OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

X. Die Helmkleinode.

Kleinod oder Helmzierde,lat. apex, franz. cimier oder timbre, ital. cimiero, engl. Crest, ndd. helmteeken, ist ein körperlicher Schmuck, welcher auf dem Helme des Edelmanns in der Zeit der lebendigen Heraldik wirklich befestigt war und zugleich mit diesem getragen wurde . Heutzutage verstehen wir unter Kleinod in der Heraldik eine aus dem Wappenhelme hervorkommende Figur, welche mit den Bildern und Farben des Wappenschildes in Beziehung steht oder nicht. – Dass die Kleinode mit dem Helme verbunden sein mussten und rsp. waren, bemerke ich besonders deshalb, weil man heutzutage nicht selten Abbildungen von Wappen trifft, bei denen die Kleinode frei über dem Helme schweben. Fliegende Kleinode hat es nie gegeben, und konnte es begreiflicherweise auch nie geben. Was aber in praxi unmöglich, wird dadurch, dass man es auf dem Papier oder Pergamente malt, nicht möglich .

Dass Kleinode wirklich, d.h. in natura, auf den wirklichen Helmen getragen worden seien, dafür sprechen Wahrnehmungen verschiedener Art.

Zuerst finden wir in den Zeiten, da überhaupt Helme mit Kleinoden vorkommen , derartige Zierden in Reitersiegeln in unzähligen Beispielen. Es wird Niemanden beifallen, zu behaupten, dass die Figur eines solchen Reiters nicht den Inhaber des Siegels vorstellen solle, und zugleich ist aus dem Zusammenhalt mit sonstigen Denkmälern und Abbildungen, sowie aus der Haltung der Reiter selbst ersichtlich, dass er in dem Augenblicke dargestellt sein wollte und dargestellt worden sei, wo er kampfgerüstet mit voller Wehr, mit allen ritterlichen Auszeichnungen in den Streit zog. Auch auf Grabsteinen ließ man die Verstorbenen in vollem Waffenschmuck getreulich abbilden, ja es findet sich sogar im hiesigen Nationalmuseum in einer Bilderhandschrift aus dem 15. Jahrhunderte eine Abbildung, wie der Künstler die Umrisse eines Grabdenkmals entwirft, während der Leichnam im Waffenschmuck in originali neben ihm liegt.

Es ließe sich demnach nicht abnehmen, warum bei derartigen Darstellungen zwar die wirkliche Rüstung und Wehre, die wirkliche Fahne, Pferdedecke etc., nicht aber auch der wirkliche Helm sollte wiedergegeben, beziehungsweise warum gerade in letzterer Beziehung eine Ausnahme gemacht und nur ein scheinbarer Helm, eine ideale Kopfbedeckung sollte angebracht worden sein.

Wir wissen ferner aus den Turnierordnungen, dass bei der Helmschau wirkliche Helme mit Kleinoden aufgetragen worden seien und dass im Schwert- und Kolbenturnier mit diesen Helmen und um diese Kleinode gestritten wurde. Einen Beweis dafür gibt u.a. das Schreiben des Marschalken v. Oberndorff an Rappold Rosenhardt von 1399 bei Eichhorn, Rechtsgeschichte, § 337. Rosenhardt wollte nämlich die Turnierfähigkeit für sich und sein Geschlecht in Anspruch nehmen und der Marschalk schrieb ihm hierauf u.a.: „Und bin zu Zell gewesen zu einem Turney und hon den Brief den du mir gesendet hanst tragen für Herrn Ritter und Knecht und han an den (von diesen) erfahren, dass dein Helm noch keines Rosenhardts Helm an keinem teil (niemals) zu dem Turney nie komen ist in diesen Landen und kundt an den rittern und knechten die dazumal den Brief hörttend nit erfahren wie du gewapnet warest in Schilt oder uf Helm.“

Im heilbronner Turnier (1485) wird das Helmkleinod sogar als notwendiges Erkennungszeichen des Turnierenden in den Schranken erklärt und darüber festgesetzt: „Item welcher der in die schrancken des Thurnirs kömpt un sein Cleinot abthut, sich nit will erkennen lassen, oder dem man (es) abgebrochen, mit dem mag man es halten un schlagen wie vo alter Herkommen ist“ .

Selbst in den bloßen Übungsturnieren an Fürstenhöfen und in Städten, auch in den sogenannten Fastnachtsspielen trug man Kleinode auf den Stechhelmen, mitunter spaßhafter Natur, wie wir z.B. aus dem vortrefflichen Turnierbuch Herzog Wilhelm’s IV aus den Jahren 1510-45 mancherlei derartige Kleinode finden, wie Kochlöffel, Birnen, Semmeln, Vogelnester, Schalksnarren etc.

Cibrario hat uns in seiner Abhandlung über die Siegel des Hauses Savoien verschiedene urkundliche Notizen über die Kleinode savoischer Fürsten aufbewahrt, z.B. aus den Jahren 1356 und 1374, 1380 (l.c. S.43 ff.). Darin heißt es unter den Ausgaben, die für das Rüstzeug des Grafen Amadeus gemacht worden sind: „Item unam crestam pro ponendo supra bacignetum que est de argento deaurats una cum tresdecim imbochatis plumarum supra“ und „item pro uno capite leonis et duabua alio argenti dorati seminatis Cordibus positis supra unum ex bacignetis domini.“

Hieraus ist zur Gewissheit ersichtlich, dass man Kleinode auf den wirklichen Streithelmen trug, und dass sie der Graf von Savoien aus vergoldetem Silber gefertigt hatte. Von einem Edelmann Heimon von Challaut, welcher am 28. Juni 1356 mit dem Grafen von Savoien zu Chambery stach, ist gleichfalls (S. 63) aufgezeichnet, dass das Kleinod bemalt war. – Wie hier von Italien, so bin ich im Stande, auch von England einen urkundlichen Nachweis zu liefern, dass man dort auf den Streithelmen wirkliche Kleinode trug. In dem Testament des „schwarzen Prinzen“ vom J. 1376 (s.u.S. 159) bestimmt dieser u.a. wörtlich über sein Grabdenkmal: „aud an effigy of our Selves fully armed of war with Our arms quartered, with one crest of the leopard (on the helmet) put under the head of the effigy.“ Der Prinz wollte sein Bild, in derselben Art in Stein gehauen wissen, wie er selbst in voller Wehr zum Kampfe gerüstet war, seinen gevierteten Schild am Arme und den Helm mit dem Kleinod des Löwen unter dem Haupte. Letztere Sitte war bekanntlich auch in Deutschland auf Grabsteinen jener Zeit in Gebrauch und möglicherweise hat man vielleicht auch die Toten selbst in dieser Lage und Ausrüstung begraben.

