OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Beizeichen

Beizeichen, lat. fracturae, discernacula, franz. brisures, engl. differences, itat. brisure, ndd. breuken,, im weiteren Sinne sind gesuchte Unterscheidungsmerkmale an sonst gleichen Wappen. Es kann also durch Änderung und Umstellung der Figuren, durch Hinzufügung einer neuen Figur oder Hinweglassung einer vorhandenen, durch Veränderung des Kleinodes sowie durch Verkehrung der Farben an allen Einzelheiten des Wappens ein Beizeichen gemacht werden. Geht die Beizeichnung eines Wappens aber so weit, dass dies die Ähnlichkeit mit dem ersten (von dem und wegen dessen es gebeizeichnet wurde) nicht mehr erkennen lässt, so sind es zwei gesonderte Wappen.

Beizeichen oder Brüche im engeren Sinne sind nach heraldischen Regeln vorgenommene Variationen (Beugungen) eines bestimmten Wappens, um mittelst derselben ältere und jüngere Zweige und Linien oder Erstgeborene, Nachgeborene und Bastarde eines und desselben Stammes unterscheiden zu lassen. Man könnte also die Beizeichen auch einteilen in Familien- und Personalbeizeichen.

Zu der einfachsten Art, Wappen gleichen Stammes zu unterscheiden, gehört, dass man ceteris paribus die Farben ändert. Diese heraldische Sitte ist wenigstens bei uns in Deutschland sehr alt und sie genügt ihrem Zwecke vollständig, wenn man nur die Zweige desselben Stammes kennzeichnen will. Sehr häufig schließen wir umgekehrt aus gleichen Wappenfiguren (wenn auch verschiedenen Farben und ungleichen Namen) auf gleichen Ursprung, denn die Heraldik des Schildes war in Deutschland weniger veränderlich, als die der Kleinode, und jedenfalls war die Änderung der Namen nach Besitz und Amt in früheren Zeiten häufiger als wir wohl denken . So hatten wir in Bayern fünf Geschlechter, welche gleichen Ursprungs und verschiedenen Namens waren, aber alle ihren ursprünglichen Stammschild, wenn auch mit Veränderung der Farben, beibehielten. Der bayerische Turnierreim des Herolds Johann Holland sagt von ihnen wörtlich:

Partteneckh kompt mit großem Sausen
Mit ihnen die von Mässenhausen,
Chammerberg derselben massen,
Hiltgertzhausen wär zuhassen,
und auff sie gelegt mit Jammer
So kommen darzu die von Camer:
Die fünff Geschlecht zusammen wartten,
Wann sie führen all die Partten,
Dann dass jede Farb hat underschaidt
Und jede Parten sonder beklaidt
Und doch von Alter eines Namen
Von Parteneckhen alle Stämmen.

  • Ich gebe XXXI 1252-56 die Schilde dieser fünf Geschlechter, und zwar 1252 Parteneck, die Parte # in S.;
  • 1256 Cammer, r. in S.;
  • 1254 Hilgertshauser, b. in G.;
  • 1255 Mässenhausen, g. in B.;
  • und 1253 Cammerberg, s. in R.

Zwei andere bayerische Geschlechter gleichen Stammes und Wappens unterscheiden sich ebenfalls durch Veränderung der Farben in den letzteren) ich meine die Trennbecken und die Leberskircher. Beide führten geteilt (auch statt dessen ein Schildeshaupt) mit drei Wecken nebeneinander im oberen Platz, beziehungsweise Haupt. Beide behielten die ursprüngliche Farbe des Schildes, #, bei, die Leberskircher aber ändern die Farben des obern Platzes, welche bei den Trennbeeken g. mit # Wecken (1257) war, in S. mit r. Wecken (1258).

Die italienischen, namentlich Venediger Familien haben sich in ihren Linien auch immer nach den Wappen unterschieden, doch nicht so, dass das ursprüngliche Wappen ganz verloren gegangen wäre. Es bestehen z.B. von den Contarini zehn, Morosini vier, von den Trevisan ebensoviele abweichende Wappen als Linien.

In seiner Art einzig war das Gesetz, welches die plebejische Bürgerschaft von Florenz, nachdem sie unter ihrem Führer Gian della Bella 1294 einen vollständigen Sieg über die Patrizier oder Granden errungen hatte, erließ und mehrere Jahrhunderte festhielt. Es wurde nämlich bestimmt, dass jeder Edelmann, der sich um die Stadt verdient gemacht hatte, zur Belohnung aus der Adelsliste gestrichen und in den bürgerlichen Stand erhoben werden solle . Dabei wurde noch weiter festgesetzt, „che chiunque per beneficio del popolo è tratto del numero dei grandi e amesso alla popolarità debba renunziare alla consorteria (Geschlechtegenossenschaft) e mutare l’arme e’l nome.“ Borghini dem ich diese Stelle entnehme, bringt viele Beispiele solcher Wappen- und Namensveränderung florentinischer Geschlechter bei, und drückt seinen Schmerz darüber aus, dass diese gebürgerten Edelleute sich gar so häufig mit Verleugnung alles Familien- und Adelsgeistes beeilten, ihre angeborenen Namen und Wappen so sehr zu verändern, dass auch nicht die Spur von Ähnlichkeit zurückblieb , während andere sich begnügten, im neuen Wappen einfach die Farben zu verstellen, oder dem alten Wappen eine Figur hinzuzufügen usw. In der Tat, füge ich hinzu, einem solchen Adel ist Recht geschehen! Ich gebe zur Veranschaulichung hier die Schilde der Tornaquinci (1259) und die der stammgenossenen Geschlechter, welche bei ihrer Popularisierung Namen und Wappen verändert haben, nämlich der Giachinotti (1260), Marabottini (1261), Tornabuoni (1262), Cardinali (1266) und Popoleschi (1267).

