OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Farben und Pelzwerke.

Es gibt in der alten Heraldik nur vier Farben (lat. tincturae, colores, franz. emaux, engl. Tincturs, colours, ital. smalti, colori, span. colores, holl. wapen-kleuren) und zwei Metalle, nämlich:

  • Rot, lat. rubeum, miniatum, franz. gueules, engl. gules, ital. rosso, span. sangre, holl. rood.
  • Blau, lat. caeruleum, cyaneum, franz. azur, engl. azure, seltener blue, ital. azzuro, span. azul, holl. blaauw und azul.
  • Grün, lat. viride, franz. sinople, engl. vert, ital. verde, span. verde, holl. groen.
  • Schwarz, lat. nigrum, franz. und engl. sable, ital. nero, span. negro, holl. zwart.
  • Gold, lat. aurum, franz. und engl. or, span. und ital. oro, auch giallo (frohfarben), holl. goud.
  • Silber, lat. argentum, franz. und engl. argent, ital. argento (auch biancho), span. plata, holl. zilver.

Man pflegt auch in minder fein ausgeführten Wappen statt Gold einfach Gelb und statt Silber Weiß anzuwenden, die Benennung wird jedoch regelrecht immer mit dem entsprehenden Metalle aus gedrückt. Außer diesen sechs Farben und beziehungsweise Metallen kommt noch eine weitere siebente, der Purpur, lat. lat. purpureum, franz. pourpre, engl. purpure oder purple, ital. porpora, span. purpura, holl. purper, vor. Seine Anwendung als Feld- oder Figurenfarbe ist in der alten Heraldik kaum nachzuweisen, dagegen wird er bei Mänteln, Kronen, Edelsteinen, Mützen usw. teilweise schon früher, in der Regel aber auch erst seit dem 15. Jahrhundert gebraucht. Prinsault nennt den Purpur „ couleur composée et non simple, car qui meslera égalle portion desdits (nämlich der sechs übrigen) couleurs ensemble ce sera pourpre“. Ich bin der Ansicht, dass der Purpur, der auf solche Art durch Mischung hervorgebracht werden würde, keine sonderliche Klarheit und Brillanz zeigen möchte. Andere sagen, Purpur werde aus Rot und Blau, Andere dagegen, aus Blau und Violett gemischt. Unstreitig ist, dass der ursprüngliche Purpur von Tyrus eine feurige dunkelrote Farbe – nämlich das Blut der Purpurschnecke – war, welche Farbe wir jetzt billiger und doch ganz ähnlich aus dem Blute einer kleinen Blattlaus, der Kochenille, darstellen.

Menestrier und Palliot wollen den Purpur gar nicht als heraldische Farbe gelten lassen. Andere rechnen ihn gar für neutral, d.h. ebenso wohl zu den Metallen, als zu den Farben, je nach Bedürfnis; so viel ist unleugbar, dass der Purpur den Ansprüchen, die wir an heraldische Farben machen, nicht vollkommen genügt. Die echte Heraldik liebt und gebraucht nämlich nur ganze Farben und zwar regelrecht nur eine Stufe von jeder derselben. Der Grund dafür ist ein rein praktischer. – Sollte der heraldische Schild oder das Banner ein wirkliches Erkennungszeichen sein, so musste die Bemalung oder Zusammenstellung der Farben derart gewählt und ausgeführt sein, dass man die Bilder auf eine gewisse Ferne noch genau unterscheiden konnte, unmöglich konnte man Farben wie etwa braun, braunrot, blutrot, violett, dunkelblau usw. an sich gut unterscheiden, noch weniger aber war dies tunlich, würde man z.B. einen braunen Löwen auf ein dunkelblaues Feld u. dgl. gemalt haben.

Der heraldische Satz, dass nicht Metall auf Metall und Farbe auf Farbe, sondern nur Metall auf Farbe und umgekehrt zu stehen kommen solle, hat einen tieferliegenden Grund, als den der bloßen Laune. Es versuche wer da will, den einfachsten Schild mit Umgehung dieser Regel, also entweder Feld und Figur von Farbe oder umgekehrt beide von Metall zu malen er wird, selbst wenn er die brillantesten Farben sich dazu wählen sollte, nie im Stande sein, denselben Effekt zu erzielen, den er ohne allen Aufwand von Mühe mit einfacher Befolgung der Regel erreichen wird. Ich glaube behaupten zu dürfen, dass diese Regel nicht erdacht, sondern praktisch gefunden worden sei, also jedenfalls zu einer Zeit sich geltend gemacht habe, in welcher wirkliche Schilde wirklich gemalt worden sind, Deshalb dürfte die Ansicht eines neueren Heraldikers, welcher behauptet, dieser alte Satz sei eine „neuere heraldische Regel“, nicht festzuhalten sein, denn wenn man auch zugehen kann, dass die Regel erst in Worten ausgedrückt worden sei, als man überhaupt anfing, die Lehren der Heraldik sprachlich wiederzugeben, so ist damit höchstens erwiesen, dass die Regel aus der Praxis und nicht umgekehrt diese aus jener sei geholt worden.

Die älteste Lehrschrift, der oft erwähnte Traité du blason vom J. 1416 nimmt als ausgemacht an: c’est aesavoir quant sont de métal zur métal ou couleur zur couleur, sont faulses et par ce moyen congnoit on souvent les armes des gens de bas estat et non nobles usw. Dabei nimmt er allein das Wappen des Königreichs Jerusalem aus, indem er behauptet, das bekannte Kreuz sei auf ausdrücklichen Rat und Wunsch aller Ritter, welche den Sieg Gottfrieds von Bouillon miterkämpfen halfen, in der Farbe (aus Rot auf Silber in Gold auf Silber) verändert worden: „que en mémoire et récordation d’icelle victoire excellente luy seroient données armes différentes du commun cours des aultres.“ Es war also schon damals (1416. wenn man ja wohl das angeführte Datum vom J. 1699 als nicht urkundlich belegt beanstanden wollte) allgemeine Übung oder mit andern Worten die Regel, nur Farbe auf Metall und umgekehrt zu setzen. – Die Regel ist also keinesfalls eine neuere, selbst nicht in den Lehrschriften, zu geschweigen in der Praxis.