Die Beschreibung eines wirklichen deutschen Kleinodes aus einer Zeit, in welcher es in der Tat vor Augen stand, finden wir in der schon oben erwähnten Vergleichsurkunde des Bischofs von Regensburg zwischen den zwei Linien der Raittenpuecher 1290. Darin (Hund, Stammbuch, II, 264) heißt es: ihre Eltern haben ihr Erbe und Schild voneinander geteilt, „aber ihrer Clainet auff de Helm haben sie beyder seit alweg gleich gefürt vnd gebraucht, Remblich zwo stangen mit Herml vberzogen vnnd oben in jeder Stangen ajn Pusch von schwartzen Hannenfedern, vnd sollich ihr Clainot habn sie auff dem Helm in einer gelben Cron oder in roter vnd weiffer Seiden gewunden wie ain Crantz gefürt vnd gebraucht.“ Wir sehen also, dass das in späteren Abbildungen als „zwei Säulen von Hermelin“ abgebildete, mit schwarzen Federn oben besteckte Kleinod der Raittenpuecher in natura, zwei hölzerne (?) Stangen mit Pelz überzogen waren und dass oben darauf ein Büschel schwarzer Hahnfedern gesteckt, sowie dass der Pausch von roter und weißer Seide gefertigt war.

Auf solche Wahrnehmung hin möchte kaum mehr ein Zweifel über das historische Dasein und den Gebrauch wirklicher Helmzierden obwalten können, und es ist in der Tat eine vereinzelte Ansicht, wenn v. Hohenlohe a.a.O. S.51 ff. behauptet, dass man trotz des häufigen Vorkommens von Kleinoden auf Siegeln und Denkmälern dieselben doch „nur bei den Turnieren und auch auf diesen nur ausnahmsweise und eher in späterer Zeit wirklich getragen habe“. Das Argument, auf welches der Verfasser am meisten Gewicht zu legen scheint, ist: „Wäre der Helmschmuck dauerhaft – also von Metall – gefertigt worden, so würde derselbe viel zu schwer gewesen sein; hätte man denselben aber so leicht gemacht, dass er hätte getragen werden können, also z.B. von Leder, so würde er viel zu gebrechlich gewesen sein etc.“ Hiergegen lässt sich nur wiederholen, dass faktisch dem Grafen von Savoien ein silberner – also metallner – Helmschmuck nicht zu schwer war, sonst würde er ihn sich wohl von leichtem Stoffe habe machen lassen, und dass überhaupt von einer ewigen Dauer eines in freier Luft getragenen, in Streit und Kampf, an dem hervorragendsten Körperteile des Ritters angebrachten Schmuckes, nie die Rede sein konnte, sonst müssten uns wohl noch ungleich mehr wirkliche Kleinode erhalten worden sein. Es haben sich zwar noch ein paar Helme mit Kleinoden der Hohenlohe-Bruneck und der Speth von Zwifalten in der Kirche zu Greglingen, Württemberg, erhalten (s.v. Hefner-Alteneck, Trachten des Mittelalters), aber diese Beispiele wollen nicht von Allen als richte wirkliche Kleinode geltend gelassen werden.

Das Vorkommen von Helmkleinoden oder Helmen mit heraldischen Kleinoden tritt merklich später, als das der Schilde mit heraldischen Bildern ein, und gleichwie die Wappenschilde beim höheren Adel früher sich finden, als beim niederen, so verhält es sich auch mit den Kleinoden.

Ob dadurch auf ein besonderes Vorrecht des höheren Adels, Helme mit Kleinoden tragen zu dürfen, zu schließen, oder ob bloß die Mode zuerst von Oben gekommen sei, das möchte kaum zu entscheiden sein, Montagu sagt in seinem „Guide“ p.47, die Kleinode scheinen ursprünglich ein Zeichen hoher Würde und eines höheren Rechtes als des bloßen Wappenschildesrechtes (the mere right lo bear arms) gewesen zu sein. Auch bei uns in Deutschland habe ich schon Ansichten von der „hohen Würde der Oberwappen“ (so pflegt man nämlich Helm und Kleinod auch zu nennen) gehört, ich muss aber darauf verzichten, hierin ein bestimmtes Urteil abzugeben, weil nach dem jetzigen Standpunkt unsers heraldischen Wissens in diesem wie in sehr vielen Punkten nur Ansichten, nicht unwiderlegliche Behauptungen aufzustellen sein dürften.

Dass es Kleinode gegeben habe, deren Besitz oder Führung ein besonderes Vorrecht gewährte oder wenigstens eine hohe Ehre und Bevorzugung mit sich brachte, das erhellt aus einigen Beispielen unwiderleglich.

Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg (Zollern) erkaufte am 10. April 1317 „daz Klynod dez praekenhaubts“: d.h. einen Bracken- oder Leitundrumpf von Lutold von Regensberg, schweizerischen Adels, als rechtliches Eigentum um 36 Mark Silber . Dass bei diesem Kaufe irgendwelcher Vorteil für den Käufer inbegriffen war, wird wohl Niemand in Abrede stellen . Von der Zeit an führten die Zollern einen goldenen Brackenrumpf mit rotem Ohr auf ihrem Helm. Die v. Regensberg aber nahmen durch den Verkauf ihres Kleinodes ein anderes, eine Bischofsmütze, an, obwohl ihnen die Fortführung des Brackenrumpfes nicht entzogen worden war. Dies neue Kleinod brachte die Burggrafen aber bald in Mißhelligkeiten mit den Grafen von Oettingen im Ries, welche gleichfalls (urkundlich zuerst um die Mitte des 14. Jahrhunderts) einen solchen Brackenrumpf und zwar in gleichen Farben, wie die Zollern, führten, und wohl mit gleichem Rechte zu führen behaupteten. Woher und warum die Oettingen, welche vor dem gleichfalls ein Schirmbett (XXVI, 1187) führten, das Kleinod des Brackenhauptes sich aneigneten, darüber ist bis jetzt meines Wissens kein urkundlicher Beleg gefunden worden, ich wage nur die Vermutung, dass sie ihn ohne den anderseits schon erfolgten Verkauf zu kennen, gleichfalls von einem Regensberg erworben hatten.