Ein Beispiel der letztern Art, nämlich einer bloßen Beizeichnung im Namen und Wappen, geben die Giandonati, welche vor der Plebejisierung Donati hießen und als solche von Rot und Silber, darnach aber von Silber und Rot geteilt führten.

Für ein sehr gelungenes Beispiel von Änderung der Wappen zweier Zweige desselben Geschlechtes halte ich das des freiberg’schen Stammes, dessen altes Wappen: geteilt von S. u. B., unten drei g. Balken oder Dotter, von einer nach Bayern gekommenen Linie, welche Aschau erwarb und vom 14. Jahrhundert bis 1728 selbstständig dort blühte, dahin verändert wurde, dass statt der Ballen Sterne gewählt, sonst aber Teilung und Farben gleich belassen wurden (1273, 1274). Seitdem hieß man die einen (schwäbischen) die Freiberge mit den Dottern, und die andern (bayerischen) die Freiberge mit den Sternen (siehe mein Wappenwerk: „+ bayer. Adel“, S. 12. T, 9 u. 10).

Eine weitere Art von Beizeichen gibt die Mehrung oder Minderung gleichartiger Figuren im Schilde, z.B. von Lilien, Sternen, Kugeln etc.

So wissen wir, dass die Medici in einzelnen Linien acht (2.3.2.1), sieben (2.3.2) und sechs (3.2.1) r. Balken in G. führten; ebenso kommt der Schild der Peruzzi mit acht, sechs und drei g. Birnen in B. vor, und der der Foraboschi mit drei, sechs und zehn s. Ballen in #. Ähnlich haben auch die Ricci, welche als Einheit des Wappenbildes einen g. Igel mit g. Stern darüber in B. führten, diese Figuren verschieden an Zahl, i.e. zu fünf, neun und mehr oder minder im Schilde gehabt.

Ehrenbeizeichen sind in der Heraldik auch nicht selten und unterscheiden sich von den Gnadenwappen (s. oben S. 29 ff.) dadurch, dass sie nicht als besondere Wappenschilde, Felder, sondern als eingesetzte Figuren im Schilde der Geehrten oder Begnadeten erscheinen. Derlei Ehrenbeizeichen führte z.B. eine Linie der Ubaldini und eine der Medici, welchen von der Republik Florenz das Zeichen der popolarità, eine s. Scheibe mit r. Kreuz (1268 u. 1271) verliehen wurde, und eine andere Linie des letztern Geschlechtes, welche vom König von Frankreich in derselben Weise eine b. Kugel mit drei, 1. 2. g. Lilien in den Schild erhielt (1269). Ähnlich wie die florenzer Republik verlieh auch die genueser, pisaner und venediger Ehrenbeizeichen in die Schilde vorzüglich beliebter Familien, wie denn namentlich das Wort LIBERTAS in g. Buchstaben aus dem Wappen der Republik Lucca sehr häufig in den Schilden italienischer Geschlechter erscheint. Hieber gehören auch die zahlreich vorkommenden vierlätzigen r. Stege mit den drei g. Lilien zwischen den Lätzen, welche eine Menge welscher Familien, die sich durch besondere Anhänglichkeit an die Bourbonen hervortaten, von diesen als Ehrenbeizeichen erhielten und führen, z.B. die Incontri (1270), Baglioni, Pichena, Tolomei u.a. (Vergl. den erwähnten Borghini, dann Eugenio Gamurrini: „Famiglie toscane“, auch Giuseppe Manni: „Serie dei senatori fiorentini“, letztere mit Abbildungen der Wappen.)

Die Stellung der Figuren im Schilde mag auch wohl als gesuchtes Unterscheidungsmerkmal gedient haben, wie z.B. bei den gleichstammigen Familien der Buttlar und der Treusch v. Buttlar, welche beide in R. eine g.-bereifte s. Tragbutte führen, das Beizeichen im Schilde darin bestehen soll, dass bei der ersteren die Butte schräggestellt, so dass man mit der rechten, bei der anderen aber geradestehend, dass man mit der linken Hand hineinfahren müsse, sei.

Ohne das Wappen und die Farben zu ändern, lassen sich durch Hinzusetzung einer neuen Figur, welche mit der ursprünglichen Figur nicht in Verwandtschaft steht, verschiedene Linien eines Geschlechtes auch wohl unterscheiden. So führen z.B. die Cuningham in Schottland in S. eine # Deichsel.

  • Die Linie Glengarnoch belegte diese Deichsel mit einer s. Rose,
  • die v. Powmais mit einem s. Stern,
  • die v. Bernes aber setzte einen r. Stern oben zwischen die Deichsel.

Die Cockburn führen als Stammwappen drei r. Hähne in s.

  • Die Linie v. Newhall setzte eine durchbrochene b. Raute (1263),
  • die v. Henderland einen b. Stern (1264)
  • und die v. Skirling eine b. Schnalle (1265)

als Beizeichen in die Mitte des Schildes. In ähnlicher Weise führt Fahne in seinen kölnischen Geschlechtern, I. S. 364, fünferlei Wappen verschiedener Linien der v. Rode – deren Stammschild von G. u. R. mehrmals gespalten ist – auf, wo von

  • die eine zum Loch einen b. Stern im vordern Obereck,
  • die v. Ludenstorff einen gekerbten b. Balken,
  • die v. Blatten ein b. Viertel mit s. Stern
  • und die v. Mohnenbach eine Hermelinvierung

(außerdem alle noch verschiedene Kleinode) annahmen. – Hierher gehören auch die Beispiele 1272, 75 u. 77 von drei Linien der Knebel v. Katzenelnbogen, wovon die eine zu ihrem Stammschild, welcher in S. ein r. Schildlein hat (oder r. mit S. Einfassung ist), im Obereck einen # Vogel, die andere einen # Ring, die dritte einen # Mond führte.