Ich gehe noch weiter und behaupte, dass sich aus der alten Heraldik kein einziges Beispiel vom Gegenteil beibringen lasse, d.h. dass es überhaupt keine sogenannten Rätselwappen – armes fausses – in den Zeiten der echten Heraldik gegeben habe, und dass, wenn hie und da ein altes Wappen gefunden wird, das Farbe auf Farbe oder umgekehrt Metall auf Metall zeigt, es nur durch Missverständnis des Malers dazu gekommen sei. Ich habe mich in älteren Wappensammlungen nach derlei Rätselwappen wohl umgesehen, aber die Beispiele, die ich fand) waren nicht derart, dass sich eine Autorität für sie begründen ließe. So ist z.B. in der Züricher Rolle das Wappen Lutringen allerdings als Rätselwappen gegeben, nämlich in Rot ein blauer Schrägbalken. Das Wappen aber ist unfehlbar falsch, denn Herzog Friedrich von Lothringen führt schon 1208 urkundlich und nach ihm alle Herzoge einen mit drei Adlern belegten Schrägbalken, und auf einem Siegel mit Gegensiegel Herzog Friedrichs vom J. 1292, von dem ich selbst ein vortrefflich erhaltenes Exemplar besitze,» ist der Schild mit dem Schrägbalken und den drei (ganzen) Adlern zweimal aufs Deutlichste angebracht. Man muss daher in diesem Falle gegründeten Zweifel gegen die Unfehlbarkeit der Züricher Rolle, rsp. der Quellen des Malers hegen, weil er gerade bei diesem alten bekannten Wappen das unterscheidende wesentliche Charakteristikon – die drei Adler im Schrägbalken – weglässt, gegen welchen Fehler derjenige, Farbe auf Farbe gesetzt zu haben, verhältnismäßig gering erscheint. Es ist ferner nachzuweisen, dass erst die spätere Zeit Rätselwappen häufig aus solchen gemacht hat, die ursprünglich ganz der Regel gerecht waren. Es kommt nämlich bei gemalten Wappen der Übelstand vor, dass, wenn statt Gelb und Weiß wirklich Gold und Silber aufgetragen wird, diese beiden Metalle mit der Zeit rosten (oxidieren) und zwar oft in verhältnismäßig kurzer Zeit, je nach Solidität und Qualität des Stoffes, der Arbeit und der Art der Aufbewahrung. Oxidiertes Gold erscheint, namentlich wenn es mit Rot oder Mennig unterlegt worden – dann rötlich matt, oxidiertes Silber aber blau, grau und sogar schwarz. Wenn in einem derartigen Falle der das Wappen Kopierende oberflächlich genug in der Beschauung und unwissend genug in Kenntnis der Heraldik war, um die wahre Farbe nicht mehr herauszufinden, so malte er eben ein derartiges goldenes Feld einfach rot oder eine silberne Figur blau usf. So habe ich z.B. bei dem Münchener Wappen unstreitig nachgewiesen, dass der Schild mit dem schwarzen Mönche Ursprünglich silber war und sein musste und nicht blau, wie man ihn seit 1836 malt ; so wurde auch der rote Lindenbaum in Silber im Wappen der v. Degenberg, Bayern, später irrig in Blau gemalt; so war das Kreuz und die vier Ballen, welche die v. Liebert jetzt rot in Schwarz führen, urkundlich nachweisbar früher gold in Schwarz. Ähnliche Beispiele habe ich in meinem Wappenwerke bei den Geschlechtern v. Rotsmann, v. Breitenbauch, v. d. Osten, v. Esebeck, Stein v. Lausnitz u.a. – angeführt, und es ist kein Zweifel, dass alle die sogenannten Rätselwappen der Neuzeit) wenn ihre Originale wirklich noch Urwappen waren, sich in jenen Zeiten ohne Rätselei zeigen werden) und dass es bei den meisten sogar gelingen werde, durch ernstliche Forschung zu diesem Beweise der Wahrheit und zur Bestätigung der Regel zu gelangen.

Die Regel kann jedoch nicht angewendet werden, wenn das Feld oder die Figur an sich schon durch Abgrenzungen aus zweierlei Farben, d.h. aus einem Metall und einer Farbe zusammengesetzt sind, z.B. bei einem rot-silber geschachten Adler in Blau (Mähren), ferner nicht bei den Pelzwerken, von denen weiter unten die Rede sein wird, und endlich nicht in Nebendingen, wie Kronen, Waffen der Tiere und anderer Figuren, wie denn z.B. die Scheine, Waffen und die Krone des schwarzen Reichsadlers in Gold eben sowohl wieder von Gold sein können, als von Rot. In der Praxis pflegt man dann derlei Nebendinge durch scharfe Konturen besonders sichtbar abzugrenzen.

Eine von älteren und neueren deutschen Heraldikern eingereihte Farbe ist die sogenannte Aschfarbe. Ich kenne davon nur zwei Beispiele in den Wappen der v. Aschau, Bayern, und v. Osterhausen, Thüringen, bemerke aber, dass ich für die Existenz der Farbe in beiden genannten Fällen keinen Nachweis gefunden habe, der älter wäre, als das 16. Jahrhundert, vielmehr werden die alten Wappen der o, Aschau immer mit dem goldenen Dreiberg in Schwarz (nicht in Grau oder Aschfarbe) gefunden, und beim Osterhauser Wappen findet sich der Schild ursprünglich von Rot, Gold und Silber, bei einer Linie auch von Rot, Schwarz und Silber, in neuerer Zeit aber von Rot, Aschfarb und Silber schräggeteilt. Durch diese beiden Fülle also ist die Existenz oder überhaupt die Notwendigkeit dieser Farbe nicht erwiesen, und ich glaube den Grund für die spätere Einführung dieser Farbe nur in den Namensanspielungen auf Asche und Ostern suchen zu können. Außerdeutsche Heraldiker kennen die Aschfarbe gar nicht.

Eine andere ziemlich allgemeine, für die Blasonierung moderner Wappen sogar notwendig gewordene Annahme ist die der sogenannten Naturfarben lat. tinotura naturalis, franz. au naturel, engl. proper, ital. naturale, holl. natuurlijke kleur. Mit diesem Namen drückt man eigentlich nicht eine bestimmte einzelne, sondern eine ganze Reihe von Farben aus; „natürlich“, au naturel, proper, kann also eben sowohl von der Fleischfarbe der Hände und Gesichter, von der braunen Farbe der Haare und Baumstämme, als von der roten des Feuers und der grünen der Blätter und Stengel gebraucht werden.