Nun war aber, wie schon erwähnt, dem Burggrafen sehr unlieb, ein solches Kleinod vom andern Geschlechte geführt zu sehen, und es kam daher nach längerem Streiten zu einem Vergleich (vermittelt durch drei Herzoge von Bayern und einen Landgrafen von Leuchtenberg), dass beide Geschlechter das Kleinod des Brackenkopfes fortan ungestört führen sollten) doch mit dem Beding) dass die Grafen von Oettingen auf den (roten) Ohren den (weißen) Schragen, wie sie mit demselben im Schilde gewappnet seien, gleichermaßen und zwar eines Fingers breit anbringen sollten, was denn auch geschehen ist) und von den Oettingen in der neuen Weite fortan geübt wurde.

Aus diesem Streite und Entscheide lässt sich schließen, dass mit dem besagten Kleinode ein Vorrecht irgend welcher Art verbunden war , dass Kleinode mit ihren Rechten verkäuflich waren, dass sie in Folge dessen ebenso viel wert sein mussten als Wappenschilde selbst oder ganze Wappen, welche ja auch abgetreten und verkauft worden sind, ferner dass dies Kleinod wirklich getragen und benützt worden sei, sonst würden nicht nur die beiden Familien darüber streitlos geblieben sein) sondern man würde nicht nötig gehabt haben, sogar das Größenverhältnis des neuen Beizeichens genau zu bestimmen. Mit dem angegebenen „Fingersbreit“ wollte man wohl nur bezwecken, dass dies auch auf die Entfernung sichtbar sein solle. Ich schließe endlich eben aus diesem Maßstabe, dass, wenn der Schragen auf den Ohren eines Fingers Breite hatte, das ganze Kleinod 14-16 Zoll in natura hoch gewesen sein müsse .

Aus England ist ein merkwürdiges Beispiel von Schenkung eines Kleinodes und von dem Unterschiede zwischen erblichen und persönlichen Kleinoden bekannt. Eduard III, führte, bevor er König wurde (1327), als Kleinod einen Adler, später als König den stehenden gekrönten Löwen, das Kleinod aller englischen Könige. Im Anfang seiner Regierung verlieh er nun sein (persönliches) Kleinod des Adlers an Wilhelm von Montagu, Grafen von Salzberg (Salisbury), und damit er „die Ehre dieses Kleinods um so besser aufrecht erhalten könne“, gab er ihm dazu verschiedene Lehen. Der Graf von Salzberg aber verlieh hinwiederum auf den Wunsch des Königs dies Kleinod des Adlers an Lionel, den Sohn desselben, dem er zu Pate gestanden war. Der König nahm dies Geschenk gnädiglich an und beließ dem Grafen die Lehen .

Ein ähnliches Ehrengeschenk machte Pfalzgraf Ruprecht von Bayern, dd. Speier, 1,Dezbr, 1353, seinen Neffen Adolf und Johann Gebrüder Grafen von Nassau, indem er ihnen zu rechtem Lehen für diese und ihre Erben „allewege zwene die eldesten Sone von des vatters stamme, die graven zu Nassowe sin“ (..) „zwei Hornner von irm Wappen von Nassow vf dem Helme zu furen vnd da tuschen eyn guldin Lewen etc.“ verlieh. Dieser (rotgekrönte) sitzende goldene Löwe, wie ihn die Grafen von Nassau seitdem zwischen zwei mit goldenen Schindeln besäten blauen Hörnern sitzend führten, war ein Ehrenkleinod . Zugleich gibt uns vorliegender Fall ein Beispiel von Vereinigung zweier Kleinode auf einem Helm, wie sie in der deutschen Heraldik öfters vorkommt.

Über den Stoff der Kleinode lassen sich aus dem Vorhergehenden nur insoferne Folgerungen ziehen, dass es dem betreffenden Wappenherrn anheimgestellt war, diesen nach Lust und Gutdünken oder je nach vorhandenen Mitteln zu wählen. Ebenso mag ursprünglich die Art der Verbindung zwischen Helm und Kleinod beliebig dem Wappenträger anheimgestellt gewesen sein, denn wir finden z.B., dass Kleinode zur Seite oder oben aus dem Helme ohne Weiteres hervorkommen, während bei andern die Art der Befestigung durch ein darübergezogenes Tuch, welches unmittelbar in die Helmdecken übergeht, verborgen wurde. Etwas später kamen die Wulste, Pausche, Ringe, Kränze, Kissen und die Helmkronen als Mittelglieder zwischen Helm und Kleinod auf.

Wir haben gesehen z.B., dass die Raittenpuecher einen aus rot und weißer Seide gewundenen Pausch oder auch eine gelbe Krone 1294 als Vermittlungsglied auf ihrem Helme führten, und es ist, der besagten Urkunde nach, wenigstens dortmals ein Rang- oder Wertunterschied zwischen beiden Arten von Vermittlungen nicht ersichtlich.

