OTvH: Handbuch, erster Teil Theoretische Heraldik (1861)

Der Helm

Der Helm, lat. cassis, gales, franz. heaume, casque, timbre, engl. helmet, ital. elmo, ndd. Helm, als Rüstung des Hauptes ist jünger als der Schild in seinem Gebrauche, so auch ist in der Heraldik sein Vorkommen später als das des Schildes. Wie wir bei den Schilden heraldische und nicht heraldische unterschieden, so müssen wir dies auch bei den Helmen festhalten.

Ein heraldischer Helm hat den Hauptzweck, eine Helmzierde (Kleinod) zu tragen. Helme ohne Kleinode können, selbst wenn die Form derselben sonst mit denen der in der heraldischen Zeit üblichen überein stimmt, nicht wohl zu diesen gerechnet werden. Der Helm ist, wenigstens in der deutschen Heraldik, immer ein wesentlicher Teil eines vollständigen Wappens gewesen, und hat pars pro toto sogar dasselbe allein vertreten, wie wir denn nicht wenige Siegel kennen, welche bloß den Helm mit Kleinod ohne Schild enthalten (vgl. oben S.21 die Urkunde wegen des Törringer Siegels). Ob auch Körperschaften auf ihren Wappenschilden Helme zukommen, das möchte der Natur der Sache nach verneint werden müssen. Wir haben zwar diplommäßige Verleihungen von Wappenhelmen an Städte, z.B. Görlitz, Überlingen, Speyer u.a., allein bei ruhiger Überlegung möchten wir uns fragen: wer sollte dann bei einer Körperschaft diesen Helm in Wirklichkeit getragen haben – etwa der Bürgermeister? Oder war der Helm bloß auf dem Papier oder Pergament, oder endlich haben vielleicht alle Bürger, oder auch bloß die Ratsherren solcher Städte derartige Helme in der Praxis geführt? Mir scheint etwas Widernatürliches oder Nichtnaturgemäßes in der Erteilung und dem Gebrauche von Helmen bei den Wappen von Körperschaften zu liegen, wenn dieser auch zur Tatsache geworden ist.

Von heraldischen Helmen kennen wir zwei Hauptgattungen, die sogenannten „geschlossenen“ galeae clausae, und die „offenen“ galeae apertae. Zu ersteren rechnen wir die Kübelhelme und die Stechhelme, zu letzteren die Spangenhelme und die ganz offenen oder Königshelme, dieselben folgen sich zugleich im Alter ihres Vorkommens nach der angegebenen Ordnung.

Die ältesten heraldischen Helme sind die Kübel- oder Sturzhelme. Sie haben ihren Namen teils von ihrer Form, teils von ihrer Gebrauchsart. Man pflegte diese eigentlichen Streithelme, welche den ganzen Kopf bis zur Schulter gleichmäßig einhüllten, nicht unmittelbar barhaupt zu tragen, sondern man hatte eine kleinere anliegende eiserne Kopfbedeckung, eine Kesselhaube auf dem Kopf, oder auch bloß das gugelartige Panzerhemd übergezogen und über diese Kopfbedeckung stürzte man den eigentlichen Kübelhelm, welcher demgemäß sehr weit sein musste, auf den Schultern frei aufsaß und mittelst einer durchgezogenen Kette am Panzer oder Leibrock befestigt und vor dem Herabfallen geschützt wurde . Die Helme hatten außerdem in der Gegend des Mundes Durchbrechungen in Form von Löchern oder Gittern, um das Atmen des Streitenden zu erleichtern. Bei manchen Abbildungen sind diese Durchbrechungen so weit; dass man sie für einen förmlichen Rost halten möchte, z.B. auf einem Reitersiegel des Wildgrafen Konrad v. J. 1331, aus welchem ich den Helm in doppelter Größe XXXVI. 1348 entnehme.

In Tannenburg, Hessen, wurde ein solcher Kübelhelm in originali ausgegraben . Er ist zwischen 11 und 134 Pariser Zoll hoch und 11“ breit und fast ebenso tief.

