1729) u.a. sind Beispiele hierfür. – Von 1500 an bis 1853 sind in Europa mehr als hundert neue Orden entstanden, deren Bestimmung größtenteils nur Dekoration ist. Einige derselben haben noch die Bevorzugung, dass ihre Erteilung eine Standeserhöhung mit sich bringt, z.B. erblich der Mariatheresien-, Stefans-, Eisernekroneorden in Österreich, persönlich der Zivil- und Militärverdienstorden in Bayern.

Ziemlich frühe schon hat man angefangen, Ordenszeichen in die Heraldik aufzunehmen, beziehungsweise sie mit den Wappen in Verbindung zu bringen.

Eine der ältesten Arten, die Ordenszeichen mit den Wappen zu verbinden, war die, sie in ein Obereck des Schildes zu setzen. Dies war z.B. Gebrauch bei den Fürspänglern, einem 1353 von K. Karl IV. gestifteten Ritterorden, der eine goldene Fürspange (sinnbildlich die Gürtelschnalle der Jungfrau Maria) zum Zeichen hatte (XXXV. 1288). Die Schilde der verstorbenen Ritter wurden bis 1590 in der Frauenkirche zu Nürnberg aufgehängt, in gedachtem Jahre aber als „zu katholisch“ von der reformatorischen Geistlichkeit entfernt. Bald darauf 1603 ist der Orden erloschen.

Später, und wie ich glaube nicht vor der letzten Hälfte des 15.Jahrhunderts, fing man an, den Schild mit dem Ordenszeichen zu vierten. Hierbei war aber noch eine besondere Feldesfarbe für die Ordensdekoration notwendig. Derart sind z.B. die Wappen der Malteser- und der Deutschherren-Großmeister wenigstens schon im 16. Jahrhundert häufig (1289). Ebenso finde ich auch ein Beispiel, dass ein Ordenskreuz in einem Schildeshaupt geführt wurde, in dem Wappen des Hortensi von Tirlach (1291), St. Stefansordensritter, 1581 am Hofe zu München. Man findet Ende desselben Jahrhunderts aber auch schon die Manier, den ganzen Schild durch ein Ordenskreuz zu vierten, und wenn das Wappen des betreffenden Ritters nicht ohnedem vier Quartiere hatte oder darein zu bringen war, so setzte man ins 1. und 4. Feld abermals das Ordenskreuz, ins 2. und 3. aber das Geschlechtswappen, z.B. das Wappen eines Stöckl von Schwaz, Tirol, „ain kreutzherr zu Florenz“ (1290), welcher 1580 am Hofe zu München lebte. Auf die Viertungslinie des Schildes gelegt finden wir das Kreuz des portugiesischen Christusordens (nach Andern soll es das Danebrogkreuz sein) im Wappen der nürnberger Holzschuher.

Eine andere Art welche im 15. Jahrhunderte am häufigsten vorkommt, war diejenige, die Ordenszeichen neben dem Wappen und ohne direkte Verbindung mit demselben anzubringen, wie z.B. oben beim grünenbergischen Wappen Tafel VI.

Eine fernere Manier, welche besonders im 17. und 18. Jahrhunderte sehr beliebt war, ist die, den Stammschild auf einen Rückschild mit dem Ordenskreuz zu legen, so dass dessen vier Arme hinter dem Stammschilde hervorragen. Man hat dies auch öfters so angewendet, dass man das Ordenskreuz (ohne Schild) einfach hinter dem Geschlechtsschild hervorsehen ließ.

Die allgemeine Übung aber, insbesondere bei Fürstenorden, war es seit mehr als dreihundert Jahren, die Ordenszeichen an ihren Ketten frei um den Schild zu hängen (1296-1298) – die neueste Mode endlich lässt die Dekoration bloß mit kleinen Bandschleifen hinter dem Unterrande des Schildes hervorkommen.