Eine weitere Art von Unterscheidung stammgenossener Wappen finden wir in den Änderungen der Kleinode. Diese Art von Beizeichen ist aber meines Wissens nur der deutschen Heraldik eigen, und auch in unserm Vaterlande macht, wie weiter unten folgen wird, die niederrheinische Heraldik hierin eine teilweise Ausnahme, ich möchte sagen, den Übergang von der eigentlich deutschen Heraldik zur französischen.

Eines der auffallendsten und, weil urkundlich, auch schätzenswertesten Beispiele dieser Art geben uns die Wappen der drei bayerischen Familien Schrenk, Ridler und Ligfalz. Diese drei Geschlechter führen alle: in R. einen s. Schrägbalken (ursprünglich Schrägfluß), darin ein # Strahl oder Pfeil. Ihre Kleinode aber sind verschieden, in der Art,

  • dass die Schrenk einen Flug in Farben und Figuren des Schildes (bald offen, bald geschloffen, 1285),
  • die Ridler einen einzelnen derartigen Flügel mit g. Vogelfuß (1286),
  • die Ligfalz aber einen r.-gekleideten Mannsrumpf mit hohem r. Hut, auf dessen s. Stulp der Strahl (1284),

führten. Zu Ende des 13. Jahrhunderts hatte ein Schrenk zu München, schon bejahrt, seine beiden Töchter einem Ridler und einem Ligfalz verheiratet und ihnen sein Wappen zu führen gegönnt. Als aber der Schrenk wider Erwarten noch einen Sohn bekam , so verglichen sich die Ligfalz und Ridler mit ihm, ihre Wappen dadurch zu unterscheiden (beizuzeichnen), dass sie die Kleinode verkehrten. – Diese Unterscheidung wurde sogar im 14. Jahrhundert so praktisch beibehalten, dass die Ligfalz und Ridler in ihren Siegeln in der Regel nur den Helm mit dem Kleinode zu führen pflegten .

Die Figuren 1287-91 sind Kleinode verschiedener Personen und beziehungsweise Zweige eines Geschlechtes, der Breder v. Hohenstein (Rhein), ex sigillis, und ich bemerke nur noch, dass die Farbenangaben hier nach Analogie des Schildes gehalten sind, wo sie nicht durch anderweitige gemalte Abbildungen bekannt waren. – In gleicher Weise ist mir durch die Güte eines nassau’schen Heraldikers eine Sammlung von alt-isenburg’schen Wappen ex sigillis mitgeteilt worden, welche nicht weniger als neun Varianten in den Kleinoden ausweist ist, nämlich:

  1. fünf Schäfte mit Federn besteckt: Ludwig vom J. 1272;
  2. ein Köcher mit Federn: Heinrich vom J. 1272;
  3. ein hoher Stulphut mit Federn: Luther vom J. 1303;
  4. ein fächerartiges Schirmbrett: Bruno vom J. 1321;
  5. ein Pfau: Salentin vom J. 1322;
  6. ein niederer Stulphut zwischen einem Fluge: Wilhelm vom J. 1338;
  7. ein hoher Hut zwischen zwei einzelnen Federn: Heinrich vom J. 1344;
  8. ein geschlossener Flug: Diether vom J. 1422, und
  9. ein offener Flug mit der Schildeswappnung (zwei Balken), dazwischen ein hoher Hut: Salentin vom J. 1454.

Hieraus möchte die Beweglichkeit der Kleinode und ihres Gebrauches in Deutschland zur Genüge ersehen werden. Was hieran Laune und was begründete Notwendigkeit getan, das lässt sich allerdings nicht so leicht auseinanderhalten – eine Art von Beizeichnung ist aber jedenfalls in dieser vielfachen Veränderung des Kleinodes bei Festhaltung desselben Schildes gegeben. Hierher gehören ferner die Änderungen an Wappen, welche von einem abgestorbenen Geschlechte aus irgendwelchem Grunde an neue blühende verliehen wurden. Ich nenne z.B. das Wappen der v. Freysing zu Aichach in Tirol, Hanns Mahr v. Freysing, welcher mütterlicherseits von dem erloschenen Tiroler Geschlechte v. Aichach abstammte, erhielt bei seiner Erhebung in den Reichsadelstand am 31. Mai 1559 deren Wappen (von # u. S. geviertet), doch mit dem Beizeichen eines roten Schildeshauptes im oberen s. Platze . Judas Thaddäus v. Ziegler zu Pürgen erhielt dd. 29. Nov. 1819 auf sein Ansuchen die Erlaubnis, statt seines bisherigen Geschlechtswappens (von R. u. S. mit zwei Zinnen geteilt, oben zwei g. Sterne) dasjenige der „nunmehr abgestorbenen vormaligen Freyherrn Höchenkircher zu Pürgen, welches er, v. Ziegler, seit 1786 besitzet, doch mit der Änderung, dass er statt der rot-silbernen Decken an diesem Wappen solche von Blau und Silber führe“ anzunehmen. Die Seligmann v. Eichthal erhielten bei ihrer Nobilitierung in Bayern (22. Sept. 1814) das Wappen der erloschenen augsburger Familie Thalmann (in G. über zwei # Felsspitzen zwei # Sterne) mit Veränderung der Farben, und zwar der des Feldes in B. und der der Sterne und Felsen in S. In diesem letzteren Falle war außer der entfernten Anspielung auf den Namen der alten und den erteilten Beinamen der neuen Familie auch nicht der mindeste historische Grund zur Wiederbelebung des Wappens einer abgestorbenen Familie und folglich auch nicht zur Beizeichnung vorhanden.

Ich komme nun zu denjenigen Beizeichen, welche nach bestimmten Regeln angewendet werden, um einzelne Personen derselben Familie voneinander im Wappen unterscheiden zu können.

