Der aufheulende Motor des Mercedes.

Hab schon lange nichts mehr geschrieben. Das kommt daher, dass ich nicht nur weniger Zeit als noch vor fünf Jahren, sondern auch etwas das Interesse an der Heraldik verloren habe. Aber das kommt bestimmt wieder 🙂 nur halt zur Zeit mache ich kaum noch Sachen in meiner Freizeit, die zeitintensiv sind, denn ich bin nach dem Arbeitstag viel erschöpfter als damals, vor mehr als 10 Jahren als ich die Heraldik im Netz relancierte.
Ich will aber meinen Netzauftritt weiterhin nutzen, er ist zu schade um nur vor sich hin zu gammeln, also nehme ich mir nun vor, ich schreibe dann eben über andere Dinge die mich beschäftigen.
Was ich nämlich jeden Tag ohnehin machen muss, ist zur Arbeit zu fahren und seit Dezember 2017 fährt mein Bus nicht mehr bis zur Dienststelle und ich muss zweimal umsteigen. Dadurch fing ich aber wieder an, vermehrt Fahrrad im Alltag zu fahren, denn damit bin ich schneller! In Richtung Bergrunter, also vom Kirchberg nach Strassen sogar auf dem schweren Atlanta, mit dem ich im Winter lieber fahre, es ist zuverlässiger als die Vel’Oh!s.
So machte ich die Not zur Tugend, und nahm mein jahrelang brachliegendes Engagement fürs Radfahren im Alltag wieder auf, das bereits 2016 geweckt worden war, als ich das Konzept von Critical Mass eher zufällig entdeckte. Im Sommer 2018 fuhr ich zum ersten Mal in Aachen bei einer mit und bin seither ein echter Fan von Critical Mass! Dazu schreibe ich demnächst mehr, an dieser Stelle sei nur erwähnt, dass ich Mittwoch ein Meeting mit an der Critical Mass Luxemburg Interessierten plane.
Nun haben wir wieder Winterzeit, die Sécurité routière macht, wie die deutschen Verkehrswachten und ähnliche Vereine ihre jährlichen Appelle an Fußgänger und Radfahrer, sich doch bitte schön hell und reflektierend zu kleiden, damit die Kraftfahrer sie besser sehen. Dieses Jahr erstmalig weniger einseitig, der Appel geht auch an die Kraftfahrer besser aufzupassen, dennoch finde ich diese Appelle inzwischen eher nervig, weil sie sonst fast nichts in Petto haben um die Sicherheit der Radfahrer zu heben. Ah doch, gelegentlich fordern sie uns auch noch auf, Helme zu tragen, obwohl das Tragen von Helmen keinen einzigen Unfall verhindert! Nix Vision Zero. Auf jeden führt es dazu, dass viele, sehr sehr viele Autofahrer dann noch stärker auf Radfahrer schimpfen, besonders, wenn sie keine helle Kleidung anhaben. Viele hatten nämlich gehofft, dass der Regen und der Wintereinbruch uns endlich von der Straße runterbrächte. Aber das ist überhaupt nicht der Fall! Angesichts der langen Staus durch die Trambaustelle und das Umstellen des Busverkehrs, stockt nämlich nicht nur der PKW-Verkehr sondern auch der ÖPNV in Luxemburg Stadt, so dass ich kaum eine Alternative zum Fahrrad sehe.
Zwar bin ich nicht überzeugt, dass das Tragen einer Warnweste wirklich die Sicherheit der Radfahrer allgemein erhöht, denn wenn alle eine tragen gewöhnt sich das Autofahrerauge daran und sie geben auf die Bewesteten wieder genauso wenig Acht wie vorher. Es sei daran erinnert, dass fast alle schweren Unfälle in der warmen Jahreszeit bei bestem Tageslicht geschehen. Autofahrer fühlen sich halt von Radfahrern nicht bedroht und achten eher auf Lastwagen und anderes Autos, Radfahrer werden von ihnen schlicht „übersehen“.