Die Orden sind persönlicher Natur, d.h. sie zu führen hat nur der Begnadigte oder der Aufgeschworne das Recht, Ausnahmen davon bilden die Stifter der Orden und ihre souverainen Nachkommen, welche die Ordenszeichen zu verleihen haben. Bei diesen ist das Führen der Orden erblich. Außerdem gibt es noch einzelne Familien, welche Ordenszeichen erblich zu führen berechtigt sind, z.B. die Waldbotten v. Bassenheim, deren jeweiliger Erstgeborner auch geborner Deutschordensritter ist, ob mit oder ohne Proben, nescio.

Ich werde nunmehr die in älteren Wappen am Meisten vorkommenden Ordenszeichen und Ketten beibringen, und zwar mit Berücksichtigung der älteren Formen derselben, da im Laufe der Zeit bei denjenigen Orden, welche noch bestehen, allerlei Modernisierung in den Dekorationen und Ketten stattgehabt hat.

  • Der Orden des hl. Grabes, franz. l’ordre du St. Sepulchre, engl.. order of the holy tomb, zeigt das rote Krückenkreuz von Jerusalem mit vier solchen Krückenkreuzlein in den Winkeln (XXXIV. 1294). Die Führung dieses Ordenszeichens wurde mit dem Ritterschlag am hl. Grabe erworben und wir finden eine große Anzahl deutscher Edelleute, welche nach ihrer Rückkehr vom hl. Lande dieses Ordenszeichen neben ihren Wappen anzubringen pflegten. Man sieht es u.a. auf einem Grabsteine des Heinrich Kehl v. J. 1430 an der Sebalduskirche zu Nürnberg; auf einem Siegel Jörgs v. Hohenrain, rechts oben neben dem Kleinod; auf dem Originalschilde des Anton Rehm, rechts ober dem Wappen; ingleichen ist es oben Taf. IV. Nr.47. – Die Sarnthein führten den Orden des hl. Grabes immer zwischen den beiden Helmen, ist aber unrichtig, denn dieses Ordenszeichen war nie erblich.
  • Der Orden der Ritter von Zypern und der Orden der hl. Katharina vom Berge Sinai wurden von den pilgernden Edelleuten in der Regel schon vor der Ankunft in Jerusalem erworben, man findet sie daher auch in der Regel zugleich mit dem hl. Grabkreuz bei den Wappen. Das Zeichen des Zypernordens ist eine g. Rose, an der ein blankes Schwert mit r. Griff hängt. Um die Klinge ist ein g. Zettel gewunden, auf dem der Wahlspruch: POR LOYOLTAD MANTENIR steht (s. VI. 49). Das Zeichen des Katharinenordens (1295) ist ein r. Brechrad mit einer # Kurbel, das Marterwerkzeug der hl. Katharina. Man findet beide letztere Orden zuweilen auch in eine Figur vereint (1300), wie auf gedachtem rehm’schen Schild links oben neben dem Kleinod.
  • Der aragonische Kannenorden, franz. ordre de la vase, span. della jara, 1410 zur Bekämpfung der Ungläubigen, rsp. der Mauren in Spanien gestiftet, findet sich auch zuweilen bei den Wappen deutscher Ritter, welche ihn bei solcher Gelegenheit im Felde erworben hatten. Das Ordenszeichen besteht aus einer g. Kanne, aus der drei Lilien hervorkommen, und an welcher unten ein g. Greif hängt, der mit seinen Krallen ein Band hält, darauf der Wahlspruch: POR LOS AMOR. (VI. 48). Die Ordenskette besteht aus Kannen und Greifen abwechselnd.