Was die Pausche betrifft, so waren sie in der älteren deutschen Heraldik weniger in Übung als in der späteren, wo man sie namentlich in bürgerlichen Wappenbriefen „als ein gewunden Pausch oder Bund“ oft erteilt und beschrieben findet. Dagegen hat die französische Heraldik diese Art von Vermittlung unter den Namen fermails, fermant, carcans, agrafes mehr als die Kronen angewendet, und diese Ringe waren nicht selten von echtem Gold und Silber und mit Edelsteinen besetzt, je nach den Wappenfarben. So finden wir z.B. im Turnier des Königs Renatus von Lothringen, dass der Sieger Ferdinand von Lothringen als Dank (Preis) erhielt:

Un fermaillet d’or tout marcis,
Semé de diamanta et rubis

Kronen sind noch im 14. Jahrhunderte auf deutschen Helmen selten, wie denn noch in der Züricher Wappenrolle nur zwei gekrönte Helme (Kärnten und Österreich) vorkommen, ob aber vom Uranfang dem gekrönten Helme ein bestimmtes Vorrecht gegen die nichtgekrönten zugestanden war, lässt sich nicht sicher erweisen. Gewiss ist, dass schon im 15. Jahrhunderte die „Besserung“ eines Wappens durch alleinige Hinzugabe einer Krone auf den Helm verwirklicht wurde, z.B. 6, Januar 1439 von K. Albrecht II. am Wappen des Ulrich Schochtel , welche Sitte dann im Laufe der Zeit so ausgeartet ist, dass man sich einen „ungektönten“ adligen Helm gar nicht mehr zu denken vermochte. Mit oder ohne urkundliche Erlaubnis wurden nach und nach alle Helme auf deutschen Wappen gekrönt und zwar nicht selten zum Nachteile des Kleinodes selbst, welches sich in eine Krone gezwängt, oft unangenehm gedrückt, mager oder gestreckt ausnimmt, wie denn z.B. ein paar Hörner, Flügel u.a. schwungvollere Linien zeigen können, wenn sie etwas mehr an den Seiten des Helmes als direkt aus einer Krone oben hervorkommen dürfen (vgl. XXVI. 1180 ff. u. 1189 ff. – XXVII. 1197), oder ein Rumpf, eine wachsende Figur sich besser geformt ausnehmen werden, wenn sie ohne Mittel in die Decken übergehen, als wenn sie durch eine Krone unten abgeschnitten werden (z.B. XXVII. 1207 ff., XXVIII. 1210 u. 1212 ff.).

Die Stellung der Kleinode richtet sich nach der des Helmes, und es kann daher z.B. ein Tierrumpf bei einem vorwärtsgekehrten Helm nach vorne, und ein andermal, wenn der Helm nach rechts oder links gekehrt ist, eben dahin gewendet, von der Seite aus gesehen werden. Die schlechteste Zeit der Heraldik hat (aus Ängstlichkeit vor allenfallsiger Subsumierung von Bastardie, s.u.b.d. Beizeichen, wie die Figuren im Schilde, so auch die Kleinode nach rechts gekehrt, mochte der Schild oder der Helm auch nach vorne oder gar nach links sehen. Dass dies gegen alles Wesen der Heraldik, erhellt dem denkenden Leser von selbst.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen über die Kleinode komme ich zur Aufzählung der am Häufigsten vorkommenden Arten derselben. Die Kleinode lassen sich im Allgemeinen einteilen in Hörner und Flüge, Büsche, Rümpfe, wachsende und ganze Tiere oder Menschen, und in Gegenstände menschlicher Erfindung, als Hüte, Ballen, Köcher, Schirmbretter etc. Die meisten Kleinode dienen neben ihrem Zwecke als Helmschmuck auch noch durch ihre besondere Form oder Bemalung als Mittel, einen geistigen und bildlichen Zusammenhang mit dem dazugehörigen Wappen vor Augen zu stellen. Manche Arten von Kleinoden sind, so möchte man glauben, schon mit dieser Absicht erfunden oder gewählt worden, und diese könnte man füglich Hilfskleinode nennen, z.B. die Köcher, Schirmbretter, Stulphüte u.a. Jedes dieser einzelnen Kleinode wird wieder, je nach der Zeit seines Entstehens, verschiedene Form zeigen und es kann seine Hauptfigur auf mannigfaltige Art geschmückt, verziert und verschönert sein, z.B. durch Bestückung mit Federn, Ballen, Binnen oder Kämmen usw.

Ich nenne als die erste Gruppe der in Deutschland am häufigsten vorkommenden Kleinode:

Die Hörner,

welche paarweise zusammenpassend, so wie sie der Ochse oder Büffel trägt, auf den Helmen erscheinen und zwar in frühesten Zeiten mit natürlichen Enden, i.e. Spitzen „geschlossen“, kürzer und gedrungener (XXVI. 1180,81,82, 85), später allmählich mehr in die Länge gezogen, oben gerade abgeschnitten (1183, 84), zuletzt mit einem schalenförmigen Ansatz, den sogenannten Mundlöchern oder Mündungen an den Enden (1189, 90), XXVI 1180 ist von einem sehr schönen Reitersiegel des Landgrafen Heinrich von Hessen 1289. Die Verzierung dieses als Büffelhörner gekennzeichneten Kleinodes besteht nach der Praxis in späteren hessischen Wappen aus g. Stäbchen, deren jedes drei Lindenblätter trägt. Mir scheint, dass man einfach mit Lindenzweiglein besteckte Hörner vorstellen wollte. Diese Verzierung ist in älteren Wappen und fast alleinig nur bei den Hörnerkleinoden zu finden, wie denn z.B. auch die Hörner am bayerischen Kleinod mit derlei Lindenzweigen oder Blätterstengeln zuweilen befleckt erscheinen. Ähnlich ist das Kleinod 1182 von einem Siegel Friedrichs von Truhendingen aus d.J. 1291. Hier steht zwischen den Kuhhörnern ein Fliegenwedel, rsp. einige Pfauenspiegel, in einem Schafte.