Diese Art Beizeichen kommt nur in Schilden (nicht auf den Helmen) vor und ist meines Erachtens ihrem Ursprunge nach spezifisch französisch, daher in früherer Zeit in Deutschland, mit Ausnahme der niederdeutschen Provinzen, selten angewendet.

Man kann auch hier wieder zwei Abteilungen machen – Beizeichen für eheliche und für uneheliche Personen oder Nachkommenschaft, obwohl sich die Grenze in Folge mannigfacher Ausnahmen nicht so genau festhalten lässt, als wohl wünschenswert erscheint.

Ich werde zuerst von den heraldischen Unterscheidungsmitteln der ehelichen Nachkommenschaft (marks of cadency) eines Wappenherrn sprechen.

Unter diesen ist wohl das älteste Beizeichen der Steg, auch Turnierkragen und Rechen, Bank, lat. lemniscus und limbus, franz. lambe (-sic-), auch lambeau, engl. label, ital. lambello, auch rastrello, holl. Barensteel. Seine Gestalt ist die eines abwärts gezinnten Balkens, bald mehr, bald minder breit, bald schwebend, bald in den Oberrand oder in die Seitenränder sich verlaufend. Die herabstehenden Enden pflegt man Lätze, lat. segmenta, franz. pendants, engl. points, holl. hangers, zu nennen. Der Steg als Beizeichen ist seiner Natur nach gänzlich verschieden von dem Steg als künstliche Figur (oben XXII. 968), er hat seinen Platz immer im Schildeshaupte. Ausnahmen, dass z.B. der Steg in der Mitte des Schildes liegt, sind äusserst selten (wie 1282 ein Schild der Grafen von Nevers); es ist immer nur ein solcher Steg in einem Schilde, und er repräsentiert nicht eine Schildesfigur, sondern ist ein drittes Stück, welches einen fertigen Wappenschild überlegt und dadurch beizeichnet, deshalb darf das Feld, in welchem der Turnierkragen erscheint, nicht abgegrenzt sein von dem übrigen Schilde. Ich glaube diesen Unterschied zwischen derselben Figur als Schildesbild und als Beizeichen hervorheben zu müssen.

Die gewöhnliche Anzahl der Lätze ist drei; man nimmt daher einen „Steg“ oder „Turnierkragent“ immer für einen dreilätzigen, wenn nicht die Zahl der Lätze als abweichend bezeichnet wird, an. Was die Farbe betrifft, so ist sie wie bei allen Beizeichen dieser Art nicht an die allgemeine Regel von Metall und Farbe gebunden, d.h. man findet auf farbigen Feldern auch farbige Stege und umgekehrt. So z.B.

  • führen die v. Leiningen-Westerburg, als das jüngere Haus Leiningen, im alten leiningen’schen Schilde (b. mit drei s. Adlern) einen r. Steg (1281) als Beizeichen .
  • Seit den Zeiten Königs Eduard III, führt in England jedesmal der Erstgeborne, der Prinz von Wales, einen s. Steg im Schilde England (1276) .
  • während in Frankreich seit den Zeiten König Philipp’s (1356) immer der Zweitgeborne, der Herzog von Orleans (1303, 1304 mit Hinweglassung der Schrägfäden) einen v. Steg im Schilde Frankreich führt .

Hieraus allein schon lässt sich ersehen, dass eine bestimmte allgemein gültige heraldische Regel über die Bedeutung des dreilätzigen Sieges selbst in der Zeit der echten alten Heraldik, und in zwei Ländern, welche in ihrer Wappenkunst stammverwandt sind, nicht anzunehmen sei, Noch mehr aber zeigt sich ein Auseinandergehen der Ansichten alter Herolde in der Art und Weise, wie sie die weiteren Abzweigungen zu unter scheiden suchten.

So sagt Gerard Leigh in seiner „Accedence of armorie“, der erstgeborne Enkel sollte bei Lebzeiten seines Vaters, des erstgebornen Sohnes, und des Großvaters einen fünflätzigen Steg führen – allein Planché beweist, dass man sowohl in der Zahl der Lätze als der Farben hierin vielfache willkürliche Abweichungen finde. Es versteht sich, dass hier nur von der regierenden Familie die Rede ist.

Man hat als Unterbeizeichen (marks of cadency of the second order)

  • für den zweiten Sohn einen Mond (1294),
  • für den dritten ein Spornrad (1295),
  • für den vierten eine Merlette (1296),
  • für den fünften einen Ring (1297),
  • für den sechsten eine Lilie (1298),
  • für den siebenten eine Rose (1299),
  • für den achten ein Mühleisenkreuz (1300) und
  • für den neunten ein doppeltes Vierblatt (1301)

in der Art angenommen, dass der Betreffende jeweilen die Lätze des Steges mit einer dieser Figuren belegen sollte. In dieser Art würde der Erstgeborne des Erstgeborenen den Steg wieder mit einem Stege, der Zweitgeborne des Erstgeborenen den Steg mit einem Monde usw., der Erstgeborne des Zweitgebornen den Mond mit einem Stege, der Drittgeborne des Zweitgebornen den Mond mit einem Spornrad belegen sollen usf. in dieser Art. Die Italiener haben wieder eine etwas abweichende Aufstellung für die Beizeichnung der Wappen Nachgeborner (cadetti) und Ginanni sagt S. 47, es gebühre:

Ai secondo-geniti il lambello, la bordura di un solo emalto, o una mezz a lutta. Ail terzogeniti un merlotto, ai quartogeniti la bordura indentata, o spinata (gekerbt), o se annalata (gewolkt), o bisantata (mit Münzen belegt), ovvero una stella; alli quintogeniti l’anelletto, ai sestogeniti il giglio — e si contano a trenta brisure nell’ arme de’ cadetti di casa Carraccioli di Napoli.