Die alten Wappenkünstler haben auch die natürliche Farbe tatsächlich gekannt, aber sie wendeten sie anders an als die modernen, d.h. sie suchten jedes Mal die der Naturfarbe des Gegenstandes am nächsten stehende (ganze, d.h.) heraldische Farben und blieben auch hierin der alten Grundregel von Metall und Farbe getreu. So malten sie eine natürliche Rose nicht rosenrot, sondern rot, einen lebensfrischen Baum grün- einen herbstlichen rot oder gold und einen abgestorbenen schwarz, ebenso einen natürlichen Elefanten nicht grau, sondern silber, und einen hölzernen Rechen nicht braun- sondern gold, rot oder silber, Deshalb finden wir in alten Wappenrollen die Gesichter und Hände der Menschen ebenso häufig ganz silber als ganz (zinnober-) rot, je nachdem sie auf Farbe oder Metall, zu stehen kamen.

Ich erwähne schließlich noch der sogenannten Schattenfarbe (nicht derjenigen, mit welcher man eine erhaben scheinende Figur rundet) welche die Franzosen ombre nennen und welche darin bestehen soll, dass die betreffende Figur nicht selbst, sondern nur ihr Schatten im Schilde erscheint, wie z.B. Johann von Trazegnies, Vließordensritter, innerhalb gekerbter roter Bordur von Gold und Blau fünfmal schräggeteilt mit dem Schatten eines Löwen geführt haben soll. Ich halte die Sache für Spielerei und sie wird geradezu ungereimt, wenn man bedenkt, dass Palliot im gegebenen Fall noch bemerkt: mit dem Schatten eines schwarzen Löwen (à l’ombre d’un lion de sable), wie wenn ein schwarzer Löwe einen anderen Schatten werfen könnte, als ein roter oder goldener.

In Allgemeinen ergibt sich als praktischer Erfahrungssatz, dass die Heraldiker da auf Abwege gerieten, wo sie die einfachen alten Regeln verbessern oder verkünsteln wollten, und es war dies insbesondere in Bezug auf die Lehre von den Farben der Fall, welche durch Einschmuggeln von Missfarben, wie Aschfarbe, Schattenfarbe, Blutfarbe, Erdfarbe usw. nicht vollständiger, sondern unselbständiger geworden ist.

Ich komme nun zu den Pelzwerken oder der Kürsch, franz. fourrure, engl. fur, holl. Pelswerk.

Von der Kürsch werden in der Heraldik drei Hauptarten angewendet, nämlich Hermelin, Feh und Futter.

Hermelin, lat. hermionae, franz. hermine, engl. ermine, ital. armellino, spanisch armiño, holl. hermeljjn, gilt für das edelste Pelzwerk im gemeinen Leben und ist auch in der Heraldik, wenigstens in der deutschen, nicht sehr häufig. Dieses Rauhwerk ist das Fell einer Wieselart; welche auch bei uns nicht sehr selten, im Winter weiß mit schwarzer Schweifspitze, im Sommer ganz rotbraun ist. Man pflegt diese Kürsch im gemeinen Leben derart zu bearbeiten, dass man die Felle stückt und auf dieselben die Schweifchen in mehr oder minder großer Anzahl einsetzt.

Diese Art natürlicher Hermelin findet von jeher und auch in Prachtstücken der Wappen, z.B. als Futter der Wappenmäntel, Decken, als Aufschlag von Mützen etc. seine Anwendung und unterscheidet sich von dem eigentlichen heraldischen Hermelin nur dadurch, dass in letzterem der Grund regelrecht silber (nicht weiß) mit eigens geformten schwarzen Flecken (engl. spots, franz. poudre) sich zeigt [IX, 66]. Als Feld- und Figurenfarbe sollte der Hermelin auch immer so gezeichnet und gemalt werden, es gibt aber Ausnahmen genug, wie z.B. der Hermelinpfahl in IX, 65 im Wappen der Grafen v. Bregenz aus der Züricher Rolle. Dabei ist nicht ausgeschlossen, eine heraldische Form der Schwänzchen auch jedem Hermelin, der in Wappen überhaupt, also auch außerhalb des Schildes vorkommt, zu geben.

Die Engländer unterscheiden noch eine Abart heraldischen Hermelins, welchen sie Erminites nennen, und zum Unterschied vom gewöhnlichen Hermelin den schwarzen Schwänzchen zu jeder Seite ein rotes Haar beisetzen.

Einen ganzen freien oder ledigen Hermelinschild führten z.B. die v. Wolkenstorff in Österreich und die Grafen von Bretagne. In niederrheinischen und burgundischen, auch englischen und französischen Wappen ist der Hermelin weit häufiger als bei uns. (Vergl. den Indice von Palliot, Fahne, kölnische Geschlechter, und Lindesay’s heraldry.)

Die Sucht nach Abwechslung oder die sogenannte Mode hat noch verschiedene Abarten von Hermelin erfunden – ich rede hier natürlich nur von der Heraldik – nämlich den Gegenhermelin, lat. hermionae contrariae, franz. contre-hermine, engl. ermines, ital. Contra armellino, holl. Tegen hermelijn – schwarz mit silbernen Flecken, dann den Goldhermelin (engl. erminois): gold mit schwarzen Schwänzchen, und Goldgegenhermelin, alias irrig Gegengoldhermelin (engl. pean): schwarz mit goldenen Schwänzchen. Palliot kennt nur den einfachen Hermelin und den Gegenhermelin, Prinsault aber spricht schon von hermelin d’or et gueules.

Das zweite Pelzwerk, welches in der Heraldik angewendet wird, ist Feh oder Fehwerk in mancherlei abweichenden Formen und Farben.

Ursprünglich und eigentlich ist Feh der Balg des norwegischen Eichhornes, welches auf dem Rücken blau-grau, am Bauche weiß mit braunen Rändern ist. Im Handel kommen beide Teile des Felles gesondert zu Markte, als Fehrücken und Fehwammen. Von letzterem werde ich später bei der dritten Art von Kürsch sprechen.