Man findet von dieser ältesten Gattung heraldischer Helme eine große Anzahl auf Denkmälern, Gemälden und Siegeln mit verschiedenen Einzelheiten, Abänderungen und Übergängen, und ich habe deren auf den Tafeln XXV bis XXX unter jedesmaliger Angabe der Jahreszahl ihres urkundlichen Vorkommens sechsundzwanzig mitgeteilt. Der Beschauer wird ohne weitere Erklärung sich bei aufmerksamer Betrachtung dieser verschiedenen Muster die Grundformen und Charakteristik der Kübelhelme leicht zu Eigen machen.

Das Material dieser Helme war wohl in der Regel Eisen, wie bei dem Tannenburger; wir finden aber, dass lederne Sturzhelme gleichfalls im Gebrauche waren, wie denn z.B. bei einem Turnier zu Windsor (1278) unter König Eduard II. von England lauter lederne Helme, teilweise versilbert und vergoldet im Gebrauche waren . Ferner gab es auch Helme, deren vordere Hälfte Eisen, die hintere aber Leder oder Holz und mittelst Spangen mit dem Vorderteil verbunden war, wie z.B. der Helm XXV. 1168 von einem Schonstetter’schen Grabstein in Griestätt am Inn beweist. In einem Pergamentkodex der Pariser Bibliothek aus den Zeiten Ludwig des Heiligen finden sich die Sturzhelme der Ritter fast alle purpurn gemalt .

Der nächstälteste heraldische Helm ist der Stechhelm (XXV, 1169, 1174; 1175, XXVII. 1195 ff); welcher sich dadurch auszeichnet, dass er vorne am Augenschlitz in eine mehr oder minder vortretende Spitze getrieben ist, im Gebrauch aber von dem Kübelhelm sich dadurch unterschied, dass der Streitende unter diesem Stechhelm nicht noch eine eiserne Kopfbedeckung; sondern nur eine tuchene Mütze trug, wohl auch gar bloshaupt war.

Der Helm selbst war vorne am Harnisch mit Schnalle und Riemen befestigt (daher an vielen alten Vorstellungen sich am vorderen Halskragen Schnallen [XXIX 1233] zeigen), saß knapp auf den Schultern und die Weite des Halses betrug nichtmehr, als dass man mit dem Kopf unbehindert ein- und ausfahren konnte .

Dass zwischen dem Kübel- und Stechhelm verschiedene Übergangsformen sein mussten und waren, das lässt sich nicht nur der Sache selbst nach begreifen, sondern auch durch Dutzend von Beispielen aus Denkmälern beweisen .

Dadurch, dass man den Augenschlitz der geschlossenen Helme allmählich erweiterte und mit Spangen wieder verwahrte; entstanden die sogenannten offenen oder Spangenhelme (XXV. 1170, 1172 ff.).

Eine Mittelgattung zwischen Stech- und Spangenhelmen, welche beider Vorteile zu vereinen scheinen, war im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts in England gebräuchlich, wie man dergleichen in den Wappen mehrerer Hosenbandordensritter jener Zeit in der Windsorkapelle, z.B. bei Henry Percy, Graf von Nortumberland, + 1489, John Cheyney von Sherland, + 1495, u.a. findet. Hier geht die Spitze des Stechhelms weit vor, der Augenschlitz ist aber mit gewölbten Spangen vergittert (XXXVI 1349). Desgleichen zeigt der Helm (XXX 1245) von dem Wappen des Grafen Heinrich v. Essex, + 1485, eine absonderliche Form. Gegen das Eindringen der Lanzenspitzen konnten diese offenen Helme nicht gebraucht werden, wohl aber konnte man im Schwertkampf damit aushalten, daher auch noch zur Zeit, als diese Spangenhelme längst im Gebrauch waren, zu den eigentlichen Stechen und Rennen immer die geschlossenen oder Stechhelme und die Rennhüte verwendet werden mussten.