Mehr gebogen und nicht verziert sind die Ochsenhörner auf dem Helme 1181 nach einem Glasgemälde im Dom zu Regensburg c. 1350. Der dazugehörige Schild enthält einen s. Schrägbalken in B. Diese Schildesfigur ist auch auf dem Kleinode durch die in der Schräge angebrachten s. Spangen an den b. Hörnern heraldisch angedeutet , – (1183) ist nach einem Grabstein des Heinrich Ambranger, + 1410, zu Kloster Baumburg und (1184) nach einem solchen des Georg v. Preising, + 1487, bei St. Emmeran in Regensburg. Bei beiden zeigen die Hörner besonders gefällige Konturen und sind oben gerade abgeschnitten. Die Hörner am ambranger Helm sind wie die des preisinger zweifarbig, und während bei letzterem der gekrönte Sittich dazwischen sitzt, sind jene außen verziert und zwar das vordere (r.) Horn mit s. Hahnenfedern, das hintere (s.) mit r. Binnen oder Kamm. – (1185) nach einem nothaft’schen Siegel v.J. 1385. Die Farbe der Hörner und Spangen gibt hier den Wappenschild, welcher in G. einen b. Balken hat, soweit tunlich wieder. Das (s.) Hündlein, das zwischen den Hörnern steht, mag ursprünglich aus Liebhaberei irgend eines Nothaft hinzugekommen sein, vielleicht hat es aber auch amtliche oder genealogische Bedeutung. In späteren Zeiten findet man den Hund als Leitbracken mit Halsband in der Regel sitzend. – (1190) ist von einem ebenstetter’schen Denkmale v.J. 1490 zu Kloster Gars. Dort steht der Ritter geharnischt baarhaupt mit einem Fähnlein (XXXV. 1318) in seinen Wappenbildern in der Hand und der Helm (Salad) mit dem Kleinode zu seinen Füßen. Hier finden wir schon den Ansatz der Mundlöcher bei den r.-s.-übereck geteilten Hörnern; (1189) nach dem Wappen des Pfalzgrafen Hans von Bayern-Sponheim bei Rixner Blatt 10, Zwischen den b.-s.-geweckten Hörnern sitzt ein g. Löwe; r.-gekrönt mit einem Pfauenschweif in der Krone. Das Beispiel gibt eine gelungene Vereinigung dreier Kleinode; die Hörner wegen Bayern der Löwe wegen Pfalz und der Pfauenbusch wegen Sponheim. Die Mundlöcher der Hörner sind hier schon sehr ausgeprägt, aber beide lassen die eigentliche Öffnung nicht erblicken; wie sonst in der Regel üblich. Dass diese Mundlöcher gleichfalls benützt werden, um sie mit Federn, Balken oder andern dergleichen Dingen zu füllen, bestecken oder verzieren, ist eine hinlänglich bekannte Tatsache.

Die zweite Gruppe der Kleinode bilden

Die Flügel und Flüge.

Ihre Form ist mehr oder minder der Natur ähnlich, grenzt aber manchmal so nahe an die eines Schirmbrettes, dass ich nach Betrachtung vieler Beispiele alter und neuer Flug- und Schirmbrettformen der Ansicht geworden bin; diese beiden Arten heraldischer Kleinode seien ursprünglich so nahe verwandt, dass sie sich in manchen Fällen gar nicht mehr auseinanderhalten lassen . Dabei soll aber nicht gesagt sein, dass die ausgeprägte Form beider nicht charakteristisch genug zur Unterscheidung wäre (vgl. XXVI, 1192 u. XXVII, 1198).

Die Flüge und Schirmbretter geben durch ihre größere Fläche noch mehr als die Hörner Gelegenheit, die Schildesbilder zu wiederholen. So führten z.B.

  • die Grafen von Hals in S. einen b. Balken; ihr Kleinod hier (1188) und (1194) nach zwei Siegeln aus den Jahren 1289 und 1290 zeigt einen offenen Flug mit dem Balken belegt.

Ähnlich lässt sich aus den Flug- und Schirmbrettkleinoden der meisten Familien erkennen, wie sie im Schild gewappnet seien; z.B.

  • Luckh, Regensburg: in # drei 3, Lilien. Ihr Kleinod (nach einem Glasgemälde im Dom daselbst um 1350) siehe 1193;
  • Ruestorffer, Bayern: Ihr Schild in # ein s. oberes Ort; ihr Kleinod (XXVII, 1195) nach einem Siegel;
  • Rinkhofer, Bayern: in #: unter s. Haupt ein s. Ring; ihr Kleinod nach einem Grabsteine zu Trostberg (XXVII, 1196).
  • Martin, Wasserburg: in R, auf # Dreiberg ein nackter Knabe; ihr Kleinod: 1198;
  • Aspermont, Rheinland: in R. ein s. Kreuz; das Kleinod: 1192.

Wo aber nicht die ganze Schilderei auf dem Kleinode, Flug- oder Schirmbrett wiederholt erscheint; da finden sich doch meistens noch die Schildesfarben oder Teilungen darauf angebracht, z.B.

  • XXVII. 1197 das Kleinod der Wartensteiner, ein b., g,- übereckgeteilter offener Flug, welche den Schild b. und g. geviertet, in 1. und 4. einen halben g. Adler, in 2. und 3. einen # Löwen auf Felsen führten;
  • oder (1200) das Kleinod der Prunner, Bayern, ein Flug r., g. (nach einem Grabsteine in Inderstorff v. J. 1407). Im Schilde ein r. Brunnen in G.

Was die Form der Flüge und Schirmbretter anbetrifft, so wird selbe aus den Tafeln XXVI. und XXVII. zur Genüge ersichtlich. Die Schirmbretter 1185 u. 1187, ersteres ex sigillo duissae Agnetis de Silesia, 1380, wiederholt den Schild in Farben und Teilungen, letzteres, nach einem öttingischen Siegel um 1300, hat keine der Schildesfiguren wiederholt , sondern ist mit Lindenblättern besät und an den Spitzen mit Balken besteckt. In beiden Fällen erscheint das Schirmbrett doppelt, nach Art eines geschlossenen Fluges; die eigentlich bekannte Form dieser Kleinodgattung ist aber entweder rund oder sechseckig, an den Spitzen meistens mit Kugeln und Federn verziert (1192). Auch die Schwingen der Flüge erscheinen oft mit Lindenblättern an den Spitzen (1200) verziert, zuweilen enden auch die seinen Fäden zwischen den Schwingen mit solchen Blättern, wie z.B. beim niederbayerischen Flugkleinod.

Die dritte Gruppe der Kleinode sind:

die Federn und Federbüsche.

Unter diesen sind Pfauen und Hahnfederbüsche wohl die ältesten, Straußenbüsche aber die jüngsten; die Federnkleinode kommen selten ohne alle Verbindung aus dem Helm (wie 1199 nach einem savoischen Siegel), am häufigsten sind Kronen als Vermittlungsglieder und es nehmen sich in der Tat auch nur in dieser Art die Büsche wirklich schön aus.