Allein diese Regeln haben nie Anklang oder wenigstens nie eine folgerechte Ausführung gefunden und Alexander Risbett, welcher 1702 eine eigene Abhandlung geschrieben hat, kommt nach langem Studieren zu dem Schlusse, dass sich eigentlich eine Regel hier nicht aufstellen lasse, weil eine solche nie befolgt worden sei.

Die englischen Prinzen und Prinzessinen von Geblüt führen durch königliche Verordnung geregelt im Haupte des Schildes Stege mit besonderen Figuren belegt. So ist z.B. der Steg, den der Prinzgemahl zu führen hat, s. mit r. Kreuz auf dem mittleren Latz; die Kronprinzessin hat den Steg mit zwei r. Kreuzen und dazwischen mit einer r. Rose belegt. Ich gebe auf Tafel XXXVI. 1355 das Beizeichen des Herzogs von Cambridge. (Vgl. auch Encyclopaedia of heraldry by John Burke, London 1847.) Das Belegen der Stege mit anderen Figuren als Unterbeizeichen ist übrigens nicht selten. So hat z.B. das Wappen von Eu und Artois (1278) den Schild Frankreich mit r. Steg, dessen jeder Latz mit drei, auch vier s. Türmen belegt , ebenso Angouleme: der Schild Orleans (s. oben), doch jeder Latz mit r. Mond belegt.

Der vierläzige rote Turnierkragen ist vom jungen Haus Anjou als Beizeichen angenommen worden, er findet sich aber auch fünflätzig im Wappen von Neapel. Eine Menge italienischer Familien haben diesen Steg der Anjou mit drei g. Lilien zwischen den Lätzen als Erinnerungszeichen oder aus besonderer Gunst in ihren Schild gesetzt (s. oben S.135), wobei jedoch letzterer Umstand (die Lilien) nur als spezielle Charakterisierung des anjou’sehen Steges, welcher eigentlich in einem mit g. Lilien besäten b. Schilde steht, angesehen werden muss.

Ein Beispiel eines fünflätzigen Turnierkragens gibt (XXXXVI. 1354) Prinzessin von Glouchester. Siebenlätzige Stege kommen auch vor, wie z.B. in dem Rück-Siegel der Gräfin Alice von Eu von 1234.

Dass der Steg auch als Beizeichen der Bastardie angewendet werden könne, möchte zu verneinen sein; ein einziges Beispiel, wo dies der Fall war, finde ich erwähnt bei Planché S. 152, welcher sagt, dass Johann, ein Bastard von Lovel, den völligen lovel’schen Schild, von G. und R. gewellt, doch mit einem blauen Steg als Beizeichen geführt habe.

Ein zweites Beizeichen der französischen und englischen Heraldik ist der Schrägbalken, öfters schwebend angebracht (abgekürzt), länger oder kürzer, in der Regel schmal, als Faden, zuweilen aber auch, wenn er mit weiteren Figuren belegt ist, in der Breite der gewöhnlichen Schrägbalken. Der Schrägbalken als Beizeichen eines ehelichen Sohnes geht regelrecht von dem vorderen Oberecke des Schildes nach dem hinteren Untereck über Feld und Figuren desselben.

Wenn man bei dem Turnierkragen als Regel behaupten kann, er sei das Beizeichen ehelicher Geburt, so ist dies bei dem Schrägfaden nicht der Fall. Die Ursache liegt ganz gewiss in der missverstandenen Auffassung mancher Heraldiker, Maler oder Siegelstecher in Bezug auf schräglinks und schrägrechts , welches Missverständnis sich nie unangenehmer offenbart, als eben im vorliegenden Falle. Die Heraldik kennzeichnet nämlich auch Bastardwappen dadurch, dass sie den Schild mit Schrägfaden überzieht. Dieser letztere geht regelrecht vom hinteren Obereck nach dem vorderen Untereck, Wäre dieser Unterschied zwischen den beizeichnenden Schrägfäden bei den Wappen filiorum legitimorum und spuriorum immer aufrecht erhalten worden, so würden wir nicht in der Lage sein, zu sagen, dass die Ausnahmen hierin fast der Regel gleichkommen . Trotzdem glaube ich, dass wir nichts Besseres tun können, als hierin eine Regel gelten zu lassen und zu sagen, der Schrägfaden im Wappen eines Nachgeborenen gehe von vorne nach hinten, der im Schilde eines Bastarden von hinten nach vorne.

Das Haus Bourbon, welches von Robert, dem fünften Sohne Ludwig IX. von Frankreich, ab stammte, erhielt als Beizeichen in den Lilienschild einen roten Schrägfaden in der angegebenen Richtung, d.h. vom vorderen Obereck nach dem hinteren Untereck (1280).

Die Nachkommen dieses Robert, des ersten Herzogs von Bourbon, brachten wieder Unterbeizeichen im väterlichen Wappen an. So z.B. führten die Evreux den Schrägbalken von s. und R., die Etampes von R. und Hermelin gestückt; die Montpensier setzten in den r. Schrägbalken ein g. Haupt mit b. Delphin, die Beaujeu belegten den r. Schrägbalken mit drei g. Delphinen usf., wie denn diese Abarten des Wappens Bourbon alle am betreffenden Orte in meinem Wappenwerk abgebildet sind.

Schon sehr frühe kommt dieses Beizeichen auch abgekürzt, stabartig, vor, z.B. bereits auf einem Siegel des Wirgo d’Ouren (mit der Umschrift: Wirici de Hureni de Bereper) vom J. 1236, welches ein Ankerkreuz mit solchem Schrägstab überlegt zeigt.

Auch die Bourbons haben in späterer Zeit nur einen ganz kurzen r. Schrägstab in die Mitte des Schildes zwischen die drei Lilien gesetzt (1279).