Die Salade oder Rennhüte , welche man bei den sogenannten Scharfrennen im 15. und 16. Jahrhundert gebrauchte, waren eine Abart der Stechhelme und derart gerichtet, dass sie ähnlich einem Hute oder einer Mütze aufgesetzt wurden, vorne einen Augenschlitz hatten und auf ein am Brustharnisch fest gemachtes Kienstück (Barthaube) passten. Auch auf diesen Rennhüten hat man wirkliche Kleinode getragen, wie uns z.B. XXVI. 1190 von einem ebenstetter’schen Grabstein zu Gars und XXVIII. 1220 von einem perenpöck’schen Denkmal ebenda beweist.

Die jüngste Gattung wirklicher Streithelme (soferne sie in der Heraldik Anwendung fanden), sind die Burgunderhelme (bourgignons), welche auf der Seite zu öffnen waren und ein Visier zum Aufschlagen hatten. Sie haben sich, wie ich glaube, aus den Saladen herausgebildet. Ich kenne ein merkwürdiges Beispiel eines solchen Burgunders mit Kleinod (wachsender Mann) und Helmdecken auf dem Grabsteine des Peter Paumgartner zu Wasserburg am Inn vom J. 1500. Der Helm selbst ist XXV. 1180* abgebildet.

Aus diesen Burgundern entstanden, wenn sie mit offenem Visiere und gerade vorwärtsgekehrt dargestellt wurden, die späteren sogenannten königlichen Helme (s.u.), welche wir, meistens ganz golden und rotgefüttert, auf den Schilden einiger Fürsten, z.B. der bourbonischen Könige von Frankreich, des Königs von Preußen u.a. erblicken.

Mit der höheren Ausbildung der Turniere kam die Sitte der Helmschau in Gebrauch, d.h. es musste jeder Turnierende seinen Helm mit Kleinod an einem gewissen Orte aufstellen, „zur Schau auf tragen“ und über seine Fähigkeit, zu turnieren, von aufgestellten Richtern (welche aus Damen und Herolden bestanden) aburteilen lassen. Wurde er unwürdig befunden, „so hieß man ihn abtragen,“ d.h. man bedeutete ihn, seinen ausgestellten Helm wegzunehmen und sich für dies Turnier damit nicht mehr sehen zu lassen .

Die so ausgestellten Helme waren, soweit ich Abbildungen davon gesehen habe, nur Spangenhelme und trugen außer ihrem Kleinod noch ein kleines Schildlein mit dem Geschlechtswappen um den Hals gehängt.

Das „Auftragen der Helme“ war überhaupt eine bedeutungsvolle Handlung in alten Zeiten und beziehungsweise die äußerliche Anerkennung gewisser Pflichten, die der Auftragende Demjenigen gegenüber hatte, dem er auftrug. So heißt es z.B. in der Vertragsurkunde, welche die Hauptleute der Gesellschaft „zum Greiffen“ im J. 1435 dem Herzog Albrecht von Bayern ausstellten : „wär ein Sach dass der Herzog selbst zu dem Schimpf (Streit) etwa hinreiten würde, so soll ein jeder von der Gesellschaft seinen Helm zu dem Herzog tragen und sezen in dessen Herberg und auf das Tanzhaus, wann wir (Herzog Albrecht) meinen, dass sie (die Ritter) das billig tun als unsere Landleut’ ihrem Landsfürsten.“ Dass hierunter der wirkliche kennbare Wappenhelm verstanden war, ist wohl kaum anders zu glauben.

Man bediente sich der Spangenhelme beim „Klopset“ (Turnier mit Kolben und Schwertern), und es bildete sich namentlich um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine Abart von Turnier aus, das „Abhauen der Kleinode“, d.h. die zu Fuß oder zu Pferde kämpfenden Ritter bemühten sich) mit Schwertern sich gegenseitig die Helmkleinode zu zerhacken oder herabzuhauen .

Wann die offenen oder Spangenhelme) galeae cristatae, aufgekommen seien) das lässt sich auf einen Zeitraum von 50 Jahren nicht genau bestimmen.

Ich habe nicht versäumt, nach den ältesten Beispielen des Vorkommens solcher Spangenhelme zu suchen und ich gebe hier, was ich in diesem Betreff gefunden habe.