Die Fehrücken kommen in Büscheln zusammengeheftet, schon bearbeitet als Rauhwerk, zu uns und sind durchgehends ohne Rücksicht auf Größe in der (1/4 durchschnittlicher natürlicher Größe) Form XXXVI. 1338 zugeschnitten. Das obere Ende heißt der Kopf, das untere der Rumpf, und demnach geht der Haarschlag immer von dem schmälern Ende zum breiteren. Ich bemerke diese an sich unbedeutend scheinende Tatsache, weil sie für das praktische Verständnis von Fehwerk überhaupt von großem Belange ist.

Mit sehr geringer Kunst lassen sich aus den Fehrücken die beiden Formen XXXVI. 1339, a. u. b. herstellen, je nachdem man die Felle eckig oder abgerundet zuschneidet, und ich nenne die eine (a) die Eisenhutform, die andere (b) die Glockenform. Die Zusammenstellung von Fehrücken mit einem andern Pelzwerk, insbesondere mit weißem, ist von vortrefflicher Wirkung, und es mag dies, neben der bildsamen Form, wohl eine der ersten Ursachen gewesen sein, warum dies Pelzwerk in die Heraldik aufgenommen wurde. Setzt man mehrere gleichartig geschnittene Fehrücken übereinander und füllt die Zwischenräume mit weißem Rauhwerk, etwa mit Hermelin (ohne Schwänzchen) oder mit weißen Jenotten aus, so ergibt sich eine Buntschur und zwar in den Stellungen von XXXVI, 1340, d. u.e. wobei bei dem einen die Fehe aufrecht, bei dem andern gestürzt sind. Bei Nebeneinanderstellung mehrerer solcher Buntschuren ergeben sich die Muster XXXVI, 1341, f.u.g. in analoger Weise. Mehrere Streifen von e nebeneinander ergeben das Muster IX. 78, welches man in der Heraldik Pfahlfeh zu nennen pflegt. Mehrere Streifen von e neben einander ergeben das heraldische gestürzte Pfahlfeh XXXVI 1342. Dieselben beiden Arten lassen sich auch erzeugen, wenn man mehrere Streifen von f oder g übereinander setzt, doch so, dass die Fehrücken immer-gerade untereinander stehen. Besetzt man sie aber derart, dass in der zweiten waagerechten Reihe die Fehrücken unter die Jenotten zu stehen kommen, und nimmt dann die dritte Reihe gleich der ersten, die vierte gleich der zweiten usf., so entsteht das eigentliche heraldische Fehwerk IX, 72, welches man xxxxx Feh nennt, und bei gestürzten Fehrücken das Sturzfeh IX. 76.

Es liegt ferner vor Augen, dass man die Buntschuren, statt sie direkt aneinander zu stoßen, auch mittelst Streifen anderer Stoffe verbinden kann. Da Rot zu Blau und Weiß gesetzt das prächtigste Farbenspiel hervorbringt, so mag dieses die Ursache gewesen sein, warum man so häufig, ja fast ausschließlich nur diese eine Farbe in Verbindung mit dem heraldischen Feh findet. Eine derartige Zusammenstellung zeigt sich z.B. bei IX, 71 (Wappen der v. Couch, Frankreich) und bei IX, 81 (Chastillon).

Es ist aber ferner auch die Möglichkeit gegeben, eine Buntschur nicht bloß streifenweise mit farbigem Stoffe zu verbinden, sondern dies auch in der Art anzuordnen, dass man die Buntschur z.B. ringsum mit rotem Tuche abgrenzt oder umgekehrt ein farbiges Tuch mit einer Buntschur einfasst (IX, 69) oder Verbindungen wie IX. 73, 75, 83, 85 hervorbringt, wobei ich jedoch bemerken muss, dass bei den Zusammenstellungen selbst einiger Unterschied zwischen Theorie und Praxis festgehalten werden muss.

Es gibt Zusammenstellungen, welche sich sehr wohl gemalt auf dem Papier, sehr schwierig aber in natura in Buntschur ausführen lassen. Sobald nämlich die einzelnen Fehrücken derart gegenüber zu stehen kämen, dass man Kopf an Kopf und Rumpf an Rumpf stoßen müsste, so erfolgte daraus eine in der kürschnerischen Praxis tatsächliche Unmöglichkeit, weil in diesem Falle der Haarschlag in der einen Reihe der Buntschur aufwärts, in der andern abwärts fiele, und zwar folgerecht nicht nur bei den Fehrücken, sondern, auch bei dem ausfüllenden Rauhwerk. Eine Buntschur wie IX. 74, 80, 82, 85 u. 87 gehört also wenigstens unter die praktischen Undinge, denn bei 80, welches man in der Heraldik Gegenfeh zu nennen pflegt, hätten wir in der ersten waagerechten Reihe den Haarschlag aufwärts, in der zweiten abwärts, in der dritten wieder aufwärts usw. Dagegen hat es keine praktische Schwierigkeit, Zusammensetzungen wie IX, 69 oder 83 hervorzubringen, da in dem ersteren Falle der Haarschlag von der Mitte des Tuches oder Schildes ringsum strahlenförmig auswärts, im letzteren aber von oben nach unten dressiert werden kann.

Was ich bis jetzt über Form und Behandlung des Fehes und der Buntschuren überhaupt beigebracht habe, beruht auf genauer praktischer Anschauung, die sich jeder Andere, der Luft und Ausdauer dazu hat, in den Werkstätten der Kürschner gleichfalls verschaffen kann. Vielleicht mag auch Mancher der Ansicht sein, die Sache gehöre überhaupt nicht in die Heraldik, aber ich bin der Überzeugung, dass die alten Kürschner des 13. und 14. Jahrhunderts sehr viel mit der Heraldik in Berührung gekommen seien und dass in puncto der heraldischen Pelzwerke, insbesondere des Feh’s, nicht so viel mitunter Grundfalsches geschrieben worden wäre, hätte sich jeder Heraldiker diese Dinge auch praktisch angeschaut.

Ähnlich wie bei allen übrigen aus der Natur oder Kunst in die Wappen übergegangenen Figuren trägt auch die Darstellung des Feh’s in der Heraldik verschiedene Charaktere, je nach der Auffassung des Künstlers und seiner Zeit. Die ältesten Formen sind die, welche die Fehrücken wellen- oder glockenförmig (IX. 69, 70, 73, 77, 83, 85, XXXVI, 1345), und die, welche sie in länglich-viereckiger Form zeigen (IX, 84, 88, XXXVI. 1344, 1346) ; die jüngste Form ist die eisenhutartige (IX, 71, 72, 74-76, 78-82 und 86, 87).