Fernere Arten von Beizeichen ehelicher Nachkommenschaft sind die Bordüren oder Einfassungen, wie z.B. die r. Bordur von Alt-Anjou um den Schild Frankreich. Häufig, besonders in spanischen Wappen, werden die Bordüren aber nebenbei noch als eine Art Vereinigung zweier Wappen benützt (s. davon im II. Teile d.B.). Auch diese Bordüren sind wieder durch Unterbeizeichen bei den Nachkommen in etwas unterschieden worden. So haben z.B. die Berri die r. Bordur nach innen gekerbt, die Alençon mit s. Balken belegt usw.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man zu weiteren Unterscheidungen auch zwei und mehrerlei Beizeichen mit einander verbinden konnte und verband.

So hat z.B. Johann v. Bourbon, zweiter Bruder des Ludwig von Bourbon-Vendome, den Namen Carency angenommen und den Schild Bourbon-Vendome oder de la Marche (Frankreich mit r. Schrägbalken, der mit drei s. Löwen belegt ist) noch mit einer r. Bordur eingefaßt (1283), und Karl v. Bourbon, Graf v. Soissons, fügte dem einfachen Schilde Bourbon gleichfalls eine r. Bordur bei (siehe mein Wappenwerk a.a.O. T, 25 ff.).

Die Mannigfaltigkeit von Wappenvarianten ehelicher Nachkommen, welche man nur allein durch diese drei Beizeichen – Steg, Schrägfaden und Bordur – herzustellen im Stande ist, lässt sich daher leicht einsehen und ich werde versuchen, im II. Teile dieses Werkes dies praktisch zu beweisen.

Es gibt aber noch andere Beizeichen, wie Freiviertel, Schragen, Schildeshaupt usw., welche hie und da für Unterscheidung der Wappen einzelner Personen gebraucht werden.

Nur Beispielshalber erwähne ich noch eines persönlichen Beizeichens eigener Art, das sich auf einer gemalten Gelöbnißtafel in der Besserer-Kapelle des Münsters zu Ulm findet. Die Tafel ist aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, zeigt die Glieder der Familie Besserer mit ihren Wappen knieend, und darunter einen Wilhelm Besserer, Ritter, in dessen Wappen alles Silber – nämlich die Doppelscheuer und die Innenseite der Decken – in Gold verkehrt ist. Das sollte nach damaliger Anschauung, die hohe Würde der Ritterschaft andeuten, möchte aber doch wohl bloß Spielerei sein.

Ich komme nun an die Beizeichen des Bastardismus, engl. marks of illegitimacy. Das gebräuchlichste heraldische Beizeichen ist der Bastardfaden, franz. Baton des batards, ndd. bar, der über den ganzen Schild schräg gezogen ist und zwar regelrecht vom hinteren Obereck nach dem vorderen Untereck (vgl. oben S. 139).

Prinsault in seinem Traité du blason sagt von den Bastarden: Tous roys chrestiens ou aultres peulent (sic) avoir bastars excepté france. Lesquels peuvent porter titre et nom de la coronne où sont partis portant armes en armerie différentes par bende senestre, ainsi qu’il est de coustume. Ferner fügt er hinzu, dass ein Bastard, wenn er die Prälatenwürde erlangt habe, das väterliche Wappen führen, rsp. das Beizeichen unehelicher Geburt weglassen dürfe, Montagu in seinem „Guide“ S.45 sagt, dass vor der Reformation die Geistlichkeit in England überhaupt kein brisures gebraucht habe „for the good reason, we may suppose, that as their armorial honours died with them, it was not thought necessary to make any distinction in a coat that could not be transmitted to posterity.“ Doch führt er auch Ausnahmen von der Regel an.

Ein ähnliches Beispiel bringt Palliot (S, 82) von einem Johann v. Dunois-Longville, Bastard von Orleans, bei, welcher das Wappen Orleans ursprünglich mit einem schwarzen Bastardfaden führte (1303), wegen besonderer Heldentaten gegen die Engländer aber von Karl VII. die Freiheit erhielt, den schwarzen Schrägfaden in einen silbernen zu verwandeln und nach der entgegengesetzten Seite, d.h. von vorne nach hinten, zu führen (1304). In der Tat findet sich auch ein Siegel des Franz Dunois, Sohn des obigen Johann , in welchem der Schild Orleans einen Schrägfaden von Rechts nach Links führt.

Die vom Hof, de curia, Bastarden von Albrecht III. von Bayern, führten den Schild Bayern mit r. Schrägfaden, der bald vom hinteren, bald vom vorderen Obereck ausgeht (1302). Heraldisch richtig sind die Wappen der von den Herzogen von Württemberg abstammenden Bastarde, Grafen von Sontheim und Freiherren von Mengen, entworfen worden. Die ersteren führten den Schild Württemberg (in G. drei # Hirschstangen hintereinander) mit r. Schrägfaden (1306), die letzteren ebenso, doch nur mit zwei Stangen im Schilde.

Der Bastardfaden findet sich in späteren Zeiten auch abgekürzt, ähnlich wie der Schrägfaden bei den Bourbons (doch nach der entgegengesetzter Richtung), z.B. im Wappen der Grafen v. Holnstein, welche Bastarden von Bayern sind, und der Grafen v. Bavière-Großberg, welche gleichfalls Bastarden dieses Hauses waren, und welche beide Familien das herzoglich-bayerische Wappen mit r. schwebendem Bastardfaden führen (1305). Der einzige Unterschied in den Wappenschilden dieser beiden Familien ist, dass bei den Holnstein die pfälzischen Löwen wie gewöhnlich r.- gekrönt, dagegen bei den Großberg ungekrönt sind.

Ein Schildeshaupt als Bastardbeizeichen kommt bei den Bunzinger, + 1560, vor, welche „Ledige von Bayern“ waren und den Schild Bayern mit r. Haupte führten (1307).

Der Schildesfuß als Beizeichen unehelicher Geburt war, z.B. im Schilde des Johann, Bastard von Burgund, Sohn des Herzogs Johann von Burgund, welcher den ganzen Schild Neuburgund, aber mit g. Schildesfuß führte (1308, Ex. Pallior p. 83).