Im J. 1414 führt Kaspar der Torer v. Eurasburg (bayer. Adels) einen Spangenhelm in seinem Siegel. Dies Vorkommen hat den Chorherrn Lusatius von Kloster Beuerberg, der dies Siegel in seinen Anmerkungen zu den beuerbergischen Urkunden beschreibt zu folgender Bemerkung veranlaßt: „Ad hoc documentum observo prima vice occurrere notabilem sigilli sen scuti gentilis Portariorum mutationem — cum enim ab antiquissimis temporibus istud praeter duo cornua arietis nihil complecteretur, hic modo Casparus cristatam cassidem imposuit cui cygnus insidet, quo jure vel privilegio me hactenus latet.“ Es ist diese eine um so schätzenswertere Notiz, als der gelehrte Chorherr, welcher alle Urkunden des Klosters und ihre Siegel genau betrachtete, gerade diese Auffallendheit der besonderen Erwähnung würdig fand.

Zu Landsberg am Lech findet sich der Grabstein mit den Schilden Stadion und Freiberg von Aschau welches einen gekrönten Spangenhelm (XXV. 1172) mit dem freibergischen Kleinod (silberner Federbusch) enthält, und vom Jahre 1419 laut der Inschriften stammt, was dem Charakter der Decken etc. nach wohl als richtig, rsp. gleichzeitig angenommen werden kann .

1435 führt Hans von Knöringen, Landvogt zu Burgau, einen Spangenhelm in seinem Siegel (in meiner Sammlung).

Aus dem Jahre 1438 kenne ich einen Grabstein zu Truchtlaching an der Alz mit dem Wappen des Peter von Truchtlaching welches auf dem Schilde einen Spangenhelm enthält (XXV 1170) .

Vom Jahre 1450 besitze ich ein buebenberg’sches Siegel mit Spangenhelm (s. XXXIII 1261). 1453 hat Hüber (Austria illustrata), Taf. XXVII Nr. 13) ein Siegel Friedrichs von Hohenberg (mit dem Wolf) mit Spangenhelm.

Von dieser Zeit an sind die Spangenhelme auf Denkmälern der Turniergeschlechter nicht mehr selten und hiermit stimmt auch, was der gelehrte Wiguläus Hund in seinem Stammbuche (II. 409) sagt: „Die offn Helm und quartierten Schildt feynd erst bey hundert Jaren ongefährlich) nach dem man 1450 gezelet, auffkommen, zuvor gar wenig gebräuchig gewesen, auch bey den rechten Tur niergeschlechten.“

v. Hoheneck in seinem „Stände von Obderens“, im Vorwort sagt, dass Hr. Jorg von Eckartzau 1478 der erste gewesen sei, welcher einen offenen Helm geführt habe. Dem widerspricht aber das oben angeführte Siegel des v. Hohenberg v. J. 1453, welches aber Herrn v. Hoheneck immerhin unbekannt geblieben sein mag.

Dass der Stechhelm und der Spangenhelm ursprünglich in ihrer Bedeutung und in ihrem Werte sich ganz gleich standen, das geht aus dem Vorhergesagten zur Genüge hervor. Beide waren Schutzwaffen im ritterlichen Streite.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts, als der Gebrauch der Spangenhelme allgemeiner wurde, muss auch der niedere, nicht reichsturniergenossene Adel angefangen haben, sich der Spangenhelme auf seinen Siegeln und Grabsteinen zu bedienen, er zog sich dadurch jedoch Beschwernis von Seite des Turnieradels zu, wie denn die bayerischen Turniergeschlechter sich vor dem Abschiede des Landtages zu München 1506 beim Herzöge u.a. beschwerten :

„Nämlich und zuerst dass sie (die vom niederen Adel) Unsere Zeichen und Turnierhelme aufmahlen und in die Siegel und Grabstein machen.“

„Zum andern, dass sie Uns unsre Söhne und Freunde freventlich dutzen.“

„Zum dritten, dass sie sich des Titels, der Uns zugebührt, in Geschriften unterstehen zu unterziechen, mit samt mehr und andern, damit sie sich Uns vermuten zu vergenossen, das Uns fürder unleidentlich ist usw.“