  • Der Halbmondorden, l’ordre du croissant, gestiftet von Renatus v. Anjou 1448, zum Kampfe gegen den Halbmond. Das Ordenszeichen ist ein s. Halbmond mit dem Wahlspruch: LOS EN CROISS (ANT), auch bloß LOZ in g. Buchstaben an gr. Ketten hängend, zuweilen auch von g. Ketten eingefaßt (s. mein Wappenwerk: „Altfrankreich“, S. 10. T. 21).
  • Der St. Michaelsorden, von König Ludwig XI. von Frankreich 1469 gestiftet, hat eine Kette, deren Glieder s. Muscheln und g. Gewinde sind, und an der unten als Ordenszeichen ein eirunder Schild mit dem Bilde des Erzengels Michael hängt (s.a.a.O.).
  • Der Elefantenorden von Dänemark (gestiftet 1450, alias 1478), dessen Kette aus s., alias g. Elefanten mit b. Riemenwerk und g. Türmen auf den Rücken und g., aus vier Halbmonden zusammengesetzten Kreuzen besteht. Das alte Ordenszeichen, welches unten an der Kette hing, war eine runde Scheibe mit g. Strahlenkranz und dem Bilde der hl. Jungfrau auf einem Monde. Die jetzige Dekoration ist nach Ackermann (S. 170, T. 38) ein Elefant wie der in der Kette beschriebene mit einem Neger auf dem Halse, dagegen fehlen in der Kette die Türme auf den Elefanten und die Zwischenglieder der Kreuze.
  • Der Verkündigungsorden, ordine dell’ Annunziata von dessen Stiftung s. unten S. 160.
  • Der Orden des goldenen Vlieses, lat. ordo velleris aurei, fuma. l’ordre du toison d’or, engl. order of the golden fleece, gestiftet zu Brügge in Flandern von Herzog Philipp dem Guten von Burgund am 10. Jan. 1429. Das Ordenszeichen ist ein g. Widderfell (Vlies) und die Kette besteht aus g. Feuerstahlen (fusils) und b. Edelsteinen, aus welchen Flammen hervorbrechen (1296). Dieser hohe Orden ist von seiner Entstehung an heraldisch in Gebrauch gewesen. Ich habe ihn nie anders, als um den Schild gehängt gesehen.
  • Der Orden von Tunis, gestiftet von K. Karl V. nach der Landung in Afrika, ist wenig bekannt. Das Ordenszeichen, bei Herrgott: „,Monumenta“, I. 131, abgebildet, besteht aus einem Burgunderkreuz und hängt an einer Kette, welche ähnlich der des Vliesordens ist und statt der Feuersteine viereckige Edelsteine zeigt. Nach Ackermann soll an dem burgundischen Kreuze unten ein „funkensprühender Feuerzeug“ gehangen haben.
  • Der Schwanenorden, gestiftet von Kurfürst Friedrich von Brandenburg am 29. Sept. 1440. Der Orden hatte zu Ansbach eine eigene Kapelle . Das Ordenszeichen ist ein auffliegender Schwan, Frank genannt, an einer Schleife von Tuch. Zwischen der Kette und diesem Ordenszeichen ist eine Scheibe mit dem Bildnis der Jungfrau Maria. Die Ordenskette selbst besteht aus Gliedern, deren jedes zwei Sägeblätter, dazwischen ein Herz verarbeitet wird, zeigt (1301).
  • Der Hosenbandorden, franz. l’ordre de la jaretiere, engl. order of the garter oder bloß Garter – der erste Orden Englands und neben dem Vliesorden auch der erste in Europa -, gestiftet ut dicunt 1349 in Folge einer Galanterie des Königs Eduard gegen die Gräfin von Salisbury, deren verlornes Strumpfband er ihr wiederbrachte mit der Entschuldigung: hony soit qui mal y pense.- Die hl. Jungfrau und der hl. Georg sind die Schutzpatrone des Ordens, was aber nicht hinderte, dass derselbe (1855) auch dem türkischen Großherrn Abdul-Medschid verliehen wurde. Die Ordenskapelle ist zu Windsor, woselbst auch alle Wappen (Stall plates) der Ritter seit Stiftung des Ordens sich befinden . Der Orden hat einen eigenen Wappenkönig, gartrer king of arms oder kurzweg Garter genannt (XXXVI. 