Eine ledige r. Vierung im Schilde Frankreich führte als Beizeichen Philipp v. Meune, Bastard Philipp’s I. von Frankreich (1309), und das väterliche Wappen (in (G. ein # Löwe) in einer Vierung sollen zwei Bastarden von Flandern, der eine in ledigem s., der andere in ebensolchem gr. Schilde geführt haben (1310).

Eine Einfassung als Beizeichen führte Jakob, Bastard v. Savoien, nämlich den Schild Savoien mit gezahnter Bordur und einem Bastardfaden darüber.

Schildeshaupt und Schildesfuß finden sich in dem Wappen des Heinrich, Grafen v. Worcester, welcher das Wappen Beaufort v. Sommerset (Frankreich und England geviertet mit r.-s.-gestückter Einfassung), das sein Vater, ein Bastard des Heinrich Beaufort, Herzogs v. Sommerset, mit einem s. Bastardfaden geführt hatte, zwischen s. Haupt und Fuß, balkenweise einschob (1311. Planché p. 154).

Manche Bastardwappen führen keine eigentlichen heraldischen Beizeichen, sondern lassen sich nur durch irgend eine Ähnlichkeit mit dem väterlichen Wappen erkennen, z.B.

  • das der Freiherren v. Zweybrücken, welche Bastarden von Bayern sind und einen r. Löwen in einem b.-s.-geweckten Schilde (Bayern) führen.
  • Einen Teil des väterlichen Wappens erhielt z.B. Georg, mit dem Beinamen Dux, ein natürlicher Sohn Herzogs Wilhelm IV. von Bayern, von dem er 1542 Hegnenberg zum Geschenke erhielt, und der Stammvater der heutigen Grafen v. Hegnenberg, genannt Dux, geworden ist. Der Schild hat in # einen r.-gekrönten halben gr. Löwen (1313); wäre der Löwe ganz, so repräsentierte der Schild das pfälzische Wappen. Ein anderer Bastard desselben Herzogs Wilhelm IV., Konrad, erhielt den Namen Egenhofer, vielleicht von der Mutter, und das Schloß Planegg, nebst einem Wappen, das von dem väterlichen gänzlich verschieden war, nämlich in B. ein halbes g. Einhorn und auf dem Helm dasselbe wachsend (s. + bayer. Adel S.11. T. 8).
  • Johannes Neuhauser, ein Bastard von Herzog Albrecht III. von Bayern, führte das Wappen des bayerischen damals noch blühenden Geschlechtes gleichen Namens in verkehrten Farben, d.h. zwei geschrägte r. Rechen in S. und auf dem Helme einen s. Federbusch, davor die Reihen (1293). Das Wappen der Neuhauser s.a.a.O. S. 21 ff., wo aber die Bemerkung der „verkehrten Farben“ in Text und Abbildung fehlt.
  • Die Mayrhofer v. Grabenstätt stammen von einem natürlichen Sohne eines Grafen v. Tattenbach ab, welcher 1779 bei seiner Nobilitation ein Wappen erhielt, das den Kenner einigermaßen an das väterliche, Tattenbach’sche, erinnert, nämlich geteilt von # und S., oben drei g. Wecken nebeneinander, unten eine r. Hirschstange (s. m. Bayer. Adel S. 97, T, 114).
  • Johann Georg, Bastard von Sachsen (1316), erhielt 16. Nov. 1801 vom Kurfürsten v. Sachsen die Erlaubnis, den Namen Chevalier de Saxe und den sächsischen Schild mit der Grafenkrone zu führen, doch mit der Änderung, „dass der mittlere # Platz doppelt so breit sei, als zwei dergleichen andere im Schilde, und dass der Rautenkranz hinter diesem Balken weglaufe und hiemit eine Brisure entstehe“ (ex diplomatie copia).

In England herrschte auch der Gebrauch, dem Bastard einen einfachen Schild zu geben und in demselben auf einem Schrägbalken (nicht Bastardfaden) das väterliche Wappen oder vielmehr Farben und Bilder desselben anzubringen, z.B. 1318 der Schild Johann’s v. Beaufort (ex Montagu, Guide, p. 42).

Viele Bastarde haben ganz neue verschiedene Wappen erhalten, aus denen sich keine Folgerung auf Ursprung oder Bastardie überhaupt machen lässt, z.B. die Freiherren v. Fürstenwärther, welche ebenfalls Bastarde von Bayern sind, und im b. Schilde einen g. Turm, aus dem ein nacktes g. Frauenzimmer mit einer Rose in der Hand hervorwächst, führen.

Eine andere Art von Bastardbeizeichen finden wir im Schilde der Faust von Stromberg (1312). Diese waren Bastarden der Grafen von Sponheim und führten den väterlichen Schild von R. und S. (Vorder-Sponheim) geschacht mit einem g. Obereck, darin ein # Stern. Das Wappen ist an die v. Eltz übergegangen (s. mein Wappenwerk: „Bayer. Adel“, S. 9, T. 3 und „Nassau. Adel“, S. 2 – ebenso die Abteilung „Deutscher Bund“ unter Großherzogtum Baden S. 38 ff.). Andere Bastarden der Grafen von Sponheim waren auch die v. Heinsberg, die Wolff v. Sponheim, die v. Ellenbach und die v. Koppenstein. Letztere erhielten den Schild der hinteren Grafschaft Sponheim (von B. und G. geschacht) mit einem vorderen Obereck, darin ein Koppe mit einem Ring im Schnabel (1319). Einzelne Glieder dieser Koppenstein führten das Wappen wieder mit Unterbeizeichen, z.B. Walrave v. K, 1373: geschacht, mit einem Pfahl, darin drei Koppen übereinander (1320). Meinhard v. K. 1388: ebenso, aber nur mit zwei Koppen. Jost v. K., Landschreiber in Trasbach, 1482: der regelmäßige Schild K. mit einem Schrägfaden von hinten nach vorne, war wahrscheinlich ein Bastard der v. K., oder sozusagen ein Unterbastard der v. Sponheim.