  • Ein allbekanntes Kleinod dieser Gattung ist das österreichische mit dem Pfauenbusch (1201).
  • Die Freiberg führen einen weißen Federbusch, ursprünglich nach Siegeln und in der Züricher-Rolle gänsefederartig, gerade, später und schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts mit ausgeprägten Straußfedern) d.h. oben übergeschlagen (1202).
  • Bei 1203, nach einem holzhauser’schen Grabsteine zu Frankfurt kommt der # Hahnfederbusch zwischen zwei s. Rosen hervor. Die Holzhauser führten in # drei s. Rosen.

Hahnfederbüsche sind zuweilen missverstanden, in späteren Zeiten als Gras oder Schilf wiedergegeben worden, z.B.

  • bei den Beyssel von Gimnich, wo die Ente auf dem Helm jetzt vor gr. Schilf, statt vor # Hahnfederbusch steht (s. m. Wappenwerk: Pr. Adel).

Zuweilen sind die Federn in einem Schaft oder Köcher, wie bei XXIX. 1232 ff. und überhaupt dienen Federn und Pfauenspiegel als erwünschtes Mittel, um damit alle Arten Kleinode zu bestecken und zu verschönern, z.B. a.a.O. 1227 die Hirschstangen, 1228 den Mond, 1229 die Sichel, 1230 den Hut, 1233 das Hüfthorn, 1235 die Scheuer, 1236 die Lilie, 1237 die Kugel und 1239 den gekrönten Ring. Auch auf Tafel XXVIII. finden sich noch Beispiele der Art: 1210,1213,19,23 und in praxi überhaupt unzählige.

Die vierte Gruppe von Kleinoden bilden:

Die Hüte.

Wir haben im Allgemeinen zweierlei Hüte; hohe (XXIX 1230, dann auf mehreren Rumpfkleinoden XXVII, u. XXVIII.) und niedere (XXIX. 1237), alle ohne Ausnahme aber sind in der alten Heraldik gestülpt, d.h. es zeigt sich unten das Futter des Hutes in einem breiten Umschlag. Erst später hat man angefangen, bei gekrönten Helmen mit Stulphüten an letzteren den Stulp allmählich hinter der Krone zu verstecken und letztlich ganz durch diese zu ersetzen; hierdurch ist die unpassende, in der Zopfzeit häufig vorkommende Blasonierung von hohen Stulphüten als „Säulen“ oder „Pyramiden“ in einer Krone entstanden.

Die Hüte sind gleichfalls sehr geeignet, die Schildesbilder und Farben darauf zu wiederholen und gehören in dieser Beziehung auch zu den Hilfskleinoden, zuweilen dienen sie jedoch bloß als Vermittlungsglied zwischen der eigentlichen Kleinodfigur und dem Helme, z.B. der r.-gestulpte niedere g. Hut auf dem Helme der englischen Könige, zwischen dessen Stulp der Löwe, das eigentliche Kleinod, steht. So scheint bei XXIX. 1237 der #-gestülpte niedere s. Hut nur Vermittlung und die s. Kugel mit den # Federn besteckt, das eigentliche Kleinod. Die g. Lilie, mit welcher der Stulp belegt, ist eine Wiederholung aus dem Schilde des Ritters Johann v. Lorch, von dessen Wappen aus dem J. 1532 das Kleinod genommen ist.

Der hohe Stulphut ist in der Regel an der Spitze mit Federn irgend einer Art besteckt, welche Besteckung entweder, jedoch selten, direkt sich zeigt, oder durch eine Kugel, Krone u. dgl. vermittelt wird. 1230 ist ein s.-gestülpter hoher r. Hut, gekrönt und mit r.,s.,# Federn besteckt, als Kleinod der Höchenkircher von Pürgen, nach einem Grabsteine vom J. 1542 daselbst. – Sehr häufig sind Hüte nicht bloß in den Farben, sondern auch in den Bildern, mit denen sie bemalt erscheinen, eine Wiederholung des Schildes, und zwar ebenso oft in gerader, wie in umgekehrter Ordnung. So z.B. führen die Zoller von Straubing den Schild geteilt von R. und S., unten drei r. Ballen; ihr Kleinod ein s.-gestülptet r. Hut, der Stulp mit den drei Balken belegt; hier ist also die ganze Wappnung auf dem Hute wiedergegeben, und zwar in der gleichen Stellung, dagegen führen z.B. die Brecht von Hochwart: geteilt von R. und G., oben drei g. Wecken nebeneinander; ihr Kleinod: ein r.-gestülpter g. Hut- mit # Federn besteckt, auf dem Stulp die drei g. Wecken. In diesem Falle zeigen sich die Schildesbilder und Farben in verkehrter Ordnung auf dem Kleinode.

Dass die Hüte, sofern sie als wirkliche Kleinode gebraucht wurden, von weichen Stoffen, also etwa von Tuch oder Seide gewesen seien, glaube ich aus vielen gutgearbeiteten heraldischen Denkmalen entnehmen zu können, bei denen der Künstler sogar die schweren oder leichten Falten des Originales auf dem Steine wiedergab, z.B. bei einem eschlbeck’schen Grabstein in Trostberg.

Eine besondere Art von Hüten waren die aus Stroh geflochtenen Badhütchen, die im Mittelalter in Gebrauch standen; deren führte z.B. drei gestürzte nebeneinader auf dem Helm das altbayerische Geschlecht der Stumpf, wie hier (1231) nach einem Grabsteine im Kreuzgange zu Inderstorff.

Eine fünfte Gruppe von Kleinoden findet sich in den

Rümpfen und den wachsenden Bildern von Menschen und Tieren.