Bevor ich nun die in der Heraldik am häufigsten vorkommenden Arten von Fehwerk (alias Eisenhütlein) aufzähle, bemerke ich noch, dass dies Pelzwerk unter Beibehaltung der angegebenen Formen nicht nur in Blau und Silber, sondern auch in andern Farben und zwar rot-gold, blau-gold, schwarz silber und rot-silber vorkommt, wenn man auch nicht erweisen kann, welche Sorten von natürlichem Rauhwerk zur Herstellung dieser Buntschuren gedient haben mögen. Wenn man in der Heraldik von Feh spricht, so versteht man darunter immer natürliches von Blau und Silber, andersfarbige Fehe werden besonders benannt. Schließlich geht aus der Entwicklung der Wappenkunst selbst hervor, dass man mit der Zeit, da die wirklichen Schilde außer Gebrauch kamen – und vielleicht schon hundert Jahre früher -, auch angefangen haben wird, die Pelzwerke auf heraldischen Schilden nicht mehr durch natürliche Buntschuren, sondern nur mehr mittelst Malerei darzustellen; dadurch wird es auch erklärlich, dass der Maler oder Herold nachgerade auch Zusammenstellungen oder Erfindungen dieser Art machen konnte, welche in natura, herzustellen dem Kürschner unmöglich geworden wäre.

Die in der Heraldik vorkommenden Arten von Feh sind nachfolgende :

  1. Feh (auch Eisenhütlein), lat. varium, franz. und engl. vair, spanisch vero, ital. vajo, holl. vair (IX. 70, 71). Derlei führen z.B. die Marschalken v. Pappenheim, desgleichen die stammverwandten + Marschalken v. Bopfingen, v. Biberach, v. Donnersperg oder v. Dornsperg (IX. 79), ebenso die v. Sallach, Bayern, du Fraisnel und Rochefort, Frankreich. Von Feh und Rot geviertet: Boit, Tirol; in Feh ein roter Balken: Gernstein, Tirol, ebenso zwei rote Balken: Tauffers, ebenda.

    Innerhalb einer Bordur von Feh, in G, ein roter Adler: Fürstenberg, Schwaben. Feh unter rotem Haupt: Greul v. Neuperg, Bayern. Rot-goldenes Feh: Overstolz, Köln (XXXVI. 1346); Ferrers, England (XXXVI. 1345 – nach einer Wappenrolle aus der Zeit Eduard I, bei Planché 22). Blau=goldenes Feh: Liskirchen, Köln (1343)-; v. Aubeterre, Frankreich [IX, 86] ). Schwarz-silbernes Feh: v. Verdline, England, Rot-silbernes- Feh: v.d. Wart, Bayern (IX, 83, XXXVI. 1344). Rot goldenes Feh als Einfassung um einen blauen Mittelschild, das Ganze mit einem silbernen Schragen überlegt: Oettingen, Ries (IX, 77 ), 79. – Das älteste öttingen’sche Siegel IV. 27 hat das Feh als Einfassung um den Schild, ähnlich wie Fürstenberg.) Der Umstand, dass in einem Schilde mit Feh die einzelnen Glocken von oben nach unten zu an Zahl abnehmen, hat zu vielfachem Missverständnis Anlass gegeben, indem spätere Heraldiker in ihrer Gewissenhaftigkeit so weit gingen, die einzelnen Reihen und Glocken zu zählen und dadurch für ein spezielles Wappen gleichsam diplomatisch festzustellen. Dass bei älteren Schildformen die Zahl der Fehrücken oder Glocken gegen den Schildesfuß zu abnehmen müsse, liegt in der Natur der Sache, da der Dreieckschild sich nach unten verjüngt. Dabei ist aber immer im Auge zu behalten, dass das Fehmuster zu allen Seiten in den Rand sich verlief und verlaufen musste. Gerade diese einfache und naturgemäße Tatsache wurde aber in späteren Jahrhunderten häufig unbeachtet gelassen, namentlich, als man anfing, den Fehrücken eine ausgeprägte Eisenhutform und damit den Begriff von Eisenhüten zu geben. Um dieselbe Zeit kamen auch die halbrunden Schilde (XI. 115) in Aufnahme und dabei, noch mehr aber bei den späteren viereckigen, unten mit einer Klammer geschlossenen Schilden (X. 102, XI. 124), haben die Wappenmaler, Steinmetzen u.a., denen möglicherweise ein älteres Siegel oder Wappen der Art vorlag, aus Missverständnis des Fehwerkes wohl gemeint, die Sache recht gut zu machen, wenn sie genauso viele Eisenhütlein in den halbrunden Schild setzten, als sie in dem Dreieckschilde zählten und das war eben falsch, denn in einem halbrunden Schild müssen mehr derselben Platz haben und nehmen als in einem Dreieckschilde, und in beiden muss das Muster des Fehwerks in den Rand verlaufen. Ein praktisches Beispiel dieser Art Mißverständnisses gebe ich in dem Wappen der Greul v. Reuperg und Walkerseich.

    Ein Siegel des Ruodiger Greulo vom J. 1298 in meinem Besitz zeigt einen Schild, genau in der Form wie IX. 73. Die Farben sind natürlich hier nach dem Wappen ergänzt, und ich bemerke nur, dass, was hier blau angegeben, dort vertieft, was aber hier mit Silber bezeichnet, dort erhaben ist. Das Feh verläuft in den Rand und zeigt 3. 3. 1 ganze Glocken. Auf einem Grabsteine des Adam Greul v. R. +1483 zu Kloster Mallerstorf (auch abgebildet in Mon. Boic. XV), ist der Schild halbrund (IX. 75) und zeigt unter dem roten Haupte in Silber sechs, 3. 2. 1., blaue Eisenhüte, von denen die drei untern weit vom Schildesrande entfernt freistehen, also förmliche künstliche Figuren bilden. Denken wir uns aber diesen Schild nach der punktierten Grenze als Dreieckschild, so ist ein richtiges Feh vorhanden und das Muster verläuft sich regelmäßig in den Rand. Derlei Beispiele wären noch viele aufzufinden und ließen sich namentlich bei den Geschlechtern Pappenheim, Sallach u.a. nachweisen. Ganz dasselbe Mißverständnis hat auch aus dem krückenartigen Feh im overstolz’schen, liskirchner u.a. Wappen die Stege mit einer abnehmenden Zahl von Lätzen in halbrunden Schilden hervorgebracht, wie XXXVI. 1343 u. 1346 veranschaulichen wird.