1336), und einen Herold, Black Rod genannt. Das Ordenszeichen ist ein b. Band mit g. Einfassung, Schnalle und Inschrift: HONY . SOIT . QVI . MAL . Y . PENSE . (1298). Dies Band wird um’s Knie getragen . Außerdem ist noch eine eigene Ordenskette gebräuchlich, welche aus Tudorrosen und Schlingen besteht und unten als Ordenszeichen die Figur des hl. Georg zu Pferde hat. Der Orden wird gewöhnlich nicht als Kette, sondern nur als Band um den Schild gelegt geführt. Die erste Platte in der Windsorkapelle, welche das Ordensband um das ganze Wappen im Kreife geschlungen hat, ist die von Alfons v. Arragonien (+ 27. Juni 1458), und das erste Beispiel daselbst, dass das Band um den Schild allein gelegt ist, datiert von Richard Pole 1500.
  • Der Distelorden, order of the thistle, auch Andreasorden, ist ein von den schottischen Königen herrührender hoher Orden in England, dessen Abbildung ich hier 1305 aus dem schottischen Wappenbuch von David Lindesay «Lion king of arms», 1542, Mss. gebe.
  • Der Orden des Schildchens, l’ordre de l’écu, gestiftet durch den Herzog von Bourbon 1360. Die Ritter trugen an einer g. Kette ein g. (dreieckiges) Schildlein auf der Brust und hatten außerdem ihr eigenes Banner, davon unten.
  • Der geistliche Ritterorden von Kalatrava, gestiftet von König Sancho von Kastilien 1158, hat als Ordenszeichen ein r. Lilienkreuz, von dem unten zwei b. Fesseln (als Namensanspielung) abhängen (1299).
  • Der Orden von Alkantara, gestiftet 1177, hat dieselbe Dekoration, doch grün und ohne die Fesseln .
  • Der Orden von Aviz, order de San Benedito de Aviz, gestiftet von König Alfons von Portugal 1146. Das frühere Ordenszeichen war ein gr. Lilienkreuz und das Wappen ein g. Schild mit einem gr. Lilienkreuz, zu dessen Fuß zwei # Vögel (mit Anspielung auf den Namen) stehen. Die jetzige Anwendung der Dekoration ist etwas abweichend (s. mein Wappenwerk unter: „Portugal“- S. 24, T. 51). Die Anwendung der Dekoration in älteren Zeiten war insgemein die, dass man den Schild, und wo ein Mittelschild vorhanden war, den letzteren auf das Ordenskreuz legte (1293).
  • Der Deutschorden führte ursprünglich ein einfaches # Kreuz auf S. Später wurde das # Kreuz mit einem s. Stabkreuz belegt, dessen Enden eine g. Lilie an der Spitze tragen. Auf dem Kreuze liegt ein g. Schildchen mit # Adler (1302) . Man findet in neuerer Zeit noch einige kleine Abweichungen, nämlich das Kreuz als Tatzenkreuz) s.-, auch g.- bordiert, und das Lilienkreuz ganz g., z.B. im großen Schilde von Österreich im zweiten Platze.
  • Die älteste Dekoration des Johanniter- oder Malteserordens ist ein einfaches achtspitziges s. Kreuz (1297)) das die Ritter auf #, auch auf r. Mänteln trugen und rsp. tragen. Die modernen Dekorationen, welche um den Hals getragen werden, sind je nach den Ländern, in welchen die Ordenszungen sich finden (Österreich, Preußen, Rußland, Spanien, Portugal und Kirchenstaat) verschieden.