Sei es nun, dass ich mich dem Druck der öffentlichen Meinung beugte, oder dachte, es ist besser, wenn ich selber wenigstens auffalle und so vielleicht gesehen werde. Jedenfalls beschloss ich vorige Woche, ich fahre ab sofort mit Warnweste! Das Erlebnis vom letzten Montag, das ich nun schildern will nährte aber eine ganz neue Befürchtung: Macht vielleicht die grelle Kleidung des Radfahrers bestimmte Autofahrer erst aggressiv?
Am Montag den 2. Dezember, als ich gegen 16.30 Richtung Bahnhof wollte, fuhr dann nämlich so ein Mercedesfahrer einige Zeit parallel zu mir. Schon in der Rue Pierre Federspiel machte er sich bemerkbar, indem er den Motor aufheulen ließ. Da bezog ich sein Tun noch nicht auf mich, wenn er befuhr eine ganz andere Spur als ich, weil ich mich hier an das Rechtsfahrgebot hielt und erst kurz vor der Kreuzung mit der Route Arlon die Spur wechselte und dann rechts an den stehenden Autos bis zur Fahrradschleuse vorgefahren bin. Es gibt Autofahrer, die ertragen das auch schon nicht, wenn Radfahrer gemäß Art. 127.2. des Code de la route rechts an ihnen vorbei fahren.
Nachdem ich dann in die Rue des Aubépines eingebogen war, hörte ich ihn mehrmals aufheulen. Hier musste ich leider den Verkehr etwas aufstauen, denn abends ist der Verkehr so dicht, dass ein legales Überholen von Radfahrern nicht möglich ist. Dann bog ich in die Rue Val St. Croix ein in das Wohngebiet ein, durch das ich gerne fahren, weil es da ruhiger ist. Beim Abbiegen hörte ich ihn noch mal, er muss sehr unmutig gewesen sein. Dass er auch ins Wohngebiet einbog, bemerkte ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Dann kam ich an die gleichberechtigte Kreuzung der Rue Marie-Therese Glesener-Hartmann mit dem Boulevard Grand-Duchesse Josephine-Charlotte. Ich hielt an, denn von rechts kamen Autos, die hatten Vorfahr. Die Frau in dem ersten fuhr langsamer und blieb stehen und wir bekamen Augenkontakt, aber leider gab sie mir kein eindeutiges Zeichen, dass sie auch wirklich die Vorfahrt abtrat, etwa ein kurzes mit der Hand winken, oder in dem Falle gerne auch Lichthupe. Nein, sie kuckte mich nur genervt an (im Volksmund sagt man auch noch “sie kuckte mich an wie ein Autobus”) und daher zögerte ich. Ich wusste nämlich nicht, ob sie mir wirklich die Vorfahrt abtreten wollte, oder hatte sie nur Schiss gehabt, ich würde mir die Vorfahrt ohnehin nehmen und daher vorsichtshalber mal angehalten. Schließlich hört man das ja so oft, dass Radfahrer sich ja nie an Regeln halten und fahren wie sie wollen. Vielleicht würde sie ja nun doch fahren.
Während ich noch auf ein Zeichen wartete, oder ob sie nicht doch führe, heulte hinter mir wieder der Motor auf, es war wieder der weiße Mercedes! Ich drehte mich um und diesmal sah ich den Fahrer ganz deutlich: ein etwas dicklicher, untersetzter Mann Mitte 30 Anfang 40 der wild mit den Armen gestikulierte. Ich zeigte ihm auf das vorfahrtsberechtigte Auto um ihm klar zu machen, dass ich nicht stehen geblieben wäre um ihn zu ärgern, da riss er schon das Steuerrad rum, gab Gas und fuhr an mir vorbei, und nahm der Frau, die gerade beschlossen hatte doch zu fahren, die Vorfahrt. Daraufhin lachte ich ihn sichtbar aus und schlug mir dabei auf die Schenkel, worauf hin er beschleunigte! Gut dass es geregnet hatte, sonst hätte er bestimmt noch Gummispuren hinterlassen.
So, die Wochen davor, wo ich noch dunkel gekleidet fuhr geschah nix dergleichen. Muss doch an der Weste hängen oder? Vielleicht kennt ER ja die Critical Mass und weiß, dass das was wir vorhaben, nämlich „Take back the streets“, keine gute Nachricht für die Nur-Autofahrer ist, die jetzt jahrzehntelang die Straße fast für sich alleine hatten.

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