Die Beschwerde ist unterzeichnet: „wir der mehrere (d.h. mehr geltende, höhere) Adel Euer Gnaden Fürstentumes in Obern- und Niedernbaiern jetzt allhier versammelt.“ Zu den Vertretern desselben zählten, wie aus einer andern Urkunde ebenda S. 350 ff. hervorgeht: Bernhardin von Stauff, Herr von Ehrenfels, Hanns von Closen zu Arnstorff, Jörg von Gumppenberg zu Pöttmeß, Bernhard von Seiboltsstorff zu Seiboltstorff, Ritter, und Wilhelm Raidenpucher zu Stephening. – Die Partei des niederen Adels vertraten in dieser Sache: Kristoph Lung, Sigmund Abenstorffer, Sigmund Puecher, Jakob Bschächl und Sigmund Aichstetter.

Wenn nun auch die Beschwerde des Turnieradels in Betreff des Helmes von unseren Ansichten aus betrachtet eine lis de lana caprina genannt werden müsste, so war sie es doch nach dem Parteistandpunkte und den Ansichten damaliger Zeit nicht, und nur nach diesen können wir sie richtig beurteilen . Man hielt damals den Spangenhelm für höher im Wert als den Stechhelm, und insofern ist auch die feststehende Meinung der späteren Heraldiker zu verteidigen, wenn sie sagen, der Turnierhelm oder der Spangenhelm sei ausschließlich der adelige Helm. Muß man ja doch hundertfältig in Adels- und Wappenbriefen des 16. und der ff. Jahrhunderte ausdrücklich und weitläufig lesen, z.B. dass als Zeichen der Standeserhöhung der Stechhelm eröffnet, d.h. zu einem Spangenhelm gemacht, oder „in einen frei-offen adeligen Turniershelm verändert, verbessert und erhöht“ worden sei .

Von Mitte des 16. Jahrhunderts an also darf man unter der Bezeichnung „adeliger Helm“ oder „offener Helm“ oder „Turnierhelm“ nichts Anderes mehr begreifen als einen Spangenhelm, und von dieser Zeit an war der Adel auch höchst ängstlich darauf besorgt, sein Wappen ja nie anders als mit „Turniershelm“ fertigen zu lassen.

Heutzutage ist man weniger peinlich in diesen Dingen, d.h. man wendet bei adeligen Wappen, wenn sie im Stile bis etwa zu 1450 entworfen und ausgeführt werden, auch Kübel- und Stechhelme an, ohne dadurch sich eines Rechtes zu vergeben und vergeben zu wollen. Dagegen, und nachdem einmal die Sitte um sich gegriffen hat, dass fast jeder Bürgerliche sich eines Wappens bedient, sollte man billig darauf bestehen, und sollten namentlich Graveure, Steinmetzen und Maler sollten es sich zum Grundsatze machen, anerkannt bürgerliche Wappen nur mit geschlossenen oder Stechhelmen zu fertigen.

Es kommen auch offene und geschlossene Helme nebeneinander vor, z.B. im fürstl. hohenlohe’schen Wappen, wo der alte hohenlohe’sche Helm allein als Stechhelm dargestellt ist, während die übrigen Helme Spangenhelme sind.