Außer den Orden gab und gibt es noch Gesellschaftsabzeichen, wofür namentlich im 14. und 15. Jahrhundert die Adelsbündnisse viele Beispiele geliefert haben. Eine der bekanntesten Gesellschaften war „die Gesellschaft vom St. Georgenschild“, ursprünglich nur in Schwaben, später auch in Bayern und Franken verbreitet. Die Dekoration, welche an einer Kette um den Hals getragen wurde ) sehen wir oben VI. 50.

Von der „Gesellschaft vom Löwen“ in der Wetterau, gestiftet um 1379, heißt es in Königshofen’s strasburger Chronik codex hist. Ia. 168: „und trug jeglicher an seine Kleide ein Pantier oder einen Löwen von Golde oder Silber gemacht.“ Unter Panther ist hier ein schreitender Löwe oder sogenannter Leopard verstanden .

Im Laufe der genannten zwei Jahrhunderte sind noch viele Rittergesellschaften entstanden, die sich mehr oder minder bekannt gemacht haben, wie die Flegler, die Sterner, die Sichler, die Luchser, die Igler usf., von denen die meisten bestimmte Abzeichen trugen, die mitunter auch in ihren Wappen angewendet worden sein mögen.

Außer den Ordensketten findet man auch Rosenkränze, Paternoster (1306) und verschlungene Schnüre (1313) um den Schild gelegt. Die ersteren werden in der Regel von Ordensgeistlichen, früher auch von Malteserrittern, auch von frommen Damen, die letzteren, welche man auch Liebesknoten zu nennen pflegt, von jüngeren Damen und Witwen geführt. Die Entstehung der letzteren Sitte schreibt man der Königin Anna von Frankreich zu, welche nach dem Tode ihres Gemahls König Karl VIII. – Einige sagen aus Freude, die Andern aus Kummer – eine Schwesterschaft unter dem französischen Adel gegründet haben soll, deren Mitglieder sich verpflichteten, zum Abzeichen Gürtel aus Schnüren geflochten zu tragen und auch solche um ihre Wappenschilde zu legen. Vielleicht war die Königin auch Tertianerin oder weltliches Mitglied des dritten Ordens, und dies die Ursache, dass sie den Bußgürtel führte und etwa aus Ostentation um ihren Wappenschild hing? Jedenfalls wird der Ursprung dieser Mode ihr zugedacht.

Man pflegt auch Oel-, Lorber- und Eichenzweige kranzförmig um den Schild zu legen, wie wir davon beim päpstlichen, sowie bei den sogenannten kleineren Wappen mehrerer deutschen Staaten Beispiele finden.

Neben Kronen, Hüten, Mützen und Orden findet man zuweilen noch andere Attribute des Amtes und der Würde außerhalb des Schildes angebracht, und zwar meistens hinter demselben stehend oder geschrägt, seltener unter dem Schilde, Zu diesen Würdezeichen gehören Zepter, Schwerter, Marschallsstäbe, Schlüssel, Kreuze, Pallien, Bischofsstäbe, Anker usw. Bekannt sind in dieser Beziehung die beiden $2Himmelsschlüssel“, ein silberner und ein goldener, welche seit mehr als 400 Jahren schon geschrägt hinter den Schilden der Päpste erscheinen. Ähnlich führte im bourbonischen Frankreich der Großkammerherr des königlichen Hauses zwei eigens geformte g. Schlüssel hinter seinem Geschlechtsschilde (1303), der Großschatzmeister aber zwei s. Schlüssel stehend zu den Seiten des Schildes. Der Marschall hatte als Amtszeichen zwei mit g. Lilien besäte b. Stäbe geschrägt hinter dem Schilde, der Großvorschneider aber Messer und Gabel geschrägt unter dem Schilde (1309). Auch Napoleon hat im ersten Kaiserreich die meisten Hof- und Staatsämter, wie sie die Bourbonen gehabt, nebst ihren heraldischen Würdezeichen wieder ins Leben gerufen, wie denn z.B. Murat als Großherzog von Berg hinter dem Herzschilde stehend einen g. Doppelanker wegen der ihm verliehenen Würde eines Großadmirals, dann hinter dem Rückschild geschrägt zwei g.-beschlagene b. Stäbe mit dem napol. Adler wegen seiner Würde eines Marschalls des Kaiserreichs führte . Der Erzkanzler des Reichs erhielt gleichfalls zwei Stäbe, s. mit g. Bienen besät und mit einer Spangenkrone gekrönt (1311) hinter dem Schilde geschrägt als Amts- und Würdezeichen; der Großkonnetable führte als solche zwei hinter dem Schilde hervorkommende Arme, rsp. Hände, mit blanken Schwertern.