Diese Klasse von Helmzierden rechne ich unter die dankbarsten in der Heraldik, teils wegen der Leichtigkeit, mit welcher sich lebende Figuren des Schildes in ihnen als Kleinode wiedergeben lassen, teils wegen der Möglichkeit auf der Oberfläche derselben tote Schildesbilder (Herolds- und Kunstfiguren) zu wiederholen, teils endlich auch wegen der Schönheit ihrer Formen, XXVII 1204 bis XXVIII. 1222 geben verschiedene Beispiele von Rümpfen und wachsenden Bildern. Den letzteren Ausdruck „wachsend“ gebraucht man in der Heraldik von menschlichen und tierischen Figuren, welche bis über die Hälfte des Leibes aus einer bestimmten Begrenzungslinie hervorstehen; kommen sie aus einer Krone- so sagt man auch wohl „hervorbrechend“. Der Unterschied der wachsenden Figuren von den Rümpfen ist der, dass jene immer noch die beiden Vorderfüße, Pranken, Arme, bei Vögeln die Flügel zeigen, während letztere bloß Kopf, Hals und Brust, ohne Arme, Füße oder Flügel bemerken lassen. Dazu bemerke ich noch, dass man in besseren Mustern bei wachsenden vierfüßigen Tieren den Schweif nicht steht und dass beide Arten von Kleinoden am Rücken auch mit Federn, Balken und Binnen verziert erscheinen. Welche der beiden Gattungen älter sei, ist nicht grundsätzlich hinzustellen, in der Regel aber sind Rümpfe älter als wachsende Figuren, und man hat in späteren Zeiten gar oft aus dem Rümpfe in älteren Mustern eine wachsende Figur gemacht. Es finden sich aber ebenso frühe schon Beispiele von wachsenden Bildern in Siegeln und auf Denkmälern und namentlich enthält die Züricher-Rolle deren eine gute Anzahl.

Die auf den Tafeln mitgeteilten Muster sind:

  • 1204 zwei s. Hahnenrümpfe mit r. Waffen aus einem Siegel des Rüdiger Mannesse vom J. 1358.
  • 1205 ein g. Löwenrumpf, gekrönt und mit Pfauenschweif in der Krone, die b. Decke unter dem Haar des Rumpfes hervorkommend, nach dem bemalten Grabsteine des Günther v. Schwarzburg in Frankfurt .
  • 1206 ein r.-gekleideter Mohrenrumpf mit, r., s.-gewundener Kopfbinde und g. Ohrring, Kleinod der Haller nach einem gemalten Denkstein vom J. 1376 in der Nähe des St. Johanniskirchhofes in Nürnberg.
  • 1207 ein nackter weiblicher Rumpf mit g. Zöpfen, r., s. Kopftuch und niederem r. Hut darüber, nach dem Grabsteine der Tutlinger zu Trostberg,
  • 1208 ein g.-gekleideter Mannesrumpf mit # -gestülptem g. Hut, der an der Spitze mit # Hahnfedern besteckt ist, I. Helm des trennbeck’schen Wappens aus dem herzheimer Stammbuch vom J. 1520, (Den Stammschild der Trennbecken s. XXXI 1257.),
  • 1209 ein r.-gekleideter bärtiger Mannsrumpf mit ganz r. Stulphut, der mit b.-s. Feder besteckt ist, nach einem bemalten Denkmale an der Kirche zu Haßfurt vom J. 1455: Kleinod der v. Seinsheim,
  • 1210 tichtl’sches Kleinod: ein s.-gekleideter bärtiger Mannsrumpf mit b.-gestülptem s. Hut, gekrönt und mit b., s. Federn besteckt, nach einem Grabstein zu Tußing vom J. 1532. Zuweilen findet man auf dem Hutstulp des Rumpfes die drei g. Sterne wiederholt, mit denen die Tichtl auf einem b. Schrägbalken in S. gewappnet sind.
  • 1211 ein r.-gewaffneter # Eselsrumpf nach einem Grabsteine der Feurer zu Pfetrach vom J. 1480 im Kloster Seeligenthal.
  • 1212 Kleinod der Pienzenauer, aus einer Krone hervorbrechend (sonst auch ohne Krone geradezu aus den Decken), ein s.-gekleideter Mannesrumpf mit gezacktem # Fürtüchlein vor Mund und Ohren, und einem #-gestülpten, gekrönten, mit # Federn besteckten s. Hut, auf dessen Stulp drei g. Aepfel sich zeigen (nach einem Denkmal zu Aibling).
  • 1213 II. Helm der Trennbecken, Gegenstück zu 1208, ein r. Drachenrumpf, ein g., gekröntes, mit s. Federbüschen bestecktes Joch im Rachen haltend.
  • 1214 ein Bärenrumpf mit Kette um den Hals nach einem der Inschrift nach unkenntlichen Grabstein vom J. 1430 zu Altenbeurn am Inn.
  • 1213 ein wachsender r. Adler mit g. Flügelspangen, nach einem gemalten Grabsteine der Burggrafen von Augsburg, ebenda im Domkreuzgang. Aus diesem Beispiel ist der ursprüngliche Zweck der Spangen auf den Flügeln besonders deutlich zu ersehen; sie dienten, um die aus Leder, Holz etc. gefertigten Kleinode dieser Art, welche wegen ihrer größeren Fläche dem Fangen des Windes und dem Zerreißen mehr als andere Arten von Kleinoden ausgesetzt waren, zu konsolidieren.
  • Ebenso deutlich zeigt sich eine solche Spange auf dem Kleinodadler eines schlesischen Wappens in einem Siegel vom J. 1380, wo dieselbe mondartig geformt von einem Ende des Flügels zum andern und über die Brust gelegt ist (XXXVI. 1350). Merkwürdig ist bei diesem Siegel auch die außergewöhnliche falkenartige Stellung des Adlers auf dem Helme, während derselbe im Schilde regelrecht sich zeigt.
  • 1216 ein wachsender Wolf mit Gugel auf dem Rücken, nach einem Grabsteine vom J. 1485 zu Wasserburg.
  • 1217 ein wachsendes r.-gezäumtes # Ross, ex Sigillo Sallach 1484.
  • 1218 ein gekrönter wachsender # Löwe, nach einem Denkmale eines Truchsess von Höfingen aus dem J. 1494 im Kreuzgang zu Augsburg.
  • 1219 ein wachsender Mann in r.-s.-gestreiftem Rock, und mit ebensolchem Stulphut, der mit s. Federn besteckt ist; in der Rechten schwingt er einen r., s.-gespaltenen Kolben: Kleinod der Kolb v. Warttenberg, nach einem Wappen vom J. 1532.
  • 1220 ein wachsender Bär an einem Apfel tragend, nach dem schon angeführten perenbeck’schen Grabsteine zu Gars.
  • 1221 ein wachsender b.-gekleideter bärtiger Mann mit g.-gestülptem b. Hut, der eine g. Quaste an der Spitze trägt, eine Hellparte über der Schulter haltend, nach dem schönen Grabsteine des Hanns Baumgartner zu Kufstein vom J. 1493.
  • 1222 ein wachsendes r.-gekleidetes, gekröntes Frauenzimmer mit fliegendem g. Haare, einen gr. Kranz haltend, nach einem Wappen der Pernstorffer vom J. 1612.