Die Form der Spangenhelme wechselte natürlich mit dem Verlaufe der Zeit, wie aus den Abbildungen auf Tafel XXV – XXX., welche alle mit den betr. Jahrzahlen versehen sind, hinlänglich abzunehmen ist. Ich bemerke noch, dass nur, 1178 von einem Grabsteine des Wilhelm von Billenpach, + 20. Nov. 1504 zu Kloster Wiltau bei Innsbruck sei, und 1177 das Bruchstück eines derartigen absonderlich geformten Helmes in der fürstl. öttingen’schen Rüstkammer zu Wallerstein darstelle . Ein ähnlicher vollständig erhaltener Helm findet sich in Ambras und ein anderer in dem städtischen Museum zu Augsburg. Die Originalhelme sind alle sehr schwerfällig und ich würde sie kaum für etwas Anderes als Fecht- und Klopfhelme halten können, wenn nicht gerade jener heraldische Kleinodhelm auf dem wiltauer Denkmal so auffallend ähnliche Form und Vergitterung zeigte. – XXV. 1176 ist nach einem vergoldeten, reich damaszierten Originalhelme im Dome zu Augsburg. Dieser Helm, welcher von der Weberzunft daselbst jährlich neben anderen Insignien in feierlicher Prozession herumgetragen wird, stammt aus der Zeit Maximilians II. und wurde auf meine Veranlassung im Jahre 1857 während der Germanistenversammlung in jener Stadt zum erstenmale genauer besichtigt und abgeformt. Der Helm ist an der Seite zu öffnen und das Gitter (Visier) kann noch einmal besonders geöffnet werden. Oben läuft ein wulstiger Grat von vorne nach hinten. Bei den alten Spangenhelmen waren die Spangen fest und unbeweglich mit dem Helme verbunden. An manchen Mustern finden wir sie mit blattförmigen Enden oben und unten an der Helmöffnung angenietet, bei andern wieder scheinen sie aus Einem Stück mit dem Borderteil des Helmes getrieben und die Lichter herausgeschnitten zu sein (1172). Manche haben flache, manche stabartige, andere wieder gewundene (1173) Spangen. Mode und Waffenschmiedsfertigkeit werden darin das Meiste getan haben.

Noch erwähne ich der sogenannten Halskleinode, münzenartiger an g. Ketten um den Hals der Helme hängender Zierden (XXX. 1248), welche man von dem Ende des 15. Jahrhunderts an häufiger und zwar meiner Erfahrung nach zuerst allein bei den Spangenhelmen findet. Ich halte diese Halskleinode für Ehrenzeichen der Turniervögte, welche allmählich auf die Turniergenossen und ihre Geschlechter überhaupt gekommen zu sein scheinen. So viel ist sicher, dass man schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts der Ansicht war, diese Halskleinode gehörten an jeden adeligen Helm , und dass man zu Ende dieses und in den folgenden Jahrhunderten sie sogar schon in bürgerlichen Wappenbriefen durchgehends gemalt und beschrieben findet .

Meiner Ansicht gemäß sollte man mit dieser Zierde etwas sparsamer umgehen und sie nur dem Turnier- oder weitestens nur dem Uradel zugestehen; doch ist der Gegenstand am Ende eines ernsten Streites kaum würdig.

Um noch von der Farbe der Helme zu sprechen, so ist dieselbe bei der Mehrzahl der vorkommenden gemalten und beziehungsweise wirklichen Helme Silber, rsp. poliertes Eisen. Goldene Helme sind in älteren Wappen, außer in der Züricher-Rolle, welche mit Ausnahme eines einzigen lauter g. Helme hat, äusserst selten und nur von Fürsten und hohem Adel geführt, aber schon im 16. Jahrhundert kommen goldene Helme so häufig auch beim niederen Adel vor, dass man einen Schluss auf das Alter und den Rang des Geschlechtes darauf nicht mehr bauen kann . Von purpurnen Helmen habe ich oben S. 109 bereits Erwähnung getan.

Zum Schlusse dieses Abschnittes sollen über Stellung, Zahl und Größenverhältnis der Helme einige Bemerkungen folgen.

Die Stellung des Helmes ist ordentlicherweise am Oberrand des Schildes.

Ist der Schild geneigt, so steht der Helm auf dem erhöhten Oberecke und zwar entweder nach vorne gekehrt oder nach der Richtung, die der gelehnte Schild einnimmt (XXX. 1240 ff.).

Es ist demnach auch begreiflich, dass auf einem geneigten Schilde nicht mehr als ein Helm stehen kann, und umgekehrt, dass man einen Schild, der mehr als einen Helm trägt, verständigerweise nicht neigen könne, weil sonst der eine Helm abgleiten müsste.

Sind zwei Helme auf einem Schilde, so stehen sie ordentlicherweise gegeneinandergekehrt (XXX. 1247, 1249) , und zwar ist der Rechtsstehende Helm in Rang und Zählung der erste, der linksstehende der zweite.