Bei Erledigung des päpstlichen Stuhles (Sedisvakanz) pflegt der während des Interregnums verwaltende Kardinal als Würde- und Amtszeichen die päpstlichen Schlüssel geschrägt und außerdem noch die päpstliche Standarte (XXXV. 1320) stehend hinter seinem Geschlechtsschild anzubringen .

Zepter und Gerichtsstab, main de justice (1310), pflegten die französischen Könige schon sehr frühe hinter ihrem Schilde geschrägt zu führen, und Napoleon hat auch diese Sitte nachgeahmt, indem er sowohl beim kaiserlichen Wappen als bei denen der von ihm geschaffenen Könige diese beiden Würdezeichen in mehr oder minder verschiedenen Formen anbrachte . Die Gestalt des napoleonischen Kaiserzepters gibt 1312.

Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte pflegen hinter ihrem Schilde das erzbischöfliche (1307) und bischöfliche Kreuz und den Bischofs- oder Hirtenstab mit abhängender Fahne (1308) entweder stehend oder geschrägt zu führen. Die ehemals souveränen geistlichen Reichsfürsten und Reichsäbte führten ein gestürztes blankes Schwert (als Zeichen des Blutbannes) mit dem Bischofsstabe oder Kreuze hinter dem Schilde geschrägt und es finden sich davon in Wappen und Münzen dieser Fürsten mannigfache Varietäten, wie der alte Siebmacher, dann Adam Berg’s „new Müntzbuech“, München 1597, sowie die nürnbergischen „Geschichts-, Geschlechts- und Wappencalender“ des vorigen Jahrhunderts beweisen können.

Ich erwähne hier ferner noch des Vorkommens von Attributen, welche weniger Würde-, als Erinnerungszeichen genannt werden möchten, da sie auf Reminiszenzen des Lebens oder der Verdienste des einen oder anderen der Wappenherren anspielen sollen. Hierzu zählen z.B. die Trophäen aus Fahnen, Kanonen, Pauken, Trommeln, Flinten und Kugeln, welche man unter und neben Wappenschilden, namentlich in Mitte des 17, Jahrhunderts zuweilen findet. Ich habe bisher geglaubt, dass derlei Attribute mehr als Spielerei der Laune eines einzelnen Generals etc., denn als wirkliche diplommäßige Erwerbungen zu betrachten seien, ich habe mich aber überzeugt, dass auch deutsche Kaiser derlei Dinge cum jure et praejudicio verliehen haben, wie denn Graf Jakob Ludwig von Fürstenberg von K. Ferdinand im J. 1624 mit einem verbesserten Wappen begnadigt worden ist, das u.a. auch, wie es in dem kaiserl. Schreiben an den Grafen heißt: „zu unsterblichem Ruhm und immerwährender Gedächtnis Deiner heroisch-ritterlichen Taten mit obgeschriebenen von Dir eroberten Fahnen, Cornett und Geschütz gänzlich umgürtet und umgeben ist“. Dies Wappen ist bei v. Hohenlohe, S. 64, abgebildet, und ich füge nur hinzu, dass die Anspielung in der Note 2 daselbst insofern keine Anwendung finden konnte, als in vorstehendem Falle die Kanonen nicht in, sondern außer dem Schilde angebracht sind. Übrigens muss ich bemerken, dass derlei Attribute in der alten Heraldik mir bis jetzt nirgends vorgekommen sind und auch wohl nicht zu den besseren Erfindungen in dieser Wissenschaft und Kunst gehören dürften.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.