  2. Sturzfeh (IX. 76), auch gestürzte Eisenhütlein, lat. varium deorsum (scilicet versum), franz. vair renversé, wobei die blauen Hüte gestürzt und die weißen aufrecht erscheinen, derart z.B. in den neueren Abbildungen der pappenheim’schen Wappen.
  3. Pfahlfeh (IX. 78), übereinandergesetzte Eisenhütlein, lat. varium pali instar, franz. und engl. vair en pal, ital. varj in punta, holl. paalvair. Hier stehen die blauen Hüte aufrecht gerade übereinander, Drei Pfähle von Pfahlfeh in Rot unter goldenem Haupte; Chastillon, Frankreich; Beaulieu-Markonay, Braunschweig, ebenso mit einem schwarzen Steg im Haupte: v. Haefften, Mecklenburg (IX. 81). Ein Schragen von Pfahlfeh in Rot: Schweppermann, Bayern, Guttenburg, Schweiz (IX. 83).
  4. Gestürztes Pfahlfeh, lat. varium pali instar deorsum (sc. versum), franz. vair renversé en pal, führen z.B. die Vichi in Bayern (XXXVI, 1342).
  5. Gegenfeh (IX. 80), gegeneinandergesetzte Eisenhütlein, lat. varium contrarium oder ex adverso positum, franz. contre-vair, engl. counter-vair, ndd. tegenvair, wenn die blauen Hüte und folglich auch die silbernen übereinander stehen, aber mit der Grundlinie aneinandergestoßen sind. (Vergl, über die praktische Unmöglichkeit dieser Zusammenstellung oben S. 41,) Solches führen: Plessis, Frankreich, – Ebenso eine Bordur von Gegenfeh um einen roten Schild, worin ein goldener Schrägbalken: la Fayette, Frank reich, – Gegenfeh von Rot und Silber: Scepaux, Frankreich (IX. 82), von Blau und Gold (nach Palliot als Kleinfeh): Hammes in Flandern.
  6. Buntfeh, auch verschobenes Feh, durchschnittene Eisenhütlein, lat. varium pali instar alternis tincturis, franz. vair-en-pointe, engl. verry, ndd. bonvair (IX. 74), wenn in einer Reihe die blauen Hüte aufrecht, in der andern abwärts und gegen einander verschoben erscheinen. Auch diese Zusammenstellung ist praktisch unmöglich, v. Hohenlohe bringt übrigens S. 49 die Abbildung eines pappenheim’schen Schildes ex sigillo vom J. 1318, dessen obere Hälfte genau wie Buntfeh aussieht. In der Züricher-Rolle ist ein unbekanntes Wappen Nr. 470 (IX 85), welches in Rot einen Schrägbalken von Buntfeh zeigt.
  7. Feh in verwechselten Farben gespalten (x, 82, praktisch auch nicht herzustellen.

Dies sind gewöhnlich vorkommende Arten von Feh. Die Herolde haben aber auf dem Papier noch allerlei wunderliche Einfälle gehabt, zu denen namentlich dasjenige Pelzwerk gehört, welches die Engländer verrey- nennen und auch wohl selbst erfunden haben. Dies Pelzwerk (IX. 89) hat die Form des Feh, zeichnet sich aber dadurch aus, dass es alle sechs heraldischen Farben abwechselnd wiedergibt. Ich glaube kaum, dass ein Wappen mit derartigem verrey wirklich existiere.

Ich komme nun zum dritten und letzten Pelzwerke, das in der Heraldik Anwendung gefunden hat, zu dem Fehwammen oder Futter. Fehwammen ist, wie schon bemerkt, der untere Teil des Fehbalges. Er ist weiß mit brauner Einfassung und nur halb so breit als der Fehrücken, daher er, um eine Zeichnung oder ein Muster darzustellen, zu je zweien zusammengestoßen wird; mehrere derartige Doppelfelle aneinander gereiht, geben ein Pelzwerk, das wolken- oder schuppenartig mit brauner Einfassung und einem senkrechten braunen Streifen in der Mitte der Schuppen sich darstellt. Da dies Pelzwerk in der Regel zu Rock- oder Mantelfutter verwendet wird, so hat es wie im Leben, so auch in der Heraldik diesen letzten Namen häufig ausschließlich erhalten. Die v. Bettwingen in der Schweiz führen gespalten von Fehwammen oder Futter und Rot (IX. 67), die v. Jarstorff. Bayern, führten: geviertet von Futter und Rot. Die Stadt Bregenz erhielt durch Wappenbrief vom 24. Februar 1529 das Wappen der alten Grafen von Bregenz: „ain schildt wie ain fechwambleinkürschen geformiert vnd darinnen ein weisse strassen, darauf nacheinander über sich stehend drew schwarße hermlein Schwentzlin“. In der Züricher-Rolle ist das Wappen der Grafen v. B. wie hier IX. 65 und das Fehwammen ist mit Blau (statt mit Braun) begrenzt.

Obwohl nun im Leben die drei Arten der Pelzwerke: Hermelin, Feh und Futter von entschieden ungleichem Werte sind, so hat dies doch ganz und gar keinen Einfluss auf ihren Gebrauch in der Heraldik, sowie auch keine der einfachen Farben höher im Werte steht, als die andere, und kein Pelzwerk höher, als irgend eine Farbe. Es ist dieser Umstand, wenn auch an sich klar, dennoch gar häufig, wenn auch nur von Heraldikern sentimentaler Naturanlage, vergessen worden. Die echte Heraldik hat aber immer dem Satze gehuldigt: Es ist keine Farbe oder kein Metall und Pelzwerk in der Heraldik höher zu achten, als die andere. Ebenso wenig haben die Farben in der Heraldik eine bestimmte Bedeutung, obwohl gerade in dieser Beziehung seit mehreren Jahrhunderten und in fast allen Ländern die Heraldiker aller Art unnütze Dinge erdacht und nachgeschrieben haben. Eine bestimmte Bedeutung und konsequent eine Bevorzugung der einen Farbe gegen die andere konnte schon deshalb nie angenommen werden, weil die Farben ein notwendiges Mittel waren, gleiche Figuren und Wappen zu sondern, und Jeder sich gewehrt und gehütet haben wurde, eine weniger noble Farbe annehmen und führen zu sollen. Überdies grenzt die Prädikatserteilung für Figuren und Farben, wie sie in den neuen Heraldiken den Wappen und ihren Trägern beigelegt werden, an das Peinliche in Bezug der Angst, Niemanden wehe tun zu wollen.