Seltener als Rümpfe und wachsende Figuren sind:

Ganze Menschen oder Tiere

z.B.

  • 1223 auf r. Kissen (Vermittlungsglied) sitzend eine s. Katze, gekrönt und in der Krone mit s. Federbusch besteckt: Kleinod der Laiminger; vom selben Denkmale wie 1212.
  • Ein Bettler auf dem Helme der Bettler v. Herdern, hier (1224) nach der Konstanzer-Rolle,
  • 1225 ein Knabe in r., s.-gevierteter Kleidung, in der einen Hand ein g. Trompetchen, in der andern einen s. Ballen haltend: Kleinod der Kind, Steiermark, von den Schrot daselbst beerbt.

Noch seltener sind

Köpfe von Menschen oder Tieren;

die ohne Hals oder andere Vermittlung direkt auf dem Helme liegen. So führten z.B.

  • die Woller von Regensburg im r. Schild einen s. Schrägbalken mit drei # Adlern belegt. Auf dem Helm erscheint ein bärtiges Mannshaupt, dessen reiches s. Haupthaar zu beiden Seiten statt der Decken herabwallt (XXIX. 1227).
  • Ich kenne von ähnlicher Art nur noch das Kleinod der Landschaden mit dem gr.-gebarteten gekrönten Mannshaupt und aus neueren Wappen das der (1740 geadelten) Mertz in Bayern, welches ein gekröntes g. Löwenhaupt zeigt, dessen Mähne statt der Decken herabwallt. In unserem vorliegenden Falle sollte das Kleinod vielleicht auf den Namen anspielen, indem das Bart- und Haupthaar des wirklichen Kleinods etwa von Wolle gemacht war. Der Kopf trägt ein s. Geweih, dessen Enden mit # Hahnfedern besteckt sind;
  • eine Linie der Woller führte als Beizeichen auf dem Helm die hintere Hirschstange halb s. halb r. oder s.-r.-geteilt; wie auch hier nach einem Glasgemälde im Regensburger Dom.

Der außer diesen Hauptgruppen noch vorkommenden Arten von Kleinoden sind so viele, dass man sie fast in ebenso viele Abteilungen als Beispiele sondern müsste; der praktische Heraldiker wird bei Anblick – eines derselben alsbald erkennen; ob und inwiefern es mit der Wappnung des Schildes in Beziehung stehe. Ich ziehe es vor, hier nur beispielsweise einige weitere bestimmte Kleinode mitzuteilen:

  • 1228 von einem Grabstein Herrn Wilhelm’s v. Puechperg im Kreuzgang des Domes zu Regensburg. Der g. Mond ist aus dem Schild (in B. drei g. Monde) entnommen und zur Verschönerung an beiden Hörnern mit Pfauenspiegeln besteckt.
  • Ähnlich führen auch die v. Wöllwart in Württemberg ihren roten Mond mit Pfauenspiegeln besteckt, doch auf einem g. Kissen ruhend.
  • So ist auch die Sichel auf dem Helme nach einem streitberg’schen Denkmal ebendaselbst außen mit g. Pfauenspiegeln rundum besteckt (1229); während sie im Schild ohne diese erscheint.
  • Die Eselsohren (1226), s. u. # sind nach einem abensberg’schen Siegel vom J. 1396. Der Schild ist von # u. s. schräggeteilt
  • 1232 zwei mit Hermelin überzogene, mit # Hahnfedern besteckte Schäfte nach einem Wappen der Raittenpuecher (s. oben 119) vom J. 1585.
  • 1233 ein g.-beschlagenes b. Hüfthorn, im Mundloch mit b., g. Federn besteckt: Kleinod der Pelhaimer, Bayern; ihr Schild von G. u. B. schräggeteilt.
  • 1234 ein s., mit # Federn gefüllter Köcher , mit drei # Schafscheren bemalt oder belegt: nach einem Grabstein der Eisenhofer im Kreuzgang zu Inderstorf vom J. 1459. Das alte Kleinod dieses Geschlechtes war ein s. Hut, oben darauf eine # Schere (IV. 26).
  • 1235 das Kleinod der Besserer, nach einem Denkmal vom J. 1460 zu Ulm: zwei #-gekleidete aus einer Krone hervorbrechende Arme halten einen s. Deckelbecher, der oben mit # Federn besteckt ist.
  • 1236 Kleinod der französischen Könige, auch der Herzoge von Burgund: eine sogenannte Doppellilie, jedes Ende mit einem r. Federballen; alias auch Pfauenspiegel, besteckt .
  • 1238 auf #, s. Pausch zwischen zwei in den Mündungen mit s. Lilien besteckten # Hörnern, eine # Lilie; nach einem Wappen des Christof Abele vom J. 1615.
  • 1239 ein r. Kissen; darauf eine g. Krone; aus dieser ein gekrönter s. Ring mit # Federn besteckt, nach einem Denkmale des Wilhelm von Burgau vom J. 1425 zu Altenbeurn.

Wir ersehen aus dem vorhergehenden Abschnitte über Helm und Kleinod, dass dieselben in der alten lebendigen Heraldik eine bedeutende Rolle gespielt haben und dass diese beiden Stücke auch in unserer heutigen Wappenkunst noch immer ein sinnreiches, bildsames und dankbares Erhöhungs- und Unterscheidungsmittel der Wappen selbst bieten. Es wäre daher wohl ein nicht anerkanntes Geschenk, das wir der modernen Richtung gewährten, wollten wir, wie von Seite des Verfassers der Schrift „Ueber das fürstenbergische Wappen“ vorgeschlagen wird, Helm und Kleinod in der neuen Heraldik und ihren Produkten ganz weglassen und an ihrer Stelle nur Rangkronen anwenden – der Historiker wie der Künstler wüßten wohl diesen punischen Tausch nicht zu billigen, abgesehen davon, dass uns ja unter den jetzigen Umständen beide Mittel – Kleinod-Helm und Kronen – zur freien Verfügung stehen.

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