OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Waffen und Gerätschaften

sind gleichfalls eine vorzügliche Quelle der Heraldik.

Vor Allem sind Schilde und Helme- soweit sie wappenmäßig genannt werden können, bester Aufmerksamkeit würdig. Das bayerische Nationalmuseum in München besitzt viele heraldische Schilde, auf denen die Wappen teils wieder in eigenen Schildchen gemalt sind, teils auch die Wappenfiguren in denselben gleich in Feldern stehen. Von heraldischen Helmen kenne ich mehrere Originale, darunter zwei Spangenhelme der Pracht- oder Staatsformen, den einen in Innsbruck – den andern in Augsburg, dann eigentliche Spangenhelme zum Kampf in Augsburg und Wallerstein, ferner habe ich von Stechhelmen eine ganze Sammlung zu Amras bei Innsbruck gesehen. Von Rennhüten oder Saladen, welche auch zuweilen mit Kleinoden (also zu heraldischem Zwecke) gefunden werden, findet sich im bayerischen Museum eine große Auswahl.

Wirkliche Kleinode mögen wohl auch noch existieren; wenn sich solche aber irgendwo finden sollten, dürften sie meiner Ansicht nach sich von den Kleinoden der Totenschilde kaum unterscheiden lassen. Alte Krönllanzen, Schwerter, Pfeile, Armbrüste, Sporen, Sättel usw. geben oft wesentlichen Vorschub für heraldisches Verständnis.

Von Gerätschaften, welche mittelbar zur Aufklärung der Heraldik dienen können, nenne ich alte Werkzeuge, Geschirre, Teller, Doppelscheuern, Schlosser- und Schreinerarbeiten, Möbel, Schmuckgegenstände, Ehrenketten usw., und es dürfte in dieser Beziehung Nichts zu unbedeutend sein, um nicht für heraldische Formen oder unerklärte Figuren Nutzen und Aufhellung zu bringen. Außerdem mögen noch gar manche Dinge dem Forscher gelegentlich unter die Hand geraten, aus denen er für Heraldik etwas Interessantes zu gewinnen wissen wird, und ich mache nur Beispielsweise auf die sogenannten Wasserzeichen in Papieren aufmerksam, von denen mir schon von 1322 in den Stadt-Münchner Kammerrechnungen Beispiele mit dem Stierkopf der Holbein und der Kaiserkrone, aus dem Ende des selben Jahrhunderts auch schon mit dem vollständigen Wappenschilde der Pötschner von München vorgekommen sind. Auch in Frankreich hat man diesen Wasserzeichen neuerlich Aufmerksamkeit geschenkt und wir finden z.B. in der Revue archaeologigue v. J. 1860, S. 152 ff., eine interessante Abhandlung sur filigranes de papier und beziehungsweise über die Wappen der Familie de Coeur v. J. 1462 ff.

Dies also sind die Quellen, aus denen der Heraldiker sein Wissen und Können schöpft. Der Unterschied zwischen der Gatterer’schen und meiner Heraldik gibt sich also auch durch eine andere Auffassung der Gattung und des Wertes der Quellen selbst kund, denn während Gatterer und seine Anhänger überhaupt von einer gewissen Altersgrenze der Quellen, die ihren Wert bedingt, Nichts erwähnen, sehen sie in den Wappen- und Adelsbriefen ihre allererste und wichtigste Fundgrube; und doch sind es gerade diese Urkunden, welche der sorgfältigsten Kritik bedürfen, denn (wie ich schon an einem andern Ort gesagt habe) wenn Alles das unfehlbar richtig wäre, was in Diplomen steht, so könnte man dadurch Alles mittels Diplomen unter großem Insiegel unfehlbar machen. Wenn man alle Irrtümer, die in Adelsbriefen stehen, und also dadurch sanktioniert sein sollten, sammeln wollte, so würde man ein anständiges Buch zusammenbringen. Ich erwähne für den Kenner dieser Dinge nur des hundertmal vorkommenden Falles, wo die Abstammung einer neugeadelten Familie von einer längst abgestorbenen, durch „Erneuerung“ desselben Wappens bestätigt und anerkannt wird, während in der Tat der Name die einzige Verwandtschaft bietet. Wer nun Gelegenheit hat oder sucht – und wer sucht der findet -, derartige Quellen der Heraldik, wie sie oben angedeutet worden sind, zu studieren, der muss notwendig auf die Spur der wahren echten Heraldik kommen. Aus solchen Betrachtungen ergeben sich dem Forscher die Regeln dieser Kunst und Wissenschaft von selbst, denn es herrschen unveränderliche Grundgesetze und nur die Einführung derselben ist verschieden. Ich wiederhole daher, was ich schon im Eingang gesagt, dass ich mein heraldisches Wissen aus solchen Quellen selbstständig und unabhängig von unseren bisherigen heraldischen Lehrbüchern gesucht und gefunden habe. Die beste Probe für die Richtigkeit der von mir aufgestellten heraldischen Regeln wird sich daraus ergeben, dass Jeder, der den Willen und den Eifer dazu hat, sie hundertfach bestätigt und bewahrheitet finden wird.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.