Dieselbe Manie ist übrigens nicht bloß in Deutschland, sondern auch in Frankreich England usw. eine Zeit lang im Schwung gewesen. Sehr zu wundern ist- dass schon Prinsault im J. 1416 diese Farbenerklärung hat, Er sagt z.B. vom Rot: gueules en armes signifie deux vertus: vaillance et hardiesse vom Grün: synople en vertu signifie amour, honneur et courtoisie usw. Ich setze ferner aus Lopez de Haro: „Nobiliario genealogico de los Reyes y Titube de España. En Madrid por Luis Sauchez MDCXXII“, die Stelle über das Blau hierher; sie lautet: La segunda color que en regla de armeria tenemos por was noble despues de las colores, como se ha visto, es la azul, que representa al cielo y al aire. Despues del fuego es et was noble de los quatro elementos, porquen en si mismo es el was futil y penetratino y habil y ayuda a resistir a las infiuentins, sin las quales ninguna criatura puede papar.

Es existiert auch eine eigene Kupfertafel mit Schilden und Farbenangabe von dem altdorfer Maler Jakob Johann Deuter 1765 mit dem Titel: „Philosophische Explication der Farben zur Historien und Heraldic nach der Ordnung des Firmaments“, worin eine Auswal von derartigen Farben=Eigenschaften zu finden ist, z.B. Merkurius, sein Zeichen Y, Blau und Rot wird violbraun, Violet zu Schwartz: Große Klag, Violet zu Blau: getreue und glückliche Diener, Violet zu Rot: einen Weltmann, Violet zu Gelb: Klugheit, Violet zu Grün: Giftige Zungen, Violet zu Weiß: Freude. Dieser Planet regiert das 1767 Jahr, Regiert Ufiria usw.

Eine in zweiter Reihe stehende allgemeine Aufbesserung oder Erhöhung der Farben in den Schilden finden wir in der sogenannten Damaszierung. Es ist dies eine schon in den ältesten Zeiten der Heraldik vorkommende Sitte, leere Felder, namentlich größere Flächen mit Verzierungen oder Linien auszufüllen, um dadurch die Eintönigkeit derselben zu unterbrechen und zu mildern.

Damast bezeichnet zunächst das gewässerte Muster der Stahlklingen, welche zu Damaskus gefertigt wurden. Dies Muster, welches sich bekanntlich durch das Zusammenschweißen von seinen Drähten ergab, wurde auch in andern Stoffen durch die Weberei nachgeahmt, und die Franzosen nennen es in diesem Falle moiré. Der Charakter der heraldischen Ausfüllungsformen ist aber sehr verschieden von dem des eigentlichen Damastes und schlägt mehr in die Gattung der Ornamentik. Diese heraldische Damaszierung, welche die Franzosen diapré, die Engländer diapered(buntfarbig, geblümt, gemodelt) nennen, zeigt sich sowohl in der Art von Gittern mit oder ohne Muster innerhalb der Vierecke oder Rauten, als in der von geschwungenen Linien mit blätter- und blumenartigen Enden. Sehr häufig gleichen diese Ausfüllungen den Stoffmustern ihrer Zeit und man findet in der Tat noch in den Damaszierungen der Wappen des vorigen Jahrhunderts die Zeichen und den Charakter der damals üblichen schwerdamastnen geblümten Stoffe wieder.

Ich gebe hier X. 90-94 mehrere derartige heraldische Damaszierungen mit den betreffenden Jahreszahlen.

Bei gemalten Wappen pflegt man diese Muster mit einer abstechenden Farbe auf die Grundfarbe zu setzen, entweder mit hellerer oder dunklerer, insbesondere pflegt man Metalle mit Farben und umgekehrt zu damaszieren, z.B. Gold und Silber mit Rot, Schwarz oder Blau, Schwarz mit Gold oder Silber, Rot oder Grün mit Gold usw.

Neben dieser Bestimmung, leere Flächen auszufüllen, hatte die Damaszierung auch noch den Zweck, den Unterschied von Farbe und Metall in den Schilden anzugeben. So wenig sich bei Betrachtung der alten Siegel, Denkmäler etc. diese Absicht des Siegelstechers oder Künstlers verkennen lässt, so wenig können wir doch auf eine bestimmte Farbenbezeichnung schließen, denn die Muster, welche zu diesem Zwecke in Siegeln angewendet wurden, waren rein willkürlich, und was dem einen als Bezeichnung von Metall galt (von den einzelnen Metallen und Farben selbst gar nicht zu sprechen!), das wendete der andere an, um eine Farbe anzudeuten. Es ist daher ganz unhaltbar, zu behaupten, wie dies schon geschehen ist, es bedeute ein damasziertes Feld immer Metall, ein nicht damasziertes Farbe.

Zum Beweise, wie willkürlich man in dieser Beziehung verfuhr, setze ich hier zwei Schilde bei. Der erste (X. 95) ist von einem Siegel mit der Umschrift: … VGONIS DE RVHENST… aus dem J. 1326. Die v. Ruhenstein führten von Gold, Schwarz und Silber geteilt. Für jede Farbe und jedes Metall ist hier ein anderes Muster der Ausfüllung gewählt, und so frei, dass man vermuten konnte, das untere Feld sollte förmliche Figuren, Pfäle und Kugeln enthalten, was aber nicht der Fall war. Der zweite Schild (X. 96) ist von einem Siegel aus dem J. 1343 mit der Umschrift: S. WANI. (Waerneri), D. (de) WOLE. RCOR. (rectoria) ECCE. (ecclesiae) I. (in) EGGE. Diese v. Wolen führten in Silber unter rotem Haupt eine schwarze Spitze. Während bei dem vorigen Siegel Farbe und Metall damasziert ist, zeigt sich hier das metallene Feld ledig, aber die beiden Farben durch die Damaszierung selbst unterschieden.