Ausnahmsweise kann man bei Zusammenstellung von zwei Wappen, deren jedes einen oder zwei Helme hat, den Helmen je eines Wappens dieselbe Richtung, d.h. nach dem gegenüberstehenden Wappen geben.

  • Zwei Helme sollten von Rechtswegen nur da angewendet werden, wo im Schilde zweierlei Wappen vereint sind. Dies war auch die erste Ursache, warum man zwei Helme überhaupt auf einen Schild setzte und setzen konnte, denn vernünftigerweise konnte ein Wappenherr nur einen Helm gebrauchen, daher denn auch nicht selten selbst bei Bereinigung von zwei und mehreren Wappen in einem Schild in früheren Zeiten doch nur ein Helm gebraucht wurde, wie dies z.B. bei Braunschweig, Bayern, Nassau in älteren Zeiten geschah. Dabei war es jedoch unbenommen, zwei oder mehrere Kleinode auf einem Helm zusammenzubringen (siehe unten bei den „Kleinoden“. Dagegen ist es ein Missbrauch oder ein Missverständnis, wenn man glaubt, gewisse Adelsklassen müssten sich auch durch die Zahl der Helme auf ihren Schilden kennzeichnen , und ich wiederhole, dass nach alter Wappensitte, jeder so viele Helme zu führen berechtigt sei, als vielerlei verschiedene Wappen (nicht Felder oder Figuren) er in seinem Schilde vereint hat. Es kann daher auch ein einfacher Edelmann, wenn er z.B. durch Erbe oder Kauf zu der Berechtigung gekommen ist, zwei, drei und mehrere Wappen abgestorbener Familien in seinen Schild auf zunehmen, konsequent auch die dazu gehörigen Helme auf den Hauptschild setzen und rsp. möglicherweise auch zehn Helme führen so gut als einen einzigen. Ich werde im II. Teile d.B. praktische Beispiele hiervon geben.
  • Bei drei Helmen steht der mittlere ordentlicherweise gerade nach vorne, die beiden anderen aber gegen ihn gekehrt (XXX. 1250); hat jedoch der mittlere Helm ein Kleinod zu tragen, das nach der Seite gewendet ist, z.B. einen wachsenden Löwen, einen Rumpf etc., so mag man ihm auch eine etwas schräge Stellung geben.
  • Bei drei Helmen kommt im Rang zuerst der mittlere, dann der rechte, dann der linke. Ich bemerke, dass dieser Rang nur beim Entwurf eines Wappens von Bedeutung ist, dagegen bei der Beschreibung der Helme ohne Belang, wie in dem Abschnitt „Blasonierung“ weiter erörtert werden wird.
  • Bei vier Helmen stehen je zwei nebeneinander gestellte gegen die beiden anderen gekehrt, und ist der Rang derselben so, dass zuerst der innere rechts, dann der innere links, hierauf der äußere rechts und zuletzt der äußere links folgt.
  • Bei fünf Helmen steht der mittlere wieder gerade vorwärts und die anderen vier wie bei vier Helmen, auch folgt der Rang genau so, d.h. der mittlere ist der erste, der ihm zur rechten steht der zweite, der zur linken der dritte usf.

Das Größenverhältnis des Helmes zum Schilde lässt sich sowohl aus dem Vergleich von Original, schilden und Helmen als aus zahlreichen alten Denkmäler-n dahin angeben, dass der Helm (ohne Kleinod) ungefähr ebenso hoch sei als der Schild. Dies gilt aber genau genommen nur von einfachen Wappen mit einem Helme.