Ein mit breitester Unterlage von Laune entworfenes Bastardwappen zeigt uns 1321 in dem Schilde des Johann v. Clarence (ex Planché p. 155), Bastard des Herzogs Thomas v. Clarence aus dem englischen Königshause. Figuren und Farben des englischen Wappens – g. Löwe in R. und g. Lilien in B. – sind in dem Schilde enthalten, die heraldische Zusammenstellung aber hat so wenig von der des väterlichen Wappens, dass wir einen Zusammenhang aus dem Ansehen allein nicht erraten würden.

Ich komme zu der letzten mir bekannt gewordenen Art von Bastardwappen, welche ich wegen ihrer Seltenheit für besonders interessant halte, wenn ich auch in keiner der bisherigen Lehrschriften noch davon Erwähnung fand.

Ich meine diejenigen alten Wappen, in welchen ein Tier mit dem absonderlichen Merkmale eines über das Haupt gestürzten Helmes oder einer übergezogenen Gugel sich zeigt. Die Veranlassung zur Bildung einer derartigen Ansicht gab mir eine Stelle in Rohte’s Thüringer Chronik (Mencken S. S. II. p. 1748), worin es heißt: „der (sc. König) gap jn (sc. dem Apetz an synen schild den bunten doringischen leuwin mit eyme helme uber daz hoibet gesturczt, czu eine undirscheide der unelichen gebort.“ Das Wappen mag man sich in 1314 ungefähr versinnlichen, denn die Form des Schildes, Löwens und Helmes tut hier nichts zur Sache, das Wichtigste ist die Angabe des Chronisten, dass der Bastard des Landgrafen von Thüringen den vollen Schild mit dem bunten (r.-s.-gestückten) Löwen (in B.) erhielt, und dass das Zeichen der Bastardie in einem über das Haupt gestürzten Helme gewählt und gesehen wurde. Auf diese urkundliche Überlieferung nun baute ich die Ansicht, dass derlei Beizeichungen in der alten deutschen Heraldik mehrere zu finden sein müssten und glaube sie auch in einigen Wappen alter Familien gefunden zu haben. Ich nenne z.B.

  • die v. Bülzingsleben, thüringischen Uradels, welche in Gr. einen s. Löwen mit übergestürztem g. Helme und auf diesem fünf oder mehr s.-r. geteilte Fähnlein führen;
  • ich nenne ferner die erloschenen Stehelin von Stocksburg (1315), welche in S. einen g. Adler mit übergestürztem s. Helme führten.
  • Ebenso rechne ich hierher das uralte Geschlecht der v. Reinach deren Schild in G. einen r. Löwen mit über den ganzen Kopf gezogener b. Gugel (1317) zeigt- und stelle die Vermutung auf (und bitte, sie nur als solche zu betrachten) – dass die Ahnherren dieser genannten Geschlechter Bastarden von irgend einem Dynastenadel des 12. oder 13. Jahrhunderts gewesen seien. Es wird Sache spezieller Urkundenforschung sein, den Wert oder Unwert meiner Ansicht zu begründen, mir genügt es- vorderhand und zuerst hierauf aufmerksam gemacht zu haben.

Im Allgemeinen gilt für die Beizeichen der Bastarde- wie für die ehelicher Nachkommenschaft die Regel, dass man eine bestimmte Regel nicht aufstellen könne, und dass – wie Planché a.a.O. bemerkt: „it is by no means improbable that each peculiar difference was adopted according to the fancy of the bearer.“

Ich wurde Anstand nehmen, nachdem ich bisher schon öfters Gelegenheit hatte, über die Stellung der Schilde, Schildesfiguren und Kleinode nach Links oder Rechts, zu sprechen, hier nochmals darauf zurück zukommen, wenn nicht von so vielen Seiten in dieser Beziehung absichtliche oder unabsichtliche Irrtümer unterhalten würden. So auch namentlich in Bezug des Beizeichens der Bastardie, als welches endlich noch dadurch ausgedrückt werden solle, dass man eine Schildesfigur nach links kehrte, oder konsequent, dass eine nach links gewendete Figur auf Bastardie des Wappenherrn schließen lasse. Ich habe in meinen „Grundsätzen der Wappenkunst“ S. 44 einen heroldsamtlichen Ausspruch in diesem Betreffe beigebracht. Ich kann weiter hinzufügen, dass man bei der vor einigen Jahren vorgenommenen Umgestaltung des kaiserlich russischen Wappens (s. mein Wappenwerk im Ergänzungsband- S. 44 ff.) ein großes Gewicht darauf legte, den bisher usuell nach links springenden moskau’schen Reiten „was ja eigentlich Bastardie bedeutete“, nunmehr nach rechts gekehrt zu haben. Ich brauche aber kaum beizusetzen, dass die Ansicht solcher Heraldiker von dem Verständnis der wahren Heraldik und ihrer Mittel noch ziemlich weit entfernt sein dürfte, denn nicht nur dass die Stellung einer Figur sich regelmäßig nach der Vorderseite des Schildes zu richten hat, also auch für den Fall, dass der Vorderrand nach links gekehrt sei, so finden wir ja Dutzende von Reitersiegeln, in denen der Reiter nach links springt (z.B. II. 16. XXXVI. 13), ohne dass irgend Jemandem beigefallen wäre- zu behaupten, die Herren dieser Siegel seien Bastarden gewesen. Ganz dieselbe Ursache, nämlich ein Siegel mit links gewendetem Reiter, gab auch Veranlassung zur früheren Stellung des moskau’schen Ritters.

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