Ich könnte in dieser Art noch viele Beispiele aus Originalsiegeln beibringen, es dürften die gegebenen aber genügen, zu beweisen, dass man allerdings schon sehr frühzeitig eine Unterscheidung der Farben in (nichtgemalten) Wappen im Auge gehabt, dabei aber gänzlich ohne System verfahren sei. Ein allgemeines System konnte sich erst dann bilden, als die Notwendigkeit bestimmter Farbenbezeichnung in Folge der Anlage und Herausgabe großer Wappensammlungen durch den Druck sich unabweisbar geltend machte. Das Malen oder „Ausstreichen mit Farben“, wie dies in den Zeiten vor Erfindung der Buchdrucker- und Kupferstecherkunst üblich war, konnte bei der großen Vervielfältigung der gedruckten Wappen nicht mehr statthaben, weil eben dadurch der Zweck der Verbreitung vereitelt oder mindestens gehemmt worden wäre. Das Beschreiben der Wappen in einem beigegebenen Texte hatte seine guten Vorteile, wenn ein guter Heraldiker dazu verwendet wurde, war aber immerhin kostspielig und für die Benutzung umständlich. Derlei Wappenbeschreibungen enthalten z.B. das rixner’sche Turnierbuch (1530 ff.) und die erste Auflage des Siebmacher (1605). Man dachte also auf Mittel, die Farben auch bei in Holz oder Kupfer gestochenen schwarzgedruckten Wappen angeben zu können, und die Notwendigkeit war hier wie in allen Fällen die beste Lehrerin. In heraldischen Holzschnitten ließ man schon im 15. und 16. Jahrhundert das Schwarz stehen, d.h. unausgehoben. So im Konstanzer Konzilien- und in Adam Berg’s Wappenbuch, welche beide auch noch in gemalten Exemplaren ausgegeben wurden. Borghini hat in seiner Abhandlung: „dell’ arme delle famiglie Fiorentine“ 1585 in den Holzschnitten die Unterschiede zwischen Metall und Farbe dadurch angedeutet, dass er alles Metall weiß (ausgehoben), dagegen die Farben schraffiert, und zwar alle in derselben Richtung (die wir jetzt mit Grün bezeichnen) gibt. Dazu stehen in den Feldern und Figuren aber noch die Anfangsbuchstaben der betreffenden Farben, und zwar R. (rosso, rot), A. (azzure, blau), N. (nigro, schwarz), G. (giallo, strohfarbig, gold) und B. (biancho, weiß, silber). Bei Kupferstichen aus jener Zeit findet man Schraffierungen in den verschiedensten Richtungen kreuz und quer, allerdings mit dem klaren Zweck, die Farben abzuscheiden, aber doch ohne Plan und Konsequenz, Siebmacher bezeichnete bereits in der zweiten Auflage des ersten Bandes die Farben durch beigesetzte Buchstaben, und zwar Gold mit g, Silber mit w, Rot mit r, Blau mit b oder bl, Schwarz mit s und Grün mit einem gezeichneten Lindenblatte. Eine andere Farbenbezeichnung, welche man auch zuweilen findet, wurde mittelst der Planetenzeichen gepflogen, und man markierte Gold mit (Sonne), Silber mit (Mond), Rot mit (Mars), Blau mit (Jupiter), Schwarz mit (Saturn), Grün mit (Venus) und Purpur mit (Merkur). Im Jahre 1623 hat Jakob Francquart in seiner: Pompa funebria Alberti austriaci (Bruxellae a. cit.) zuerst planmäßige Bezeichnungen der heraldischen Farben durch Striche nach bestimmter Lage und durch Punkte angewendet, seine Schraffierungen haben jedoch keine allgemeine Annahme gefunden.

Nach ihm hat der Jesuit Silvester a Petra Sankta in seine „Tesserae gentilitiae“, Rom 1638, diejenige Art Schraffierung angewendet, welche bald darauf überall angenommen und noch heutzutage üblich ist.

Nach dieser Farbenbezeichnung (X. 97) wird Rot mit senkrechten, Blau mit waagerechten, Schwarz mit gekreuzten Strichen bezeichnet. Für Grün hat man Schräglinien, welche vom vorderen Obereck zum hinteren Untereck gehen, für Purpur ebensolche Schräglinien, doch gerade entgegengesetzt dem Grün, nämlich vom hinteren Obereck zum vorderen Untereck. Gold bezeichnet man durch Besäung mit Punkten, Silber durch Leerlassung des Platzes.

Von den, gelinde gesagt überflüssigen, Erfindungen neuerer deutscher Heraldiker in Bezug auf Vervollkommnung des heraldischen Farbensystems durch die Hinzufügung von Fleischfarbe, Naturfarbe, Orange, Blutrot, Braun, Feuerfarbe, Wasserfarbe, Eisenfarbe und Erdfarbe habe ich schon oben Erwähnung getan. Rietstap in seinem „Handboek der Wapenkunde“, S. 89, macht uns darüber ein Kompliment, indem er sagt: doch de Duitschers, die van alle natiën de buitensporigste en onregelmatigste heraldiek bezitten, bezigen bovendien nog eenige andere tinten als: de Vuurkleur, de Staal- en Waterkleur etc. Die Bezeichnung dieser Farben, soweit sie erfunden worden, siehe Tafel X. 101. Hier wäre für einen sinnigen Deutschen noch Raum für einige weitere Erfindungen.

In der Blasonierung der Wappen schreibt man entweder den Namen der Farben ausführlich, z.B.: in rotem Felde ein goldener Löwe, oder: in Rot ein goldener Löwe, oder man gebraucht Abkürzungen und Zeichen. Als solche habe ich im Texte meines Wappenbuches R. und r. für Rot, B. und b. für Blau, G. und gr. für Grün, Pp. und pp. für Purpur, und das Zeichen # für Schwarz eingeführt. Silber bezeichne ich mit S. und s. und Gold mit G. und g. die fragliche Aschfarbe mit a. Diese von mir eingeführten Abkürzungen haben ziemlich allgemeine Annahme gefunden, und ich bemerke hierzu nur, dass, da ich von dem heraldischen Grundsatze ausgehe, es seien nicht Weiß und Gelb, weil nur aushilfsweise angewendet, sondern die Metalle selbst, Gold und Silber, zu nennen, ich genötigt war, um Irrungen in Beziehung von S., welches bei Siebmacher Schwarz bedeutet, und S., welches bei mir regelrecht Silber bedeutet, für Schwarz ein besonderes leicht zu imitierendes und anwendbares Zeichen # zu wählen.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.