Bei mehreren Helmen auf einem Schilde nimmt die Größe der ersteren im selben Verhältnisse ab, als die des letzteren zunimmt, so zwar, dass die Höhe der Helme gegen die des Schildes von 3/4 bis 1/7 herabsinken kann. Die Sache erklärt sich dadurch, dass, da für die Anbringung der Helme regelrecht nur der Oberrand des Schildes geeignet, die Breite des Oberrandes aber durch die Höhe des Schildes selbst bedingt ist, die Helme sich nolens volens eben zusammenschmiegen und drücken müssen. Dass dabei die Schönheit nicht befördert wird, ist klar; dennoch aber ist es beim besten Willen nicht immer möglich, alle gewünschten Helme, auch wenn man sie noch so klein hielte, auf diesem Oberrande anzubringen, und müssen daher hie und da die äussersten wohl etwas baumeln , wie dies z.B. bei dem brandenburg-anspach’schen Wappen, das fünfzehn Helme zählte, der Fall war .

Die französische Heraldik und die ihr nachgebildeten leiden in Bezug der Helme wenigstens seit dem 16. Jahrhundert an einer bedeutenden Unsicherheit. In altfranzösischen und altenglischen Wappen findet man Kübel-, Stech- und Spangenhelme wie bei der deutschen Heraldik , in der neueren Zeit aber sind die Helme bei den englischen Wappen ganz außer Gebrauch gekommen. In der französischen Heraldik existieren sie zwar noch, haben aber eine verfehlte Auffassung und Bestimmung erlitten.

Palliot gibt das Kapitel der Helme (nach den damaligen und noch heutzutage geltenden Annahmen) derart:

  1. Kaiser und Könige führen vorwärtsgekehrte, ganz offene goldene Helme „pour montrer qu’ils doivent avoir l’oeil par tout et pour commander sans empéchement“.
  2. Die Prinzen und Souveränen Fürsten führen den Helm wie die Könige, doch etwas weniger offen.
  3. Die nichtSouveränen Prinzen und Fürsten führen silberne Helme mit neun Spangen (grilles).
  4. Die Marquisen: silber mit sieben Spangen.
  5. Die Grafen und Vizegrafen (Viscomtes): nach rechts gekehrt, silber mit stehen Spangen.
  6. Die Freiherren und Altedelleute (Uradel): ebenfalls rechts gekehrt und mit fünf Spangen.
  7. Die Edelleute von acht Schilden (de trois races paternelles et maternelles): von Stahl) rechtswärts gekehrt und mit drei Spangen.
  8. Die Junker (escuyers) und Neugeadelten: Stahlhelm „mit herabgelassenem Visier“ rechtsgekehrt. Endlich
  9. Die Bastarden: wie die Neugeadelten, doch nach links gekehrt.

Ganz ähnliche Regeln über die Rangordnung der Helme gibt Ginanni in seiner Arte del blason p. 76 sqq. und Burke in der Encyclopaedia of heraldry. Auch Rietstap hat in seinem Handboek für die niederdeutsche Heraldik diese moderne Helmtheorie beibehalten, obwohl er die Ansichten, welche ich in diesem Betreff bereits in meinen „Grundsätzen“ niedergelegt habe, nebenbei adoptierte.

Wir ersehen aus Obigem, welchen Zwang sich die außerdeutsche moderne Heraldik in Bezug des Gebrauches der Helme angetan hat, und welch’ möglicher Verwirrung sie sich dadurch preisgibt; denn wenn z.B. nach echter heraldischer Praxis ein Edelmann seinen Helm gemäß der Stellung des Schildes etc. nach links kehren würde , müsste er sich coram publico der Gefahr preisgeben, für einen Bastard gehalten zu werden, oder eine etwas größere Helmöffnung machte aus einem Prinzen einen König.

Die napoleonisch-französische Heraldik, von der ich im II. Bande dieses Werkes ausführlicher handeln werde, hat die Helme gänzlich abgeschafft und an ihre Stelle Barette, toques, mit Straußenfedern gesetzt, welche je nach der Zahl der Federn wieder den Rang des Wappenherrn bestimmen sollen.

In England ist der Gebrauch von Helmen in der Heraldik seit dem vorigen Jahrhundert auch fast gänzlich abgekommen und man pflegt die Kleinode und die ihre Stelle vertretenden Devisen etc. freischwebend oder auf Wulsten über dem Wappenschilde anzubringen. Auch hiervon wird im II. Teile dieses Buches bei dem Abschnitt: „Nationale Charakteristik“ ausführlicher die Rede sein.

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